Breite Str.

Ah ja, der Frühling ist da – jedenfalls, wenn es nach dem Willen der Gastronomie geht. Trotz der Decken ist die Kundschaft noch anderer Meinung, auch wenn die Außentische der Sehnsucht nach Sonne und Wärme Nahrung geben. Die umweltschädigenden Heizpilze werden aber glücklicherweise nicht mehr so häufig eingesetzt.

Schönhauser Str.

Die Fotos, die hier hängen, hätten wahrscheinlich nie das Licht eines Ausstellungsraums gesehen, wären sie nicht von einem bekannten und geehrten Schriftsteller und seiner Frau gemacht worden: Arno und Alice Schmidt, die seit 1950 ihr Leben und ihre Umgebung fotografierten: Anfangs Schnappschüsse in schwarz/weiß mit einer Rollfilmkamera, später bunte, schön komponierte Natur- und Landschaftsfotos.

Daß sie ausgestellt werden, ist aber auch dem „Forum für Fotografie“ zu verdanken, das ganz bewußt die großen Shootigstars der Fotografie-Szene meidet und kleineren Sammlungen und jüngeren Künstlern eine Chance geben will. Hinten links ist noch ein kleiner Raum, dahinter ein winziges Café – sehr sympathisch. Eintritt 2 Euro.

Folgendes Bild ist aus der Sammlung, die Rechte liegen bei der Arno-Schmidt-Stiftung.

Im Himmelreich

… war ich gestern, einem neuen Café in der Zülpicher Str. Ganz nett, unten findet man auch Sessel und Sofa, große familiengerechte Tische, auf der Balustrade eine große Sitznische mit vielen Kissen neben normalem Mobiliar.

Kaffee und Kuchen sind gut, daneben gibt es noch ein paar herzhafte Snacks, allerdings keinen Alkohol – braucht man auch nicht, das Café schließt eh um 18/19 Uhr. Einen empfindlichen Nachteil hat es allerdings: Es ist sehr laut hier, als ob in einer Halle alle gleichzeitig reden.

Auf dem Weg zum Klo noch ein frommer Wunsch – hat er doch sowieso, der Tag, schon immer.

Mal was anderes …

Von der Gewerkschaft Verdi erhielt ich folgende email:

„Weltweite Internet-Aktion für Finanztransaktionssteuer

Eine internationale Internet-Unterschriftenaktion für die Einführung der
Finanztransaktionssteuer (FTT) führen zivilgesellschaftliche
Organisationen und Netzwerke aus der ganzen Welt durch.

Mit der Aktion werden die G20 aufgefordert, bei ihrem nächsten Gipfel im
Juni in Toronto eine Umsatzsteuer auf den Handel mit allen Finanzvermögen
einzuführen.

Über steuergegenarmut.de kann man
sich an der Aktion mit wenigen Mausclicks beteiligen. […]

Bei ihrem letzten Gipfel in Pittsburgh hatten die G20 den Internationalen
Währungsfonds beauftragt, Vorschläge zu erarbeiten, wie die
Finanzindustrie an den Kosten der Krise beteiligt werden könnten.

Die Finanztransaktionssteuer wäre das beste Instrument dafür. Bereits ein
geringer Prozentsatz von 0,1% würde über 700 Milliarden Dollar bringen und
die Spekulation einschränken.

In der Bundesrepublik sind u.a. der DGB, die Kampagne Steuer gegen Armut
und Attac dabei.
Wir bitten alle, sich an der Aktion zu beteiligen und sie in ihrem
Freundes- und Bekanntenkreis und unter Kolleginnen und Kollegen publik zu
machen. Je mehr Menschen sich beteiligen und je größer der Druck von
unten, umso größer die Chance, dass endlich einmal eine wirksame Maßnahme
zur Regulierung des Finanzsystems ergriffen wird.“

Durch eine Unterschriftenaktion etwas verändern zu können, die Hoffnung darauf ist wahrscheinlich ebenso naiv, wie der Glaube, durch yogisches Fliegen könne man den Weltfrieden herbeiführen. Aber es ist für eine gute Sache, und schaden kann es auch nicht. Und wer weiß …

Berlin, Hackesche Höfe

In den Hackeschen Höfen, einem riesigen Gebäudekomplex, der acht miteinader verbundene Höfe umschließt, gibt es hauptsächlich Souvenirgeschäfte, z.B. einen ganzen Laden auschließlich mit Ampelmännchenartikeln.

City Lights zum mit nach Hause nehmen, vielleicht könnte man die irgendwie mit dem Toilettenschloß verbinden.

Das Berliner Wappentier darf natürlich auch nicht fehlen, egal ob als weiches Kuscheltier …

… oder harter Staubfänger.

Hampelmänner und -frauen gibt’s auch – die Souvenirbranche schreckt vor nichts zurück. Schade, daß es keinen Westerwelle gibt, dann hätte ich noch ein Dekostück fürs Klo.

Die Hackeschen Höfe wurden 1906 im sogenannten Scheunenviertel fertig gestellt, daß als Armenhaus Berlins galt. Die Mischung aus Gewerbe, Fabriken, Büros, Kulturbetriebe und Wohnungen sollte ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Der erste Hof war für das kulturelle Leben bestimmt, und auch heute noch befinden sich dort ein Kino und ein Theater.

Bereits in den 20er Jahren verließen aufgrund der desolaten Nachkriegswirtschaftslage viele Betriebe die Höfe, und ein Kaufhaus zog ein und belgte einen goßen Bereich. Nach dem 2. WK ließ die DDR den Gebäudekomplex verkommen – kein Geld, vermutlich, aber immerhin 1977 unter Denkmalschutz stellen.

1997 wurde er komplett saniert und ist seitdem eine der teuersten Immobilien Berlins. Was hier die Mieten kosten, möchte ich nicht wissen – Architekten, Internetfirmen, Rechtsanwälte haben hier ihre Büros.

Wie sich der wilde Schokoladenladen hier halten kann, ist mir ein Rätsel, vielleicht deswegen, weil er in der hintersten Ecke liegt.

Berlin, Dorotheenstädtischer Friedhof

Mitten in der hektischen Stadt eine Ort der Ruhe, nicht nur für uns Besucher, sondern natürlich besonders für die, deren Körper hier liegen. Als der Friedhof (zusammen mit dem direkt benachbarten Französischem Friedhof) um 1770 angelegt wurde, befand er sich noch außerhalb der Stadtmauern.

Bert Brecht und Helene Weigel haben hier ein weißes Bett, viele seiner einzigartigen Liebesgedichte sind vermutlich an sie gerichtet, …

… und auch Heinrich Mann liegt hier begraben. Wer kennt noch nicht seinen Roman „Der Untertan“? Unbedingt lesen, sehr empfehlenswert.

Aber daß er gleich neben dem dichtenden Stalinisten Johannes R. Becher liegt, muß das sein? Moment, gleich mal nachlesen (Wikipedia weiß Genaueres)… aha: Heinrich Mann war der erste Präsident der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin, konnte sein Amt aber nicht antreten, weil er 1950 vor der Reise in die DDR im amerikanischen Exil verstarb. Eben dieses Amt hatte Becher von 1953-56 inne. Er war übrigens der Verfasser des Textes der Nationalhymne der DDR – und irgenwie auch eine tragische Person, mag er bleiben, wo er ist. Flanieren wir ein wenig weiter …

Viele Trauerfiguren gibt es hier natürlich auch …

Der Schinkel hat doch mal einen schönen Grabstein! Ein bißchen kitschig zwar, aber so einen will ich auch. Wer kennt Schinkel nicht? Aufzeigen! Er war ein sehr berühmter Architekt des Klassizismus Anfang des 19. Jahrhunderts, der mit seinem Stil ganze Generationen beeinflußte. Noch heute sind viele Bauten von ihm zu bewundern, besonders in Berlin. Außerdem setzte er sich sehr für die Vollendung des Kölner Domes ein, der ja seit ein paar hundert Jahren wie ein fauler Zahn in den Himmel ragte. Danke dafür!

Zu guter Letzt das Grab vom idealistischen Staatsphilosophen Hegel – sehr unspektakulär, quasi „auf die Füße“ gestellt. Da ist kein Weltgeist, der zu sich selbst findet, da ist nur Endlichkeit.

Kreuzberger Mahlzeit

Wer nun glaubt, in der Pizzeria, in der dieses Schild hängt, wäre das Abwerfen von Raketen verboten, der irrt: Das Tragen von Schlipsen ist hier unerwünscht, und das hat wahrscheinlich den guten Grund, daß die Betreiber nicht für die Reinigung aufkommen wollen:

Hier ißt man mit den Fingern, und wenn sich der Herr dann den Schlips richtet, hat er das Malheur. Eine kleinere Pizza als die abgebildete gibt es übrigens nicht, wie gut, daß wir uns nicht jeder eine bestellt haben – ehrlich gesagt war ich skeptisch, als mein Freund mir sagte, wir würden uns zu viert eine teilen, mit diesem Ausmaß habe ich nicht gerechnet. Dazu wird Olivenöl mit eingelegten Knoblauchzehen gereicht – sehr lecker!

Berlinale

Will man Filme auf der Berlinale besuchen, muß man viel Zeit haben: Die Online-Verkäufe sind schneller ausverkauft, als man klicken kann, also heißt es: Anstehen. Stundenlang. Vor dem Ticketschalter in den Arkaden am Potsdamer Platz bilden sich lange Schlangen. Leider kann man nioht alle Karten auf einmal kaufen, die man haben möchte, da der jeweilige Vorverkauf erst drei Tage vor einer Premiere startet (vor einer Wiederholung vier), wenn man einen Film besuchen will, der erst später startet, muß man sich noch einmal anstellen.

Auf der Tafel kann man sehen, welche Filme schon ausverkauft sind, das heißt aber nichts: Man stellt sich einfach am Premierentag noch einmal frühzeitig vor der Tageskasse des ausstrahlenden Kinos an, und wer es risikoreich mag, bekommt mit viel Glück eine halbe Stunde vor Filmbeginn sogar noch Karten zum halben Preis.

Manchmal gibt es Platzkarten, wie hier im Berlinale Palast, aber meistens nicht, daher ist es ratsam, sich auch hier frühzeitig anzustellen, will man nicht in der ersten Reihe sitzen. Insgesamt verbringt man mehr Zeit damit, einen anständigen Platz zu ergattern, als der Film dann dauert. Aber es lohnt sich trotzdem – die wuselige Atmosphäre ist einfach toll.

Der rote Teppich ist natürlich nicht nur für Profifotografen besonders begehrt, alle Besucher sind neugierig, wer sich gerade darauf bewegt, es könnte ja ein Prominenter sein. Und wenn gerade keiner da ist, macht man sich selbst zu einem und behauptet zu Hause: Schaut, wie ich empfangen wurde!

Und wenn einem alles zu viel wird, geht man im Schnee auf dem Landwehrkanal spazieren.

Café in der Vondelstr.

Wir wissen nicht, was dieser junge Mann zu bestellen beabsichtigte, wir jedenfalls hatten ‚Birne Helene‘, von der hier schon mal die Rede war.

Das neue Café befindet sich in der Garagenhalle der ehemaligen „Feuerwache Cöln Süd“ – trotz der Ausmaße ist es dank der halbhohen Raumteiler recht gemütlich. Es gehört zur frisch umgezogenen „Comedia Colonia“, einer Kleinbühne für Kabarett, Kinder- und Schultheater.