Kirmes

Ich war selbst nicht da, aber am Rhein spazieren, und dann ist es direkt an der anderen Rheinseite nicht zu übersehen: Das Frühlingsfest. Da oben in diesem Schwenkarm sitzen tatsächlich Menschen! Kaum zu glauben, wofür manche Leute ihr Geld ausgeben, mich bekäme man auch dann da nicht hinein, wenn man mir was dazu geben würde. Außerdem weht ein scharfer kalter Wind, das kann doch kein Vergnügen sein.
Allerdings: Auch Eis geht angeblich immer. Wohin? Eis geht heute gar nicht, jedenfalls nicht in meinen Mund, und auch in sonst keinen, den ich sehe.

Neues aus dem Schokoladenladen

Wenn der Senior endlich in Rente gehen kann, schenken wir ihm ein schönes Geschenk aus Schokolade, damit er gleich weiß, was auf ihn zukommt: Hörgerät, Kastenbrille und künstliches Gebiß. Ha-ben-wir-gelacht!! „Hast du sein Gesicht gesehen!?“ Der ab-so-lute Schenkelklopfer!

Die Firma Hussel, die das herstellt, gehört zur Douglas-Holding (Parfümerien, Christ-Schmuck, AppelrathCüpper-Klamotten, Thalia-Bücher etc.), und die wiederum gehört zu über einem Viertel Dr. Oetker aus Bielefeld. Der Seniorenteller ist mutmaßlich also ein Produkt Bielefelder Humors, der gallige Witz einer Stadt, die in dem Verdacht steht, gar nicht zu existieren. Ob da ein Zusammenhang besteht? Rache an dem Rest der Welt?

Und für die (männlichen) Jüngsten gibt es auch einen Blick in die Zukunft, das ideale Geschenk zur Kommunion:

Tätäää!

In Köln hat man den Eindruck, die Welt ist Karneval, kaum ein Schaufenster, das nicht entsprechend dekoriert ist. Die Mariechenschar oben bevölkert die Auslagen einer Konditorei, sie stehen jeweils auf kleinen Schachteln, in denen mutmaßlich irgendwas Süßes ist.

Die Bäckereiketten haben natürlich auch aufgerüstet, industriell hergestellte Berliner, die hier traditionell zur Karnevalszeit gegessen werden, sind, mit Eierlikör gefüllt, im Dutzend billiger zu haben.

Sogar die kleine Reinigung um die Ecke will nicht hintanstehen – der Werbeeffekt, den das haben soll, ist mir allerdings schleierhaft: „Ich bring meine Hemden jetzt nur noch zu Reinigung Schmitz, da steht ’ne Flasche Schampus und ein abgefüllter Clown im Schaufenster.“ Oder wie?

Wer noch nichts anzuziehen hat – nun wird’s aber Zeit! Ob man allerdings als Domina-Politesse so gut ankommt – gut, das kommt natürlich ganz darauf an, was man vorhat.

Traditionell geht es natürlich auch. Und zu vorgerückter Stunde soll ja der ein oder andere eigentlich seriöse Herr liebevoll eingesetzten Handschellen nicht abgeneigt sein, besonders bürgerliche Kreise halten das für verrucht (habe ich mal gehört).

Das ist wahrscheinlich das beste Kostüm: Jedes Jahr muß der Karneval unter einem bestimmten Motto stehen, keine Ahnung warum, jedenfalls heißt es diesmal: „In Kölle jebützt!“ – übersetzt: In Köln geküßt. Wahllos. Von jedem oder jeder, der oder die gerade Lust dazu hat! Und als Pirat kann man unauffällig die passende distanzhaltende Waffe mit sich führen.

Und jedes Jahr wieder wird dieses ernste Thema propagiert: Kein Alkoholausschank an Kinder und Jugendliche. Leider ein frommer Wunsch, denn was helfen alle Ermahnungen, wenn die „Langen“ sich tagsüber ohne jede Scham volllaufen lassen. Und wenn die Getränke den Körper dann auf dem selben Weg wieder verlassen wie sie eingeführt wurden, dann sind die „Bütze“ besonders willkommen.

St. Pantaleon

Perfekt ausgeleuchtet, ich nehme an, auch die Kirchen beschäftigen inzwischen Beleuchtungsprofis, um ihr Anliegen möglichst vorteilhaft an die Betrachter zu bringen. Der barocke Hintergrund täuscht: Wir befinden uns in einer der ältesten Kirchen Kölns, der frühromanischen Kirche St. Pantaleon aus dem 10. Jahrhundert. Zur Bauzeit und noch lange danach war die Kirche Teil einer Klosteranlage außerhalb der Stadt, nun liegt sie fast im Zentrum. Kaiserin Theophanu liegt hier begraben – na ja, begraben ist vielleicht zu viel gesagt, der Sarkophag steht auf einem Sockel. Der Lettner auf dem unteren Bild ist ein spätgotischer Bau, das Gesamtensemble ist ein schönes Beispiel dafür, wie schlecht die verschiedenen Stilrichtungen Romanik, Gotik und Barock zusammenpassen.

California Bräune

Ab Januar 2010 dürfen Jugendliche unter 18 Jahren Sonnenstudios nicht mehr betreten, Pubertierenden über 18 jedoch ist es weiterhin erlaubt, im Namen eines zweifelhaften Schönheitsideals die jährliche Sterblichkeitsrate zu erhöhen: 365 Tage, das ist genau der Zeitraum, in dem ca. 3.000 Bundesbürger an Heutkrebs sterben, 140.000 Neuerkrankungen sind – ebenfalls jährlich, mit steigender Tendenz – zu verzeichnen.

Paul Schwer: Bautafel-Painting

„Schwerlastregal, Leuchtstoffröhren, Siebdrucklackfarbe auf Plexiglas, 475 x 600 x 110 cm“, soweit die Beschreibung dieses Kunstwerks aus dem Jahr 2009, das eine Zeitlang am Rheinufer in der Nähe der Galerie Holtmann stand. Und was bedeutet es? Irgendwo habe ich etwas von Ampelgrün und -rot gelesen, deren Gleichzeitigkeit ein Gefühl von Schweben und Unentschiedenheit erzeuge – hm, in den Unfall, der garantiert darauf folgt, wenn alle Ampellichter leuchten, möchte ich nicht verwickelt sein.

Ich glaube, es ist viel einfacher, wie so oft mit moderner Kunst: Farbe, Licht, Schwere, Leichtigkeit, Raum. Punkt. Mehr nicht, außer natürlich das, was jedem Betrachter noch dazu einfällt, aber das ist dann seine ganz persönliche Sache.

Museum Schnütgen

Das Museum Schnütgen ist in einem alten romanischen Kirchengebäude untergebracht und hat eine hervorragende Akustik, weshalb hier immer mal wieder Gesangsveranstaltungen zu hören sind.

Das Museum beherbergt eine der größten Sammlungen mittelalterlicher Sakralkunst in Europa, die zurückgeht auf die Spende des Domkapitulars und Sammlers Alexander Schnütgen im Jahre 1906.

Die Sammlung umfaßt inzwischen 13.000 Objekte, allerdings können nur ca. 10% ausgestellt werden. Noch vor 20 Jahren war die Kirche vollgestopft mit Exponaten, man konnte sich kaum drehen und wurde andauernd ermahnt, doch vorsichtig zu sein. Inzwischen hat man das Konzept glücklicherweise geändert, die einzelnen Stücke erhalten so mehr Bedeutung und Aufmerksamkeit – und der Raum kommt zur Geltung. Ein Besuch lohnt sich schon allein wegen der Atmosphäre, selbst wenn man mit mittelalterlicher Kunst nicht viel anfangen kann.

Maritim Köln

Zwischen 128,00 und 358,00 Euro muß man pro Nacht für ein Doppelzimmer im Hotel Maritim bezahlen, je nachdem, ob man in den Innenhof oder auf den Rhein blicken will. Die Dimensionen des Gebäudes sind beeindruckend, die Ausstattung auf den ersten Blick eher kläglich: Das blitzt und blinkt überall und soll den Eindruck von Pracht und Reichtum vermitteln, wirkt aber eher protzig, seelenlos, kalt, billig, mehr gewollt als gekonnt.

Mit den güldenen Aufzügen fahren darf jeder, das reinste Märchen.

Der Innenhof ist ringsum von Gastronomie und kleinen teuren Modegeschäften umgeben. „Ein Abend im Schlaraffenland,“ steht da auf der Tafel, für schlappe 55 Euro pro Person. Sehr desillusionierend, das Schlaraffenland habe ich mir anders vorgestellt.

Auf der anderen Seite der Halle führt eine kleine Brücke direkt zur Rheinpromenade. Und siehe da: Die ungeschönte Wirklichkeit!

U-Bahnhöfe

Kalt, abweisend, trostlos, öde, alptraumhaft – Kölner U-Bahnstationen am Abend.

Aber da – an einigen Stellen gibt es glücklicherweise menschliche Zeichen, Dynamik setzt der rechtwinkligen Starre weiche Formen entgegen, die Welt ist nicht mehr ganz so angsteinflößend.

Rheinauhafen

Losfliegen oder nicht? Der Herbst ist da, aber wie ich gelesen habe, halten es immer mehr Zugvögel aufgrund der milden Winter nicht mehr für nötig, in den Süden zu fliegen. Da lernt man in der Schule, daß sie instinktiv starten, sobald es kühler wird, und dann stellt sich heraus, daß sie in Wirklichkeit von Jahr zu Jahr neu entscheiden, ob sie die beschwerliche Reise antreten sollen. Sehr vernünftig, vielleicht sollte ich mir daran ein Beispiel nehmen – mal sehen, wie das Wetter morgen aussieht, bevor ich mich auf den Weg zur Arbeit mache.