Wir haben uns ein Auto geliehen, um zu unserem eigentlich Ziel – oder besser gesagt: Zum Anlaß unseres kurzen Urlaubs – zu fahren: Bergenhusen ist ein Storchendorf. Wir waren ja schon in Windheim, Loburg und Rühstädt, da darf Bergenhusen nicht fehlen.
Das Dorf ist sehr ruhig, man sieht viele landwirtschaftliche Geräte, der Tante-Emma-Laden macht eine ausgedehnte Siesta, das Kirchentor hängt quietschend in der Angel, Tumbleweed wird durch die ansonsten leeren Straßen getrieben, in der Ferne heult ein Kojote … nee, Quatsch. Aber ich bin froh, daß wir hier nicht abgestiegen sind.
Es gibt sogar ein kleines Storchenmuseum mit lehrreichen Stellwänden, ausgestopften Tieren und dem ersten, 1959 ausgestrahlten Film des Tierfilmers Heinz Sielmann, der von den Gewohnheiten der Störche in Bergenhusen handelt. Die Kassiererin war ganz enttäuscht, daß wir uns bereits nach ca. einer halben Sunde wieder verabschiedeten.
Wir fahren weiter und machen einen kurzen Abstecher nach Holland – könnte man denken angesichts der Architektur im Stil der niederländischen Backsteinrenaissance und der vielen Grachten, die das Städtchen Friedrichstadt durchziehen.
Friedrich III. von Schleswig-Gottorf war ein Herzog mit Schulden und knappen Einkünften. Also kam er auf die Idee, einen Mittelpunkt für den Handel entlang der Linie Spanien, Rußland und Ostindien zu etablieren. Die Handelsschiffe sollten über die Nordsee und durch die Eider in Friedrichstadt anlegen, von wo aus die Waren weitertransportiert werden sollten. Das hat zwar nicht in dem gewünschten Ausmaß geklappt (was mich eigentlich auch nicht wundert), aber zur Gründung einer Stadt hat es gereicht.
1620 bot er – aufgrund ihres Glaubens in ihrer Heimat verfolgten – Niederländern an, sich hier anzusiedeln. Als Remonstranten bezeichneten sie sich: Im Gegensatz zu den herrschenden Calvinisten waren sie der Überzeugung, daß es Glaubens- und Willensfreiheit gibt.
Aufgrund der Religionsfreiheit siedelten sich später auch viele Anhänger anderer Glaubensrichtungen an, so daß man von Friedrichstadt als „Stadt der Toleranz“ sprach – sogar quietschrote Turnschuhe werden inzwischen geduldet! Prima – hierhin kann man gut mal einen Ausflug machen.
Das letzte Wort, ganz klein, lautet „nie“ – ein bißchen Spaß muß sein. Dafür hat sich hier mal Louis-Philippe versteckt, lange bevor er der letzte König (1830-48) von Frankreich wurde. Und nun waren wir auch hier – ein bißchen Prominenz kann nicht schaden.
Wir fahren weiter und ignorieren mit Mühe die Hinweisschilder, die uns nach Orten locken wollen, die „Welt“ und „Reimersbude“ heißen, durchqueren Witzwort und verpassen fast das kleine Wäldchen, wo der „Rote Haubarg“ steht. Haubarg, so nannte man hier die Bauernhäuser, und rot war die Farbe der Ziegel, die hier einst das Haus bedeckten, bis es im 18. Jh. abbrannte. Das neue Haus hat ein Reetdach, aber der alte Name ist geblieben. „Mensch und Tier lebten in Haubargen jahrhundertelang unter einem Dach, wenn auch in getrennten Räumen“, weiß Wikipedia. In getrennten Räumen also, aha. Aber vielleicht mit gemeinsamer Küche?
Innen gibt es ein Museum über Landwirtschaft, sicher ganz interessant …
… aber wir gehen lieber ins Café und essen Rhababerkuchen und gebackene Holunderblüten mit Eis.
Das geht auch mit Kaffee, ich hab’s ausprobiert.
Fortsetzung folgt.