Seid mir nur nicht gar zu traurig

Yann Tiersen: Eté l’après midi

Herbstgedicht

Seid mir nur nicht gar zu traurig,
Daß die schöne Zeit entflieht,
Daß die Welle kühl und schaurig
Uns in ihre Wirbel zieht;

Daß des Herzens süße Regung,
Daß der Liebe Hochgenuß,
Jene himmlische Bewegung,
Sich zur Ruh begeben muß.

Laßt uns lieben, singen, trinken,
Und wir pfeifen auf die Zeit;
Selbst ein leises Augenwinken
Zuckt durch alle Ewigkeit.

(Wilhelm Busch)

Schildergasse

Rechtzeitig zur Weihnachtszeit hat ein großes Kaufhaus einen Sonderverkauf in der Sonderverkaufszone gestartet: Schokolade in allen möglichen Variationen, angeblich zum Schnäppchenpreis. Zur Kaufanimation läuft eine schokoladenfarben gebräunte Schokoladenfachverkäuferin in einem Schokoladenkleid herum und bietet Schokoladenkostproben auf einem Schokolquatsch … Tablett an. Da kann man ihr nur wünschen, daß ihr nicht zu warm wird, sonst steht sie bald im Unterhemd da.

Mediapark

… und „Kölle, do bes e Jeföhl“, das sind so Sprüche, die der Einheimische braucht, …

… um darüber hinwegzusehen, daß Stadtplanung in dieser Stadt mit kaltem Herz und dicker Brieftasche durchgeführt wird.

Der Mediapark ist seit Anfang der 90er Jahre auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs entstanden. Die ursprüngliche Idee war, hier eine Art Mediengewerbezentrum anzusiedeln, und zu Anfang – ich nehme stark an, gepusht durch entsprechende Subventionierung – schien der Plan auch aufzugehen. Inzwischen sind die meisten wieder weg: Der Fernsehsender VOX, „1live“ (der Radiosender, der früher WDR 1 hieß), das Plattenlabel EMI – um die größten zu nennen – sind woanders hingezogen, oder es gibt sie nicht mehr (EMI). Ein paar Institutionen mit öffentlichem Charakter halten sich, etwa die „SK Stiftung Kultur“ mit ihrer bedeutenden photographischen Sammlung und dem „Deutschen Tanzarchiv“.

Wäre ein Gebäude nicht der Cinedom mit seinen 14 Sälen, der viele Kinobesucher auch aus dem Umland anlockt, ich glaube, hier würde sich kaum jemand aufhalten. Früher hat man sich bemüht, den Platz etwas lebendiger zu gestalten, indem man Konzerte veranstaltete, mit Bier- und Bratwurstbuden, und seit ein paar Jahren findet hier auch die Bierbörse statt. Allein – es nützt alles nichts, was man auch tut, der Platz will einfach keine Lebens- und Aufenthaltsqualität gewinnen. „Dat Jeföhl“ – das muß man schon mitbringen, und dann schnell ein paar Gläser Kölsch trinken, damit es nicht wieder verschwindet.

Baudriplatz

Wochenende! Kuchen!!

Wenn das Wetter es zuläßt, sitzt man hier schön, am Café Eichhörnchen im Stadtteil Nippes (wenn ich die Kamera etwas höher gehalten hätte, könntet ihr es auch sehen). Die Kuchenauswahl ist bemerkenswert, sowohl die Anzahl als auch die Qualität, für das kleine Café. Immerhin gibt es 80 Außenplätze, was im Sommer schon mal zu langen Wartezeiten führt, habe ich gelesen, denn es gibt grundsätzlich nur eine Bedienung, die auch noch den Kaffee kochen und die Getränke einfüllen muß, egal wieviel hier los ist.

Innen sieht es auch sehr gemütlich aus, das wäre aber nur was für mich, wenn es immer so leer ist. Allerdings soll das hier ein beliebter Müttertreffpunkt sein (vereinzelt wahrscheinlich auch Väter), und das ist ja auch richtig so, warum sollen Leute mit lauten, rotznasigen, ungezogenen, rücksichtslosen Kindern nicht auch das Recht haben, ihre sozialen Bedürfnisse an öffentlich zugänglichen Orten zu befriedigen? Ich bleibe dann derweil zu Hause.

Kunststation St. Peter

Flirrende bunte Flecken …

… aus Plastik, die an Fäden hängen und …

… sich am Ende zu einem Ball formen, …

… von einer sehr hohen Decke …

… in einer Kirche.

Was kann das bedeuten? Die Künstlerin Claire Morgan sagt auf ihrer Homepage, die Titel ihrer Werke seien ein Teil von ihnen und deshalb sehr wichtig: Dieses Kunstwerk heißt „Act of God“. Wer erst ein bißchen darüber sinnieren will: Unter dem nächsten Foto erkläre ich, was es damit auf sich hat.

Das ganze Gebilde stellt einen Meteoriten mit Schweif dar, der mit rasender Geschwindigkeit Richtung Erde fällt und kurz vorm Einschlag ist. Die Plastikteilchen sind aus gebrauchten Plastiktüten hergestellt. Der Titel „Act of God“ ist doppeldeutig: Einerseits kann man ihn mit „Handlung Gottes“ übersetzen, andererseits ist er ein englisches Idiom und hat die Bedeutung des versicherungstechnischen Begriffes „Höhere Gewalt“, den die Versicherungen immer dann benutzen, wenn sie nach Naturkatastrophen nicht zahlen wollen. Werk und Titel zusammen betrachtet machen klar, daß der Titel ironisch gemeint ist: Nicht Gott oder eine höhere Gewalt ist für die Katastrophen verantwortlich, die durch eine zunehmende Umweltverschmutzung auf uns zukommen, sondern der Mensch selbst. Da sich im Fall einer Katastrophe aber niemand finden läßt – oder besser – finden lassen will, der die kostspielige Verantwortung übernimmt, wird man wieder Gott und höhere Gewalt bemühen.

Jedes Jahr landen ca. 9 Mio. Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen (Zahl von 2010, inzwischen ist es vermutlich noch mehr), das sind 9 Milliarden Kilogramm – jeder von uns kann sich ungefähr vorstellen, wieviele Plastiktüten man braucht, um 1 Kilo auf der Waage angezeigt zu bekommen. Viele Tiere halten kleine Plastikstücke für kleine Fische, füllen sich damit ihren Magen, sind satt – und verhungern. Mikroplastikstücke werden wie Plankton von vielen Fischen gegessen, lagern sich in ihren Körpern ab, die dann auf unseren Tellern landen – guten Appetit.

Die schier unglaubliche Masse des Plastikmülls steht in diesem Kunstwerk natürlich nur exemplarisch für die vom Menschen verursachte Umweltzerstörung – die uns wahrscheinlich eines Tages auslöschen wird, so wie ein richtiger Meteorit die Dinosaurier für immer vernichtet hat. Es ist zum verzweifeln.

Das darf natürlich nicht sein, Verzweiflung in einer Kirche, deswegen wird in einer Pressemitteilung beschwichtigt: Die Künstlerin wolle gar nicht Kritik üben, sondern sie sehe ihr Werk „… als Appell, einmal eingeschlagene Wege rückgängig zu machen und Dinge zum Guten wenden zu können.“ Hallo? Das Ding hängt zweieinhalb Meter über dem Boden! Der Kölner Stadtanzeiger titelt daraufhin in einem kurzen Bericht: „Meteorit der Hoffnung“. Kaum zu fassen! – dümmer geht es nicht.

Ausflug an die Sieg

Der „Natursteig Sieg“ ist ein Wanderpfad entlang der Sieg, ein Nebenfluß des Rheins südlich von Bonn, der in mehreren Etappen aufgegliedert ist: Anfang und Ende einer jeweiligen Etappe bilden Ortschaften mit S- und Regionalbahnanschlüssen. Der Pfad wurde jüngst um weitere Etappen erweitert, einen kleinen Wanderführer gibt es auch schon, also machen wir uns auf den Weg. Erstmal muß man mit der Regionalbahn eine Stunde lang nach Au fahren.

Der Bahnhof hier ist schon längst aufgegeben, Fahrkartenautomaten regeln das Geschäftliche. Da die Deutsche Bahn kein Lust, kein Geld und vor allem kein historisches Gewissen hat, sich um die Gebäude zu kümmern, verrammelt sie sie und überläßt sie einem langsamen Verfall – wie an hunderten Bahnhöfen in Deutschland auch. Eine Schande.

Aber – wie mich meine Begleiterin gelehrt hat, auch der Verfall hat seinen eigenen Reiz.

Gleich am Bahnhof beginnt der Wanderweg. Was uns wundert: Auf dem ersten Wegweiser steht 19,1 km nach Wissen, unserem Zielort. In dem kleinen Büchlein ist von 14 km die Rede … egal, frohgemut stapfen wir los, ein kleines Stück an der Sieg entlang, bald geht es in den Wald, den Fluß sollen wir erst in unserem Zielort wiedersehen.

Die Wege sind gut ausgebaut und begehbar, manchmal etwas matschig, die meisten werden alte Forstwege sein. Man streift Ränder von Siedlungen, wo Schilder stehen, die von längst vergangen Zeiten erzählen. Ob der Begriff „Aula“ bewußt gewählt wurde wegen der Nähe zur Ortschaft Au? Au und LA, die Metropole in Kalifornien – das heizt die Fantasien an. Damit sie nicht überschäumen: „Musik und Mores …“, Mores heißt ja „Sitte, Anstand“, das ’s‘ muß irgendwie verloren gegangen sein. Hier wurden die jungen Damen wahrscheinlich noch von den schneidigen Herren zum Tanze aufgefordert. Aber – vielleicht war auch alles ganz anders.

Viel los ist hier nicht – wir haben kaum einen Menschen gesehen. Wahrscheinlich sind alle in Köln, wo zu der Zeit ca. 1 Mio. Verrückte durch die Straßen hetzen und versuchen, nicht zusammenzubrechen, bevor sie die 42-km-Marke erreicht haben.

Oder sie verkriechen sich in ihren Häusern, die Dörfer, durch die wir kommen, wirken wie ausgestorben, postapokalyptische Szenen aus Filmen drängen sich uns auf. Merkwürdigerweise ist auf der Wanderkarte im Hintergrund kein Standort eingezeichnet, diese Karte kann nur lesen, wer sich hier auskennt, und dann braucht er sie eigentlich nicht mehr. Wird hier mit den Wanderern aus der Großstadt Schabernack getrieben?

Der wilde Müll wurde erkennungsdienstlich behandelt und „zur Anzeige gebracht“ – angeklagt und hoffentlich ordentlich bestraft: Herr Richter, ich fordere zwei Jahre Einzelhaft für die noch gebrauchsfähige Matratze und zwei Wochen Normalverzug für den organischen Müll, danach Sicherheitsverwahrung auf einer Mülldeponie!

Äh – ist das eine Grabskulptur (die Eisdecke auf dem Swimmingpool war noch zu dünn, als sie der Sohn des Hauses betrat) oder schwarzer Humor?

Ein und das selbe Schild von der einen Seite …

… und von der anderen. Je nachdem, von wo man kommt, also ein Unterschied von 7,5 km – das läßt nichts Gutes ahnen.

In Dünebusch, einem Ortsteil von Bitzen, schicken uns die Wanderzeichen im Zickzack über (gefühlt) jede Streuobstwiese und entlang eines jeden Gartens, man hat das Gefühl, man kommt keinen Meter voran, man landet immer wieder an der kleinen Hauptstraße des Dorfes.

Schließlich geht es doch weiter. In unserem Wanderführer steht, nach der Überquerung einer kleinen Brücke gehe es nochmal 900 Meter hoch, dann stehe man an der Abzweigung nach Wissen. Die Wanderwegzeichen am Wegesrand führen uns stattdessen in einen anderen Ortsteil von Bitzen, von dem in dem Büchlein nicht die Rede ist. Die Wanderwegzeichen werden immer kleiner, sodaß wir prompt eins übrsehen. Nach zwei Kilometern ohne Zeichen fragen wir Spaziergänger, ein junges Paar, nach dem Natursteig. Sie haben keine Ahnung, zeigen aber in die entgegengesetzte Richtung, als wir nach Wissen fragen und machen entsetzte Gesichter, als wir erzählen, daß das unser Wanderziel sei. „Sollen wir Sie hinfahren?“ Wirklich sehr freundlich.

Später denken wir: Hätten wir das doch nur angenommen! Wir gehen zurück und finden das verpaßte Zeichen, aber an der nächsten Kreuzung das selbe Spiel, wieder kein Hinweis. Ich bin inzwischen so geladen, daß ich das Schild als persönliche Beleidigung empfinde. Nachdem eine Passantin uns erneut erzählt, Wissen liege in der entgegengesetzten Richtung als die, in der wir gehen …

… geben wir auf und beschließen, auf der Straße weiter zu laufen.

Immerhin – eine herrliche Abendstimmung, durch die wir wandern, wer weiß, ob wir das im Wald so erlebt hätten.

Außerdem: Wer mehr von seinem Leben haben will als zwei Garagen, einer Mülltonne und einem TV-Gerät in der guten Stube, muß auch mal was wagen … gut, das Wagnis mit gut ausgeschilderten Straßen war jetzt nicht soo groß, aber immerhin …

Endlich angekommen: Wissen an der Sieg. Unser Wanderführer führt uns noch ein bißchen in die Irre …

… aber eine Viertelstunde vor Abfahrt des nächsten Zuges erreichen wir glücklich – zwei Stunden später als ursprünglich geplant – den häßlichen Bahnof der Stadt.

Spuckis/Sticker

„Ach so ist das! Das wußte ich bisher gar nicht“, denkt Jonas-Kevin-Dschastin, wenn er diese Mitteilung in der S-Bahn sieht, und wird seine dreckigen Schuhe nie wieder auf den gegenüberliegenden Sitz legen. „Die Musik leiser machen? Gute Idee“, denkt Marie-Schantall-Niekoll, und wird ihre Mitreisenden nie mehr mit dem Tschack-tschack-tschack ihrer Lieblingsband belästigen.

Wir wissen nicht, in welcher Landkommune der Verfasser des Piktogramms aufgewachsen ist, aber er muß die gleiche Erziehung genossen haben wie der Verantwortliche für folgendes Plakat …

… mit dem die Stadtverwaltung an die Liebe zur Stadt appeliert. Sie meint damit natürlich nicht …

… die riesigen rollierenden Reklamewände, die überall in der Stadt die Sichtachsen verstellen und die Bewohner auffordern, überflüssige Dinge zu kaufen. Schließlich läßt sich die Verwaltung das gut von der Werbeindustrie bezahlen: 6 Millionen Euro pro Jahr bis 2030 sieht der neue Vertrag vor – die Kosten für den jährlichen Betriebsausflug sind gesichert.

Gemeint sind diese kleinen Spuckis (die so genannt werden, weil man manche anlecken muß, damit sie kleben), für die die Stadtverwaltung nicht einen Cent bekommt.

Gut, manchmal wird es wirklich übertrieben …

… allerdings befindet sich dieses Schild an einer Stelle, wo es völlig überflüssig ist. Die Verwaltung kann froh sein, daß es so noch eine bessere Verwendung findet.

Critical mass

Der kleine Film zeigt eine sogenannte Critical mass: Zu einem bestimmten Termin an einem bestimmten Ort sammeln sich möglichst viele Fahrradfahrer und gondeln zusammen durch die Stadt. Zum ersten Mal ist das in San Francisco im Jahre 1992 passiert und hat sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt. Allein in Deutschland treffen sich regelmäßig Fahrradfahrer in über hundert Städten. Die Teilnehmerzahl ist unterschiedlich: In Hamburg wurden schon über 5.000 Fahrräder gezählt, in Köln waren es letzten Freitag immerhin 830. Und was soll das Ganze? Die Fahradfahrer wollen auf spielerischer Art zeigen, daß die Verkehrssituation so, wie sie ist, nicht in Ordnung ist: Obwohl es in Köln über eine Millionen Fahrräder gibt, wird wenig getan für diese Art der Fortbewegung, stattdessen wird versucht, die Straßen für den Autovekehr zu optimieren, was aber kaum gelingt: Staus sind an vielen Stellen der Stadt an der Tagesordnung, was zu einer steigenden Umweltbelastung führt und die Mobilität aller Verkehrsteilnehmer behindert, also auch die der Fußgänger, Radfahrer und Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.

Die Critical-mass-Bewegung macht sich in Deutschland eine durchaus zulässige Gesetzesinterpretation zunutze: Laut eines Paragraphen der Straßenverkehrsordnung dürfen mehr als 15 Fahrräder auf der Straße einen Verband bilden. Dieser Verband muß von den anderen Verkehrsteilnehmern als Einheit behandelt werden, als wäre er z.B. ein langer Lastwagen, was unter anderem zur Folge hat, daß bei einer grünen Ampel alle Fahrer in einem Rutsch über die Kreuzung fahren dürfen, selbst wenn die Ampel inzwischen rot anzeigt. Man kann sich vorstellen, wie lange das dauern kann. Neulich, Freitagabend, dauerte die Fahrt drei Stunden, über eine Strecke von ca. 26 km – das führt natürlich zu erheblichen Einschränkungen für die anderen, motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß die Polizei gar nicht mehr amüsiert ist: Als 2010 die Critical mass in Köln zum ersten Mal stattfand, war sie vermutlich noch recht klein, und die Polizei hat gar nichts davon gewußt. Später, so ist zu lesen, sind Fahrradpolizisten mitgefahren, um für Sicherheit zu sorgen, was aber gar nicht nötig ist. Neuerdings bedient man sich rabiaterer Methoden: Bei einer Fahrt im letzten Mai wurden die Radfahrern von Motoradpolizisten begleitet, nach Zeugenaussagen in aggressiver Form. An einer Stelle wurde die Fahrbahn so sehr verengt, daß nur jeweils ein Fahrrad hindurchpaßte, und alle Personen wurden von der Polizei gefilmt, was eigentlich nicht zulässig ist. Die Polizei rechtfertigte das mit der Angabe, es liege eine Anzeige vor – von wem, wurde nicht gesagt. Gegen einen angeblichen Veranstalter wurde Anzeige erhoben wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz: Eine Versammlung oder Demonstration muß ein paar Tage vorher angemeldet werden, mit Angabe des Ortes oder der Orte, und es müssen Ordner gestellt und noch andere Dinge geregelt werden. Eine Critical mass hat aber keinen Organisator oder Veranstalter oder Anführer, sondern allenfalls einen Urheber, der sagt: Dann und dann fahre ich von da los, wer Lust hat, kann mitkommen.
Die Anzeige der Polizei wurde inzwischen von der Staatsanwaltschaft abgewiesen.

Letzten Freitag sind sogar zwei Anwärter auf das Amt des Oberbürgermeisters mitgefahren: Herr Ott von der SPD und der parteilose Herr Hövelmann. Da kann man nur hoffen, daß sie sich auch für Fahrradfahrer einsetzen, wenn die Wahlzeit vorbei ist.

Kidkit

Ich mußte unwillkürlich grinsen, als ich dieses Plakat sah: Früher warnte man unsere Eltern vor uns: „Wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter am hellichten Tag die Vorhänge zuzieht, sich im Zimmer einsperrt und laut Musik hört, seien Sie wachsam: Drogenmißbrauch ist hier nicht unwahrscheinlich!!“ Und heute bietet man unseren Kindern aus dem gleichen Grund Hilfe an … was ist los mit meiner Generation?

Der Hintergrund ist natürlich ernst: Ca. 17.000 Kinder und Jugendliche leiden in Köln unter drogensüchtigen Eltern, die hauptsächlich von Alkohol abhängig sind, aber auch von härteren Drogen oder von krankhaftem Spielen – die Anzahl klingt erstmal nicht nach viel angesichts einer Millionenstadt, aber erstens ist die Dunkelziffer vermutlich noch höher, und zweitens ist es egal, wieviele es sind, wenn man zu den Betroffenen gehört. Über die Internetseite oder die Telefonnummer kann man sich Rat holen, auch anonym, wenn man möchte. Auch wenn die Hilfsmöglichkeiten sich wahrscheinlich in Grenzen halten, ist man wenigstens nicht allein. Eine gute Sache.