So leer wie auf dem Foto ist es hier in der Kneipe „Lapidarium“ nicht immer, ich war an einem Sonntag dort. Die ganze Einrichtung wirkt provisorisch und zusammengestückelt, die Atmosphäre ist dadurch aber ungezwungen, man lümmelt sich auf eine Bank und fühlt sich ebenso. Das Bier kommt schnell, und die Snacks sind günstig und einfach (nichts besonderes, eine Suppe oder Toast mit Käse). Zwei Riesenbildschirme, das muß ja wohl sein, hängen unter der Decke und zeigen Musikvideos, aber die Lautstärke ist angenehm. Ab und zu sollen in diesem verhältnismäßig kleinen Raum auch kölsche Gruppen spielen, Bläck Föös etc. – das ist dann wahrscheinlich „kultig“ und sehr voll, also nichts für mich. Die Kneipe rühmt sich übrigens damit, keine Schnäpse auszuschenken – aha, soso, mir egal, ich trinke sowieso keine, aber was daran besonders sein soll, ist mir schleierhaft.
Schlagwort: Köln
Maybachstr.
Strategisch nicht ungünstig gelegen, lohnt es sich für diese Würstchenbude, auch im Winter geöffnet zu haben: Links auf der anderen Straßenseite ist der Mediapark mit einer Unzahl von Büros und dem Kinokomplex Cinedom. Ob die Bratwurst aber wirklich gut ist, habe ich noch nicht ausprobiert – vielleicht vorm nächsten Kinobesuch.
Bayenturm
Der Bayenturm galt jahrhundertelang als Zeichen einer selbstbewußten Kölner Bürgerschaft, selbstbewußt jedenfalls gegenüber dem Kölner Erzbischof: 1262 besetzten die Bürger nach einem Kampf gegen die Truppen des Kölner Erzbischofs den Turm und gaben ihn seitdem nicht wieder her, die wirtschaftliche und rechtliche Vorherrschaft des Erzbischofs war für immer gebrochen (siehe auch die Schlacht bei Worringen). Bei der Erstürmung soll übrigens zum erstenmal der Ruf „Kölle Alaaf!“ gefallen sein.
Der Wehrturm wurde als südlicher Endpunkt der mittelalterlichen Stadtmauer 1220 direkt am Rhein errichtet und, weil er 1881 nicht weiter störte, bei der Schleifung der Mauer stehen gelassen. Er beherbergte diverse Museen und Karnvalsvereine, wurde im 2. WK schwer beschädigt, in den 90ern wieder renoviert und ist heute Sitz der Stiftung „FrauenMediaTurm“ und Redaktionsort der Zeitschrift „Emma“. Übrigens: Aus alter Zeit hat sich der Spruch überliefert „Wer den Turm hat, hat die Macht!“
Historisches Stadtarchiv
copyright A. Regh, zum Vergrößern bitte draufklicken
Die Medien sind ja relativ voll davon, deshalb hier nur ein Bild, das kurz nach Einsturz des Gebäudes von Alexander Regh gemacht wurde (das Bild steht unter CC-By-Lizenz). Links sieht man die mittelalterliche Kirche St. Georg, gegenüber der Unglücksstelle ist die Schule, die nun wahrscheinlich auch abgerissen werden muß. Im Hintergrund der rote Kirchturm, der bereits 2004 für Schlagzeilen sorgte, da er wegen der U-Bahnarbeiten umzufallen drohte.
Wer weitere Bilder von Alexander Regh, offensichtlich ein Anwohner, sehen möchte, klickt bitte hier.
Kolpingplatz
Ein Schuhmacher aus Kerpen, da weiß natürlich jeder sofort, wer gemeint ist: Adolf Kolping (1813 – 1865), der diesen Beruf in jungen Jahren ausgeübt hatte und aus erster Hand miterlebte, wie schlecht es Arbeitern und Handwerksgesellen im 19. Jahrhundert ging. Er studierte Theologie und wurde als Pfarrer ab 1845 in Wuppertal eingesetzt, wo es einen Gesellenverein gab, der sich besonders um die sozialen Belange von Wandergesellen kümmerte. Kolping baute diese Idee aus, gründete ein entsprechendes Haus in Köln, dem bald viele weitere in Deutschland und schließlich weltweit folgten. Das Kolpingwerk hat heute 450.000 Mitglieder. Allein in Deutschland gibt es 250 Kolpinghäuser und 200 Einrichtungen des Kolping-Bildungswerks. Es gibt Hotels, Wohnhäuser, Veranstaltungsorte, Workcamps, organisierte Ferienreisen, eine eigene Zeitschrift mit einer Auflage von 186.000 – ein riesiges Sozialwerk mit christlich-katholischem Missionsanspruch.
1991 wurde Kolping vom Papst selig gesprochen, die Heiligsprechung läuft noch – man darf gespannt sein, welche Wunder er bewirkt haben soll, denn ein Märtyrer war er definitv nicht (eine von zwei Voraussetzungen, Mätyrer oder Wundertätiger, muß für eine Heiligsprechung gegeben sein; das Verfahren der Heiligsprechung kostet nach Wikipedia übrigens 250.000 Euro (im Jahr 1997), die an den Vatikan zu entrichten sind! Na, halleluja!).
Das überlebensgroße Denkmal wurde 1903 von Johann Baptist Schreiner (1866 – 1935) erschaffen: Der „Gesellenvater“ verabschiedet (oder begrüßt?) einen Gesellen.
Gustav-Heinemann-Ufer
Wie ich einem städtischen Wohnungsbauprogramm aus dem Jahre 2005 entnehme, war der Büroleerstand zu der Zeit so hoch wie nie, man überlegte, Büros in Wohnungen umzuwandeln. Ich habe leider keine neueren Zahlen, aber man kann vermuten, daß der Leerstand immer noch sehr hoch ist (insgesamt hat er im 2. Halbjahr 2008 in den großen Städten aufgrund der sich anbahnenden Finanzkrise stark zugenommen), aber trotzdem werden immer noch neue gebaut, hier direkt an der attraktiven Rheinuferstr. (allerdings die selbe, die bald nicht mehr so attraktiv sein wird, da man die Bäume für zwei neue Fahrspuren fällen will, ich berichtete). Provisionsfrei kann man hier Büros zwischen 250 und 50.000 Quadratmeter kaufen oder mieten, aber da das vermutlich so weitergeht mit der Krise, schlage ich vor, die Räume gleich als Wohnungen zu planen, billiger Wohnraum wird immer gebraucht, und ich würde mich ganz bescheiden mit der kleinsten Größe von 250 Quadratmetern zufriedengeben.
Hohenstaufenring
Eingequetschter Gründerzeitbau, der zwei Weltkriege und rein ökonomische Bebauungspläne überlebt hat – etwas weiter kommt die Straßenbahn aus der Erde. Ich hoffe, das bleibt so und es ist keine U-Bahn-Verlängerung geplant, wer weiß, wie lange es das Haus dann noch geben würde.
Daß das Historische Archiv gestern zusammengekracht ist, ist wirklich ein Jammer – nicht wegen des Gebäudes, aber für den Bestand, der nun einer vier Kilometer langen, über eine Milliarde Euro teuren und völlig überflüssigen U-Bahn zum Opfer gefallen ist. Wer mehr wissen will: Wikipedia ist schon auf dem neusten Stand.
Holzmarkt, Rheinauhafen
Natürlich gab es schon Denkmäler und Reiterstandbilder von Kaisern und Königen, diese Skulptur jedoch ist die erste – als Kunst autonome – Freiplastik in Köln: „Der Tauzieher“ von Nikolaus Friedrich (1865 – 1914), die am Holzmarkt in der Nähe des Rheinauhafens 1911 aufgestellt wurde. Kunstbeflissene Bürger hatten das Werk in einer kleineren Version in einer Ausstellung gesehen, fix Geld gesammelt und diese 2,50 Meter hohe Würdigung der Arbeit und des Arbeiters in Auftrag gegeben, die Stadt bezahlte die Kosten der Aufstellung – und das alles zur Kaiserzeit, die ja nicht gerade dafür bekannt war, den Proletariern die Hand zu reichen.