Brüsseler Platz / Breite Str.

Ich liebe diese sonnigen Herbsttage, wenn auch der Wind manchmal unerwartet kühl ist und man ständig Klamotten für alle klimatischen Eventualitäten mit sich herumschleppen muß.

Hier hat man das Vertrauen auf Kundschaft längst verloren, die Saison ist abgeschlossen.

Dabei sind die Kölner hart im Nehmen: Kapuze auf, schon haben die Ohren es wieder schön warm und man kann sich fühlen wie im Hochsommer.

Ich – äh – bin ja nicht von hier und suche mir lieber einen Innenraumplatz im Paradies: Café Fromme in der Breite Str. Wieso war ich noch nie hier? Der Kuchen …

… ist von einer solchen Qualität – das verdirbt einen geradezu für alle anderen Cafés. Auch wenn ich mal wieder woanders bin, bestelle ich wahrscheinlich einen Milchkaffee und ein Stück Apfelkuchen von Fromme, ist egal, wie sie ihn beschaffen. Und wenn sie mir nicht behilflich sein wollen, geh ich eben wieder, das haben sie dann davon.

Apostelnkloster

Ich bin kein Freund von „Coffee to go“, ich sitze lieber irgendwo und trinke Kaffee aus einer Tasse oder einem Glas statt aus einem Pappbecher. Aber wenn ich einen kaufen wollte, würde ich es wahrscheinlich hier tun: Der Kaffee ist fair gehandelt, und man kann sicher sein, daß nicht diese unsäglichen Kaffee-Pads benutzt werden.

Tatsächlich hatte ich selbst mal die Idee, an stark frequentierten Plätzen einen solchen Stand zu eröffnen, lange bevor es sowas gab. Zumindest gedanklich bin ich also Avantgarde, und ich fände es nett, wenn man mich als geistigen Urheber am Gewinn beteiligen würde. Aber ich befürchte, die Welt ist ungerecht.

Apostelnstr.

Die Bundeskanzlerin knutscht nicht nur mit der Bankenlobby, sondern biedert sich auch der Occupy-Bewegung an: „Wir müssen sie ernst nehmen. Wir müssen die Sorgen der Menschen verstehen.“, sagt sie wohlfeil und nichtssagend mit Blick auf die Samstagsdemonstranten.

Auch an diesem Wochenende demonstrierten in Köln einige hundert Bürger gegen den verantwortungslosen Umgang der Banker mit dem Geld, das ihnen von den Regierungen zur Verfügung gestellt wird.

„Banken entmachten / Demokratie jetzt“, steht auf dem Banner, eine sinnige Zusammenstellung, haben doch die Verhaltensweisen der Banken mit Demokratie nicht viel zu tun. Wenn die Schulden sozialisiert werden, sollte man dasselbe mit den Banken tun, um sicherzustellen, daß die Banker mittelbar nicht die Demokratie zerstören.

„… das Wort Investmentbanker [ist] nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat.“, schrieb Altkanzler Helmut Schmidt in der „Zeit“ vom 14.07.11.

Lesenswert: Bericht und Gedanken von Blogfreund Trithemius zu „Occupy Hannover“.

Sachsenring

Die sonnenbadende Diana vor springender Antilope und einem Betrachter – manchmal kucken aber auch ein paar hundert:

Der Bildhauer Fritz Behn (1878 – 1970), bekannt besonders als Tierbildhauer, war ein unbelehrbarer und lebenslanger Anhänger der Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs in Afrika, ein Befürworter der Apartheid und der Vorherrschaft der weißen Herrenrasse. Er portraitierte Mussolini, verherrlichte in Schriften den italienischen Faschismus und war auch den Nationalsozialisten und ihrem Verständnis von „wahrer“ Kunst zugeneigt. Die Figurengruppe oben ist ca. 1919 entstanden.

Chlodwigplatz

Auch in Köln war letzten Samstag eine Kundgebung im Zeichen der „Occupy“-Bewegung.

Im September hatten in New York Leute damit begonnen, im Finanzzentrum der Stadt, der Wall Street, gegen die Bereicherung und der Casinomentalität der Banken zu demonstrieren. Ihr Schlachtruf war und ist: „Occupy the Wall Street!“ (Besetzt die Wall Street). Waren es erst nur ein paar hundert Demonstranten, sind es inzwischen weltweit zig Tausende, die gegen das ethisch verwahrloste Handeln der Banken demonstrieren.

In gesamt Deutschland fanden sich am letzten Wochenende 40.000 Demonstranten in 50 Städten zusammen, aber das können und sollten noch viel mehr werden: 12 Prozent der Deutschen sind von Armut gefährdet oder betroffen, das sind ca. 9,6 Millionen Menschen, mit ansteigender Tendenz! Die Gesundheitsversorgung wird immer mehr eingeschränkt, die Renten sind so gut wie eingefroren, das reale Einkommen sinkt, und für viele Arbeitnehmer ist die Altersarmut schon jetzt beschlossene Sache, usw., während gleichzeitig Milliarden an Banken überwiesen werden, damit die Spielschulden der Banker ausgeglichen werden können.

Autumn in Cologne

http://grooveshark.com/songWidget.swf

Herbst. Wir sind zwar nicht in New York, aber das Billie Holidays Lied ist das beste (und einzige) Herbstlied, das ich kenne.

Die Sonne scheint, aber die Luft ist trotzdem kühl. Aber wer weiß, wie lang es noch so schön ist, deshalb ist halb Köln am Wochenende auf den Beinen.

Die Hose hängt auf Halbmast, das hat jedoch mit der Jahreszeit nichts zu tun, auch nicht mit den alkoholischen Getränken.

Wenn man zuviel davon zu sich genommen hat, macht man sich für seine Bekannten zum Affen. Wie gesagt, es ist wirklich kühl, und das Wasser ist noch kälter.

Es macht mehr Spaß, den blinkenden Blättern zuzusehen, die die Kinder in die Luft werfen.

Oder man sucht sich einen Platz etwas abseits, läßt sich von der Sonne wärmen und liest ein gutes Buch, im Kopf läuft Billie Holiday … „Autumn in Cologne, what does it seem so inviting“ *summ summ*.

Zeppelinstr.

Da kleben sogar Elefanten als Steighilfe an der Kletterwand. Dabei hat der Olivandenhof nichts mit diesen Tieren zu tun: „ad olivas“ (zu den Oliven) hieß früher das Kloster, das hier stand.

Aber was soll’s, niedliche Elefanten sind viel werbewirksamer als ölige Früchte, jedenfalls für ein Outdoor-Geschäft: Da schwingt schon gleich Safari mit, Steppe, Dschungel, Tarzan und Jane, die mit den neusten Kimaschuhen eine Kletterwand erobern …
Links sieht man das Karstadt-Kaufhaus, der Raum dazwischen ist der überdachte Teil der Zeppelinstr., wer in diesem urgemütlichen Ambiente speisen will, wird also nicht naß, falls es mal regnet. Daß hier der Planer dieser architektonischen Komposition jeden Tag um 12 Uhr öffentlich ausgepeitscht wird, ist wohl nur ein Gerücht.

Engelbertstr.

Bitteschön, hier ist der Beweis: Das Gerücht, ich würde mich ausschließlich von Kuchen ernähren, ist hiermit eindeutig widerlegt. Was man sehen kann, ist ein Crèpe, allerdings anders, als man ihn auf dem Rummel bekommt. Dieser ist dick mit Blattspinat und Knoblauch, Hackfleischsoße, Creme Fraiche und Käse gefüllt, und es gibt noch eine große Anzahl an Variationen, auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Eine volle, sehr leckere Mahlzeit für 7,50.

Ins „Engelbät“ gehe ich schon seit über 25 Jahren, also seitdem ich in Köln wohne. Natürlich ist es sehr beliebt, deshalb hat man Mühe, abends einen freien Tisch zu bekommen, aber vor ein paar Jahren haben sie den Ladenraum in der Nachbarschaft angemietet und die Wand durchbrochen, der Raum ist nun doppelt so groß. Und weil das Geschäftsmodell so gut läuft, hat man im Stadtteil Ehrenfeld eine großräumige Filiale eröffnet, das „Lizbät“, wo man fast immer einen Platz bekommt.

So, damit habe ich mir ja wohl einen Freicrèpe verdient … schön wär’s, wenn die eins nicht nötig haben, dann ist es zusätzliche Werbung.

Museum Ludwig

Als ich gestern auf dem Weg zum Bücherflohmarkt in der Altstadt war, fing es zu regnen an. Was macht man da? Man kann mal kucken, was im Museum so läuft. Und im Museumsbuchladen.

„Ichundichundich: Picasso im Fotoportrait“, heißt die laufende Ausstellung – kaum interessant genug, 10 Euro Eintritt dafür zu zahlen. Das Museum hat kein Geld, um große, aufsehenerregende Ausstellungen zu finanzieren, also nimmt man, was man im Depot hat, leiht noch das ein oder andere dazu, und schon ist der Platz gefüllt. So lockt man allerdings kaum Publikum ins Museum.

Eine ehemalige Kollegin fällt mir ein, 30 Jahre ist das nun schon wieder her, sie erzählte mir, daß sie den älteren Picasso so erotisch fände, daß sie sofort mit ihm ins Bett hüpfen würde. Wie bitte? Meine Kollegin, Anfang 40 und eine Vollblutfeministin der ersten Stunde, ist scharf auf einen fast doppelt so alten Mann, der einer der größten Chauvis des 20. Jahrhunderts war? Tja, die Libido geht seltsame Wege.

Im Museumscafé ist viel los, trotzdem ergattere ich einen Fensterplatz, man muß auch mal Glück haben. Die Asiaten auf dem Heinrich-Böll-Platz ficht der Regen nicht an, Fotos mit Domhintergrund müssen bei jedem Wetter sein, denn morgen ist man wahrscheinlich schon auf dem Eiffelturm oder am Buckingham Palace.

Mir ist das Wetter auch egal. Ich widme mich meiner Beute: Kaffee und Kuchen sind allerdings im Nu verschwunden, haben nichtmal das Foto abgewartet, undankbare Bande. Der Bildband ist aber treu und hat mich sogar nach Hause begleitet, allerdings … es ist nicht ganz klar, wer hier wessen Beute ist, 20 Euro war eigentlich nicht vorgesehen. Aber von 50 Euro heruntergesetzt, also bitte, genau das wollte ich ja eigentlich, billigere Bücher kaufen.

Wenn jetzt noch jemand Klavier gespielt hätte, wäre es perfekt gewesen.