Am Deutzer Bahnhof, der gleich gegenüber dem Hauptbahnhof auf der anderen Rheinseite liegt, wird schon seit Jahren herumgebaut und alles mögliche geplant und wieder verworfen. So sollte er mal mit einer riesigen Glasplatte komplett überdacht werden, und ein Laufband von ca. einem Kilometer Länge sollte beide Bahnhöfe miteinander verbinden. Aus beiden überflüssigen Plänen ist nichts geworden, aber eine neue Toilette hat man gebaut – Toilette, was sag‘ ich – ein WC-Center! Gut, auch hier verrichtet man nur seine Notdurft, aber wenn man 60 Cent pro Besuch bezahlen muß, kann man schon etwas Besseres verlangen. „Mama Mama, ich muß mal auf’s Klo!“ gehört der Vergangenheit an. „Ja, mein Kind, wir sind ja bald im Center“ – das vermittelt ein gehobenes Lebensgefühl. Und wenn das Laufband doch noch realisiert wird, könnte man ja vielleicht eine Abzweigung direkt dorthin einrichten. Und wenn dann noch aus Kostengründen das WC-Center mit dem Fahrgast-Center zusammengelegt worden ist, kann man gleich zwei Geschäfte auf einmal abwickeln.
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Kölner Alpen
Nur weil man in der Großstadt wohnt, heißt das nicht, daß man auf irgendwas verzichten muß an Freizeitaktivitäten: Klettern scheint in zu sein, der Kölner Alpenverein hat immerhin 9400 Mitglieder. Aber wo klettert man, wenn weit und breit keine Berge in Sicht sind? In der Halle, vermute ich, und eben hier, an der Treppenanlage der Hohenzollenbrücke, deren Wände aus Naturstein sind. Das angeleitete Klettern ist hier ausdrücklich erlaubt an der laut Verein „einzigen frei zugänglichen Kletteranlage an einem historischen Baudenkmal in Deutschland.“
Rheinterrassen, Rheinpark
Im rechtsrheinischen Rheinpark ist bei schönem Wetter am Wochenende ein wenig mehr los als im Klettenbergpark.
Gleich am Anfang liegen die Rheinterrassen, eine In-Lokalität für Kölner (die Touries kennen sie nicht, die sitzen stattdessen auf der anderen Seite am schattigen Altstadtufer). Das Restaurant öffnet erst um 18 Uhr, der Biergarten aber hat Hochbetrieb: Am einen Stand gibt’s Essen (Hamburger und billiger, wenn auch nicht preiswerter Salat), am anderen Getränke, viel Ansteherei zu relativ gesalzenen Preisen, wenn man hier was verzehren will.
Dafür sitzt man lange in der Sonne, hat einen guten Ausblick, und weil das anscheinend noch nicht reicht, hat man Strandsand aufgeschüttet und Strandkörbe aufgestellt.
Wem das zu blöd und außerdem das Geld zu schade ist, geht ein paar Schritte weiter, kauft auf dem Feinschmeckermarkt, der zufällig gerade stattfindet, ein paar Kleinigkeiten …
… und picknickt im Park, wo sich die Massen verlaufen.
Und im Sand sitzen kann man hier auch, wenn man unbedingt will.
Liebesschlösser 2
Vor fast genau einem Jahr berichtete ich hier von den Vorhängeschlössern, die zur Besiegelung einer Liebe an die Gitter der Hohenzollernbrücke angebracht werden. Der Schlüssel wird – als Symbol für die beabsichtigte Dauerhaftigkeit der Liebe – in den Rhein geworfen. Waren es vor einem Jahr noch ein paar hundert von solchen „Lucchetti dell’amore“, sind es inzwischen ein paar tausend. Mich würde interessieren, wieviele von den Paaren wohl noch zusammen sind. Ich finde, man sollte zur Auflage machen, daß eine Trennung nur dann erfolgen kann, wenn die Ex-Liebenden im Rhein nach dem Schlüssel tauchen, um das Schloß wieder aufzuschließen, und wenn er nicht gefunden wird, müssen sie eben zusammen bleiben. Wenn schon, denn schon.
Deutzer Ufer
550 Millionen Euro Haushaltsdefizit in Köln, aber im Stadtrat sitzen keine Weicheier, da werden neue Projekte geplant und umgesetzt … na gut, jedenfalls erstmal angeschoben, dann sieht man weiter, hauptsache, die Wirtschaft brummt. Was zum Beispiel stört auf dem oberen Foto? Genau – die Bäume! Die Architektur des ehemaligen Lufthansagebäudes kommt ja gar nicht richtig zur Geltung, das kann man doch attraktiver gestalten:
Keine lärmenden Vögel, keine lästigen Mücken, stattdessen ein ungestörter Blick auf das DrecksGebäude – das lockt Touristen in die Stadt.
Ein paar Jahre lang habe ich um die Ecke gewohnt, oft im Sommer am Kiosk eine Flasche Bier geholt, mich hier hingesetzt und mit Blick auf die überfüllte Altstadt im Linksrheinischen in Ruhe den Sonnenuntergang genossen. Aber wie sieht das auch aus: Bürger, die in der Öffentlichkeit sitzen und Alkohol trinken. Zum Besaufen sind die völlig überteuerten Kneipen da – gut, daß das jetzt nicht mehr sooft passieren wird! Denn wer will da jetzt noch sitzen?
Natürlich hat man große Pläne: Die 1928 gepflanzten Bäume sind ja schon mal entsorgt, irgendwann wird der Bahndamm aus dem 19. Jahrhundert abgetragen sein, und wenn der Haushalt es dann in ferner Zukunft mal wieder zuläßt, soll folgendes gebaut werden:
Bis dahin können wir uns auf ein paar Jahre Baustelle auch an diesem Ort einstellen, dafür können wir uns schon darauf freuen, wenn 50 Jahre nach Fertigstellung die Bäume tatsächlich so groß sind wie auf der Abbildung – wenn dann überhaupt noch Bedarf dafür besteht, wie gesagt, Bäume stören irgendwie das Stadtbild.
Kirmes
Ich war selbst nicht da, aber am Rhein spazieren, und dann ist es direkt an der anderen Rheinseite nicht zu übersehen: Das Frühlingsfest. Da oben in diesem Schwenkarm sitzen tatsächlich Menschen! Kaum zu glauben, wofür manche Leute ihr Geld ausgeben, mich bekäme man auch dann da nicht hinein, wenn man mir was dazu geben würde. Außerdem weht ein scharfer kalter Wind, das kann doch kein Vergnügen sein.
Allerdings: Auch Eis geht angeblich immer. Wohin? Eis geht heute gar nicht, jedenfalls nicht in meinen Mund, und auch in sonst keinen, den ich sehe.
Werbung an der Siegburger Str.
Dieses Plakat im Format ca. 3×2 Meter hängt an einigen Stellen in der Stadt und wirbt für die schöne Region Niederrhein, ein großes Gebiet zwischen ungefähr Düsseldorf und Kleve. Genauer gesagt: Geworben wird für das Fahrradfahren in dieser Region, an vielen Radstationen kann man sich günstig ein Rad leihen und losfahren, oder auch übers Internet eine längere Reise planen, gegen Kostenaufschlag wird einem das Gepäck per Auto hinterhergefahren. Tolle Idee. Bloß die Radrückgabe könnte noch optimiert werden. Oder sind das Einmal-Räder, die sich im Wasser auflösen?
Wahlfreiheit
Wo geht’s denn jetzt hin? Links, rechts, Wende kehrt, geradeaus, in alle Richtungen auf mehreren Spuren, wer nimmt uns mit, rot, grün, schwarz (gelb ist gerade fortgefahren: Volle Fahrt im Rückwärtsgang!). Ach, ich befürchte, unsere Wahlmöglichkeiten sind begrenzt: Die Wege sind angelegt und festgefügt, und wer uns verspricht, er würde anhalten und neue Pfade suchen, der lügt oder bemüht sich vergeblich, keiner hat den Mut, es zu verlassen, dieses Einbahnstraßensystem – ins Elend.
Rheinpark, Teil 2
Auf Anregung von LaWendeltreppe ein kleines Fotovideo. Die Musik ist von Miles Davis.
Rheinpark, Teil 1
Früher war Köln eine rein linksrheinische Stadt. Das änderte sich erst, als 1888 der der Innenstadt direkt gegenüberliegende heutige Stadtteil Deutz eingemeindet wurde. Etwas später (1907 – 1913) wurde dort am Rheinufer eine 48 ha große Parkanlage angelegt, die bis zum nächsten Stadtteil reicht.
Der Park hat zum großen Teil das Flair der 50er Jahre, da im 2. WK natürlich alles zerstört wurde, so daß zur 3. Bundesgartenschau 1957, die hier stattfand, alles neu gebaut wurde. 2007 wurde er zum schönsten Park Deutschlands gekürt, 2008 zum zweitschönsten Europas.
Die Architektur des Parkcafé ist typisch für diese Zeit, eine Schande, daß man es nun verfallen läßt. Unten wird nur noch ein Kiosk betrieben.
Zwischen Blumen und Brunnen geht es weiter …
… zu weitläufigen Liegewiesen. Hier kann man seine Ruhe haben, wenn mal will, man findet immer einen Fleck ohne laut spielende Kinder oder Ghettoblaster-bewehrte Jugendliche.
Mit der Seilbahn kann man über den Rhein bis zum Zoo auf der anderen Seite schweben – das ist etwas, was ich unbedingt noch machen muß, aber nur bei schönerem Wetter.



