Das ist, wodurch St. Pauli in den Medien bekannt wurde: Die Reeperbahn, Große Freiheit, Davidstr. bedeuten Sex, Porno, Prostitution.
Was nachts wenigstens blinkt und leuchtet, macht tagsüber einen eher trostlosen Eindruck, die Reeperbahn ist eine vierspurige Rennstrecke. Ein Türsteher versuchte mich zum Eintritt zu überzeugen, indem er anbot, ich dürfe meine Tochter umsonst mit hineinnehmen, womit er meine Begleiterin meinte. Frechheit!
Abseits dieser Straßen ist St. Pauli ein richtig nettes Wohngebiet: Nette Cafés und Kneipen, kleine Geschäfte, lebendige Straßen. Natürlich hängen überall Totenkopffahnen aus den Fenstern, die Identifikation mit dem Fußball-Club ist groß.
Unser Touristenführer erzählte, daß St. Pauli bei Neuvermietungen inzwischen zum teuersten Pflaster Hamburgs zählt. Hier wie überall in den großen Städten: Dieselben Leute, die dafür arbeiten, daß überall diese riesigen Bürotürme und neumodische Wohnklötze in bester Elblage hochgezogen werden, ziehen es selbst vor, im renovierten Altbau im Szenekiez zu wohnen. Gentrifizierung führt langfristig dazu, daß ganze innerstädtische Viertel ihren Charakter verlieren und die bisherigen Bewohner, die die teueren Mieten nicht mehr zahlen können, an den Stadtrand gedrängt werden.
Und damit man es zur Arbeit nicht weit hat, stellt man an den Rand des Viertels neue Bürotürme hin, wie hier die „Tanzenden Türme“, die gerade im Bau sind. Unser Touristenführer erzählte, daß der Büroleerstand in den benachbarten Häusern teilweise bis zu 70% betrage, aber egal, hauptsache erstmal hinbauen.
A propos Touristenführung: Unsere war wirklich klasse, über 2 Stunden wurden wir von einem jungen Mann in alle möglichen Ecken geführt, der seine riesige Fülle an Informationen und Geschichten dermaßen packend und engagiert erzählte, daß wir ihm noch viel länger hätten zuhören können. Wer mal da ist, sollte unbedingt hier diese Tour buchen: St. Pauli Tourist Office.
Gern hätte ich noch Bilder von der Live-Sexshow gezeigt, in die ich gehen wollte, aber ich wußte nicht, wo ich meine Knarre lassen sollte. Tja, Pech.









