
Quedlinburg ist eine Sonnenstadt. Das soll nicht heißen, daß hier immer die Sonne scheint, aber wenn der Himmel grau ist und es vielleicht noch leicht nieselt, ist nach Geschäftsschluß oder am Wochenende kaum jemand auf der Straße, und man hat das Gefühl, man wäre in einer Geisterstadt.

In diesem zentral gelegenen Restaurant/Kneipe kann man recht gut essen, aber wir wurden abends um 9 Uhr vor die Tür gesetzt – kein Wunder, schließlich waren wir die einzigen Gäste.

Wenn die Straßen leer sind, kommt man sich ein wenig so vor wie in einem Museumsdorf. Eindrucksvolle 1200 Fachwerkhäuser gibt es hier, bis auf 250, die noch nicht fertig sind, liebevoll in den letzten Jahren restauriert.

Man kann von Glück sagen, daß die historische Altstadt, die 1994 auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gesetzt wurde, überhaupt noch steht: In den 60er Jahren hatte die DDR-Führung vor, alles komplett abzureißen und mit Plattenbauten neu zu bebauen.

Dann fehlte ihnen das Geld, zur Sanierung hatten sie sowieso keins, und so verfiel die Stadt über die Jahre. Wer konnte, zog nach außerhalb in einen der neuen Plattenbauten, in denen die Wohnungen Zentralheizung und fließendes warmes Wasser hatten, die anderen verharrten im Elend. Heute sieht das ganz anders aus, die Stadt ist fast perfekt, das einzige, was fehlt, ist – mehr Lebendigkeit, so wie hier mal ausnahmsweise auf dem Markt.

Aber man gibt sich Mühe, wenn auch nicht immer mit den richtigen Mitteln: Zufällig war an dem Samstag, als wir da waren, die Live-Übertragung einer neuen MDR-Show: „Zeit ist Geld“ ist ihr unsympathischer Titel. Vier Kandidaten müssen auf einer Art Schnitzeljagd durch die Stadt hetzen und infantile Aufgaben erfüllen, während Goldstaub durch eine Sanduhr rinnt. Begleitet werden sie von drei penetrant lustigen Moderatoren, von denen eine Motzi Mabuse heißt – Himmel, war das eine öde, langatmige Angelegenheit, länger als 15 Minuten haben wir das nicht ausgehalten.

Dieses sehr schöne Café in der Nähe des Schlosses wirbt damit, daß man zwischen 130 Käsekuchenvariationen wählen kann.

Nicht ganz so viele stehen im Verkaufsraum, aber es reicht völlig aus. Sehr lecker!

In Quedlinburg gibt es zu meiner Überraschung ein Lyonel-Feininger-Galerie. Ein Bürger der Stadt war früher Schüler des Bauhauses und hat eine Sammlung von hauptsächlich Druckgrafiken aufgebaut. Na jaa – nicht so mein Fall. Aber sehr behutsam hat man die neue Architektur in das alte Umfeld gebaut, klasse.

Feininger, der vor 1933 lange im Osten Deutschlands lebte, hat übrigens solche Bilder gemalt.

Die charakteristischen Kirchtürme scheinen typisch für die Gegend zu sein.

Idyllische Orte findet man hier viele – manchmal hat man den Eindruck, als seien sie inszeniert, aber das stimmt wohl nicht. Die Bank wurde übrigens gestiftet, sehr löblich, da hat eine Firma die letzten Groschen zusammengekratzt, um eine Sitzgelegenheit zu schaffen, auch wenn es nur für Restholz gereicht hat:
