Brückenstr.

Deutsch ist eine schwere Sprache. Deshalb sind dem Azubi des Schildermalers die Zeilen und zwei Buchstaben verrutscht. „Motorräder/Fahrräder: Erstellen von Privatparkplatz verboten!“, sollte da eigentlich stehen, und das ist natürlich sehr umständlich ausgedrückt. Gemeint ist: „Öffentlicher Stellplatz für Motorräder/Fahrräder“. Kevin ist aber auch erst im dritten Lehrjahr.

Ostersonntag in der City

Ostern zu sommerlichen Temperaturen – kein Wunder, daß die Ostereier, die hier zum Schmuck ins Schaufenster gelegt wurden, sich anders entwickelten, als man sich das gedacht hatte.

Monsterhasen lauern auf den Dächern …

… während auf der anderen Rheinseite eine Maschine versucht, Menschen aus den Sitzen zu rütteln. Brutal. Befremdend. Aber gut, es ist so warm, ein kleines Schäfchen kann nicht schaden.

Noch ein Riesenosterhase. Was? Ein anderes Tier? Von Osterpferden habe ich noch nie was gehört.

Quizfrage: Wieviele Brücken sind auf dem Bild zu sehen? Genau, drei. Und ein Schokoladebrunnen.

Was ist denn hier los? Kein Auto weit und breit, alles abgesperrt. „Rund um Köln“, erfahre ich, ein Radrennen. Das einzige Fahrrad, das ich sehe, ist das, auf dem ich sitze. Wahrscheinlich schon alle vorbei. Ich fahr mal hinterher.

Nachdem ich die Ziellinie überquert habe (also ca. 3 Minuten später), brauche ich dringend eine kleine Stärkung in Form einer Bratwurst, Muskelaufbau erfordert Proteine. Im Biergarten neben der Würstchenbude wird Jazz gespielt, sehr nett. Wenn ich weiter so viel Sport treibe, sehe ich bald aus wie der junge Mann im Hintergrund.

Ein angenehmer Ostersonntag. Nur die Küken machen mir Sorgen. Ob noch mehr umgefallen sind?

Zülpicher Str.

Laut einer repräsentativen Umfrage ißt jeder zweite Deutsche ab 14 mindestens einmal im Jahr einen Döner, die meisten sogar mehr. 200 bis 300 Tonnen kommen so zusammen und erwirtschaften ein Umsatz von geschätzten 2,3 Milliarden Euro. Laut einer Verordnung darf ein Dönerspieß bis zu 60% aus Hackfleisch bestehen und unterliegt somit der Hackfleischverordnung, und das heißt: Ein begonnener Spieß muß an einem Tag aufgebraucht werden, bleibt ein Rest, muß er entsorgt werden, andernfalls wird Gammelfleisch verkauft, in dem die Salmonellen Partys feiern. Allein deshalb sollte man sich immer einen Dönerladen aussuchen, in dem viel los ist. Außerdem sind viele Gäste natürlich ein Indiz für Qualität, vorausgesetzt, der Laden liegt nicht in einem Tourismusgebiet.
Ein Döner ist übrigens keine Zwischenmahlzeit: Mit durchschnittlich 615 Kilokalorien (20% Fett sind zugelassen) deckt er ungefähr ein Drittel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen.

Im Stadtgarten

Bei diesem Wetter hält es niemanden mehr in seiner Wohnung, jeder, der kann, sucht sich einen Platz an der Sonne.

Die Halsbandsittiche im Stadtgarten bauen aufgeregt an ihren Nestern, damit es der zu erwartende Nachwuchs bequem hat …

… während der, der schon da ist, am Boden zu ersten Erkundungen aufbricht.

Im Biergarten ist noch Platz, Zeit für Kaffee und Kuchen, die frische Luft macht Hunger.
Ah, da kommt auch schon der Kellner – dachte ich. Der nickt beschwichtigend, geht vorbei und kümmert sich einen Scheiß um mich um andere Gäste. Ein größere Gruppe müßte man sein, die fällt sofort auf, wenn sie sich irgendwo niederläßt, und zieht die Kellner an wie das Licht die Motten. Ich bin leider keine Gruppe und muß dabei zusehen, wie Tabletts mit Hamburgern, Flammkuchen und Kölschstangen an mir vorbei getragen werden. Am übernächsten Tisch wird umständlich abkassiert, jeder zahlt einzeln. Da – eine Kollegin wird aufmerksam … aber nicht auf mich, Himmel, sie will vorbeilaufen. Ich halte sie auf.
Das Stück Florentiner Kirschkuchen ist von der Größe einer vollen Mahlzeit. „Das letzte Stück!“, verkündet die Kellnerin freudestrahlend. Lecker, schmeckt wirklich gut, bis – autsch! – ein Kirschkern erinnert mich schmerzhaft daran, daß man von fremder Hand zubereitete Speisen mit Vorsicht genießen sollte. Na gut, denke ich, 1 Kern bringt Glück. Daß gerade ich den erwischt habe von einem ganzen Blech … als ich fertig bin, überlege ich, ob ich den Biergartenbetreiber wegen Hinterhältigkeit verklagen sollte – viereinhalb Kerne auf ein Stück, das riecht doch verdächtig nach Attentat. Oder … vielleicht ist das auch nur die späte Rache für die drei Tassen, die ich hier mal vor Jahren geklaut habe. Ich hoffe bloß, wir sind nun quitt.
Der erste Kellner kommt gelangweilt angeschlendert und fragt, ob ich noch was möchte. „Ach nee! Plötzlich!“, empöre ich mich – natürlich nicht, sondern schüttel nur freundlich meinen Kopf. Die Sonne scheint.

Agrippabad

Ach, wär das schön, wenn es immer so leer wäre! Das Agrippabad, mitten in der Stadt gelegen, wurde Ende der 50er Jahre geöffnet und steht unter Denkmalschutz – Ende der 90er Jahre wurde es innen so weitreichend umgebaut, daß man sich fragt, was da geschützt wurde. Vorm Umbau war es ein Schwimmbad, danach ein Spaßbad mit einer riesigen Rutsche, Fitnessbereich (der natürlich extra kostet), Sauna (ebenso) und anderen Kinkerlitzchen. Für 2 Stunden Aufenthalt (nur Schwimmen) bezahlt man 5,40 Euro pro Person (Kinder etwas weniger) – ich finde, das ist ein stolzer Preis, den sich viele Familien wohl nicht leisten können. Dennoch deckt der Betrieb die Kosten nicht, was ich nicht schlimm finde: Öffentliche Sportanlagen dienen der Gesundheit der Bevölkerung, und was, wenn nicht das, sollte der Öffentlichen Hand wichtigstes Ziel sein? Und deswegen gibt es auch eine Ermäßigung – allerdings nicht für die sozial Schwachen, die immer wieder erneut den Eintritt vom monatlichen Haushaltsgeld abzweigen müssen, sondern für die eher Wohlhabenden: Wer bereit und fähig ist, Besuche in einer Höhe von 280 Euro im Voraus zu bezahlen, erhält eine Ermäßigung von 25 %. Verrückt.

Früher sah das Bad so aus:


(Qelle)

Kleine Brinkgasse

Anfang der 50er Jahre waren die beiden Enden dieser Gasse mitten in der Innenstadt mit versetzten Mauern verstellt, der Zugang war nur männlichen Bürgern erlaubt, ähnlich der Herbertstr. in Hamburg. Ein Zeitzeuge erinnert sich:

„Als Pänz vun drücksehn, veezehn Johre, sin mer jään ens durch de Brinkjass un de Nächelsjass flaneet. Do jov et jet ze sinn. Nommedachs loche do de Huusfraue-Nutte en wießer Ungerwäsch em Finster un leete ehre Memme üvver de Britz hange. Uns feele de Auge usm Kopp.
Kalibere kunns du do aanjeseechtich weede. Do leever Jott! Die Wiever däte och met uns Spökes drieve.
Mer soche vielleich och jet älder us wie mer wore.
Äver rinjejange sin mer nie.
Uns däte ehschtens de Nüsele fähle un dann hatte mer – jläuv ich – och jet Schess för dä Vollwiever.“ (Kelong)

Übersetzung: „Als Kinder von dreizehn, vierzehn Jahren sind wir gern mal durch die Brinkgasse und die Nächelsgasse flaniert. Da gab es was zu sehen! Nachmittags lagen da die Hausfrauennutten in weißer Unterwäsche im Fenster und ließen ihren Busen über die Brüstung hängen. Uns fielen die Augen aus dem Kopf. Da konnte man Kaliber sehen! Du lieber Gott! Die Frauen trieben auch mit uns ihre Späßchen.
Wir sahen vielleicht auch älter aus, als wir waren.
Aber hineingegangen sind wir nie.
Uns fehlte erstens das Geld, und dann hatten wir – glaube ich – auch Schiß vor den Vollweibern.“

Mal abgesehen davon, daß dem Berichterstatter immer noch der Sabber aus dem Mund zu laufen scheint: So ändern sich die Zeiten. Heute rollt man in der Gasse einen roten Teppich aus, um allen Konsumenten das Geld aus der Tasche zu ziehen, auch den Frauen. Das bringt einfach mehr.

PS: Apropos Hamburg: Ich bin ein paar Tage weg, nachschauen, ob die Herbertstr. noch steht. Bis nächste Woche.