Rathenauplatz

Hier hatte ich schon mal über eine Buchtauschbox berichtet, die war allerdings aus Holz und hat nicht sehr lange gehalten. Da macht der Schrank im Park am Rathenauplatz doch gleich einen ganz anderen Eindruck. Wunderbar, ich habe gleich einen Band mit Essays von Enzensberger gefunden und mich mit Kaffee und überraschend gutem Apfelkuchen eingedeckt – ein Nachmittag nach meinem Geschmack.

Kunsthaus Rhenania, Bayenwerft

Das hatte man vor knapp 25 Jahren bestimmt nicht geahnt: Wenn man durch die Hintertür nach draußen geht, steht man mitten im neu aufgemotzten und hochpreisigen Büro- und Wohnviertel, dem Rheinauhafen.

Mitte der 80er gab es in der Kölner Südstadt ein großes leerstehendes Fabrikgelände, die alte Schokoladenfabrik Stollwerck. Da (bezahlbarer) Wohnraum in der Stadt immer knapp ist, wurden die Gebäude kurzerhand besetzt, man feierte eine kurze glückliche Zeit der Anarchie. Natürlich konnte die Stadt das nicht zulassen, außerdem standen die Investoren in den Startlöchern, das Gelände wurde geräumt, und wer konnte, handelte mit der Stadt eine neue Bleibe aus. Die Künstler, die sich in Stollwerck eingenistet hatten, bekamen so eine altes, heruntergekommenes Lagerhaus im damals noch sehr unwirtlichen Rheinauhafen zur Verfügung gestellt.

Im Jahr 2004 wurde das Gebäude von der Stadt saniert und die Räume wurden weiterhin – oh Wunder – an Künstler vermietet. Das „Kunsthaus Rhenania“ bietet etwa 50 Künstlern Platz für ihre Ateliers, Ausstellungen und Veranstaltungen.

In diesem Jahr fand das „1. Kunstfestival STROM“ statt: Ansässige und eingeladene Künstler konnten in einer breiten Mischung (Musik, Tanz, Malerei, Installationen, Video, Fotografie) ihre Werke präsentieren, wie z.B. die Bilder-Installation „Folkloristische Impressionen“ von Alberto Lares (oben).

Natürlich gibt es neue Begehrlichkeiten, die Quadratmeterpreise in dieser Gegend liegen bei bis zu 8.000 Euro, da kann man den Raum, das Gebäude doch besser nutzen als für ein paar ausgeflippte Künstler. Deshalb versäumte es Bezirksbürgermeister Hupke (GRÜNE) auch nicht, in der Eröffnungsrede darauf hinzuweisen, daß er seinerzeit einer der Besetzer des Stollwercks gewesen sei und daher wisse, wie wichtig das „Rhenania“ für die Kunst, ja, lassen Sie mich sagen, für die ganze Stadt blablabla … Recht hat er. Hoffen wir, das es so bleibt.

Ubierring

Der landende Storch ist von dem selben Künstler, der auch die Balance-Figur an der Hohenzollernbrücke hergestellt hat – beide ohne Auftrag, illegal und unerkannt. Es gab in den 90ern wohl noch mehr Skulpturen, die man aber wieder abgebaut hat. Diese beiden hat man an ihrem Ort gelassen – immerhin.

In der Stadt

Der eingewanderte Bürger fährt vor Schreck zusammen, Schweißperlen bilden sich auf der Stirn: Ist es schon wieder so weit? Jeckenalarm, Flucht, Bahnhof … ach so, der Herzschlag beruhigt sich wieder, sind ja noch 10 Monate, Zeit genug, das Exil zu planen.

Dagegen lehnt der eingeborene Rheinländer sein schweres Haupt müde an die Scheibe – noch 10 Monate, wie soll man das bloß aushalten. Aber Karten kann man schon kaufen, super, nix wie hin!

Hahnenstr.

Och, sei doch nicht traurig. Morgen ist frei, und das Wetter soll auch wieder besser werden.

Gut, wenn man so vergessen hinter Gittern am Rande liegt, kann man sich schon mal ‚out and down‘ fühlen, aber es kommen auch wieder bessere Tage.

Lützowstr.

Wer bei diesem Wetter in der Stadt einen Balkon hat, kann sich glücklich schätzen. Na ja, was man so Balkon nennt – keine Ahnung, was sich die Architekten dabei gedacht haben. Das Kind macht keinen besonders munteren Eindruck. Moment mal … das Kind? – ist genau so eine Simulakrum wie der Balkon.

Dreikönigspforte

Durch dieses Tor wurden die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln gebracht.

So oder so ähnlich wird es in vielen Fremdenführern stehen, obwohl das einzige, was daran stimmt, die Ortsbezeichnung Köln ist:

Das Tor gab es damals natürlich noch gar nicht, da war zwar eins, aber nicht dieses. Aber das ist noch das Wenigste.

Die Könige waren gar keine, sondern Sterndeuter oder Gelehrte. In der Überlieferung fand man das nicht prunkvoll genug, daher die Verwandlung zu Königen. Daß einer von ihnen schwarz war, ist übrigens eine Erfindung des 12. Jahrhunderts.

Ob es wirklich drei waren, weiß man nicht so genau, die Zahl schwankt zwischen zwei und zwölf, aber da in der Überlieferung immer von drei Gastgeschenken die Rede war (Myrrhe, Gold und Weihrauch), fand man wohl, das sei ziemlich popelig für zwölf Leute – eine Person, ein Geschenk, das scheint angemessener.

Die Nicht-Könige waren und sind auch nicht heilig, jedenfalls nicht nach dem katholischen Heiligsprechungsverfahren. Das ist erstmal verwunderlich: Jeder Hans und Franz wird heilig gesprochen (übertrieben gesagt), aber diese drei nicht? Das hat, so wird vermutet, mit Eifersucht zu tun: Der Papst gründet seine Stellung auf den Jünger Petrus, den man als den ersten Papst bezeichnen kann. Petrus hat Jesus, die Gründungsgestalt der christlichen Religion, aber erst in dessen späten Jahren kennengelernt, die drei Weisen aus dem Morgenland ehrten ihn jedoch schon kurz nach seiner Geburt.

Im 12. Jahrhundert versuchte Kaiser Barbarossa das für sich zu nutzen: Kaiser konnte nur werden, wer von einem Papst abgesegnet wurde, ein Kaiser war nur Kaiser durch Gottes Gnaden, vermittelt durch den Papst. Das paßte Barbarossa ganz und gar nicht, derart von den Päpsten abhängig zu sein, also versuchte er, die Knochen, die er bei einem Eroberungszug gegen Mailand in einer Kirche gefunden und „konfisziert“ (also geklaut) hatte, gegen den Papst argumentativ in Stellung zu bringen: Was interessiert mich dieser Stellvertreter, wenn ich unter dem Patronat der quasi ersten christlichen Könige stehe, die schon dem Baby huldigten, mag er sich (fälschlicherweise) gedacht haben. Das hat nicht viel genützt, aber man kann verstehen, weshalb diese Gebeine der Papst-Kirche immer ein kleiner Dorn im Fleische waren.

Barbarossa hat die Knochen dann seinem Spezi und Mitkämpfer Rainald von Dassel geschenkt, der kurz zuvor den lukrativen Job des Kölner Erzbischofs ergattert hatte, und so landeten sie 1164 in Köln, wo man ca. die nächsten 700 Jahre damit verbrachte, eine Hülle für sie zu bauen: Den Kölner Dom.

Zumindest in der ersten Zeit stellte sich der Umstand der Anwesenheit dieser berühmten Knochen für die Stadt als wirtschaftlicher Segen heraus: Pilger strömten in Massen und brachten Geld mit für Unterkunft, Verköstigung und Reliquien. Merkwürdig ist allerdings, daß in den ca. 1100 Jahren vorher, als die Gebeine noch in Mailand und sonstwo lagerten, kein Hahn nach ihnen krähte. So ist auch nicht sicher, wie sie nach Mailand kamen, die Heilige Helena soll sie im Jahr 326 auf einer Reise durch Palästina gefunden haben. Wie muß man sich das vorstellen? Hat sie dort Gräber geplündert und ist mit den ja inzwischen schon ein paar hundert Jahre alten Überresten von ein paar angesehenen Gelehrten und der Behauptung zurückgekommen, das seien sie bestimmt, die Gebeine der Heiligen Drei Könige?

Wie auch immer, die Vermarktung in Köln war sehr geschickt, und ist es noch heute, wenn auch der Dom als Gebäude den Knochen inzwischen den Rang abgelaufen haben dürfte.

Rheinpromenade

Die Vögel fliegen tief, die Radlerin sieht zu, daß sie wegkommt. Sie fürchtet nicht etwa um ihr Leben, sondern um ihr Rad …

… denn dieser Vogel vebraucht nur Metall.

Die Skulptur hat der Künstler Odo Rumpf aus Industrieschrott hergestellt. Der Vogel hat eine Spannweite von 6,50 Meter. Angeblich kann er von Solarstrom angetrieben seine Flügel bewegen, das habe ich allerdings noch nicht gesehen.

PS: Die Bearbeitung des ersten Bildes ist in mühevollster Kleinarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten. Das von mir geschaffene Bild ist kein Plagiat [keine Fälschung], und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir (zitiert frei nach Dr. Karl-Theodor von und zu Guttenberg).

Ostersonntag in der City

Ostern zu sommerlichen Temperaturen – kein Wunder, daß die Ostereier, die hier zum Schmuck ins Schaufenster gelegt wurden, sich anders entwickelten, als man sich das gedacht hatte.

Monsterhasen lauern auf den Dächern …

… während auf der anderen Rheinseite eine Maschine versucht, Menschen aus den Sitzen zu rütteln. Brutal. Befremdend. Aber gut, es ist so warm, ein kleines Schäfchen kann nicht schaden.

Noch ein Riesenosterhase. Was? Ein anderes Tier? Von Osterpferden habe ich noch nie was gehört.

Quizfrage: Wieviele Brücken sind auf dem Bild zu sehen? Genau, drei. Und ein Schokoladebrunnen.

Was ist denn hier los? Kein Auto weit und breit, alles abgesperrt. „Rund um Köln“, erfahre ich, ein Radrennen. Das einzige Fahrrad, das ich sehe, ist das, auf dem ich sitze. Wahrscheinlich schon alle vorbei. Ich fahr mal hinterher.

Nachdem ich die Ziellinie überquert habe (also ca. 3 Minuten später), brauche ich dringend eine kleine Stärkung in Form einer Bratwurst, Muskelaufbau erfordert Proteine. Im Biergarten neben der Würstchenbude wird Jazz gespielt, sehr nett. Wenn ich weiter so viel Sport treibe, sehe ich bald aus wie der junge Mann im Hintergrund.

Ein angenehmer Ostersonntag. Nur die Küken machen mir Sorgen. Ob noch mehr umgefallen sind?

Agrippabad

Ach, wär das schön, wenn es immer so leer wäre! Das Agrippabad, mitten in der Stadt gelegen, wurde Ende der 50er Jahre geöffnet und steht unter Denkmalschutz – Ende der 90er Jahre wurde es innen so weitreichend umgebaut, daß man sich fragt, was da geschützt wurde. Vorm Umbau war es ein Schwimmbad, danach ein Spaßbad mit einer riesigen Rutsche, Fitnessbereich (der natürlich extra kostet), Sauna (ebenso) und anderen Kinkerlitzchen. Für 2 Stunden Aufenthalt (nur Schwimmen) bezahlt man 5,40 Euro pro Person (Kinder etwas weniger) – ich finde, das ist ein stolzer Preis, den sich viele Familien wohl nicht leisten können. Dennoch deckt der Betrieb die Kosten nicht, was ich nicht schlimm finde: Öffentliche Sportanlagen dienen der Gesundheit der Bevölkerung, und was, wenn nicht das, sollte der Öffentlichen Hand wichtigstes Ziel sein? Und deswegen gibt es auch eine Ermäßigung – allerdings nicht für die sozial Schwachen, die immer wieder erneut den Eintritt vom monatlichen Haushaltsgeld abzweigen müssen, sondern für die eher Wohlhabenden: Wer bereit und fähig ist, Besuche in einer Höhe von 280 Euro im Voraus zu bezahlen, erhält eine Ermäßigung von 25 %. Verrückt.

Früher sah das Bad so aus:


(Qelle)