Wie bereits im letzten Beitrag angekündigt, hier nun die Lösung des Rätsels der Fratzengesichter, auch „Grinköpfe“ genannt, die man immer mal wieder in der Kölner Altstadt findet … das heißt, drei Lösungen:
Mann nennt diese Skulpturen auch „Annoköpfe“ nach dem Erzbischof Anno im 11. Jahrhundert, der hart aber gerecht gewesen sein soll. Er ließ die Fratzen als Warnung für die Bürgerschaft an die Häuser von sieben überführten und geblendeten Betrügern anbringen, die eine arme Witwe ausgenommen hatten. Sowas macht man ja auch nicht.
Nächste Lösung: Erzbischof Anno II. war ein intriganter Machtpolitiker, der es sogar schaffte, durch die Entführung des damaligen jungen Kaisers Heinrich IV. und seiner Mutter die Regentschaft des Deutschen Reiches an sich zu reißen. Da er entsprechend rücksichtslos mit den Kölnern umging, hatten die bald genug von ihm, probten den Aufstand und verjagten ihn. Das ließ der sich natürlich nicht gefallen, rekrutierte ein Heer und belagerte „seine“ Stadt. Die Kölner sahen nur die Massen an Söldnern – und gaben kampflos auf. Die Anführer wurden geblendet, an ihre Häuser wurden zur Abschreckung Fratzen angebracht, und über 600 Kaufleute verließen fluchtartig die Stadt. Kein Wunder, daß die Kölner ein gewisses Mißtrauen gegenüber ihrem Erzbischof bis heute nicht verloren haben.
Die dritte Lösung des Rätsels ist die wahrscheinlichste: Die Gassen waren so eng, daß die Kaufleute ihre Waren nur mühsam in die Lager bringen konnten. Darum stellten sie Hebebalken über das Kellerloch, an denen sie Flaschenzüge anbrachten, um die Säcke und Fässer leichter hinablassen zu können. Um die Balken zu stabilisieren, wurde ein Loch in die Hauswand geschlagen, worüber sowohl als zusätzlicher Halt als auch als Zierde solche Grinköpfe angebracht wurden. Tja – die ersten Erklärungen sind irgendwie spannender.

