Spichernstr.

Die Spichern Höfe bestehen aus zwei Höfen und den umgebenden Gebäuden, die in einem Gesamtkonzept bis 2005 renoviert wurden.

Gastronomie, Wohnen, Arbeiten, Shoppen, Kulturevents sollen hier an einem Ort stattfinden und ihn beleben. Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal da war, machte es einen ziemlich verlassenen Eindruck, die Atmosphäre wirkt ein bißchen Schickimicki und ich habe mich kaum getraut, das privat wirkende Gelände zu betreten. Die Mitpreise sind allerdings auch nicht ohne: Bis zu 15,50 Euro der Quadratmeter, dazu kommen noch die Nebenkosten.

Die zweistöckige Halle ist als Markthalle geplant, hier soll sich ein Wochenmarkt mit Gemüse, Fisch etc. etablieren, der an sechs Tagen die Wochen Frischwaren anbietet. Hm – das steht in einer Broschüre von 2005, ob hier schon jemals eine Kartoffel den Besitzer gewechselt hat, wage ich zu bezweifeln. Zum Zeitpunkt meines Besuchs lief gerade eine Fotoausstellung.

Köln-Marathon

Vor ein paar Wochen fand der 13. Köln-Marathon statt. Von den ca. 33.000 angemeldeten Läufern sind 26.000 gestartet – merkwürdig, was war los mit den 7.000, die dann doch nicht gelaufen sind? Über 97% der Teilnehmer sind tatsächlich im Ziel angekommen, der erste bereits nach zwei Stunden und acht Minuten – Respekt!

Die Fehlenden fielen natürlich kaum auf, man konnte sich kaum in der Stadt bewegen, ohne auf die schwer atmenden Hobbysportler zu stoßen. Am Streckenweg standen die Ureinwohner mit Trommeln, Pfeifen und anderen ‚musikalischen‘ Äußerungen und übten schon mal für die jecke Jahreszeit – nicht wenige waren tatsächlich verkleidet, und an einigen Stellen floß der Alkohol in Strömen. Aber wie man hört, halten auswärtige Laufgäste das für gute Stimmung. Und die Müllabfuhr fühlte sich wahrscheinlich auch wie zu Karneval.

Einen Vorteil hat das Massen-Event auf jeden Fall: Die Straßen waren weiträumig abgesperrt, denn die 42-km-Zickzackstrecke durch die Stadt muß ja irgendwie zustande kommen. Wäre doch interessant zu erfahren, wie sehr sich die Luftqualität an dem Tag verbessert hat.

Ein Wort

Ein Wort

Ein Wort, ein Satz -: aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen,
und alles ballt sich zu ihm hin.

Ein Wort – ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich –
und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.

Gottfried Benn (1886-1956)

Neu St. Alban am Stadtgarten

Nach dem Beschluß, Alt St. Alban nicht wieder aufzubauen (s. letzter Eintrag), tauschte die Kirche einen Teil des Geländes mit der Stadt gegen ein kleines Grundstück am Stadtgarten und baute dort 1958/59 die relativ kleine Hallenkirche Neu St. Alban.

Die Kirche, zu deren Aufbau man Trümmerziegel u.a. der zerstörten alten Oper benutzte, wird von den Parkbäumen weitgehend verdeckt. Der Grundriß ist pentagonförmig, der Innenraum nimmt in seiner Gestaltung die Neuordnung des 2. Vatikanischen Konzils von 1963 vorweg: Durch die Platzierung des Altars steht er Pfarrer der Kirchengemeinde zugewandt.

Und wenn ein Kirchenbesucher keine Lust mehr hat und Frischluft braucht (soll ja vorkommen), ist er gleich draußen im Park, schräg gegenüber ist ein Biergarten.

Das Taufbecken in der Krypta ist von 1642 und stand in Alt. St. Alban. Der Heilige hat mit Köln eigentlich nichts zu tun, vielmehr ist er Schutzpatron der Stadt Mainz, wo er auch geköpft wurde. Er weilte dort im Jahr 406 als Missionar, als die Vandalen, dieser germanische Stamm von östlich der Oder, den Rhein überquerten, um gegen die Römer zu kämpfen. Wie das in der Kunst so üblich ist, wird er hier mit seinen Attributen dargestellt, dem Schwert, mit dem er enthauptet wurde, und seinem Kopf, den er nach der Hinrichtung – – „erhobenen Hauptes“ hätte ich jetzt beinahe geschrieben – – also: mit aufrechtem Gang zu seinem zukünftigen Grab trug.

Anänger der Mem-Theorie sollten schnell die Augen schließen, um sich nicht zu infizieren. Das bunte Kreuz steht zur Abwechslung mal für das Leben, der Schatten deutet auf das hin, was das Leben immer begleitet, auf den Tod. Geschickt inszeniert!

Alt St. Alban am Quatermarkt

Über die Kirchenruine Alt St. Alban berichtete ich hier bereits, die Renovierungsarbeiten sind nun abgeschlossen. Wie ich inzwischen erfahren habe, hat man sich nach dem 2. WK deswegen nicht für einen Wiederaufbau entschlossen, weil es einfach nicht mehr genug Gemeindemitglieder gab für die vielen Kirchen im Innenstadtbereich. Die Ruine war lange Zeit „Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Toten der Weltkriege“, eine Funktion, die seit 1993 die „Neue Wache“ in Berlin innehat. Die beiden Figuren sind Kopien der Skulpturen „Die trauernden Eltern“ von Käthe Kollwitz und wurden in der Werkstatt Ewald Matarés von dessen Meisterschülern Joseph Beuys und Erwin Heerich nachgebildet.

Beim Festakt zur 1,5 Millionen Euro teueren Renovierung im September dieses Jahres sagte der damalige Oberbürgermeister Schramma : „Wir leben nicht allein vom Handel, vom Karneval und von zahlreichen Events. Wir leben auch von den Impulsen, die aus der Stille kommen. In einer bewegenden Stadt ist Alt St. Alban ein bewegter und bewegender Ort, ein Ort der Erinnerung, eine Stätte der Mahnung, ein Raum für Trauer, ein Platz des Gedenkens, eine Zugangsmöglichkeit der Seele, ein Ort der Sehnsucht nach Frieden.“ Bewegenwollende und bewegte Worte eines bewegten Bewegers. Und schön für die Seelen, die dank ihrer Luftigkeit durch die Gitter ein und aus gehen können. Menschen aus Fleisch und Blut müssen leider draußen bleiben, allenfalls bei Führungen dürfen sie den kostspieligen Boden betreten. Aber gucken kann man immer.

Quelle Schramma: Presseamt Köln.

U-Bahnhöfe

Kalt, abweisend, trostlos, öde, alptraumhaft – Kölner U-Bahnstationen am Abend.

Aber da – an einigen Stellen gibt es glücklicherweise menschliche Zeichen, Dynamik setzt der rechtwinkligen Starre weiche Formen entgegen, die Welt ist nicht mehr ganz so angsteinflößend.

Aachener Glacis

Auch die Paradiesinsel kommt nicht ohne Ermahnungen aus. Aber daß da überhaupt auch die Leute hineinkommen, die die Haufen ihrer Haustiere einfach so auf der Straße liegen lassen, wundert mich dann doch. Wer läuft da noch so ‚rum? Immerhin weiß ich jetzt, wo ich klopfen muß, wenn es so weit ist, und wenn es mir dort nicht gefällt, geh ich halt wieder, ich habe Optionen für beide Orte.

Brüsseler Platz

Ich mag das Bild, die x-beinigen Stühle, die von der orangenen Markise beschützt werden. Noch lieber wäre mir allerdings, das Auto im Hintergrund wäre mal eben kurz weggefahren, aber so ist es eben in der Großstadt, das Auto ist ein nach außen gelagerter Teil der Wohnung, deswegen muß es immer in der Nähe stehen. Obwohl, dieses trägt ein ausländisches Nummernschild, ich habe es retuschiert, denn ich möchte nicht Gefahr laufen, von Gangstern in die Mangel genommen zu werden. Man kennt das ja aus dem TV: Da geht so ein ahnungsloser Knipser durch die Stadt und wird zufällig dokumentierender Zeuge der Anwesenheit des Kopfes einer international operierenden Mafia-Gang aus Italien, oder aus Rußland, man hört ja soviel. Dank des harmlosen Markisen- und X-Bein-Stuhl-Fotos kann der Anführer einer Wasweißich-Straftat überführt und die Gang zerschlagen werden, das Bild ist Beweisstück Nummer 1 und erscheint auf allen Titelseiten. Das schreit natürlich nach Rache, der Verräter soll einer besonders grausamen Folter unterzogen und seine Füße anschließend in Beton gegossen werden, um ihn dann im Rhein den Fischen … etc.! Und wer ist der angebliche Verräter? Genau, richtig geraten! Nee nee, hier passieren Sachen …
Übrigens, gibt es eigentlich auch eine deutsche Mafia? Wahrscheinlich nicht, oder? In Deutschland sind die Gesetze so, daß man die Bevölkerung auf ganz legale Weise ausnehmen kann, man muß nur eine Energiefirma gründen, oder ein Pharmaunternehmen.

"TempoRar+Räre ParaDies+Das Reich+T"

Letzte Woche fand wieder einmal das jährliche Architekturfestival „plan“ in Köln statt. An vielen Orten wurden Führungen veranstaltet, Ausstellungen und Gebäude konnten besichtigt, Vorträge und Diskussionsrunden über die Zukunft des Gesichts der Stadt besucht werden. Ein Platz, der seit jüngster Zeit besonders im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist der Eifelwall 5, denn hier ist der Neubau des Historischen Archivs geplant. Und hier wohnt Rolf KeTaN Tepel in seinem Reich, das von ihm so genannte „TempoRar+Räre ParaDies+Das Reich+T“.

Rolf KeTaN Tepel ist ein Original: Präsent, penetrant, messianisch, visionär, nach eigener Aussage eine „Nervensäge“, ein leicht größenwahnsinnig anmutender Kämpfer und harter Arbeiter für seine Sache, verbunden mit dem Humor eines Till Eulenspiegel, ein Philosoph in der Tradition des Diogenes und noch vieles mehr – kurz: Ein genialischer Künstler. Seit ca. vier Jahren bearbeitet er einen kleinen Teil der städtischen Brache, um die sich jahrzehntelang niemand gekümmert hat.

Aus Holzabfall und anderen Dingen, die die Wohlstandsgesellschaft wegwirft, hat er ein stabiles zweistöckiges Holzhaus gebaut, das zusammen mit selbstgezimmerten Anbauten und einem kleinen Bauwagen einen Hof abtrennt, der voll steht mit Kunstwerken des Künstlers.

Hier soll noch ein kleiner Teich entstehen – die Teichskulptur ist schon fertig.

Blöderweise ist dieses kleine Paradies (man fühlt sich da wirklich sofort wohl und geborgen, jedenfalls im Sommer) – zumindest aus der Sicht der Stadtverwaltung – illegal. Dabei fühlt sich der Künstler eigentlich im Recht: Als er den Platz besetzte, grub er einen Pflasterstein aus, brachte ihn zum Fundamt und gab an, einen herrenlosen Weg gefunden zu haben. Alles wurde vom Amt gewissenhaft aufgenommen, der Stein und der Vorgang erhielten eine amtliche Nummer, Rolf KeTaN Tepel eine Quittung, und als sich nach ca. drei Jahren immer noch kein Eigentümer gemeldet hatte, erklärte der Künstler sich zum rechtmäßigen Besitzer des Areals (Anm.: Nicht Besitzer des Areals, sondern Eigner der Wegsteine, s. Kommentar).

Zunehmend zeigt die Stadtverwaltung sich allerdings „not amused“ und versucht es nach einer zwischenzeitlichen Duldung nun mit Schikanen, den Besitzer (oder Besetzer?) zu vertreiben: Der Postkasten wurde abgebaut, das Wasser abgestellt und der Wohnsitzeintrag gelöscht. Vor ein paar Tagen, zu Ende des Architekturfestivals, wurde ihm eine Anzeige der Stadt wegen illegalen Bauens zugestellt.

Das alles geht an dem Künstler nicht spurlos vorbei, man merkt ihm die Anspannung und Sorge um die ungewisse Zukunft an, wenn man ihm zuhört. Andererseits sieht er gar nicht ein, sich in seinem Schaffensdrang behindern zu lassen: Sein nächstes Projekt „Einhut=Vielhut=Welthut“ ist geplant: Es sollen die Kölner Bürger die ausrangierten Töpfe und Pfannen, die sich in fast jedem Haushalt finden lassen, bei ihm abgeben. Er und seine Helfer bilden aus diesem Abfall dann einen riesigen Hut von mindestens 13m Durchmesser, der dem Hut von Joseph Beuys nachempfunden sein soll. Der Hut wird dann auf 11 Stützen gestellt, die jeweils tragende Institutionen symbolisieren. Und unter dem Hut trifft man sich dann – Politiker aus der ganzen Welt, Entscheidungsträger und alle anderen – und sorgen für nichts Geringeres als den Weltfrieden (ich hoffe, ich gebe das richtig wieder). Und da das natürlich alles auch mit viel Arbeit und Zeit verbunden ist, bittet Rolf KeTaN Tepel eben jene Stadtverwaltung, die ihn unbedingt möglichst schmerzlos loswerden will, ihn doch bitte mit 30.000 Euro Anschubfinanzierung zu unterstützen. Wie ich bereits sagte: Visionär, messianisch, größenwahnsinnig anmutend – aber nicht jeder, der hoch stapelt, muß auch gleich ein Hochstapler sein.

Arm das Land, das glaubt, sich solche „verrückten“ Künstler nicht leisten zu können. Ich hoffe jedenfalls, er kann noch lange in und an seinem kleinen Paradies herumwerkeln und Projekte für den Weltfrieden anstoßen.

PS: Ein kleiner Sonnenkollektor sorgt für gerade genug Strom, um ein Laptop betreiben zu können: http://stein-des-anstosses.de , die Homepage des Künstlers.