Manchmal sieht man noch eine, und diese ist sogar noch recht gut erhalten, jedenfalls äußerlich. Einer meiner Jugendfreunde hatte auch so eine Ente, sein erstes Auto, gebraucht gekauft. Er war ganz begeistert, wie einfach der Motoraufbau war, alle Reperaturen machte er selbst. In einem Nachbardorf wollten wir mit dem Auto einen Freund zu einer Spritztour einladen – mit offenem Verdeck, lässig lehnte der Arm im offenen Klappfenster, im Kassettenrekorder lief Simon & Garfunkel: Freiheit. Wir waren noch nicht ganz da, da versagten die Bremsen – glücklicherweise fuhren wir nicht sehr schnell, es blieb nur herunterschalten, ausrollen lassen, die letzten Meter stoppten wir mit gestrecktem Bein durch die geöffneten Türen. Puuh – nochmal Glück gehabt. Ich bin dann, glaube ich, nie wieder mit ihm gefahren.
Anrheiner in der Hafenstr.
Ein Riesenhof, um das Auto zu parken, aber das Haus kaum tief genug, um ein Bett hineinzustellen – ja, wer wohnt denn da? Das Geheimnis ist schnell gelöst: Niemand, oder besser gesagt: Nur fiktive Personen. Dieses Haus ist eine Filmfassade auf dem Gelände, wo die Außenaufnahmen für die WDR-Endlosserie „Die Anrheiner“ gedreht werden, die es nun schon über zehn Jahre gibt (ich muß gestehen, daß ich noch nicht eine vollständige Folge davon gesehen habe). Wie ich gelesen habe, sind auch einige Häuser bespielbar, obwohl die meisten Innenaufnahmen im Studio gedreht werden.
Äußerer Grün – …, nein, Weißgürtel
Aus dem Minigolfen wurde nichts gestern, Daisy hatte was dagegen, auch wenn sie sich in Köln sehr zurück gehalten hat.
Einen solchen Auftrieb habe ich hier noch nie gesehen, aber die Kinder wollen rodeln, und von Kölner Alpen hat man noch nie gehört, oder?
Auf dem nahegelegenen Weiher können es ein paar Todesmutige nicht lassen und spielen Eishockey – so lange ich da war, hielt das Eis …
Skulpturenpark Sürth
Hui – da flitzen die Linien umeinander. Eingefrorene Bewegung, gestische Malerei in drei Dimensionen, oder Lichtstrahlen auf einem Foto bei Langzeitbelichtung, hier in Aluminium gegossen – ich finde es originell und ansprechend. Die schon lange in Köln lebende Österreicherin Barbara Szüts stellt hier im Skulpturenpark Sürth aus, einem Garten nebst Villa mit wechselnden kommerziellen Ausstellungen.
Natürlich habe ich weder Platz noch Geld genug, mir hier irgendwas zu kaufen, aber ein Besuch im Sommer (falls noch jemand weiß, was das ist) lohnt sich allein wegen des (Achtung, Klischee, aber trotzdem wahr) verwunschenen Ortes. Das Grundstück liegt direkt an der Rheinpromenade, die zum Spazierengehen einlädt, das einzige, was zum Glück noch fehlt, ist ein Café. (Sommer = Sonne Sandalen T-Shirt Wärme – na? – fällt der Groschen?)
Kommerz-Hotel am Breslauer Platz
Nördlich des Hauptbahnhofes, quasi am Hinterausgang, liegt der Breslauer Platz. Nach hinten raus ist es ja oft nicht so schön, so auch hier: Viel Verkehr, Parkplätze, ein riesiger Busbahnhof, viel uneinheitliche Zweckarchitektur des schlechtesten Geschmacks – da dachte man sich in den 70er Jahren: Nun ist es auch egal, und setzte diesen häßlichen Betonklotz hierhin, wie ein freistehender fauler Zahn in einem maroden Gebiß steht er mitten auf dem Platz. Der Name hat mich schon immer irritiert: Kommerz-Hotel: Kommen Sie herein, hier werden Sie nach Strich und Faden ausgenommen? Knete, Kohle, Pinkepinke – Hauptsache, wir werden reich? Immerhin, da weiß man, was einen erwartet.
Im Zuge des Baus der neuen U-Bahn, die hier eine Haltestelle bekommt, soll der Platz komplett neu gestaltet werden, das blaue Musicalzelt rechts im Hintergrund z.B. hat nur noch eine Schonfrist bis 2011, und der Busbahnhof wird ins Rechtsrheinische verschoben. Ob das Kommerz-Hotel auch abgerissen wird, weiß man noch nicht, immerhin ist es ein typisches Gebäude seiner Zeit und dadurch ein Architekturdenkmal. Vielleicht sollte man Christo beauftragen, es dauerhaft zu verhüllen mit silbrigem Stoff, das würde mir gefallen. In hundert Jahren kann man es dann wieder auspacken und darüber staunen, was man früher schön fand.
Norddeutschland
Als guter Sohn war ich über die Weihnachtstage in meiner alten Heimat Norddeutschland, die zu meiner Freude ungewohnt weiß war.
Viele Straßen waren in den kleinen Orten nicht geräumt, das zwingt einen zur Entschleunigung.
Natürlich gab es viel zu viel gutes Essen, aber ich bin brav jeden Tag spazieren gegangen, trotz der frostigen Temperaturen.
Der Spielplatz war nicht gut besucht – gut, die Kinder sitzen alle zu Hause und probieren ihre neuen Gameboys aus.
Die Jade stört es nicht – ungerührt trotzt sie selbst den eisigsten Winden.
Aber daß die Möwen das auch aushalten … erst beim Näherkommen sieht man, daß sie nicht echt sind.
Grüngürtel
Alles weihnachtet, deshalb will ich nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß Spekulatius und Schokoladenweihnachtsmänner in ca. zwei Wochen von Zuckereiern und Schokohasen abgelöst werden. Wer also auf das Weihnachtsgebäck nur schlecht verzichten kann, sollte sich jetzt eindecken, denn das wird erst wieder in ca. 6 Monaten in den Supermarktregalen stehen.
Alter Güterbahnhof, Vogelsanger Str.
Auf mich machen städtische Brachen immer einen trostlosen Eindruck, aber es gibt viele, die diese Renaturierung auf Zeit mögen. Der alte Güterbahnhof in Köln-Ehrenfeld ist umgeben von Stadt, aber man fühlt sich wie auf dem platten Land. Ab und zu rattert ein Zug vorbei, sonst hört man nichts außer die eigenen Schritte. Natürlich ist das Gelände schon längst verplant: Bürgerinitiativen haben sozialen und humanen Wohnungsbau im Auge, eine lebendige Erweiterung des Viertels mit Kunst, kleinen Läden, Handwerk, Kindergärten und Grünflächen. Die Politiker, besonders die Stadtteilpolitiker, sind natürlich alle unbedingt dafür – allein, es fehlt die Macht und das Geld. Unterdessen hat die Bahn das Gelände an eine Versicherung (soviel ich weiß) verkauft, und Versicherungskonzerne sind ja bekanntermaßen ganz besondere Freunde alternativer Lebens- und Wohnvorstellungen. Wenn ich mich recht erinnere, war von einem Rieseneinkaufszentrum die Rede. Aber nichts genaues weiß man bis jetzt, und im Moment werden die alten Bahngebäude noch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Und für Müll, den man vielleicht noch mal gebrauchen kann, zummindest gibt er schöne Muster.