Tag des guten Lebens

Sonntag vor einer Woche war es mal wieder so weit: Der „Tag des guten Lebens“ fand zum dritten Mal statt, diesmal nicht im Stadtteil Ehrenfeld (ich berichtete), sondern in Sülz, einem Viertel nahe der Universität. Veranstalter ist die Initiative „Agora Köln„, bestehend aus 131 Umweltorganisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen.

Alle Straßen wurden für Autos abgesperrt, stattdessen durften die Anwohner und (hauptsächlich) nichtkommerzielle Organisationen die Straßen nutzen: Flohmärkte veranstalten, einfach einen Tisch mit Kaffee und Kuchen für die Nachbarschaft aufstellen oder über nachhaltige Projekte informieren.

Wer wollte, konnte auch als Besucher kreativ sein (Jeder Mensch ist ein Künstler, Joseph Beuys) und mit Kindern malen oder …

… bei einem spontan gebildeten Chor mitsingen oder …

… sich passiv Live-Musik anhören …

… die an vielen Ecken dargeboten wurde.

Hier stellt sich ein noch relativ junges Projekt vor: wirnachbarn.com versucht, über die Gestaltung einer virtuellen Nachbarschaft Leute einander näher zu bringen, die in der realen Nachbarschaft leben. Klingt nicht schlecht, aber ob es funktioniert, wird erst die Erfahrung zeigen.

Die Zukunft des Verkehrs – auch ein großes Thema. In Köln hat man z.B. festgestellt, daß immer mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren. Das Auto verliert unter den jungen Leuten immer mehr an Bedeutung als Statussymbol, stattdessen gewinnen praktische Perspektiven: Wie komme ich am schnellsten zum Ziel, womit habe ich am wenigsten Parkplatzsorgen usw. Die Verkehrsplanung trägt dem aber kaum Rechnung: Anstatt die Innenstadt für Autofahrer unattraktiver zu machen, um den umweltfreundlicheren Bewegungsmitteln Platz zu verschaffen, versucht man umständlich, Verkehrswege für Autos zu optimieren – ein zweckloses Unterfangen, wie die täglichen Staus zeigen. Man schafft es ja noch nicht einmal, alle Schlaglöcher zu stopfen.

Irgenwann kriegen wir Hunger – wenn wir ein Kind dabei hätten, könnte ich mir hier einen Apfel besorgen lassen.

Macht nichts, gegenüber gibt es ein leckeres indisches Gericht: Gut gewürzte Linsen mit Reis, Kartoffelsalat und Joghurt. Wer jetzt stöhnt: Immer diese Ökos mit ihrem Gemüse, dem sei gesagt: Es gab auch anderes …

… z.B. Schinken und Blutwurst (uah!).

Sehr angenehm, sehr relaxt, so ein Tag des guten Lebens. Meinetwegen könnte man das noch öfter machen als nur ein Mal im Jahr.

0 Antworten zu “Tag des guten Lebens

  1. Blutwurst, das ist ja mal wieder typisch Kölle….

    Die Idee ist aber sehr schön und vermutlich das, was letztendlich über bleibt, wenn das alte Geldsystem mal zusammen gebrochen ist. Oder wenn auch der letzte kapiert hat, wie dämlich es ist, Statussymbolen hinterher zu jagen, die einen doch nur auslaugen…

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  2. Die habe ich schon als Kind gehaßt – glücklicherweise gab es sie nicht oft, da mein Vater sie nicht vertrug.

    Welche Idee meinst Du, das Straßenfest oder die Nachbarseite? Alternative, nichkommerzielle Straßenfeste gab es ja schon in den 70ern, allerdings waren sie nie so groß, daß sie ganze Viertel abdeckten, soviel ich weiß. In Köln gibt es das erst seit drei Jahren.

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  3. Finde ich auch, nur allein deswegen lohnt es sich schon, sich so was anzusehen. Ich finde, es hat sich viel getan, da ist so viel Gutes in den Anfängen und weitet sich aus, wie Rooftop gardening, „Gib-und-nimm“-Orte, Sofasurfing, Airbnb, Food sharing, XY-Swap (was auch immer), Buch-umsonst-Stände usw..
    Die Menschen sind gar nicht so. Nur die Medien wollen uns das weismachen! (OK, gut, Karneval in Köln ist live erfahrbar, wirst du jetzt sagen. Auch Schützenvereine gibt es wirklich. Aber sonst….)

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