Wo geht’s lang, war das nicht irgendwas mit -ach? Zum Glück nicht – unser heutiges Ziel ist die Wilhelmshöhe, unser Wanderzeichen die rote Raute. „-ach“ bedeutet übrigens „Wasser“, wie wir es schon von der berühmten Stadt mit den zwei As (Aachen) wissen, die an warmen Wasserquellen liegt.
„Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich“ – da man seine Füße ja immer dabei hat, sollte das nie ein Problem sein. Nein, wir verstehen schon, das ist ein Mutmacherspruch, denn ich würde mich nicht wundern, wenn einige Wanderer aufgeben …
… nachdem sie hier hochgekraxelt sind: Auf einer Länge von ca. 4 Kilometern sind 550 Höhenmeter zu erklimmen. Das kann man sich vielleicht nicht vorstellen, wenn man das so liest, das sind manchmal Steigungen von 45 Grad, man läuft völlig schräg durch die Welt. Sehr sehr anstrengend. Der Hinweis am Gipfel auf die altersgemäß richtige Herfrequenz kommt ein bißchen spät – gut, wenn sich das Herz nicht wieder beruhigt, sollte man das Handy für den Notruf schon mal einschalten …
… Empfang hat man hier bestimmt. Das Gute an dem „Mörderaufstieg“ (ein Wanderer, der kurz nach uns ankommt) – wir haben das Schlimmste hinter uns.
Zwischendurch können wir etwas Musik machen – überall kann man hineinblasen oder draufschlagen, wenn man will. Oder man beißt einfach in sein Butterbrot.
Achtung, Lebensgefahr! Wir sollen den Umweg nehmen? Nichts da, ohne uns. Todesmutig bleiben wir auf unserem Weg …
… und trotzen mutig der Gefahr, von Eisbrocken erschlagen zu werden, die die Windräder um sich werfen. Außerdem ist es über 30 Grad warm. Sehr viele Windräder sind es übrigens nicht, die hier stehen, immer mal wieder ein paar, aber kein Vergleich zu den Windparks in Norddeutschland. Dennoch gibt es immer mal wieder Plakate zu sehen, auf denen steht: „Stoppt den Windradwahn im Schwarzwald!“ In gesamt Süddeutschland möchte man zwar auch erneuerbare Energien haben, aber keine Windräder in der Landschaft, und keine zusätzlichen Überlandleitungen, die die in Offshore-Parks erzeugte Energie zuleiten. Verständlich, wer will das schon. Man nennt das auch das NIMBY-Prinzip – „not in my backyard“, sondern lieber irgendwo anders. Daß da auch Hinterhöfe sind, von anderen Leuten, interessiert dabei nicht.
Man spricht auch viel von „Landschaftsverschandelung“, die es aufzuhalten gelte – klar, das Argument klingt natürlich besser als das egoistische NIMBY. Aber auch das erscheint mir nicht stichhaltig: Nahezu jede Landschaft in Deutschland ist keine Naturlandschaft mehr, alles ist inzwischen kultiviert worden, selbst wenn es nicht so aussieht, weil man z.B. mitten in einem Wald steht. Jede Landschaft in Deutschland ist eine Kulturlandschaft, die so aussieht, wie sie aussieht, weil der Mensch eingegriffen hat. Wenn wir erneut eingreifen dadurch, daß wir ein paar Windräder hinstellen, ist das also keine Verschandelung einer urwüchsigen Landschaft, sondern eine Veränderung einer schon lange von uns gestalteten Landschaft. Daß die nicht komplett zugepflastert werden sollte mit Windrädern, ist auch klar – die sind ganz schön laut, die Dinger, sein Haus möchte man daneben nicht stehen haben. Und unwidersprochen ist natürlich auch, daß die Windradindustrie nicht immer rücksichtsvoll auf die Bedenken von Awohnern reagiert.
Man kommt nur durch sehr wenige Dörfer auf diesem Wanderweg. Ob darum die Kreuze zum Teil um so wuchtiger ausfallen? Bei einer kleinen Bevölkerungszahl kann schnell mal ein Wettbewerb unter den Einwohnern ausbrechen: Wer hat das tollste Kreuz!? Hier sind viele „Arma Christi“ detailliert dargestellt – das sind die Leidenswerkzeuge und anderer Kram, den man mit der Kreuzigung in Verbindung bringt.
Zu Beginn der zweiten Etappe geht es vorbei am Blindensee, der so heißt, weil ein Blinder hier in der Nähe einen Hof hatte …
… durch ein Moorgebiet – mal ganz angenehm zu laufen.
Das Modellprojekt Rohrhardsberg scheint kein Erfolgsmodell zu sein – wer soll sich denn da noch zurechfinden? Egal – wir haben unsere eigenen Karten.
Da geht’s hoch, damit man gucken kann – irgendein Karl war mal hier und hat 1770 angeblich eigenhändig zwei Bäume gepflanzt. Seitdem hat man die Treppenanlage sich selbst überlassen, so sieht sie jedenfalls aus. Gut, daß es nicht naß ist.
An der Donauquelle begrüßt einen als erstes das sogenannte „Quellheiligtum Martinskapelle“. Wieso Quellheiligtum?
Dieses Bronzeschild soll zur Erklärung dienen. Mir erschließt sich der Zusammenhang allerdings nicht: Weil die Kreuzigung unter Tiberius stattfand und der gleichzeitig nach der Donauquelle forschte, steht hier eine Kapelle? Und was, wenn der Kaiser gern Kartoffelpuffer gegessen hätte? Würde man dann an jedem Kartoffelacker auch eine Kapelle finden? Merkwürdig.
Die Donauquelle hat man touristisch mächtig aufgemotzt: Ein Hinkelstein (?), ein Büdchen, ein Hotel (nicht auf dem Foto), ein Tor, ein neu angelegter Weg …
… der nach unten führt …
… und da ist sie schließlich. Ein paar Stunden vorher haben wir die Quelle der Elz im Wald gesehen, ganz unspektakulär kam das Wasser aus dem Waldboden.
Eindrucksvoller sind da diese großen Felsen, die plötzlich im Wald herumliegen (Wollsackverwitterung – der aufmerksame Leser dieses Blogs denkt sofort an die Externsteine). Wir witzeln herum: Die Steinansammlung hat doch bestimmt wieder irgendeinen Namen, Norbert vielleicht, oder Heiko, vielleicht gar Schantall? – und sind verblüfft, als das tatsächlich zutrifft: Die Felsen heißen …
… Günter.
Auf dem Berg Brend kann man alles kaufen, was man so braucht. Neben dem Kiosk steht ein 17 Meter hoher Turm …
… von dem aus man schön nach unten schauen kann. Der Brend ist eine Wasserscheide: Westlich fließt alles Gewässer in den Rhein, östlich in die Donau.
10 recht moderate Kilometer haben wir noch vor uns, die jedoch nicht immer ungefährlich sind, gewarnt wird hier vor kreuzenden Loipenläufern. Wir haben aber keine gesehen, vielleicht liegt es daran, daß kein Schnee liegt.
Da unten rechts ist unser Hotel „Kalte Herberge“ – wie auch schon die letzte Unterkunft kein Dorf, nur ein Haus an einer Straße (über die Hotels mache ich einen extra Eintrag).
