Die Sonnenschirme können noch zu bleiben, jeder Sonnenstrahl ist willkommen.
Autor: Videbitis
Richmodisstr.
Im 14. Jahrhundert, als immer mal wieder die Pest wucherte, heiratete der wohlhabende Mengis von Aducht die schöne Richmodis. Als sie eine Zeit lang glücklich zusammen gelebt hatten, raffte die Pest Richmodis dahin – ihr Mann war untröstlich, stattete den Leichnam reich mit Gewändern und Schmuck aus, ließ sie begraben und verkroch sich in seinem Turm. Den Herren des Bestattungsinstituts jedoch tat es vor allem um den vergrabenen Schmuck leid, weshalb sie nächtens eine Exhumierung vornahmen. Als sie den Sargdeckel öffneten, ging durch die vermeintlich Tote ein Ruck – zum Schrecken der Totengräber erwachte sie aus dem Scheintod. Schnell eilte sie nach Hause. Als der Diener seinem Herrn Mengis aufgeregt mitteilte, seine Frau stehe vor der Tür, sagte dieser: „Ach was, eher steigen meine beiden Hengste auf den Turm!“ – und sogleich hörte man lautes Pferdegetrappel auf der Treppe.
Am Aachener Weiher
Der Schwan brütet, wo er will und nicht, wo er soll – auf einem öffentlichen Durchgang anstatt irgendwo im Gebüsch. Gut, daß er sich nicht die vierspurige Straße in der Nähe ausgesucht hat, ob man die auch abgesperrt hätte …
Mal eine blasphemische Frage: Kann man Schwäne eigentlich auch essen? Ist vielleicht ein Spiegelei vom Schwan eine Delikatesse?
Biergärten
Wie hier im zentral gelegenen Stadtgarten hat die Biergartensaison gestern überall in der Stadt angefangen – der Kaffee ist auch sehr gut, wie ich feststellen durfte.
Später dann am Aachener Weiher war der Ansturm so groß, daß der Gastronomie die Speisen ausgingen – flüssiges „Brot“, wie die Mönche einst sagten, gab es aber noch zur Genüge.
Auf dem Rathenau-Platz werden die Stühle angekettet, sobald die Sonne fort ist – zu Recht, sie könnten sonst das Weite suchen vor lauter Kälte. Der Schal wird besser noch nicht in den Schrank gehängt.
Oper, neu, Foyer
Und hinein in die Oper – jedenfalls ins Foyer. Schlückchen Sekt gefällig?
Das letzt Mal, als ich hier in einer Veranstaltung war, wurde moderner Tanz eines hier ansässigen international anerkannten Ballettensembles aufgeführt – das Ensemble ist inzwischen leider leider aus Kostengründen abgeschafft. Wer Geld hat, jettet nun woanders hin.
Oper, alt, Rudolfplatz
Dieses Bild der alten Oper habe ich 1902 aufgenommen (bei Wikipedia wird es als ‚gemeinfrei‘ bezeichnet), analog und in sepia, Farbfotografie gab es ja erst später. Die Bilder unten zeigen, was heute an der Stelle steht, das erste ist aus der selben Blickrichtung aufgenommen. Sie zeigen ein Hotel auf dem Rudolfplatz, lange Zeit gehörte es ‚Holiday Inn – Crown Plaza‘, seit kurzem beheimatet das Gebäude ‚Barceló Cologne Hotel‘. Die stark beschädigte alte Oper wurde 1958 abgerissen.
Oper, neu, außen
Da die alte Oper aus bekannten Gründen größtenteils zerstört war, beauftragte man den Architekten Wilhelm Riphahn in den 50er Jahren, an anderer Stelle eine neue zu bauen.
Und weil an Kultur in Zeiten knapper Kassen immer als erstes gespart wird, ließ man das Gebäude soweit verkommen, daß man Anfang dieses Jahrzehnts darüber spekulierte, ob es nicht billiger sei, es ganz abzureißen anstatt zu sanieren. Per Ratsbeschluß im Jahr 2005 entschied man sich für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das benachbarte Schaupielhaus sollte durch eine neue Spielstätte ersetzt werden sowie andere Abrißarbeiten auf dem Platz erfolgen.
Und bei dem Beschluß ist es dann geblieben. Die Ratsherren und -damen reiben sich die Hände, schließlich ist man seinem Beruf voll und ganz gerecht geworden: Tatkräftig Beschlüsse fassen. Was? Die Umsetzung? Wohl verrückt geworden, was? Das kostet doch Geld …
Apropos Cöln – The Concept Store, Mittelstr. (4)
Ein letzter Blick in die „Luxus“-Einkaufsstätte.
Der Hof ist überdacht, aber kalt, deshalb stehen überall diese Gasheizstrahler, deren CO²-Ausstoß so hoch sein soll, daß sie in einigen Städten verboten sind.
Man muß hier aber nicht halb draußen sitzen, wenn man nicht will, es gibt auch mindestens ein Restaurant, dessen Koch, wie ich gelesen habe, früher die Familie derer von und/oder zu Thurn und Taxis bekocht hat.
Zülpicher Platz
Immer wieder staune ich über das, was man hier sehen kann, sie stammt noch aus dem 2. Weltkrieg und ist selbst in zentraler Lage relativ oft anzutreffen: Die Baulücke. Der Zülpicher Platz ist sehr zentral gelegen und bildet den Eingang zum Studentenviertel, Wohnraum ist begehrt und die Mieten ordentlich. Um so erstaunlicher ist es, daß die Lücke nicht geschlossen wird. Nehring ist ein Imbiß, den es schon ewig gibt. Er hat die besten gegrillten Hähnchen der Stadt und auch in der Woche bis 3.00 Uhr morgens geöffnet.
Apropos Cöln – The Concept Store, Mittelstr. (3)
Im „Concept Store“ ist auch eine Galerie, die diese Figur vor ihre Tür gestellt hat: Auf mächtigen Füßen hockt eine offensichtlich männliche Gestalt unumstößlich und gelassen auf dem Grund, mit großen Ohren neugierig und nachdenklich auf das eitle Treiben der Umgebung horchend – es gibt kaum einen besseren Standort für diese Plastik. Aber da die Galerie nicht subtile Gesellschaftskritik im Sinne hat, sondern auch nach dem schnöden Mammon strebt, hat sie den Preis gleich dran geschrieben, hier ist vermutlich noch am ehesten eine Einzelperson zu finden, die das bezahlen kann: Die Skulptur von 2007 ist der 3. von sieben Güssen und kostet 14500 Euro. Der zwar traditionell arbeitende, aber wie ich finde fähige Künstler heißt Hannes Helmke.

