Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine Sperrzone für Glas um bestimmte Feierherde in der Stadt. Sehr vernünftig. Damit die vernunftbegabten Karnevalisten das auch verstehen, bedient der Oberbürgermeister sich einer für die Jugendlichen verständlichen Sprache. „Scherben! Krass Blut, aua aua!“, möchte ich vielleicht noch vorschlagen. Als Botschafter dieser ‚Message‘ hat sich offensichtlich die Rockband „Brings“ bereit erklärt, ich hoffe, sie haben eine ordentliche Gage ausgehandelt. Brings war einst angetreten als „ehrliche“, bodenständige Rockband, die nicht so einen Kommerzscheiß machen wollte wie Bläck Föös, die Höhner und andere Schunkelliedproduzenten. Inzwischen haben sie sich schon längst an den Sitzungskarneval verkauft (Sitzungskarnval, das sind diese drögen Veranstaltungen, von denen man zwei bis drei im TV ansehen kann; in Köln und Umgebung gibt es davon jährlich Hunderte) – das ist richtig viel Geld, was man da verdienen kann. Tja.
Kurz vor Zwölf, die Jungs sehen meine Kamera und stellen sich in Positur. Noch sind sie gut drauf. Bevor sie auf die Zülpicher Str. können, müssen sie noch ein paar Flaschen Bier trinken, denn auch da dürfen die Kioske kein Glas mehr herausgeben, und gezapftes Bier in Plastikbechern ist teurer. Vorglühen nennt man das.
In einem TV-Bericht habe ich gehört, daß trotz Vorglühen z.B. in der Traditionsgaststätte „Haus Unkelbach“ zu Weiberfastnacht 20.000 Gläser Bier ausgeschenkt werden (ich dachte, ich hätte mich verhört und habe es in der WDR-Mediathek nochmal überprüft: Zwanzigtausend, an nur einem Tag, in nur einer Kneipe! Ein Glas kostet übrigens 1,50). Und entsprechend sah das dann auch aus, als ich um 18 Uhr nochmal auf die Straße ging: Mehr lärmende Betrunkene sieht man nie in Köln, und jede Menge Alkohlleichen, die in Hauseingängen vor sich hin brüten. Alaaf!
Zu Karneval ist es hier Brauch, Berliner zu essen, keine Ahnung, warum. Bitteschön, bedient euch. Ich bin jetzt jedenfalls erstmal ein paar Tage weg, nämlich da, wo man vermutlich schräg angekuckt wird, wenn man beim Bäcker einen Berliner bestellt: In Berlin.


