Urlaub, Wanderung Panoramaweg Taubertal, 3. Etappe

Aah – welch Farbenpracht am Wegesrand!

Ansonsten: Wie gehabt, viel Gegend, außer uns kein Mensch weit und breit, im Buch steht: „Nach dem Strommast nach links“, die Wegzeichen schicken uns aber nach rechts (seufz!). Inzwischen sind wir geübte Pfadfinder und richten uns ungefähr nach dem Kompaß.

Zwischendurch gibt es immer mal wieder Strecken im Wald – was für eine Wohltat.

Nach nur 14 Kilometern sind wir schon in Bad Mergentheim, einer Kleinstadt mit vielen Sanatorien und einem riesigen Kurpark, den zu betreten nur denen erlaubt ist, die eine Kurkarte haben oder bereit sind, 2,50 Euro Eintritt zu bezahlen (daß die Benutzung öffentlicher, von Steuergeldern unterhaltener Einrichtungen zusätzlich Geld kostet, kotzt mich zunehmend an, möchte ich hier mal bemerken).

Die Altstadt von Bad Mergentheim ist schön und lebendig, die Menschen sind freundlich, und das Hotelzimmer hat sogar eine Badewanne, toll. Als wir der jungen Frau im Info-Center unser Leid klagen, druckt sie uns detaillierte Karten des Wanderwegs aus für die letzten beiden Etappen, die wir noch gehen wollen. Puh – endlich mal jemand, der was von seinem Job versteht.

Der Hochmeister des „Deutschen Ordens“ hatte hier seinen Hauptsitz. Der „Deutsche Orden“ war in den letzten 800 Jahren ein einflußreicher Ritterorden mit machtpolitischen Ansprüchen, ist nun aber nur noch kirchlich orientiert.

In einem Esoterikladen in der Fußgängerzone gibt es neben vielen bunten Steinen und Kristallen auch Sandrosen in verschiedenen Größen. Besonders beeindruckt hat mich, daß sie das Bindegewebe stärken sollen, durch reine Ausstrahlung! Eine ehemalige Philosophielehrerin von mir trug während der Klausuren immer einen Bergkristall in einem kleinen Ledersäckchen bei sich, weil sie sich eine positive Wirkung auf die Schüler davon versprach. Das war zumindest nett gemeint, und vielleicht hat es ja denen, die dann eine gute Note bekamen, auch geholfen. Kann jemand das Gegenteil beweisen?! Also bitte.

Daß da Mutter und Kind auf Rosenwolken schwebend zum Heil der Menschheit auf uns herabblicken, … äh … jetzt habe ich den Faden verloren. Jedenfalls: Auch daran glauben Leute.

Ich glaube ja daran, daß mir irgendjemand mal so ein Auto schenkt (aber bitte unbedingt auch mit Wackeldackel!). Ob es da auch einen Stein gibt, der das unterstützt? Den würde ich mir sofort kaufen. Mit meinem Bindegewebe bin ich nämlich ganz zufrieden.

Urlaub, Wanderung Panoramaweg Taubertal, 2. Etappe

Schon nach wenigen Metern unserer heutigen Etappe haben wir die Wegzeichen verloren, weil wir zu tief in den Wanderführer geschaut haben. „Biegen Sie links in die Straße ein. Halten Sie sich links, an der nächsten Gabelung rechts“, steht in dem Buch. Wie jetzt, was soll das heißen, „halten Sie sich links“? An der linken Straßenseite? Sollen wir ins Feld gehen, oder die private Auffahrt hoch, oder ist das ein allgemein politischer Rat? Irgendwann stehen wir mitten in einem Feld mit gelben Früchten, die vermutlich grün sein sollten, und können nur raten, welche Richtung wir einschlagen sollen. Es ist brütend heiß.

Fünf Minuten Ruhen im Schatten.

Na, wer sagt’s denn! Da ist es ja, das Wanderzeichen, jedesmal sind wir heilfroh, wenn der alte (Buch-)Weg mit dem neuen ein Stück übereinstimmt. Aber welche „Massnahme“ haben wir zu befürchten? Wird sie ergriffen, oder wird maßgenommen, oder heißt so der nächste Ort?

Da hat einer Spaß am Sammeln: „Robert’s Geschichts-Scheune“ steht auf einem Schild …

… und auf einem anderen: „Tollwut! Gefährdeter Bezirk“. Aha. Okay … wir müssen dann mal weiter.

Nach bereits 14 Kilometern erreichen wir Weikersheim, das Ziel unserer heutigen Etappe. Der Ort war Stammssitz des Hauses Hohenlohe, einem uralten Adelsgeschlecht. Heute ist im Schloß ein Museum, daneben ein großer, langweiliger Barockgarten, für den man unverschämte drei Euro Eintritt bezahlen muß.

Die kleine Altstadt von Weikersheim ist schön, malerisch um einen Marktplatz mit Brunnen gelegen. Das Schöne ist: Unser Hotel liegt genau an diesem Platz.

Das Schlechte: Gerade heute findet hier ein italienisches Fest statt. Eine Combo in italienischen Polizeiuniformen intoniert „Azzurro“ und andere schrecklichen Schlager, während die Bevölkerung des gesamten Umlands herbeiströmt und laut ist.

Tja. Das kann hier ja keiner ahnen, daß wir in Köln solche Feste jedes Wochenende haben und ihnen möglichst aus dem Weg gehen. Aber bereits um 23 Uhr ist der Spuk vorbei.

Am nächsten Morgen: So schön ruhig kann es hier sein.

Fortsetzung folgt.

Urlaub, Wanderung Panoramaweg Taubertal, 1. Etappe

Auf geht’s, die erste Etappe unserer fünftägigen Wanderung hat 23 Kilometer. Einige erinnern sich vielleicht, im letzten Jahr haben wir sowas schonmal gemacht, eine Wanderung über den Eggeweg, die Hotelzimmer sind im Voraus gebucht, inklusive Gepäcktransfer, so daß man nur noch einen kleinen Rucksack für den Tagesproviant mitschleppen muß.

Der rote Schirm ist natürlich auch wieder dabei – das wichtigste Utensil, wie sich herausstellen sollte, denn im Gegensatz zum Eggeweg verläuft der Panoramaweg Taubertal mindestens zur Hälfte nicht im Wald, sondern in der prallen Sonne – puuuuh!, bei 28° im Schatten sind das bestimmt gern 40/45° in der Sonne, und wenn es dann auch noch bergauf geht, kommt man ins Schwitzen. Und ins Fluchen.

Natürlich sind wir gut ausgerüstet, ein kleiner Wanderführer in Buchform und die umfangreiche Beschilderung des Wanderweges (der Schuh) sorgen dafür, daß man sich nicht verläuft. Haben wir jedenfalls gedacht. Nach ca. 10 Kilometern müssen wir feststellen, daß das Buch und die Zeichen sich nicht mehr entsprechen, das Buch sagt links, die Zeichen rechts, und in der Folge ist ein totales Durcheinander. Himmel, Arsch und Zwirn – das gibt’s doch gar nicht!! Folgen wir dem Buch, haben wir bald das Gefühl, völlig verloren in der weiten Pampa zu stehen, folgen wir den Zeichen, geht es über gefühlte Umwege weiß der Geier wohin.

Abenteuer Wandern. Der Wein ist leider noch nicht so weit, um uns vor dem Verhungern zu schützen, falls die Irrungen und Wirrungen weitergehen. Später stellte sich folgendes heraus: Der Tourismusverband Taubertal wollte gern, daß der Panoramaweg zu einem „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ wird, eine Auszeichnung, von der man sich eine Verbesserung des Tourismus versprach. Um diese Auszeichnung zu bekommen, dürfen allerdings nur 20% der Wege auf Asphalt verlaufen – mit anderen Worten: Der Wanderweg verläuft nun zum großen Teil anders, als in den Karten und Wanderbüchern vermerkt, und das schon seit Januar 2012. Buchhandel und Wanderorganisationen bieten aber immer noch das alte Material an, was besonders übel ist, wenn man erst während der Wanderung bemerkt, daß irgendwas nicht stimmt. Ich habe jedenfalls den für diese bodenlose Inkompetenz Verantwortlichen alles denkbar Schlechte an den Hals gewünscht, die Leute können froh sein, daß Verwünschungen heutzutage nicht mehr wirken.

Aber schließlich haben wir es doch geschafft – Creglingen, ein kleiner Ort an der Tauber, ist unser Etappenziel. Im Zentrum brummt der Bär …

… aber keine Sorge, falls im Getümmel mal Feuer ausbricht, am Rathaus kann man mit einer Vierteldrehung die Feuerwehr rufen.

Wieso fällt mir in diesem Ort der alte römische Spruch „Die Todgeweihten grüßen dich“ ein?

Ob es an den Schweinchen liegt, die fröhlich ihrer Zukunft bei der Metzgerei entgegensehen?

Hinter dem Norma kommt noch ein Edeka, der genau so groß ist. Wer soll da alles einkaufen, frage ich mich …

Als wir auf der Terrasse des Herrgottstals (geöffnet von 18 bis 20 Uhr) essen, fahren fünf Rocker ihre schweren Maschinen auf den Hinterhof. Jedenfalls sahen sie so aus. Der freundliche Wirt klärt uns auf: Die Motorradfahrer, die teilweise sogar aus Schweden kommen, fahren jedes Jahr durch Deutschland und veranstalten Sammlungen für krebskranke Kinder (oder so ähnlich). Und im letzten Jahr gab es sogar ein Harley-Davidson-Treffen. In Creglingen!

Und noch eine Sensation hat der Ort zu bieten: Das Hauptwerk von Tilman Riemenschneider, dem wohl bedeutendsten Bildhauer und -schnitzer der Frührenaissance in Deutschland, ein Marienaltar.

1510 wurde er fertiggestellt, 1530 zugeklappt – und dann für 300 Jahre nicht mehr geöffnet. Nach der Reformation wurde die Kirche evangelisch, die Marienverehrung der Katholiken fand man degoutant. Erst ein neugieriger Ratsherr hat um 1830 wissen wollen, was eigentlich hinter den Altarflügeln zu sehen ist.

Fortsetzung folgt.

Urlaub: Rothenburg ob der Tauber

Die historische Altstadt von Rothenburg ist noch vollkommen von der intakten mittelalterlichen Mauer umgeben – toll, das hätte man in Köln auch haben können.

Innen kann man fast lückenlos einmal drumherum laufen und nach seinen Feinden Ausschau halten, um sie mit der Armbrust zu bedrohen, Hunnen, Mongolen und was da sonst noch so aus dem Osten kommt.

Früher jedenfalls. Heute sind die zahlenden Gäste aus dem Osten hochwillkommen, sie bestimmen fast das Straßenbild …

… und stehen an jeder Ecke. Rothenburg liegt an der sogenannten „Romantischen Straße“, eine Strecke von Würzburg bis Füssen (413 km), an der viele Sehenswürdigkeiten besichtigt werden können, die mit einem „alten“ Deutschland assoziiert werden, z.B. die Fuggerei Augsburg, das Schloß Neuschwanstein, und eben auch die Altstadt von Rothenburg. Wikipedia weiß, daß Mitte der 90er Jahre 93 Prozent der reisefähigen Japaner den Begriff „Romantische Straße“ kannten. Die sind nun alle hier.

Das macht aber nichts, die Stadt ist groß genug. Am Marktplatz wird gebaut, wie überall zu jeder Zeit, der deutschen Baubranche muß es eigentlich sehr gut gehen. Durch die Gebäudekulissen fühlt man sich noch mehr wie in einer Inszenierung.

Merkwürdigerweise gibt es kaum autofreie Straßen, was damit entschuldigt wird, daß die Anlieferung für die Betriebe gewährleistet bleiben muß, außerdem will man es den Gästen der innerstädtischen Hotels nicht zumuten, zu Fuß gehen zu müssen. Wozu hat man einen extra teures vierradangetriebenes Luxus-SUV, wenn man es vor der Stadt stehen lassen muß!

Außerdem schadet zu viel Bewegung der Figur, jedenfall der, die man sich mit Lust angefr erworben hat, z.B. durch Schneeballen, einer Spezialität des Ortes oder der Region: Ein irgendwie zusammengekrüseltes Gebäck, mit Zucker bestreut, oder in Schokolade getunkt, manchmal auch innen mit Marzipan verfeinert – mächtig und lecker!

Das Bäckereihandwerk hatte es nicht immer so leicht wie heute: Dieser Schandkäfig ist eine sogenannte Bäckertaufe: Wenn im Mittelalter ein Bäcker dabei erwischt wurde, daß seine Halbkilobrote nur 450 Gramm wogen, wurde er nicht nur in den Käfig gesteckt, sondern mitsamt diesem Gestell zum Gaudium der Zuschauer in den örtlichen Brunnen getunkt.

Durch dieses Tor geht’s zum Burggarten (oben auf dem Stadtplan links, die Nase). Ich sage sowas nicht oft: Dieser kleine Park ist wirklich herrlich!

Im 2. WK ist die Altstadt von Rothenburg „nur“ zu ca. 40 Prozent zerstört worden, durch einen blöden Zufall: Die amerikanischen Bomber wollten eigentlich ein Öllager südlich von Würzburg bombardieren, aber da war gerade Nebel. Also haben sie sich ein anderes Ziel gesucht, nicht allzu weit weg und mit klarer Sicht. Hinterher gaben die Amerikaner sich zerknirscht: Man habe ja nicht gewußt, was man da zerstört hätte, man hatte doch nur Menschen treffen wollen … Deshalb haben sie sich brav am Wiederaufbau finanziell beteiligt.

In einer kleinen Kapelle neben einem Rosengarten kann man sich abkühlen.

Essen und Trinken in so einem Museumsdorf ist natürlich immer so eine Sache: Bei den Touristenströmen aus der ganzen Welt ist man nicht auf Stammgäste angewiesen, die Leute kommen sowieso, unabhängig von der Qualität der Speisen. Empfehlen kann ich diesen gemütlichen Biergarten am Rödertor: Hauptsächlich Kartoffelgerichte in allen Variationen, sehr lecker.

Wie es dagegen in diesem schön gelegenen Restaurant schmeckt, kann ich nicht sagen, da haben wir nur was getrunken. Ein Japaner an unserem Tisch fragte nach einer deutschen Spezialität, über die ihn offenbar sein Reiseführer aufgeklärt hatte: Currywurst. Darüber kann man hier nur die Nase rümpfen, der Kellner versuchte (glücklicherweise vergebens), seine Rostbratwürstl an den Mann zu bringen. Tja, wir sind eben in Bayern.

„Ob“ der Tauber, das heißt: Oberhalb des Flusses, der Tauber heißt. Tatsächlich muß man einige Kilometer hinabsteigen aus der Stadt, um an dieses Wässerchen zu gelangen. Die Tauber entspringt ganz in der Nähe und mündet ca. 110 km weiter in den Main. Und diese Strecke werden wir in den nächsten Tagen ablaufen, Wandern über den Panoramaweg Taubertal.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (Nachtrag)

Was meint ihr, wie alt ist diese junge Frau? Um die 20, würde ich schätzen.

Auf ihrem Schoß hält sie allerdings einen jungen Mann, ihren soeben hingerichteten, ca. 30-jährigen Sohn.

Und tatsächlich verursachte diese Diskrepanz zur Zeit der Entstehung der Pietà (=Beweinung Christi) einen kleinen Skandal, den Michelangelo, der Bildhauer, aber dadurch entkräften konnte, daß Maria doch eine zeitlose jungfräuliche Mutter Gottes sei. Wie nicht anders zu erwarten, sind die katholischen Würdenträger darauf reingefallen, wohl auch, weil sie eigentlich sehr beeindruckt waren von dieser überlebensgroßen Figurengruppe (wenn die Marienfigur aufstehen würde, wäre sie über zwei Meter groß).

Michelangelo war gerade Mitte 20, als er sie um 1500 aus einem Block schlug. Da man nicht glauben konnte, daß ein so junger Mann ein solches Werk schaffen kann, signierte er es nachträglich, was die Anziehungskraft auf Pilger noch vergrößerte. Die „Römische Pietà„, wie sie genannt wird (Michelangelo begann später noch andere Pietàs), ist im Petersdom zu besichtigen, allerdings nur hinter Panzerglas, weil ein Verwirrter 1972 mit einem Hammer ein paar „Korrekturen“ angebracht hat.

Dieses Exemplar ist ein Abguß einer Kopie, die im Vatikanischen Museum steht. 1977 ist er entstanden, das Material ist eine Mischung aus gemahlenem Carraramarmor und Polyesterharz.

In dieser Kirche ist die Pietà „versteckt“: Wenn man die Straße „Unter den Linden“ Richtung Alexanderplatz läuft, sieht man auf der rechten Seite die St.-Hedwigs-Kathedrale, gar nicht zu verfehlen. Unten ist ein Kapellenkranz, und in einer dieser Kapellen steht sie.

Irgendwo habe ich gelesen, daß es nicht mehr viele Abgüsse geben soll, aber ich habe die Quelle verloren. Nachbildungen in anderen Größen gibt es natürlich massenhaft.

Ausflug nach Berlin (4)

Berlin hat nicht nur mehrere Opern, unzählige Theater, Museen und Galerien, sondern auch, verglichen mit anderen deutschen Städten, die höchste Dichte an Außenkunst.

Graffiti-Kunst, oder Streetart, wie man heute etwas verallgemeinender sagt, ist in den Augen der Einen sinnlose, vandalisierende Schmiererei, die die Städte verschandelt, in den Augen der Anderen Kunst, deren regelmäßige Entfernung durch die Ordnungskräfte eine Kulturzerstörung ist.

Natürlich ist das Kunst, was hier entsteht, völlig unabhängig davon, wie man sie beurteilt, allerdings eine, deren relativ kurze Dauer dem Werk von vornherein innewohnt, denn die Künstler wissen, daß ihre Kunst meistens illegal ist, man könnte sogar sagen: Die Illegalität und die oft nur kurzfristige Verweildauer sind (meistens) Bestandteile dieser Kunst.

Und deswegen haben die Künstler auch oft kein Problem damit, wenn ihre Werke selbst da, wo das Sprayen geduldet ist, nach einiger Zeit von anderen Künstler übermalt werden, wie hier am Anne-Frank-Zentrum.

Das heißt natürlich nicht, daß es nicht viele Werke gibt, denen man eine lange Dauer wünscht.

Wer noch mehr Streeart sehen möchte, schaut einfach in mein Streetart-Blog.

Ende.

Ausflug nach Berlin (3)

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Auch in Berlin wird fleißig gebaut, nicht nur in Hamburg, Köln und Stuttgart. Weil der Flughafen ja relativ weit draußen ist und der Besucher gar nichts mitkriegt von den regen Bautätigkeiten, hat man an strategisch wichtigen Punkten im Zentrum auch Baustellen errichtet. Gut, die Gebäude braucht man eigentlich nicht, aber das weiß der Gast ja nicht. Hier, auf dem Alexanderplatz zwischen Bahnhof und Fernsehturm, ist Platz, auf dem nichts steht, unerhört. Da in unmittelbarer Nähe schon ein paar tausend Geschäfte sind, kann man gut noch ein paar dazu bauen.

Im KaDeWe war man auch kreativ: Das Brandenburger Tor aus 50 kg feinstem Lübecker Marzipan. Mmh – da läuft einem das Wasser im Munde zusammen – und das ist ja auch der Zweck der Übung.

Mal eine Frage: Wofür genau soll jetzt das Anti-Aging-Mittel da sein? Für blendend weiße Knochen?

Da sage nochmal einer, die Jugend von heute hätte nur Blödsinn im Kopf, Ballerspiele und sowas. Das ist doch sehr poetisch, bravo!

Auch im Wald kann man mal Geld brauchen (in Wirklichkeit steht der Automat in einem Ubahntunnel, schön gesehen und fotografiert von meiner Begleiterin).

… wenn nämlich um die Ecke frische Quarkkeulchen angeboten werden. Fettig, aber sehr lecker.

Kneipenstimmung in Kreuzberg – es darf sogar geraucht werden. In NRW will man das Rauchverbot jetzt richtig streng durchsetzen. Hier stehen in vielen Kneipen die Aschenbecher immer noch auf den Tischen.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (2)

Ein Bilderrätsel: Was ist das?
Kleiner Tipp: Über 1 Kilo Blattgold auf 35 Tonnen Bronze.

Viel Himmel zum Abheben, aber natürlich kann sie letztlich nur fallen, und das ist sie ja aus deutscher Sicht glücklicherweise auch: Viktoria, die Siegesgöttin.

Hier nun das ganze Denkmal: Die Siegessäule (oder „Goldelse“, wie der Volksmund sagt), 1873 zur Feier der deutschen Siege unter Bismarck und seiner Generäle Roon und Moltke, die am Rande auch noch als überdimensionierte „Helden“ herumstehen, errichtet, Siege in Kriegen gegen Dänemark, dann Österreich und schließlich Frankreich im Jahr 1871. Aus dieser Perspektive scheint die Siegesgöttin schon den Gruß zu entbieten, den man aus nationalsozialistischer Zeit kennt, tatsächlich hält sie aber einen Lorbeerkranz in der ausgestreckten Hand.

So, da gehen wir jetzt hoch.

Man muß nicht den vielbefahrenen sechsspurigen Ring überqueren, um zum Monument zu kommen, sondern geht durch einen Tunnel. Nachdem man 3 Euro Eintritt bezahlt hat, wird man durch eine Ausstellung mit Darstellungen von Nationaldenkmälern und -gebäuden geführt. Mir ist alles Nationale zuwider, dieses großkotzige Gehabe, deswegen reagiere ich eher mit Mißmut (das Nationalgefühl zeigt sich heutzutage, wenn Lena einen Gesangswettbewerb gewinnt, Joachim Löws Truppe Bälle im gegnerischen Tor versenkt oder „wir“ Papst werden, bzw. abdanken. Damals fand man es ehrenhaft, zu einer Nation zu gehören, die fremde Länder besetzt und ihre Bevölkerung dezimiert und ausrottet – es gibt keinen Grund, besonders stolz darauf zu sein, weder auf das eine, noch auf das andere).

Zu Anfang ist der Aufstieg noch recht gemütlich …

… das ändert sich aber sehr schnell, es ist so eng und steil, daß kaum zwei Leute aneinander vorbei kommen.

Und das ändert sich auch nicht, wenn man oben ankommt: Die umlaufende Aussichtsplattform ist nicht nur sehr schmal, sondern auch noch leicht abschüssig, und der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn man da kein Gitter angebracht hätte, verursacht augenblicklich weiche Knie.

Aber man hat einen schön weiten Blick *schluck*. Ich, äh … geh dann mal wieder runter.

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Berlin (1)

Auf dem (oder sagt man im?) Prenzlauer Berg haben wir keine Schwaben gesehen, auch Thierse nicht, überhaupt waren nur wenige Menschen unterwegs, aber war ja auch Sonntagnachmittag und kalt. Aber eine Kirche stand da herum, also nichts wie rein.

Innen ist die Zionskirche seltsam unrenoviert. Daß die DDR kein Interesse an Sakralbauten hatte, ist ja bekannt, aber nun sind schon 23 Jahre vergangen. Merkwürdig.

Im Internet steht’s: Kein Geld. Erst seit 2009 sind sie dabei, den Innenraum nach und nach zu renovieren. Ich würde es ja so lassen, wie es jetzt ist, der Raum hat durch seine Verfallsspuren Charakter, Geschichte wird sichtbar. Warum immer alles aufhübschen?

Ziellos schlenderten wir weiter durchs Viertel, man entdeckt in Berlin immer irgendwas Merkwürdiges …

… wie zum Beispiel dieses Stück Berliner Mauer an der Bernauer Str., die man samt Todesstreifen und Wachturm als Gedenkstätte stehen gelassen hat. Gruselig. Ich stand 1974 schon mal auf so einem Aussichtsturm im Westteil, der allerdings nicht ganz so hoch war, ich weiß noch genau, wie unwirklich mir das vorkam.

Dieses schwarze Gebäude im linken Bildteil ist eine Kapelle. Bis 1983 stand an der selben Stelle noch eine Kirche, deren Name ausgerechnet „Versöhnungskirche“ war, mitten im Todesstreifen, dann wurde sie abgerissen.

In einem der Gebäude der Gedenkstätte gibt es eine gut gemachte Dokumentation der Ereignisse 1961 rund um den Mauerbau, Fotos, Zitate, Ton- und Filmdokumente und eine Diaschau. Lohnt sich, der Eintritt ist frei.

Und es gibt sogar einen eigenen Buchladen …

… und in den Souvenirgeschäften kann man nicht nur passende Schneekugeln kaufen, sondern auch bunt bemalte Betonstückchen, die angeblich von der Originalmauer stammen.

Wer das glaubt, der erzählt seinen Lieben zu Hause auch, daß an diesen Mauerstücken (werden die eigentlich noch irgendwo hergestellt, für Touristen?) die originale Bemalung zu sehen ist.

Als klar war, das die sowjetische Armee aus Berlin abzieht, versuchten viele Soldaten, ihre Ausrüstung zu versilbern. Aber, liebe Straßenhändler, das war vor 23 Jahren! Gibt es wirklich Deppen, die glauben, sie würden eine historische Gasmaske oder eine original russische Pelzmütze bei euch kaufen? Was? Amerikaner? Gut, das glaube ich sofort.

Fortsetzung folgt.

(Immer weniger) Krank in Berlin

Selbst wäre ich nie darauf gekommen, in diesen Laden zu gehen, aber meine Begleiterin ließ keine Widerrede zu: „Wir probieren das jetzt.“

Was soll ich sagen: Überraschend lecker! Es ist ein Joghurteis, und die Toppings sieht man oben in der Theke. Der kleinste Becher ist völlig ausreichend und kostet mit einem Topping 2,50, jedes weitere 50 Cent zusätzlich. Doch, gar nicht übel.

Stadt der Gegensätze: Dies sind die Prinzessinnengärten am Moritzplatz. Über 60 Jahre war hier Brachland, bis sich im Jahr 2009 ein paar Leute zusammentaten, den Platz entrümpelten und einen mobilen Nutz- und Erholungsgarten einrichteten. Café und Küche sind in Wellblechhütten untergebracht, jeden Tag gibt es einen Mittagstisch mit Gemüse aus eigenem Anbau und eine Abendpizza.

Der Garten ist mobil, d.h., die Beete sind in alten Kisten untergebracht. Der Platz ist nicht illegal besetzt, sondern von der Stadt gemietet, aber man weiß ja nie, wie schnell plötzlich Begehrlichkeiten entstehen. Inzwischen gibt es sogenannte Ablegergärten. In ihrem Blog steht zu lesen: „2011 haben wir damit angefangen, Ablegergärten in Berlin zu initiieren und zu betreuen. In einer Reihe von Kooperationen mit Kitas, Schulen, Jugend- und Kultureinrichtungen sowie Universitäten sind inzwischen 16 solcher Gärten in Berlin entstanden. Hier werden vor Ort von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Gemüse und Kräuter angebaut.“

Ich bin begeistert. Und einen Fußballplatz findet man hier auch. Wen es interessiert, schaue einfach auf ihre Homepage, da gibt es auch einen informativen Film.

Ein lauer Sommerabend, da könnte man doch mal wieder in den „Club der Visionäre“ gehen, eine Kneipe an einem Seitenarm der Spree, die ich in guter Erinnerung habe: Relaxt sitzt man in guter Stimmung am Wasser und trinkt sein Bier aus Flaschen. Vorbei! Die Kneipe ist jetzt ein echter Club, für den man Eintritt zahlen soll, die Flaschen stehen nun am Einlaß und spielen Türsteher, und die Elektropopmusik ist laut und schlägt einen zusätzlich in die Flucht. Da hatte wohl einer die Vision von viel Geld: Ganz in der Nähe sind noch zwei Biergärten mit Türstehern, Eintritt und schlechter Musik. Schön blöd, so macht man das kaputt, weshalb die Leute gerade nach Berlin kommen.

Egal, gehen wir halt noch ein bißchen an der Spree spazieren und kehren dann in Kreuzberg in einer Szenekneipe ein. Das Angebot hier ist ja riesig.

Ende.