Die Hahhnentorburg auf dem heute verkehrsumtosten Rudolfplatz, anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, war eines der zwölf Tore in der mittelalterlichen Mauer, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Altstadt umfaßte. Von den zwölf Toren hatten einige übrigens gar keine Funktion, man wollte nur der Stadt Jerusalem nacheifern, die ebenfalls zwölf Tore hatte. Durch die Hahnentorburg ritten allerdings die Könige, nachdem sie in Aachen gekrönt worden waren, um im Dom den Heiligen Drei Königen zu huldigen. Zeitweise diente das Gebäude als Gefängnis, dann beherbergte es ein Museum, heute bietet es einer Karnevalsgesellschaft Platz. Im 2. WK wurde besonders der linke Turm schwer getroffen, wie die Torburg um 1900 aussah, kann man hier betrachten.
Autor: Videbitis
Lütticher Str.
Die mittelalterliche Stadtmauer wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur als überflüssig, sondern auch als beengend empfunden, also wurde sie bis auf ein paar markante Punkte geschleift. Die Kölner Ringe wurden angelegt (die Mehrzahl täuscht, es ist ein Ring mit streckenweise verschiedenen Bezeichnungen), daran anschließend ein Areal zur Bebauung freigegeben, das noch heute Neustadt heißt (siehe auch hier). Die Bürgerhäuser wurden im Gründerzeitstil gebaut, der seine Formen in der Architektur des sogenannten Historismus fand, d.h. es wurden vielfach Stilelemente vergangener Epochen miteinander verbunden und zu einem eigenen Charakter entwickelt. Das Bild zeigt ein Beispiel, Wohnungssuchende achten in den Anzeigen auf den Begriff ‚Altbau‘, wenn sie in solch einem Haus wohnen möchten, natürlich möglichst zeitgemäß renoviert. Das Bild ist aber auch typisch für etwas anderes: Die meisten Häuser dieser Art wurden zerstört, das einheitliche Bild, das die Neustadt früher gehabt haben mag, ist unwiederbringlich vernichtet, stattdessen geben die Gründerzeithäuser nur noch eine Ahnung davon, wie es mal ausgesehen hat – wenn ich könnte, würde ich mich für einen Spaziergang in die 20er Jahre zurückbeamen, um ein Bild der Stadt vor den verheerenden Zerstörungen der Kriegsbomben zu bekommen.
Richmodisstr.
Im 14. Jahrhundert, als immer mal wieder die Pest wucherte, heiratete der wohlhabende Mengis von Aducht die schöne Richmodis. Als sie eine Zeit lang glücklich zusammen gelebt hatten, raffte die Pest Richmodis dahin – ihr Mann war untröstlich, stattete den Leichnam reich mit Gewändern und Schmuck aus, ließ sie begraben und verkroch sich in seinem Turm. Den Herren des Bestattungsinstituts jedoch tat es vor allem um den vergrabenen Schmuck leid, weshalb sie nächtens eine Exhumierung vornahmen. Als sie den Sargdeckel öffneten, ging durch die vermeintlich Tote ein Ruck – zum Schrecken der Totengräber erwachte sie aus dem Scheintod. Schnell eilte sie nach Hause. Als der Diener seinem Herrn Mengis aufgeregt mitteilte, seine Frau stehe vor der Tür, sagte dieser: „Ach was, eher steigen meine beiden Hengste auf den Turm!“ – und sogleich hörte man lautes Pferdegetrappel auf der Treppe.
Am Aachener Weiher
Der Schwan brütet, wo er will und nicht, wo er soll – auf einem öffentlichen Durchgang anstatt irgendwo im Gebüsch. Gut, daß er sich nicht die vierspurige Straße in der Nähe ausgesucht hat, ob man die auch abgesperrt hätte …
Mal eine blasphemische Frage: Kann man Schwäne eigentlich auch essen? Ist vielleicht ein Spiegelei vom Schwan eine Delikatesse?
Biergärten
Wie hier im zentral gelegenen Stadtgarten hat die Biergartensaison gestern überall in der Stadt angefangen – der Kaffee ist auch sehr gut, wie ich feststellen durfte.
Später dann am Aachener Weiher war der Ansturm so groß, daß der Gastronomie die Speisen ausgingen – flüssiges „Brot“, wie die Mönche einst sagten, gab es aber noch zur Genüge.
Auf dem Rathenau-Platz werden die Stühle angekettet, sobald die Sonne fort ist – zu Recht, sie könnten sonst das Weite suchen vor lauter Kälte. Der Schal wird besser noch nicht in den Schrank gehängt.
Oper, neu, Foyer
Und hinein in die Oper – jedenfalls ins Foyer. Schlückchen Sekt gefällig?
Das letzt Mal, als ich hier in einer Veranstaltung war, wurde moderner Tanz eines hier ansässigen international anerkannten Ballettensembles aufgeführt – das Ensemble ist inzwischen leider leider aus Kostengründen abgeschafft. Wer Geld hat, jettet nun woanders hin.
Oper, alt, Rudolfplatz
Dieses Bild der alten Oper habe ich 1902 aufgenommen (bei Wikipedia wird es als ‚gemeinfrei‘ bezeichnet), analog und in sepia, Farbfotografie gab es ja erst später. Die Bilder unten zeigen, was heute an der Stelle steht, das erste ist aus der selben Blickrichtung aufgenommen. Sie zeigen ein Hotel auf dem Rudolfplatz, lange Zeit gehörte es ‚Holiday Inn – Crown Plaza‘, seit kurzem beheimatet das Gebäude ‚Barceló Cologne Hotel‘. Die stark beschädigte alte Oper wurde 1958 abgerissen.
Oper, neu, außen
Da die alte Oper aus bekannten Gründen größtenteils zerstört war, beauftragte man den Architekten Wilhelm Riphahn in den 50er Jahren, an anderer Stelle eine neue zu bauen.
Und weil an Kultur in Zeiten knapper Kassen immer als erstes gespart wird, ließ man das Gebäude soweit verkommen, daß man Anfang dieses Jahrzehnts darüber spekulierte, ob es nicht billiger sei, es ganz abzureißen anstatt zu sanieren. Per Ratsbeschluß im Jahr 2005 entschied man sich für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, das benachbarte Schaupielhaus sollte durch eine neue Spielstätte ersetzt werden sowie andere Abrißarbeiten auf dem Platz erfolgen.
Und bei dem Beschluß ist es dann geblieben. Die Ratsherren und -damen reiben sich die Hände, schließlich ist man seinem Beruf voll und ganz gerecht geworden: Tatkräftig Beschlüsse fassen. Was? Die Umsetzung? Wohl verrückt geworden, was? Das kostet doch Geld …
Apropos Cöln – The Concept Store, Mittelstr. (4)
Ein letzter Blick in die „Luxus“-Einkaufsstätte.
Der Hof ist überdacht, aber kalt, deshalb stehen überall diese Gasheizstrahler, deren CO²-Ausstoß so hoch sein soll, daß sie in einigen Städten verboten sind.
Man muß hier aber nicht halb draußen sitzen, wenn man nicht will, es gibt auch mindestens ein Restaurant, dessen Koch, wie ich gelesen habe, früher die Familie derer von und/oder zu Thurn und Taxis bekocht hat.


