Dank eines Hinweises von Blogfreundin April Showers bin ich auf einen Flashmob aufmerksam geworden, der letzte Woche auf der Domplatte stattgefunden hat: Eine Kissenschlacht. Ein Flashmob ist eine meist sinnfreie Zusammenkunft von überwiegend einander unbekannten Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt, der im Internet bekannt gegeben wird. Ein weiteres Beispiel: „Am 24. Januar 2009 trafen sich um Punkt 16:00 Uhr über 600 Menschen an einem überregionalen Einkaufszentrum in Oberhausen auf einem zentralen Platz, aßen eine Banane und verschwanden dann wieder.“ (Zitat: wikipedia). Aaaha, gut gut – wenn man sonst nichts zu tun hat …
Schlagwort: Köln
Roncalliplatz
Vor fast genau einem Jahr hatte ich hier über ein Bauvorhaben neben dem Dom berichtet, jetzt ist es fertig: Der neue Zugang zum Südturm, zu saubereren Toiletten und zum unterirdischen Parkhaus. Und ich habe recht behalten: Die Neubauten sind zurückhaltend und beeinträchtigen die gotische Architektur nicht. Man geht ein paar Stufen nach unten, durchquert den neu gebohrten Gang durch das zwölf Meter dicke Fundament des Südturms und kann in einem geräumigen Kassenraum die Eintrittskarte kaufen.
Neuerdings kann man nun auch von hier aus die Grabungsarbeiten unter dem Dom besichtigen.
Dann geht’s wieder hoch bis zur Wendeltreppe, die 509 Stufen führen zu einem Plattformring in 100 Meter Höhe.
Sieben Millionen Menschen besuchen jedes Jahr den Dom, davon besteigen 600.000 den Turm – ich würde sagen, das Abfallkonzept für diese erwarteten Massen ist noch nicht ganz ausgereift.
Als wir unten waren, ertönte plötzlich eine laute Sirene, ein aufgeregte junge Frau beichtete dem Kassierer, daß sie versehentlich einen Alarmknopf gedrückt habe – keine fünf Minuten später standen sieben Feuerwehrzüge auf dem Roncalliplatz (ich hatte leichte Sorge wegen der U-Bahnröhren, die in der Tiefe kreuzen). Auch daran kann man sicher noch arbeiten.
Frühling in der Stadt
Aah – es wird Frühling. Nicht nur die Bäume schlagen endlich aus, auch Ralf („meine Freunde nennen mich Ralle“) hat wieder sein Revier abgesteckt, mit frisch geputztem Rost und ausgewechseltem Öl geht’s in die neue Saison.
Die Kneipe in der Nachbarschaft hat beim ersten Sonnenstrahl die Stühle und Tische aufgestellt und kredenzt nicht nur Kölner Flönz und Berliner Weiße, sondern auch Chicken Wings mit Salat aus Bunte – keine Ahnung, wo das Örtchen liegt.
Baustelle
Heutzutage kann man sich die Pflastersteine in handlichen Beuteln liefern lassen, praktisch. Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, da mußte man die „Argumente“ mühsam aus dem Boden lösen.
(Pfui, was für ein böser Scherz! Ich bekenne: Ich lehne jede Gewalt ab, und das mit den Pflastersteinen habe ich auch nie gemacht. Kinder, laßt die Finger davon!)
Lübecker Str.
1451 Restaurants soll es in Köln geben, bei 1 Millionen Einwohner erscheint mir das nicht viel. Es ist für jeden was dabei: Ausländische Leckereien aller Nationalitäten, trendige In-Restaurants, günstige und gute Studententröge, gutbürgerliche Küche ebenso wie die etwas gehobenere, wo man vorzugsweise „fein gemacht“ hineingeht – wie hier.
Hahnenstr.
Und wofür wirbt diese Schaufensterdekoration in der Vorosterzeit so geschmackvoll? Richtig – für hübsche Lampen. Und auch für die ältere Generation gibt es Passendes: Eine Standleuchte in Form eines Tropfständers, wie man ihn häufig auf der Intensivstation von Krankenhäusern sieht, da ist der Gewöhnungsprozeß nicht so arg. Wer nun mich für geschmacklos hält: Ich bin nur der Fotograf.
Jülicher Str.
Neue Frisur gefällig? Typ Medusa, wie an der Tür, ein Blick der Männer, und sie erstarren. Oder Typ Windsbraut im gothic style, das sorgt für geheimnisvollen Wirbel und macht die Frauen rätselhaft. Die ungesunde Hautfarbe könnte abschreckend wirken, aber vielleicht soll sie das ja auch. Termine nur nach Vereinbarung.
Regen
Regen Regen, ständig Regen, und jeder stöhnt: Muß das sein, „I can’t stand the rain“ wird zur Lebenshymne. Aber es ist auch diesmal so wie so oft: Was man haben will, das kriegt man nicht, was man nun gar nicht mehr gebrauchen kann, bekommen wir stattdessen im Überfluß. Wenn wir also den Regen loswerden wollen, müssen wir das Gegenteil von dem tun, wonach uns eigentlich der Sinn steht: Wir müssen ihn beschwören.
Los geht’s: Keep falling down!
Historisches Stadtarchiv
Es ist ja immer so eine Sache mit Unglücksorten: Soll man sich einreihen in die Horde der sensationslüsternen Gaffer, oder soll man brav zu Hause bleiben und sich ein historisches Ereignis entgehen lassen, dessen Zeitzeuge man doch ist? Also war ich gestern da, habe meine Neugierde befriedigt und trotzdem niemanden behindert, da die Bergungsarbeiten am Sonntag ruhten.
Ich kann die besorgten Anwohner verstehen: Sicherheit strahlt die Gegend hier nicht aus.
Die Trümmer sind überdacht, behutsam werden sie abgetragen und in großen Hallen auf noch Verwertbares untersucht, mir erzählte jemand, man habe bereit über 50 Prozent des Bestandes in restaurierbarem Zustand geborgen.
Derweil sind die involvierten Politiker und Beamten in Hektik ausgebrochen: Wer hat wem was wann gesagt oder es unterlassen, „Unverschämtheit!!“, „… da werden Köpfe rollen!“ – und jeder versucht, seinen aus der Schlinge zu ziehen. Interessant ist, wer hier eigentlich die Bauaufsicht hatte, also dafür sorgen sollte, daß hier alles mit rechten Dingen zugeht: Ursprünglich hatte die Bezirksregierung Düsseldorf die Bauaufsicht, die sie aber auf die Stadt Köln, genauer: Auf die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) als Bauherr, übertragen hat. Und die KVB war so frei, sie gleich und der Einfachheit halber an die ausführenden Firmen weiterzugeben (Quelle: SZ, 18.03.09), man denke nur an das Personal , was das wieder kostet …
Das ist ungefähr so, als würde man die Organisation einer Gefängnisbewachung den Insassen überlassen.
Hier haben vor vier Wochen noch Leute gewohnt: