Losfliegen oder nicht? Der Herbst ist da, aber wie ich gelesen habe, halten es immer mehr Zugvögel aufgrund der milden Winter nicht mehr für nötig, in den Süden zu fliegen. Da lernt man in der Schule, daß sie instinktiv starten, sobald es kühler wird, und dann stellt sich heraus, daß sie in Wirklichkeit von Jahr zu Jahr neu entscheiden, ob sie die beschwerliche Reise antreten sollen. Sehr vernünftig, vielleicht sollte ich mir daran ein Beispiel nehmen – mal sehen, wie das Wetter morgen aussieht, bevor ich mich auf den Weg zur Arbeit mache.
Xantener Str.
Manchmal soll man ja die Wirklichkeit besser erkennen, wenn man sie durch einen Spiegel anschaut, das habe ich jedenfalls mal gehört. Links ist nicht viel los, alles grau, ziemlich trostlos, und die Leitlinie eiert. Rechts steht alles in den Startlöchern, an der Spitze fährt schon jemand los. Aber ob links, ob rechts: Die Fluchtwege sind noch frei.
Vogelsanger Str.
Porzellan
Kamelien staunen unter Edelfichten
In Tau verträumt um einen Pflanzenteich.
Der Mond verschleicht aus letztem Silberreich,
Ein Morgen kommt von goldnen Sterngedichten.
Die Reiher wissen ihren Flug zu richten,
Sie schimmern aus dem blauen Traumbereich
Erwachter Augen auf dem Eschendeich,
Ihr Silberzug ist zärtliches Verzichten.
Kamelien trauen einem goldnen Blauen,
Der lila Tag ist Kind und Stern bestimmt.
Vergiß die Nacht, die ihre Hülle nimmt!
Mit Jubel überflügeln sich die Auen,
Wo stiller Adel unter Tannen thront,
Die Fische glauben an den Rosenmond.
Theodor Däubler (1876 – 1934)
Historisches Stadtarchiv, aktueller Stand
Schwarz-gelb verhindert keine Katastrophen, manchmal ist es sogar die Katastrophe. In beiden Fällen: Schwarz-gelb ist ein Signal, das höchste Aufmerksamkeit erfordert, wer nicht aufpaßt, fällt in die Grube.
Die Katastrophe, um die es hier geht, ist nicht die von gestern, sondern vom letzten März: So sieht es hier inzwischen aus am Ort des ehemaligen Historischen Stadtarchivs, links der ausgebaggerte Keller, rechts die noch versiegelte Ubahnröhre. Ca. 90 Prozent der Bestände sind in sehr unterschiedlichem Zustand geborgen worden. Alle Findbücher, in denen der Bestand katalogisiert ist, wurden gefunden, so daß man am Ende der Restaurierungsarbeiten genau feststellen können wird, was fehlt. Wann das genau sein wird, steht in den Sternen, man redet aber gern von mindestens 30 Jahren – unter folgenden Voraussetzungen: 300 Millionen Euro müssen zur Verfügung stehen, 200 Restauratoren und Archivare müssen gleichzeitig an der Wiederherstellung arbeiten. Und wer glaubt, daß das passiert, der hat wahrscheinlich den gleichen Geisteszustand wie diejenigen, die gestern dafür gesorgt haben, daß uns Schwarz-gelb für die nächsten vier Jahre das Leben schwer macht.
Wahlfreiheit
Wo geht’s denn jetzt hin? Links, rechts, Wende kehrt, geradeaus, in alle Richtungen auf mehreren Spuren, wer nimmt uns mit, rot, grün, schwarz (gelb ist gerade fortgefahren: Volle Fahrt im Rückwärtsgang!). Ach, ich befürchte, unsere Wahlmöglichkeiten sind begrenzt: Die Wege sind angelegt und festgefügt, und wer uns verspricht, er würde anhalten und neue Pfade suchen, der lügt oder bemüht sich vergeblich, keiner hat den Mut, es zu verlassen, dieses Einbahnstraßensystem – ins Elend.
Kölner Musiknacht
Über 100 Konzerte wurden letzten Samstag während der Kölner Musiknacht an 25 Orten der Stadt aufgeführt. Die jeweiligen Musiker traten im stündlichen Wechsel auf und musizierten ca. eine dreiviertel Stunde. Man bezahlte einmal 15 Euro, teilte sie durch hundert und konnte alle Konzerte besuchen. So gesehen war es recht günstig.
Los ging es um 18 Uhr in der kleinen Eingangshalle des „Tenri“, der japanisch-deutschen Kulturwerkstatt. Ein Pianist spielte auf dem Cembalo „9 Kontrapunkte aus der Kunst der Fuge“ von Bach – ob die Bilder, die dort hängen, einen weiteren Kontrast geben sollten?
Meine Freunde und ich haben es ruhig angehen lassen und waren bei vier Konzerten, das letzte lief in der Philharmonie.
Die Philharmonie ist ein Teil des Gebäudekomplexes, der in den 80er Jahren neben dem Dom errichtet wurde und auch das Museum Ludwig beherbergt.
Leider ist im Saal das Fotografieren verboten, so daß ich nur ein leicht unscharfes Foto machen konnte, bevor ich freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen wurde. Der Raum hat trotz seiner Ausmaße eine sehr gute Akustik, das ist hier allerdings Segen und Fluch zugleich: Die Decke des Saals ist, von der Außenseite betrachtet, der viel frequentierte Heinrich-Böll-Platz, auf dem gern Skater ihrem Sport nachgehen, Kinder ausgelassen rennen, und den jeder Tourist, der den Dom besucht, mindestens einmal betritt, weil es von hier aus direkt zur Rheinpromenade hinuntergeht. Das verursacht so viel Lärm, daß die Konzerte gestört werden, weshalb der Platz oft weiträumig abgesperrt ist, nur an den Rändern kann man sich vorbei quetschen. Ich habe leider kein gutes Foto vom Heinrich-Böll-Platz, vielleicht tausche ich das untere mal bei Gelegenheit gegen ein besseres aus. Der Platz (und damit das Dach der Philharmonie) ist die Fläche zwischen den Sheddachhäusern (=Museum-Ludwig).
Urlaub in der Schweiz – Freiburg im Breisgau
Jaha – immer mit der Ruhe, ich weiß, daß Freiburg nicht in der Schweiz liegt. Jeder Urlaub geht einmal zu Ende – auf dem Rückweg haben wir noch ein paar Tage in Freiburg in Baden-Württemberg verbracht, einer der schönsten Städte, die ich bisher in Deutschland gesehen habe.
Die Innenstadt ist komplett autofrei (blöd, daß ausgerechnet auf diesem Foto eins zu sehen ist … Polizei!!), nur Straßenbahnen kreuzen manchmal den Weg.
Auch hier wurde viel zerstört im 2. WK, ein paar alte Gebäude stehen aber noch, und beim Wiederaufbau hat man darauf geachtet, die neuen Gebäude in den alten Maßen zu errichten.
Die Freiburger Bächle gibt es schon seit über 800 Jahren, sie dienten der Bereitstellung von Brauchwasser, der Abfallbeseitigung und als Löschwasserquelle, heute sind sie ein Wahrzeichen der Stadt und gehören eben dazu. Einer Sage zufolge soll jeder, der aus Versehen in einen Bach hineintritt, später in seinem Leben eine Freiburgerin / einen Freiburger heiraten. Ich bin in einen hineingestolpert, der aber kein Wasser führte, ich glaube, dann gilt das nicht.
Im Sommer kann man wunderbar die Füße darin kühlen, während man seine absolut-super-total wichtigen Telefongespräche führt.
Nee – dies Freiburger! – reden nicht gerade um den heißen Brei herum, sondern sagen wie es ist!
Und damit es auch alle wissen, schreibt man es eben an die Wand: In diesem Haus wohnt ein … – genau.
Und sofort sucht man auch hier die Anspielung, dabei ist es wahrscheinlich ganz harmlos.
Das habe ich tatsächlich irgendwo gelesen: Die Freiburger sollen nicht gerade Vorbilder in Autoritätshörigkeit sein. Sympathisch.
Hierdurch geht’s zum Münsterplatz …
… auf dem an sechs Tagen der Woche Markt ist. Etwas irritierend ist, daß hier gleich vier Würstchenbuden nebeneinander ihre gegrillten Waren anbieten. Vier!
Amerikanische Firmen müssen sich den Gegebenheiten, hier dem mittelalterlichen Martinstor, anpassen, das hat man auch selten.
Neben dem Tor wirbt ein Mohr politisch unkorrekt für Kaffee – ob sich wirklich jemand dadurch diskriminiert fühlt?
„Zum rauen Mann“ heißt das Restaurant, in dessen erstem Stock dieser Herr saß.
Ein Platz zum Ausruhen und Rückschau halten: Das war’s, liebe Freunde, die Reise ist vorbei. Wenn man fast drei Wochen unterwegs war, freut man sich auch wieder auf sein Zuhause.
Fortsetzung folgt. Ende
Urlaub in der Schweiz – St. Moritz und Monstein
Der Vollständigkeit halber und als Warnung – St. Moritz, noch so ein angeblich mondäner Wintersportort für die Reichen und Betuchten, viel häßlicher und abstoßender als Davos, das man im Vergleich regelrecht lieb gewinnen kann.
Am Moritzersee stehen auch noch ein paar Häuser – erstaunlich und beruhigend, daß die Reichen sich die häßlichsten Orte als Stammsitze aussuchen, finde ich vollkommen in Ordnung, daß sie sich hier ghettoisieren.
Natürlich sind nicht alle Plätze völlig uncharmant, das kriegt man ja gar nicht hin …
… außerdem will man auf das Geschäft mit den Tagestouristen nicht verzichten.
Im Gegensatz dazu: Das Dorf Monstein bei Davos. Mit der Rhätischen Bahn muß man ein paar Stationen fahren.
Der Aufstieg vom Bahnhof zum Dorf bei über 30 Grad war dermaßen schweißtreibend, daß Monstein, eigentlich als Ausgangspunkt für eine längere Wanderung geplant, schon zum Endpunkt unseres Ausflugs wurde. Wir sind ja flexibel.
195 Einwohner – aber eine eigene Brauerei, da kann man ja neidisch werden. Die Geschichte wurde uns von einer Davoser Kellnerin erzählt: Im Jahr 2001 hat das Brauen als Gag zu einem Fest angefangen, hatte aber dermaßen viel Erfolg und Nachfrage, daß man sich entschloß, das Wagnis einer Firmengründung einzugehen. Et voilà – das Bier ist über die Dorfgrenzen hinaus ein durchschlagender Erfolg. Es schmeckt wirklich gut, ich habe es probiert.
Auf der Terrasse des Hotels Ducan kann man es natürlich auch probieren – man wirbt mit dem Spruch „Last beerstop before heaven!“, denn die Brauerei ist die höchstgelegene Europas (okayokay – ein Superlativ ist ein Superlativ, auch wenn er völlig sinnlos ist). Mir ist es aber noch zu früh und zu heiß. Abends allerdings kommen auch die Waldtiere nach der Arbeit hierher und trinken einen mit.
Innen sieht es auch ganz gemütlich aus, jedoch – leider leider – wir müssen wieder los …
… zum Bahnhof. Die Bahn hält übrigens nur auf Anforderung, der Fahrgast hat selbst für den Halt zu sorgen.
Fortsetzung folgt.
Urlaub in der Schweiz – Chur
Chur ist eine schöne Stadt, jedenfalls das, was wir einen Nachmittag lang von ihr gesehen haben. Sie gilt als die älteste Stadt der Schweiz, aber das ist vermutlich nicht der Grund für die Beflaggung: Die Schweizer scheinen nicht nur ein ausgeprägtes Nationalbewußtsein zu haben, sondern auch keine Problem damit, das auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu zeigen.
An allen Ecken sieht man Kunst, wie diese Figur von H.R. Giger, den viele als Schöpfer der furchterregenden Figur aus dem Film „Alien“ kennen (er erhielt einen Oscar dafür).
Dieser Doppelkopf mit Geweih ist Teil der „Demokratischen Säule“ von Daniel Spoerri, weltweit bekannt durch seine „Fallen“-Bilder.
Schmale Gassen …
… unverhoffte Einblicke …
… kein Wunder, daß die Menschen sich hier wohlfühlen.
Die Kinder hier sind sehr kräftig, die Schale wiegt doch bestimmt ein paar Tonnen …
… vielleicht hat hier ein Kraut besondere Wirkung?
Der Salat in diesem Lokal war gut, aber weiter hab ich nichts gemerkt …
… vielleicht liegt’s ja am Brot!
Jede Menge Kirchen hat der Ort natürlich auch, und bei 30 Grad im Schatten sind wir wirklich dankbar dafür.
Ob H.R. Giger hierher seine Inspiration bezieht?
Fortsetzung folgt.
