Ausflug ins Siebengebirge (3)

Auf dem Petersberg steht das Bundesgästehaus, in dem besonders die Bonner Republik hochrangige Gäste beherbergte, aber auch die Berliner Regierung nutzt das Haus. Bekannte Gäste waren z.B. die Queen, Gorbi und die Clintons. Schöne Aussicht hatten sie.

Als wir ankamen, fiel uns der Himmel auf den Kopf – jedenfalls teilweise.

Also schnell hinein in die Gaststätte, leider war kein Tisch mehr frei. Das Personal in grauen Anzügen war so nett und ließ uns im Eingangsbereich stehen, bis der kleine Minutensturm vorüber war.

Es gab aber auch Gäste, die so ausgehungert waren, daß nichts sie von ihren Tellern vertreiben konnte. Sobald es wieder einigermaßen trocken war, machten wir uns auf den Weg zum Geißberg.

Ausflug ins Siebengebirge (2)

„Wissen Sie, wie man zur Abtei Heisterbach kommt?“ „Folgen Sie uns, wir gehen in die Richtung,“ sagte der Vorstand der Kleinfamilie, die wir fragten. Also hinterher – hier wären wir freiwillig garantiert nicht lang gegangen.

Befremdliche Zeichen im Feld – wo sind wir hier? Alienlandeplatz? Sollen wir von Däniken anrufen? Ist die Familie vielleicht eine Gruppe von Außerirdischen, die uns ins Ungewisse führen, eine Falle? Wären wir doch bloß zu Hause geblieben, unvernünftige Abenteuerlust …

Ah – da sind wir ja, nochmal Glück gehabt (ist doch ein bißchen unheimlich, diese Natur). Die Abtei wurde Anfang des 19. Jahrhundert an ein Abbruchunternehmen verkauft – schade, der Rest läßt eine sehr reizvolle Verbindung von spätromanischem und frühgotischem Stil vermuten. Hier findet gleich ein Open-air-Gottesdienst statt – also schnell weg.

Zum Einkehren ist es noch zu früh, also gleich weiter in Richtung Petersberg – wer hat den Kompaß?

Aaaah – diese Luft, die Stille, das zarte helle Grün – herrlich!! Ich glaube, ich muß erstmal eine rauchen.

Ausflug ins Siebengebirge (1)

Der Rheinsteig ist ein gut beschilderter Wanderweg von Bonn nach Wiesbaden und 320 km lang – für den geübten Wanderer kein Problem. Der ungeübte Spaziergänger allerdings sucht sich eine kurze Route, verläuft sich trotz der neuen Schilder ein paar Mal, kommt so auf gut 10 km und ist froh, daß überall gutorganisierte Gastronomiebetriebe zu finden sind.

Man fährt also mit dem Zug nach Niederdollendorf, das am Rande des rheinischen Siebengebirges liegt, einer Hügel- und Waldlandschaft, und geht nach Oberdollendorf (allein wegen der Namen muß man diese Orte gern haben). Dort stehen nicht nur jede Menge  putzige und offenbar frisch renovierte Fachwerkhäuschen, sondern auch riesige Gartenzwergsonderanfertigungen:

Auf dem Weg zu einer Kirchenruine kriegt der Großstädter das Maul nicht wieder zu vor lauter Staunen über so viel Natur – und verläuft sich prompt.

Freundliche Menschen helfen, wo sie können – wieder zurück, am Acker links, dann rechts, dann …

Ja, liebe Kinder, hier kommen die Kartoffeln her – jedenfalls theoretisch.

Rosen-Badezimmer

Ich weiß nicht, ob es vielleicht irgendwie unschicklich ist, ein Bild von einem Badezimmer ins Blog zu stellen, unsittlich, zu intim, was weiß ich, noch dazu das Bad einer Freundin – aber ich finde es einfach bemerkenswert.

Alte Liebe

Die „Alte Liebe“ ist das bekannteste der fest vertäuten Gastronomieboote, nicht zuletzt, weil es vor fünf Jahren komplett und spektakulär abgebrannt ist. Für Gesellschaften kann man hier Räume mieten (bis zu 500 Personen), als Selbstversorger oder mit Buffet und Bedienung. Am Wochenende ist ganz normaler Restaurant- und Cafébetrieb mit einer kleinen Auswahl an warmen Speisen und Kaffee und Kuchen.

Rodenkirchener Brücke

„Über sieben Brücken mußt du geh’n, sieben dunkle Jahre übersteh’n …“ Nein, keine Angst, hier kann man ganz unbehelligt über sieben Brücken gehen oder fahren, ohne die Dunkelheit von ebenso vielen Jahren befürchten zu müssen, es macht nur keinen Sinn, das nacheinander zu machen, denn man kommt immer nur auf die jeweils andere Rheinseite. Die Rodenkirchener Brücke, die südlichste der Stadt, ist eine Autobahnbrücke, aber wie bei allen anderen Brücken auch, kann man sie als Fußgänger und Fahrradfahrer ebenfalls nutzen. Sie wurde 1938 gebaut und war zu der Zeit die längste Hängebrücke Europas. 1945 wurde sie zerstört und neun Jahre später wieder aufgebaut. Das Grün ist übrigens ganz typisch für fast alle Brücken der Stadt: Der spätere erste Bundeskanzler der BRD Konrad Adenauer war von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister der Stadt und hatte eine besondere Vorliebe für das Grün der Patina auf Bronzeskulpturen und alten Kupferdächern. So wird das Grün der Kölner Brücken im Volksmund auch „Adenauergrün“ genannt.

Rheinufer

Sehr schön kann man mit dem Fahrrad am Rheinufer bis nach Bonn und vermutlich auch noch weiter fahren, aber schon wer es bis Zündorf schafft, hat sich eine kleine Stärkung verdient.

Die Kamera sollte man allerdings am hellichten Tag noch gerade halten können – aber es war nicht meine Schuld: Das völlig überforderte Personal teilte uns nach ca. einer Stunde Wartezeit und auch nur auf Nachfrage mit, die Bockwurst sei leider aus. Nachdem wir uns den Witz verkniffen hatten, wohin sie denn gegangen sei, setzten wir über:

Die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten und kostet 2 Euro pro Person/Fahrrad.

Die Rückfahrt kommt einem kürzer vor – woran mag das liegen?

Stadtwald

Schön schön – noch nie so viele Narzissen wie in diesem Jahr im Stadtwald, tausende, wirklich schön anzusehen im Sonnenschein. Aber wer hat die alle gepflanzt? 1-Euro-Jobber? Also Angehörige des staatlich verordneten Arbeitsdienstes? Manchmal bin ich aber auch sowas von unromantisch!

Hahnentorburg auf dem Rudolfplatz

Die Hahhnentorburg auf dem heute verkehrsumtosten Rudolfplatz, anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, war eines der zwölf Tore in der mittelalterlichen Mauer, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Altstadt umfaßte. Von den zwölf Toren hatten einige übrigens gar keine Funktion, man wollte nur der Stadt Jerusalem nacheifern, die ebenfalls zwölf Tore hatte. Durch die Hahnentorburg ritten allerdings die Könige, nachdem sie in Aachen gekrönt worden waren, um im Dom den Heiligen Drei Königen zu huldigen. Zeitweise diente das Gebäude als Gefängnis, dann beherbergte es ein Museum, heute bietet es einer Karnevalsgesellschaft Platz. Im 2. WK wurde besonders der linke Turm schwer getroffen, wie die Torburg um 1900 aussah, kann man hier betrachten.

Lütticher Str.

Die mittelalterliche Stadtmauer wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur als überflüssig, sondern auch als beengend empfunden, also wurde sie bis auf ein paar markante Punkte geschleift. Die Kölner Ringe wurden angelegt (die Mehrzahl täuscht, es ist ein Ring mit streckenweise verschiedenen Bezeichnungen), daran anschließend ein Areal zur Bebauung freigegeben, das noch heute Neustadt heißt (siehe auch hier). Die Bürgerhäuser wurden im Gründerzeitstil gebaut, der seine Formen in der Architektur des sogenannten Historismus fand, d.h. es wurden vielfach Stilelemente vergangener Epochen miteinander verbunden und zu einem eigenen Charakter entwickelt. Das Bild zeigt ein Beispiel, Wohnungssuchende achten in den Anzeigen auf den Begriff ‚Altbau‘, wenn sie in solch einem Haus wohnen möchten, natürlich möglichst zeitgemäß renoviert. Das Bild ist aber auch typisch für etwas anderes: Die meisten Häuser dieser Art wurden zerstört, das einheitliche Bild, das die Neustadt früher gehabt haben mag, ist unwiederbringlich vernichtet, stattdessen geben die Gründerzeithäuser nur noch eine Ahnung davon, wie es mal ausgesehen hat – wenn ich könnte, würde ich mich für einen Spaziergang in die 20er Jahre zurückbeamen, um ein Bild der Stadt vor den verheerenden Zerstörungen der Kriegsbomben zu bekommen.