Pfeilstr.

Was gibt es Schöneres, als sich an einem verregneten, kalten Tag in ein warmes Café zu setzen und aus dem Fenster zu schauen?

Das kann ich euch ganz genau sagen: Wenn es in dem Café auch noch leckeren Kuchen gibt. Das zentral gelegene Café Spitz ist eigentlich nicht ungemütlich, aber Sonntagnachmittag keinen Kuchen im Angebot zu haben, also … aber die Kellnerin empfiehlt Apfelpfannkuchen mit Eis, der ist mit 7,50 Euro zwar „etwas“ teurer, aber gut. Nach gefühlten zwei Minuten ist er schon da: Eine relativ feste Masse klebt an einem heißen Teller fest – frisch aus der Mikrowelle. Dabei haben die eine richtige Küche hier, man kann auch richtige Mahlzeiten bestellen … versteh ich nicht, ein Pfannkuchen ist doch wirklich schnell gemacht. Dafür wurden wir von drei Kellnern bedient, sowas ist auch selten, und in Zukunft werden sie noch mehr Zeit haben – für andere Leute.

Heliosstr.

Ich bin ja eher kein Freund von Autos – sie stinken, sind laut und werden oft als Waffen mißbraucht. Aber gepflegte Oldtimer gefallen mir. Spinner-Autos, aber in positivem Sinn: Versponnenheit und Leidenschaft gehören dazu, solche Oldtimer zu restaurieren und in Schuß zu halten, Zeugnisse vergangener Designs und Lebenswelten.

Die Zukunft gehört allerdings eher solchen Gefährten: Ein „Fahrradi Farfalla“. Der „neue ultimative Supersportwagen“, so sein Erbauer Hannes Langeder, sei sogar so schnell, daß er ganz bequem von Fußgängern überholt werden kann.

Ein Blick in den Motorraum – 1/3 PS mit „Human Exhaust System“ und „BUTTERFLY ANTIGRAVITATION MANAGEMENT“: Die Flügeltüren können so eingestellt werden, daß sie bei der Fahrt flattern. Was für Melodien die Hupe spielt, hängt vom Talent des Fahrers ab.

Und hier das Cockpit – so sagt man ja bei den Renn-Boliden. Übrigens: „Boliden“ sahen ursprünglich so aus.

Breslauer Platz

Keine Ahnung, wieviele Zimmer dieses Hotel hat, aber wenn ein Doppelfenster zu einem Zimmer gehört, müssen es viele sein. Auf der Homepage steht, die Fenster seien schalldicht – das ist auch nötig, denn als ich das Foto machte, stand ich auf Gleis 11 des Hauptbahnhofs, wo täglich mindestens eine Millionen Züge abfahren, und rechts in Sichtweite liegt der Busbahnhof. Dafür kann man sicher sein, daß man von vielen, vielen Leuten gesehen wird, wenn man sich halbnackt ins Fenster stellt.

11.11.

Was macht man, wenn der 11.11. auf einen sonnigen Sonntag fällt? Man sucht hektisch nach einem karierten Hemd. Oder man verbarrikadiert sich in seiner Wohnung – und verflucht den Tag, an dem man beschlossen hat, in die Kölner Innenstadt zu ziehen.

Na ja – ganz so schlimm ist es nicht, und einige Kostüme sind ja auch ganz lustig. Aber warum müssen junge Männer schon um die Mittagszeit laut grölend durch die Straßen laufen? Und für Pfandflaschen bekommt man nichts mehr, wenn man sie auf der Straße zerdeppert. Wissen die das nicht?

Ob Uniform oder Strampelanzug – hier kann man seine geheimsten Wünsche ausleben.

Kehraus.

Poncho- und Soutaneträger warten auf die Straßenbahn …

… auf der abgesperrten Zülpicher Str. ist aber noch reichlich Remmidemmi.

Brüsseler Str.

Auf den ersten Blick ein ganz normales Foto – gut, nicht besonders schön fotografiert, es ist ja auch von Google Streetview. Aber was ist das?

Ein Portal! Einer erscheint gerade, mit frisch gefüllter Tasche, der andere verschwindet, sehr geheimnisvoll. Menschen gehen scheinbar ins Nichts. Menschen? Wer weiß, wer da ein und aus geht und wohin …

Dead men don’t wear plaid“ (Tote tragen keine Karos) heißt ein bekannter Film, der wahrscheinlich eine (bisher) esoterische Weisheit verballhornt, tatsächlich muß es heißen: Plaid men are not dead (Karomenschen sind nicht tot) – eine uralte Überlieferung eines Phänomens, daß zuerst in Schottland beobachtet wurde (plaid=Schottenmuster!), wo schon vor Jahrhunderten plötzlich Menschen auf unerklärliche Weise verschwanden. Inzwischen hat sich das Phänomen weltweit ausgebreitet. Wer kennt das nicht, daß jemand sagt: „Ich geh‘ mal eben Zigarretten holen“, und taucht dann nie wieder auf. Hat man eigentlich mal überprüft, ob diese Verschollenen am Tag ihres Verschwindens ein Karohemd trugen? Das soll natürlich nicht heißen, daß alle Karoträger und Schotten Außerirdische sind, es kann ja auch sein, daß sie aufgrund des Karomusters von dem Portal gleichsam verschluckt worden sind und sich plötzlich in einer Parallelwelt befinden. Oder auf einem anderen Stern. Daß wir von Außerirdischen unterwandert sind, ist ja schon lange klar, die geben sich nur nicht zu erkennen, weil es nicht unwahrscheinlich ist, daß wir sie schlachten würden, um sie zu verspeisen. Von Elvis wird ja z.B. gesagt, er sei gar nicht tot, sondern nur nach Hause gegangen („Men in Black I„), und von Michael Jackson wird das auch gern behauptet. Ich halte das für eine Übertreibung, reines Wunschdenken der Fans. Wenn man Kreaturen sehen will, denen Menschliches fremd ist, muß man sich die Nachrichten ansehen, Berichte aus dem Bundestag zum Beispiel, oder eine Doku über die „Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände“.

Es kann natürlich auch sein, daß ich mich in einer „Truman Show„-Situation befinde und zufällig den mit Spiegeln kaschierten Ein- und Ausgang der Statisten entdeckt habe. Das würde erklären, daß ich nicht besonders gern verreise – schon seit meiner frühesten Kindheit wurde mir das vielleicht verleidet. Und das würde auch erklären, wieso ich eigentlich nicht das verdiene, was ich verdiene, denn nur ungern schauen Zuschauer dauerhaft einem reichen Popel zu, wie er sein Geld ausgibt. Aber ganz ehrlich? Ich als (unbewußter) Hauptdarsteller einer Life-Doku? Unwahrscheinlich, das ist einfach zu langweilig, wie ich jeden Tag zur Arbeit gehe, esse, lese, schlafe – wer sollte sich das ansehen? Wenn ich Teil einer „Truman Show“ bin, dann als Statist, der nicht weiß, daß er einer ist – also kaum ein Unterschied zum richtigen Leben.
Hm – ich glaube, ich kaufe mir doch mal so ein Karohemd …

Auf Melaten

Abends ist es extrem dunkel auf dem Friedhof, und normalerweise würde ich mich da um diese Zeit auch nicht aufhalten. Aber ein Freund hat mir erzählt, daß an Allerheiligen viele Leute rote Lichter auf die Gräber ihrer Angehörigen stellen, und da der Melatenfriedhof 55 Tausend Gräber hat, kann das ein schönes Schauspiel sein. Tatsächlich waren es dann doch nicht so viele, wie ich erwartet hatte, was wohl am Wetter lag: Nachmittags stürmischer Regen, da sind vermutlich einige Leute zu Hause geblieben. Am Vortag, dem Reformationstag, war schönstes Wetter, strahlender Sonnenschein … was schließen wir daraus? Der christliche Gott ist evangelisch.