Spuckis/Sticker

„Ach so ist das! Das wußte ich bisher gar nicht“, denkt Jonas-Kevin-Dschastin, wenn er diese Mitteilung in der S-Bahn sieht, und wird seine dreckigen Schuhe nie wieder auf den gegenüberliegenden Sitz legen. „Die Musik leiser machen? Gute Idee“, denkt Marie-Schantall-Niekoll, und wird ihre Mitreisenden nie mehr mit dem Tschack-tschack-tschack ihrer Lieblingsband belästigen.

Wir wissen nicht, in welcher Landkommune der Verfasser des Piktogramms aufgewachsen ist, aber er muß die gleiche Erziehung genossen haben wie der Verantwortliche für folgendes Plakat …

… mit dem die Stadtverwaltung an die Liebe zur Stadt appeliert. Sie meint damit natürlich nicht …

… die riesigen rollierenden Reklamewände, die überall in der Stadt die Sichtachsen verstellen und die Bewohner auffordern, überflüssige Dinge zu kaufen. Schließlich läßt sich die Verwaltung das gut von der Werbeindustrie bezahlen: 6 Millionen Euro pro Jahr bis 2030 sieht der neue Vertrag vor – die Kosten für den jährlichen Betriebsausflug sind gesichert.

Gemeint sind diese kleinen Spuckis (die so genannt werden, weil man manche anlecken muß, damit sie kleben), für die die Stadtverwaltung nicht einen Cent bekommt.

Gut, manchmal wird es wirklich übertrieben …

… allerdings befindet sich dieses Schild an einer Stelle, wo es völlig überflüssig ist. Die Verwaltung kann froh sein, daß es so noch eine bessere Verwendung findet.

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9 Antworten zu “Spuckis/Sticker

  1. Ich liebe die Spuckis, die ich jetzt streng genommen allerdings anders bezeichnen würde, um sie ganz klar von denen abzugrenzen, die es in den 70ern gab und die wirklich noch Spucke brauchten und die niemals Werbung oder Egokrams darstellten, sondern immer politisch waren. Heute sind das fast alles Hochglanz-Aufkleber, die man ja überall -wenn nicht selber- für nen Appel und Ei anfertigen lassen kann.
    Sie sind eine Kunstform, finde ich, denn sie sind wie Kultur-Kunst-Trash-Underground-Jugendbewegungs-Infos und kleben oft an Stellen, die sonst wirklich öde sind, etwa Laternenpfählen an Ampeln. Und oft sind sie humorvoll.
    Spuckis waren auch schon mal grausam anzusehen. (Opfer von Napalmangriffen o.Ä.)

    In der Berliner Gratismusikzeitung „Intro“ gibt es immer eine Rublik für trashiges Shoppingzeugs, wo drüber steht: „Dinge, die dich wollen….“
    Das finde ich wohl den treffensten Begriff für all da Zeugs, das wir uns von der Werbung gefallen lassen müssen: Es sind nicht Dinge, die DU willst, sondern Dinge die dich wollen: Deine Aufmerksamkeit, deine Energie, deine Arbeitskraft, deine Zeit!
    Teuflisch!

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    • Stimmt, vielleicht spricht man inzwischen besser von Stickern.
      Ja, teuflisch: Da steht auf der Chipstüte einfach „Ja!“, und man kommt sich unhöflich vor, mit einem „NEIN!“ zu antworten.;-)

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      • *lach* Du könntest allerdings ein „Später“ einfügen und dann auf den berüchtigten St. Nimmerleinstag verschieben, aber bei Chips da ist man ja geradezu machtlos, das sehe ich ein….

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  2. PS:
    Erstes Bild:

    Ganz links: Trage keine Kopfhörer, aus denen lange Stangen heraus ragen, du könntest deinen Nachbarn, der gerade Situps im Sitz nebenan macht, verletzen.

    Mitte: Die Abstände zwischen den gegenüberliegenden Sitzbänken sorgen beim Ablegen der Füße für unbequeme Sitzhaltungen mit angewinkelten Knien und Ellbogen. Die Bahn übernimmt keine Haftung für Folgeschäden.

    Ganz rechts:
    Käwien zu Schantalle: „Ess keine Äpfel!“
    Sie: Wieso nich?
    Er: Die kannze hinteher nich aufem Boden schmeißen. Is durschjestrischen, siehse ja.
    Sie: Und Bescher jeht onnich.
    Er: Deswegen trink ich mein Bier immer aussa Pulle.
    Sie: Dat is ja allet jot.

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    • Genau!;-) Oder das X ist ein Zeichen für Schmerzen: Tun die Ohren weh vom Krach in der Bahn: Kopfhörer auf, Musik aufdrehen! Schmerzen die Füße vom vielen Stehen: Beine hoch! Schreiendes Obst, quietschende Becher: Cool bleiben!

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      • *lach*
        Oder so:
        Das will doch wirklich keiner:
        Musikverbot
        Fußhochlegeverbot
        Müllaufdenbodenwerfverbot

        Deswegen: Bei uns dürfen Sie sich austoben. Wir kommen dafür im Gegenzug (höhö, Späßle gemacht) wann wir wollen, manchmal auch gar nicht. Die Bahn.

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        • Hey, Du sagst es – wir denken immer viel zu kompliziert. Dschastin-Kevin-Jonas und seine Freunde haben das genau so verstanden. „Ey, Alter, escht cool, de Bahn!“

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