Wer mit starrem Blick zu jeder freien Minute aufs Smartphone schaut, was die „Freunde“ bei Facebook gerade machen, wundert sich vielleicht eines Tages, daß er gar keine lebendigen Menschen mehr kennt. Kein Problem, auch dafür gibt es Abhilfe: Man stellt sich einfach ein paar Pappkameraden auf den Balkon, die sind sehr sparsam beim Sonntagskuchenessen und widersprechen nicht, wenn man ihnen was erzählt.
Und wenn man mal jemanden zum Grillen braucht, gibt’s die Gesellschaft auch in der wetterfesten Version.
Die Klagen über die Anonymität der Großstadt, die immer mal wieder laut werden, wenn man einen Verstorbenen in seiner Wohnung gefunden hat aufgrund des Geruchs vier Wochen nach dem Ableben, halte ich für überzogen: Ich sehe die Anonymität eher als Gnade. Die Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin, kam mir – zumindest als Jugendlicher – eher vor wie ein Übrwachungsstaat. Natürlich ist in der Großstadt der Anschluß an andere nicht so automatisch gegeben wie auf einem Dorf, dafür kann man sich die Leute, mit denen man zusammensein will, selbst aussuchen: Wer Kontakte braucht, geht in einen Verein oder bemüht sich (wie übrigens 30% der Deutschen) um ehrenamtliche Tätigkeit, und wenn einem die Leute da nicht passen, geht man halt woanders hin. Seine Dorfmitbewohner kann man nicht so leicht wechseln.