Am Rhein

Was für ein Glückstag gestern für die Gastronomie in den Touristenrestaurants an der Rheinpromenade der Altstadt: Der warme Novembertag ließ den Umsatz unerwartet in die Höhe schnellen.

Auch die Piraten machten einen Tag Pause und genossen das schöne Wetter – könnte man denken, stimmt aber nicht: Auch auf der Herbstkirmis klatschten die Budenbetreiber vermutlich vor Freude in die Hände angesichts der vielen Besucher, von Pause in der geschäftlichen „Piraterie“ konnte also keine Rede sein.

Dem Rhein dagegen bekommt das milde Klima gar nicht gut, es fehlt ihm der Regen, er führt Niedrigwasser, was wiederum schlecht für die Frachtschifffahrt ist: Die Kähne dürfen nicht so voll beladen werden, da sie sonst auf Grund laufen.

Meditation in der Abendsonne.

Die Deutzer Rheinaue war nun schon lange nicht mehr überschwemmt, ist also trocken und genau richtig …

… zum Drachensteigenlassen.

Bismarckstr.

Ungewöhnlich warm für November, aber mir soll’s recht sein. Wochenendzeit ist Kuchenzeit, jemand hat mir einen Tipp gegen, wo man den besten Kuchen der Stadt bekommt. Das kann gar nicht sein, den besten Kuchen der Stadt gibt es hier, aber man kann ja nie wissen, das muß ich vor Ort untersuchen (Jugend Alter forscht). Hoffentlich kann man draußen sitzen.

Ausflug an die Sieg: Herchen

Das ist doch wirklich selten, daß der „Goldene Oktober“ so weit in den November hineinragt. Also nichts wie los in die Natur, solange die Gelegenheit noch da ist. Eine halbe Stunde mit dem Zug, und wir sind in Herchen an der Sieg.

Der Ort hat 1000 Einwohner, weshalb man hier die Uhr noch nicht umgestellt hat, das lohnt sich einfach nicht, und nach sechs Monaten schon wieder, da hat man hier Besseres zu tun, nämlich: Schlafen. Wir sehen jedenfalls keinen Menschen.

Und wollen wir ja auch gar nicht – diese Farben, der Geruch: Herr-lich!

Wir gehen den 18 km langen Wäldlerweg und müssen dafür immer dem S auf rotem Grund folgen. Der Weg ist gut markiert, aber man muß aufpassen, man quatscht über Gott und die Welt – und schon hat man eine kleine Abzweigung übersehen. Aber das ist uns nur ein Mal passiert.

Wow! – was für Farben!

Wir überqueren die Sieg bei Stromberg …

… und tauchen tief ein in die Wälder. Wilde Tiere haben wir nicht gesehen, Räuber auch nicht und auch sonst keinen Menschen – sehr angenehm, wenn man sonst immer nur das Stadtgewusel um sich hat.

Die Kehrseite der Medaille: Kein Mensch bietet uns Kaffee und Kuchen an, auch nicht gegen Bezahlung. Gut, daß wir uns Proviant mitgebracht haben.

Der Weg ist abwechslungsreich und nicht sehr schwierig, allerdings auch nichts für Rollstuhlfahrer, und festes Schuhwerk ist unbedingt von Vorteil.

Da bringt die Abendsonne einen kleinen Bach zum glitzern … Moment mal, Abendsonne? Wir haben uns etwas verschätzt: Die Wanderung soll etwa 6 Stunden dauern, bei mäßigem Tempo; da wir erst um 12.30 Uhr losgegangen sind, müssen wir einen Zahn zulegen, um vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Herchen zu sein.

Uff! – geschafft. 17 Uhr, das ist Rekord – und eigentlich blöd, denn wir gehen ja nicht spazieren/wandern, um uns abzuhetzen. Nächstes Mal gehen wir früher los.

Im Hauptbahnhof

Das ist eine sogenannte Vital-Box: Gekochte und angebratene Spaghetti mit Gemüse, und darauf nochmal eine Extraportion Gemüse (wahlweise steht auch Reis und/oder Hühnerfleisch zur Verfügung), dazu Soja- oder Erdnußsoße, das Ganze für fünf Euro: Lecker! – eine volle Mahlzeit.
Viele, die jeden Tag arbeiten müssen, kennen das: Der Kantinenfraß ist vielleicht nicht ungenießbar, aber öde, fad oder überwürzt, zum Abgewöhnen. Also nimmt man sich Brot mit, die gute alte Stulle, aber wenn man das eine Weile gemacht hat, bekommt man Lust auf was anderes, und da abends oft Zeit und Lust fehlen, sich was zu kochen, holt man sich irgendwas auf die Hand. Wie oft habe ich schon mit Heißhunger Pizza und Pommes gegessen, allerdings meistens mit einem unguten Gefühl und dem Wissen: Gesund ist das nicht. Deshalb ist mir diese Nudelbox eine willkommene Abwechslung: Kaum Fett, frisches, noch bißfestes Gemüse, eine ansehnliche Portion, was will ich mehr.

Es gibt in der Stadt inzwischen einige Asia-Imbisse, die meisten habe ich ausprobiert: Sie sind schlecht. Viel Nudeln, kaum Gemüse/Fleisch, mir ist vollkommen schleierhaft, wieso man da öfter als ein Mal hingehen sollte. Ganz anders im „Asiagourmet“ im – oh Wunder – Hauptbahnhof. Der Umsatz hier ist hoch, deshalb kann man immer davon ausgehen, daß alle Speisen frisch zubereitet sind. Wer keine Lust hat, mit einer Plastikgabel aus einer Pappschachtel zu essen: Alle Gerichte gibt es auch auf Porzellan. Wenn man im Imbiß ißt, sind die Speisen allerdings etwas teuerer.

Severinstr.

Es geht dem Winter entgegen, da kann man nicht früh genug dafür sorgen, daß man immer schön warme Füße hat.

Diesem jungen Mann wird allerdings zu große Wärme zum Verhängnis. Immerhin ist es unwahrscheinlich, daß er eine Erkältung bekommt. Von einem niesenden Ikarus hat man ja auch noch nie was gehört.

Heute ohne Gehirn sinnlos aufmarschieren (Hogesa)

Die Deutzer Brücke in beide Fahrtrichtungen gesperrt, das gibt es sonst nur zu Silvester. „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) hielten gestern eine Kundgebung ab, und da die Polizei sie nicht verbieten durfte, hatte sie die zum großen Teil als gewaltbereit eingestuften Rechtsradikalen auf einen Bauplatz hinter den rechtsrheinischen Deutzer Bahnhof verbannt, wo man sie gut in Schach halten konnte. Ihr erinnert euch: Letztes Jahr war der Hogesa-Aufmarsch auf dem zentralen Breslauer Platz zu einer wüsten Schlägerei zwischen Rechtsradikalen und Polizei ausgeartet.

Daß die Brücke gesperrt werden mußte, ist der Gegendemonstration geschuldet: Viele Kölner Vereinigungen gegen Rassismus und rechte Gewalt hatten dazu aufgerufen, die Stadt nicht den Neonazis zu überlassen, ca. 20.000 Teilnehmer folgten dem Aufruf. Der Demonstrationszug endete vor dem Deutzer Bahnhof, wo ein Kulturfest stattfand, das man kurzerhand aus einem anderen Stadtteil hierher verpflanzt hatte.

Ca. 1.000 Rechtsradikale auf der einen Seite des Bahnhofs (deren Kundgebung erst verspätet beginnen konnte, da sie 50 Ordner stellen mußten, die weder alkoholisiert waren noch vorbestraft – woher sollte man die so schnell nehmen?), 20.000 Gegendemonstranten auf der anderen, unter denen natürlich auch ein paar gewaltbereite Linksautonome waren – keine ganz leichte Angelegenheit für die 4.000 anwesenden Polizisten, die bei den kleinsten Anlässen hart durchgriffen: Als ein Autonomer idiotischerweise eine Flasche auf einen Wasserwerfer warf, stürmten sofort zig bis an die Zähne bewaffnete Polizisten knüppelnd in die überwiegend friedliche Menge, und der Wasserwerfer durchnäßte auch viele Leute, die nur zufällig in der Nähe standen – laut Zeugenaussagen ein völlig unverhältnismäßiges Vorgehen.

Früher sangen bei Demos gegen Rechts Liedermacher wie Degenhart, Hüsch oder Wader. In Köln bedeutet „Kulturfest“ leider Karneval. Glücklicherweise hatten wir die „Höhner“ bereits verpaßt, als wir da waren, kamen aber in den Genuß von Vorträgen von Mitgliedern der „Stunksitzung“ (früher einmal alternativer, nun schon längst Teil des etablierten Karnevals, s.o.), und als die ersten Töne der Karnevalsband „Kasalla“ erklingen, verlassen wir fluchtartig den Ort. Gut, besser, die Veranstaltatung endet so, als mit eingeschlagenen Köpfen.

PS: Den Titel habe ich dem Kölner Stadtanzeiger entnommen.

Stammheimer Str.

Ein trautes Heim, des Glückes Keim? Aber nur, wenn der Nachbar es zuläßt. Im Haus eines Bekannten wohnt ein junger Mann, dessen ganzes Wesen ist ein einziger Lärm, und wenn man sich beschwert, reagiert er, als wolle er sagen: Blödmann, jetzt erst recht! Nach dem 2. WK brauchte man in der zu 70 – 90 Prozent zerstörten Stadt schnell Wohnraum, deshalb zog man oft auf den Resten fix Wände hoch und kümmerte sich nicht groß um Schallschutz. Ich wohne auch in einem solchen Haus, glücklicherweise nicht mit solch rabiaten Nachbarn. Aber wenn der Mitbewohner von oben Gitarre übt und dazu singt, könnte ich mitsingen.

Da gibt’s nur eins: Umziehen. Aber wer sagt einem, daß man nicht vom Regen in die Traufe kommt? Außerdem muß man sich das leisten können: Wer jetzt in Köln eine Wohnung hat, sollte sich froh schätzen, denn die Mieten bei Neuvermietungen explodieren gerade. Neulich sah ich eine Wohnung annonciert in einem Haus, in dem ich auch mal gewohnt habe, bis mir wegen Eigenbedarf gekündigt wurde, auf der sogenannten „schäl Sick“, also der rechtsrheinischen Seite: Für 50 m² soll man nun 870 Euro bezahlen, Strom kommt noch dazu. Ca. 12 bis 15 Euro pro m² ist der durchschnittliche Mietpreis. In Gegenden, die besonders begehrt sind, geht der Preis nochmal kräftig nach oben, und immer beliebter wird, nochmal 200 Euro Nebenkosten für Hausmeisterdienste und Kabel-TV pro Monat draufzuschlagen.

Belgisches Viertel

Das Belgische Viertel in Köln heißt so, weil viele Straßen die Namen belgischer Städte tragen: Brüsseler Str., Genter Str., Maastrichter Str. … wer hat aufgepaßt? Brav, ein Zuckerstückchen gewonnen. Maastricht liegt nämlich gar nicht in Belgien, sondern in den Niederlanden. Aber egal. Das Viertel nahe an der Innenstadt ist in, es gibt hier viele kleine Boutiquen mit hippen, maßgeschneiderten Klamotten, selbstgehämmerten Schmuck usw., daneben Cafés, Bars und Restaurants mit so viel Außengastronomie im Sommer, daß die Anwohner regelmäßig den Rappel kriegen. Auf dem Brüsseler Platz zum Beispiel geht es im Sommer bis in die Nacht hinein so laut zu, daß die Stadtverwaltung bereits seit Jahren versucht, die Feiernden an einen anderen Platz zu vertreiben – vergeblich, inzwischen wird sogar in Fremdenführern darauf hingewiesen, daß hier tolle Stimmung ist, was die Menschenmassen natürlich noch vergrößert.

Einmal im Jahr veranstaltet eine Interessengemeinschaft die sogenannte „Tour Belgique“ – die Läden haben lange geöffnet, überall wird Livemusik gespielt, auch in den Kneipen und Restaurants.

Das Ganze ist natürlich nur eine Marketingaktion für Menschen, die sich als hip oder sonstwie modern, ausgeflippt oder originell verstehen. Die Supermarktkette Rewe macht schließlich auch regelmäßig ein Familienfest, warum sollten die Hipster da nachstehen.

Eine Aktion fand ich ganz schön: Während des Wochenendes durften 37 Künstler 74 Plakate mit ihren Kunstwerken über das Viertel verstreut aufhängen. Es gab einen Plan dazu im Internet und Informationen darüber, wer welches Werk erschaffen hat. Nett, mal was anderes als all die Plakate mit den Köpfen der Oberbürgermeisterkandidaten, die immer noch überall hängen.

Da waren wohl Kunsträuber am Werk: Nr. 2, 5 und 6 sind schon abgehängt.

And the winner is …

Nachdem am Samstag die Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker von einem rechtsradikalen Idioten niedergestochen und lebensgefährlich verletzt worden war, wurde sie nun gestern in das Amt gewählt. Der Attentäter faselte nach dem Anschlag irgendwas von einem „Messias“, der gerettet werden müsse, und davon, daß er uns von solchen Leuten befreien würde, wird aber von einer Psychologin nach einer ersten Untersuchung für voll schuldfähig gehalten. Hm.

Die neue Oberbürgermeisterin liegt noch auf der Intensivstation, ist aber wohl außer Lebensgefahr, und man kann nur hoffen, daß sie sich auch mental wieder erholt, sowas steckt man nicht leicht weg. Glücklicherweise bestehen immerhin keine Zweifel an ihrem Wahlsieg, der Stimmenabstand zu den Mitbewerbern ist groß genug. Das war bei den Kommunalwahlen in Köln im Mai 2014 anders: Da fiel auf, daß in einem Briefwahlbezirk einer bisherigen CDU-Hochburg sich die Stimmen für die SPD- und CDU-Kandidaten im Vergleich zu den Wahlen in den Vorjahren quasi umgekehrt hatten. Das bescherte einer rot-grünen Koalition im Stadtrat eine Mehrheit von genau 1 Stimme. Schnell kam der Verdacht einer Manipulation oder zumindest einer Verwechslung auf, die CDU forderte eine Neuauszählung der Wahlzettel in diesem Bezirk. Das wurde von den Grünen und der SPD abgelehnt, eine Abweichung zu vorherigen Resultaten rechtfertige kein Mißtrauen, so hieß es, und der damalige Wahlleiter und Oberstadtdirektor Guido Kahlen (SPD) ließ sich sogar dazu hinreißen zu behaupten, in dem Wahlbezirk habe man „überdurchschnittlich sorgfältig“ ausgezählt.

Wohl aufgrund von lauter werdenden Protesten auch in der Bevölkerung verständigten sich die Grünen mit der FDP und der CDU darauf, sämtliche Wahlzettel nochmal neu auszählen zu lassen, vermutlich darauf spekulierend, daß sich auch woanders Fehler eingeschlichen hatten, deren Aufklärung Rot-Grün zugute kommen würde, was aber von der Bezirksregierung aus rechtlichen Gründen abgelehnt wurde. Dagegen strengten die beteiligten Parteien eine Gerichtsverfahren an, das sie ca. 10 Monate später verloren – was für eine Provinzposse. Einer von der CDU-Fraktion parallel eingereichten Klage wurde dagegen stattgegeben: Die Briefwahlzettel für den einen Bezirk wurden erneut ausgezählt, und das Ergebnis bestätigte den Anfangsverdacht: Die Zahlen waren tatsächlich vertauscht worden.

Daraus ergab sich, daß ein SPD-Ratsherr seinen Stuhl wieder räumen mußte, und das war ausgerechnet der Oberbürgermeisterkandidat Jochen Ott, der nun auch noch einer parteilosen Kandidatin unterliegt, die von den Grünen, mit denen die SPD ja eigentlich koalieren wollte, aufgestellt und von CDU und FDP unterstützt worden war.

Zustände sind das – ich bin froh, daß ich kein Politiker bin.

Der bisherige Oberbürgermeister muß morgen sein Büro räumen, wann Frau Reker das Amt antreten kann, steht angesichts ihrer Situation in den Sternen. Aber wir brauchen uns keine Sorgen zu machen: Die Amtsgeschäfte werden interimsweise und vermutlich auf überdurchschnittlich sorgfältige Weise von dem (oben bereits erwähnten) Oberstadtdirektor Kahlen geführt.