Äußerer Grüngürtel

Ein welkes Blatt

Ein welkes Blatt – und jedermann weiß: Herbst.
Fröstelnd klirren die Fenster zur Nacht.
O grüne Welt, wie grell du dich verfärbst!
Schon raschelt der Winter im Laube.
Und die Vögel haben, husch, sich aus dem Staube
gemacht.
Wie letzte Früchte fielen ihre Lieder vom Baum.
Nun haust der Wind in den Zweigen.
Die Alten im Park, sie neigen
das Haupt noch tiefer. Und auch die Liebenden
schweigen.
Bald sind alle Boote im Hafen.
Die Schwäne am Weiher schlafen
im Nebellicht.
Sommer – entflogener Traum!
Und Frühling – welch sagenhaft fernes Gerücht!
Ein welkes Blatt treibt still im weiten Raum,
und alle wissen: Herbst.

Mascha Kaléko (1912 – 1975)

Eifelausflug – Monreal

Oh je – aber so schnell, wie es gekommen ist, so schnell ist es auch wieder weg – ein Glück!

Durch diese hohle Gasse kannst du gehen …

… und du bist in Monreal.

Eine kleine mittelalterliche Stadt, die früher Königsberg hieß. Französisch hielt man irgendwann für schicker, der Name wurde zu „Monroial“ übersetzt, was dann zu Monreal wurde – und wieso muß ich jetzt an Kanada denken?

Die Stadt war bis Mitte des 19. Jahrhundert ein Zentrum der Tuchherstellung, aus dem Wohlstand der Bürger erklärt sich die große Zahl von großzügigen Fachwerkbauten.

Das gotische Löwendenkmal (spätes 15. Jh.) stand früher vor der deswegen so genannten Löwenburg …

… von der aber nicht mehr viel übrig ist: Erst habe die Schweden im 30-jährigen Krieg hier gewütet, die Franzosen haben der Burg ein paar Jahre später den Rest gegeben.

Was war noch? Ach ja – ein beängstigend großes bewegliches Radioteleskop in Effelsberg, das zweitgrößte der Erde mit 100 m Durchmesser.

Adieu, Eifel – wir werden uns wiedersehen!

Eifelausflug – Blankenheim

Kann man sich das vorstellen? Man hat zwar einen Keller in einem wunderschönen Fachwerkhaus, in den kann man aber nichts hineinstellen, weil in ihm ein fast 90 km langer Fluß entspringt? Und doch ist es so: Die Ahr entspringt in diesem Keller …

… mitten im Eifelstädtchen Blankenheim (ganz links auf der Karte, draufklicken, dann wird sie größer).

Die ersten Meter in Freiheit sind recht kultiviert – kaum zu glauben, daß hier 700 Liter pro Minute entlangfließen (Quelle: Wikipedia).

Blankenheim macht einen sehr relaxten Eindruck. Viel Fachwerk, eine gotische Kirche am Hang und auf dem Berg eine mittelalterliche Burg, in der jetzt eine Jugendherberge ist.

In der Kirche waren wir natürlich auch …

… und dahinter, wo Sisyphos in immer rechtzeitigen Windböen gerade Laub zusammenfegt.

Wer in solchen Häusern wohnt, hat Sinn für Schräges und daher vermutlich auch Humor …

… wie auch diese Figur auf einem Dachfirst nahelegt:

Geistreich sind sie auch, diese Landbewohner …

… und in diesem Café aßen wir eine ausgezeichnete Erbsensuppe. Alles perfekt!

Alles? Ein Blick ins Ambiente beruhigt einen gewissermaßen: Es ist nicht alles perfekt hier (zu Perfektes ist beängstigend).

Nur ein paar Meter weiter: Landschaft – Ruhe.

Eifelausflug – Burg Eltz

Burg Eltz aus dem 12. Jahrhundert ist eine Reise wert. Sie ist eine sogenannte Granerbenburg, das heißt, daß sich die Erben die Burg aufteilen und versuchen, unabhängig voneinander im jeweiligen Teil zu wohnen.

In der Familie Eltz waren es drei Erben, die dann jeweils zur Wohnungsvergrößerung in die Höhe bauen mußten: Hier noch ein Erker, da noch ein Türmchen. Sehr malerisch.

Im Innenhof sieht man die Aufteilung noch besser. Die Wohnungen haben allerdings auch Verbindungstüren, also eine frühe Form von Hausgemeinschaft.

Während der Führung darf man nicht nur heimlich fotografieren, aus der Hüfte geschossen werden die Bilder leider manchmal etwas unscharf.

Hier wurde Kaffee getrunken …

… und hier wieder abgelassen:

Von den 80 Zimmern hat die Hälfte eine eigene Toilette – mit Wasserspülung: Das Regenwasser wurde auf dem Dach aufgefangen und durch Rohre in der Wand zum Klo geleitet, das Abflußrohr geht dann einfach durch die Wand – fertig. Ich nehme nicht an, daß die Familien in der Nähe ihrer Burg spazieren gegangen sind.

Der Rüstungssaal ist der größte Raum – sieht man hier nicht, aber wenn man weiß, daß über alles, was in diesem Raum, eine Art Konferenzraum, gesprochen wurde, Stillschweigen bewahrt werden mußte, sobald man die Türschwelle nach draußen überschritt, paßt die Heimlichkeit des Bildes ganz gut.

Das Küchenpersonal hat’s auch gemütlich.

In der Schatzkammer gibt es viel zu bewundern, z.B. dieser kleine Reisealtar (was unten reinragt ist mein Finger):

Mokkatassen:

Und hier meine Lieblingsfiguren – zwei Engel, die irgendwas halten können, keine 10 cm hoch:

Ah – da ist der Ausgang – tschüß, Burg Eltz – das hat Spaß gemacht!

Eifelausflug – Mayen

Die Eifel ist ein Mittelgebirge südlich von Bonn von einer Ausdehnung von 5.300 qkm – eine riesige, vielfältige Hügellandschaft, die mich tatsächlich ein wenig an Südengland erinnert.

Der 20.000-Einwohner-Ort Mayen ist im 2. WK fast vollständig zerstört worden – dafür ist er eigentlich ganz hübsch. Zwei große Kirchen dominieren den ersten Eindruck: Die neoromanische Kirche Herz-Jesu, im Zuge des Historismus 1911/12 erbaut:

Auch von Innen beeindruckend …

… mit einer mächtigen Kuppel.

In einer Nische steht ein nicht ganz lebensgroßer Langhaariger mit einer überdimensionierten schwebenden Dornenkrone.

Das Renaissance-Rathaus am Marktplatz ist wirklich liebevoll restauriert. Der Turm … was ist mit dem Turm im Hintergrund?

Er gehört zur gotischen Kirche St. Clemens (Anfang 14. Jh.). War der Erbauer vielleicht Karnevalist?

Fast. Man erzählt sich folgende Geschichte: Der Bau der Kirche kam nicht so richtig voran, die Maurer hatten lange Wartezeiten, der Stein wurde nur zögerlich geliefert. Eines Tages kam ein gutgekleideter Herr des Weges und fragte, was da gebaut würde, er habe gehört, ein Festsaal mit Wirtshaus solle es werden. Die Maurer hatten seinen Klumpfuß längst entdeckt und somit erkannt, daß sie mit dem Teufel sprachen, also taten sie so, als habe er Recht. Der Herr war erfreut und versprach Hilfe. Als die Maurer am nächsten Morgen am Bauplatz eintrafen, war da so viel Stein, daß er bis zur Fertigstellung reichen sollte. Als es soweit war, flog der Teufel über das Gebäude, um eine zukünftige Stätte seines gottlosen Tuns (das Wirtshaus! Alkohol!!) zu betrachten – und erkannte erbost, daß dort gerade die Kirchweihe gefeiert wurde. Wütend griff er nach der Kichturmspitze und versuchte, den Turm zu zerbrechen – es ist ihm nicht gelungen, und mochte er noch so lange daran herumdrehen.
Der Originalturm, der 1945 von anderem Teufelswerk dann doch zerstört wurde, soll noch länger gewesen sein als dieser. Schade, das hätte ich gern gesehen. (EDIT: s. Kommentare)

Es lohnt sich auch, die Kirche von Innen zu besichtigen, sie ist eine der ältesten Hallenkirchen (kein Querschiff) des Rheinlands.

Ich vermute, der weiße Putz ist eher neuerem Geschmack geschuldet – mir gefällt es in ästhetischer Hinsicht ganz gut.

KVB – ohje!

Die „Kölner Verkehrsbetriebe“ (KVB ) sind ein ewiges Ärgernis: Selbst wenn die Wagen rechtzeitig kommen, hat man vorher Blut und Wasser geschwitzt, ob das wohl auch so sein wird, denn für gewöhnlich fallen sie gerade dann aus, wenn man sie am Nötigsten braucht. Das liegt besonders daran, daß die Bahnen merkwürdige Zwitterwesen sind: Über der Erde sind sie Straßenbahn und somit dem ganz normalen Verkehrswahnsinn ausgesetzt, sobald sie jedoch in den Tunnel einfahren, sind sie U-Bahn und wecken die Erwartung von reibungslosem, relativ taktgenauem Erscheinen, wie man es etwa aus Berlin oder Paris kennt. Eigentlich ist der Begriff „U-Bahn“ eine Schönfärberei, es müßte heißen: Straßenbahn, die zeitweilig unterirdisch fährt.
Eine Fahrt im Stadtgebiet kostet 2,30 Euro (die man übrigens immer am Automaten in der Bahn zahlen sollte, sehr oft sind die nämlich komplett ‚out of order‘ und man hat eine Freifahrt) – noch ein Grund, möglichst häufig mit dem Fahrrad zu fahren.

Südbahnhof

Sieh an, die Graffiti-Künstler werden auch immer origineller, dachte ich, als ich an diesem kleinen Werk vorbeikam: Eine Kachel, im öffentlichen Raum an die Wand geklebt. Bei genauerem Hinsehen sah ich allerdings einen kleinen Zettel, der neben der Kachel hing, auf dem stand: „Blauer Sommer, 2007, Sifore, Acryl auf Kachel (20×25 cm), Bahnhof Süd Serie Part 6, Galerie Bahnhof Süd, 500 Euro €“. Tja, irgendwie muß jeder mal zu Geld kommen. Wenn sich jemand findet, der sich damit das Badezimmer neu kacheln läßt: Herzlichen Glückwunsch! Ich bin das jedenfalls nicht.

Ulrepforte

Die Ulrepforte ist ein weiterer erhaltener Teil der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Da das Tor verkehrstechnisch keinen Wert hatte (feldwärts gab es keine Straße), wurde es bereits im 15. Jahrhundert völlig dicht gemacht, der Turm wurde zu einer Mühle umgebaut. Überhaupt muß hier wenig los gewesen sein, denn nur hier durften die Ulner (=Töpfer) ihrem feuergefährlichen Handwerk nachgehen. Heute beherbergt das Gebäude die Karnevalsgemeinschaft „Rote Funken“.

Die „Roten Funken“, so wurden tatsächlich die Stadtsoldaten genannt, die in roter Uniformjacke mit weißer Hose ihren schlechtbesoldeten Dienst versahen. Sie waren in der Bevölkerung nicht besonders gut angesehen, weshalb man davon ausgehen muß, daß ihre Mitglieder keine großen Leuchten waren. So erzählt man sich z.B. folgende Geschichte: Als die Franzosen unter Napoleon 1794 die Stadt einnehmen wollte und vor der Mauer standen, wurde natürlich auch geschossen. Das erzürnte einen der Stadtsoldaten so sehr, daß er beherzt aufsprang, den französischen Soldaten entgegenlief und laut rief: „Hüürt op ze scheete! Seht Ehr nit, dat he Lück stonn?“ (Hört auf zu schießen! Seht Ihr nicht, dass hier Leute stehen?).
Die Stadt wurde dann auch ohne großen Widerstand den Franzosen übergeben, 1804 eilten die Kölner dem anreisenden Napoleon (der die Stadt plündern ließ wie vor ihm keiner) entgegen, um sein Kutsche ehrenvoll mit bloßen Händen in die Stadt zu ziehen.

Roncalliplatz

Ich muß gestehen, es fällt mir schwer, nach dem Motivüberfluß in meinem Urlaub jetzt fotografisch wieder kleine Köln-Brötchen zu backen, ich muß mich erst langsam wieder einfinden – wie z.B. heißt nochmal diese Riesenkirche mitten in der Stadt? Jedenfalls sehen die bunten Fahnen daran hübsch aus, solange sie nicht immer da bleiben.

Auf dem Roncalliplatz lebt man gefährlich, er gehört zu Kölns beliebtesten Skaterplatzen – irre, was die für Kunststücke können, aber man muß aufpassen, ihnen nicht in die Quere zu kommen.

Die hätte mich fast erwischt, mit knapper Not konnte ich entkommen.

Walnußbrot

Zutaten:

500 g Weizenkörner
500 g Roggenkörner
250 g Dinkelkörner
100 g Walnußkerne
150 g Sonnenblumenkerne
1 Tüte Sauerteigpulver
1 Würfel Hefe
2,5 – 3 Tl Salz
2 – 3 Tl Kümmel (gemahlen)
Weißmehl für die Schüssel und Form

Zubereitung:

Je 75 g Weizen-, Roggen- und Dinkelkörner über Nacht in einem halben Liter lauwarmen Wasser einweichen. Den Rest der Körner fein mahlen (wer keine Mühle hat, kann auch Vollkornmehl kaufen und die ganzen Körner weglassen). Mehl, Walnuß- und Sonnenblumkerne, Sauerteig- und Kümmelpulver, abgetropfte Kerne mischen, Wasser auffangen und mit heißem Wasser zu ca. 1 Liter auffüllen. Die Hefe in einer Tasse in lauwarmem Wasser auflösen. Wasser plus aufgelöste Hefe in der Rührschüssel langsam hinzugeben (mit Hand kneten geht auch, ist aber mühselig). Dann erst Salz hinzugeben, damit die Hefe nicht zu früh gestört wird. 15 Minuten auf niedrigster Stufe kneten lassen. Der Teig sollte zäh wie Kaugummi sein, falls er zu trocken ist, noch Wasser hinzugeben. In eine eingestäubte Schüssel geben und abgedeckt mindesten 4 Stunden gehen lassen. Dann nochmal durchkneten und in eine gut eingefettete und mit Mehl eingestäubte Kastenform geben (Silikonkastenform braucht weder Fett noch Mehl) und nochmal eine Stunde gehen lassen. Oberfläche mit Wasser bestreichen (ergibt eine schöne Kruste) und im vorgeheizten Backofen bei 220 Grad backen, nach 30 Minuten auf 180 Grad herunterdrehen und weitere 50 Minuten backen. Herausnehmen und in der Form 30 Minuten ruhen lassen, dann aus der Form nehmen und 15 – 20 Minuten erneut bei 180 Grad im Ofen nachbacken. Ein wenig Wasser auf dem Backofenboden verzischen lassen – vorsicht vor Brandwunden. Unter einem Tuch auskühlen lassen.
Wer keinen Kümmel oder keine Walnüsse mag, kann diese Zutaten einfach weglassen oder durch andere Brotgewürze oder Nüsse ersetzen. Guten Appetit!