Viel hilft viel, scheint man hier gedacht zu haben. Man könnte allerdings auch denken, daß man es mit dem Brandschutz bei diesem Gebäude nicht so genau genommen hat, da unbedingt damit zu rechnen ist, daß hier bald Feuerwehrwagen stehen werden.
Monat: April 2011
Brückenstr.
Deutsch ist eine schwere Sprache. Deshalb sind dem Azubi des Schildermalers die Zeilen und zwei Buchstaben verrutscht. „Motorräder/Fahrräder: Erstellen von Privatparkplatz verboten!“, sollte da eigentlich stehen, und das ist natürlich sehr umständlich ausgedrückt. Gemeint ist: „Öffentlicher Stellplatz für Motorräder/Fahrräder“. Kevin ist aber auch erst im dritten Lehrjahr.
Ostersonntag in der City
Ostern zu sommerlichen Temperaturen – kein Wunder, daß die Ostereier, die hier zum Schmuck ins Schaufenster gelegt wurden, sich anders entwickelten, als man sich das gedacht hatte.
Monsterhasen lauern auf den Dächern …
… während auf der anderen Rheinseite eine Maschine versucht, Menschen aus den Sitzen zu rütteln. Brutal. Befremdend. Aber gut, es ist so warm, ein kleines Schäfchen kann nicht schaden.
Noch ein Riesenosterhase. Was? Ein anderes Tier? Von Osterpferden habe ich noch nie was gehört.
Quizfrage: Wieviele Brücken sind auf dem Bild zu sehen? Genau, drei. Und ein Schokoladebrunnen.
Was ist denn hier los? Kein Auto weit und breit, alles abgesperrt. „Rund um Köln“, erfahre ich, ein Radrennen. Das einzige Fahrrad, das ich sehe, ist das, auf dem ich sitze. Wahrscheinlich schon alle vorbei. Ich fahr mal hinterher.
Nachdem ich die Ziellinie überquert habe (also ca. 3 Minuten später), brauche ich dringend eine kleine Stärkung in Form einer Bratwurst, Muskelaufbau erfordert Proteine. Im Biergarten neben der Würstchenbude wird Jazz gespielt, sehr nett. Wenn ich weiter so viel Sport treibe, sehe ich bald aus wie der junge Mann im Hintergrund.
Ein angenehmer Ostersonntag. Nur die Küken machen mir Sorgen. Ob noch mehr umgefallen sind?
Zülpicher Str.
Laut einer repräsentativen Umfrage ißt jeder zweite Deutsche ab 14 mindestens einmal im Jahr einen Döner, die meisten sogar mehr. 200 bis 300 Tonnen kommen so zusammen und erwirtschaften ein Umsatz von geschätzten 2,3 Milliarden Euro. Laut einer Verordnung darf ein Dönerspieß bis zu 60% aus Hackfleisch bestehen und unterliegt somit der Hackfleischverordnung, und das heißt: Ein begonnener Spieß muß an einem Tag aufgebraucht werden, bleibt ein Rest, muß er entsorgt werden, andernfalls wird Gammelfleisch verkauft, in dem die Salmonellen Partys feiern. Allein deshalb sollte man sich immer einen Dönerladen aussuchen, in dem viel los ist. Außerdem sind viele Gäste natürlich ein Indiz für Qualität, vorausgesetzt, der Laden liegt nicht in einem Tourismusgebiet.
Ein Döner ist übrigens keine Zwischenmahlzeit: Mit durchschnittlich 615 Kilokalorien (20% Fett sind zugelassen) deckt er ungefähr ein Drittel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen.
Im Stadtgarten
Bei diesem Wetter hält es niemanden mehr in seiner Wohnung, jeder, der kann, sucht sich einen Platz an der Sonne.
Die Halsbandsittiche im Stadtgarten bauen aufgeregt an ihren Nestern, damit es der zu erwartende Nachwuchs bequem hat …
… während der, der schon da ist, am Boden zu ersten Erkundungen aufbricht.
Im Biergarten ist noch Platz, Zeit für Kaffee und Kuchen, die frische Luft macht Hunger.
Ah, da kommt auch schon der Kellner – dachte ich. Der nickt beschwichtigend, geht vorbei und kümmert sich einen Scheiß um mich um andere Gäste. Ein größere Gruppe müßte man sein, die fällt sofort auf, wenn sie sich irgendwo niederläßt, und zieht die Kellner an wie das Licht die Motten. Ich bin leider keine Gruppe und muß dabei zusehen, wie Tabletts mit Hamburgern, Flammkuchen und Kölschstangen an mir vorbei getragen werden. Am übernächsten Tisch wird umständlich abkassiert, jeder zahlt einzeln. Da – eine Kollegin wird aufmerksam … aber nicht auf mich, Himmel, sie will vorbeilaufen. Ich halte sie auf.
Das Stück Florentiner Kirschkuchen ist von der Größe einer vollen Mahlzeit. „Das letzte Stück!“, verkündet die Kellnerin freudestrahlend. Lecker, schmeckt wirklich gut, bis – autsch! – ein Kirschkern erinnert mich schmerzhaft daran, daß man von fremder Hand zubereitete Speisen mit Vorsicht genießen sollte. Na gut, denke ich, 1 Kern bringt Glück. Daß gerade ich den erwischt habe von einem ganzen Blech … als ich fertig bin, überlege ich, ob ich den Biergartenbetreiber wegen Hinterhältigkeit verklagen sollte – viereinhalb Kerne auf ein Stück, das riecht doch verdächtig nach Attentat. Oder … vielleicht ist das auch nur die späte Rache für die drei Tassen, die ich hier mal vor Jahren geklaut habe. Ich hoffe bloß, wir sind nun quitt.
Der erste Kellner kommt gelangweilt angeschlendert und fragt, ob ich noch was möchte. „Ach nee! Plötzlich!“, empöre ich mich – natürlich nicht, sondern schüttel nur freundlich meinen Kopf. Die Sonne scheint.
Im Hauptbahnhof
„Das Shopping-Erlebnis Bahnhof liegt im Trend.“, heißt es auf der Seite der Deutschen Bundesbahn, und da Ostern naht und weil es dem Geschäft zuträglich ist, wird auch hier versucht, festliche frühlingshafte Stimmung zu erzeugen. Zwischen den Narzissen rammelt der Rammler versteckt der Hase bunte Eier für die Kleinen, und die Großen können sich schon mal ausmalen, welches Stück Festtagsbraten auf dem Tisch kommt: Eisbein, zartes Filet oder durchwachsenes Kotlett zum Grillen?
Agrippabad
Ach, wär das schön, wenn es immer so leer wäre! Das Agrippabad, mitten in der Stadt gelegen, wurde Ende der 50er Jahre geöffnet und steht unter Denkmalschutz – Ende der 90er Jahre wurde es innen so weitreichend umgebaut, daß man sich fragt, was da geschützt wurde. Vorm Umbau war es ein Schwimmbad, danach ein Spaßbad mit einer riesigen Rutsche, Fitnessbereich (der natürlich extra kostet), Sauna (ebenso) und anderen Kinkerlitzchen. Für 2 Stunden Aufenthalt (nur Schwimmen) bezahlt man 5,40 Euro pro Person (Kinder etwas weniger) – ich finde, das ist ein stolzer Preis, den sich viele Familien wohl nicht leisten können. Dennoch deckt der Betrieb die Kosten nicht, was ich nicht schlimm finde: Öffentliche Sportanlagen dienen der Gesundheit der Bevölkerung, und was, wenn nicht das, sollte der Öffentlichen Hand wichtigstes Ziel sein? Und deswegen gibt es auch eine Ermäßigung – allerdings nicht für die sozial Schwachen, die immer wieder erneut den Eintritt vom monatlichen Haushaltsgeld abzweigen müssen, sondern für die eher Wohlhabenden: Wer bereit und fähig ist, Besuche in einer Höhe von 280 Euro im Voraus zu bezahlen, erhält eine Ermäßigung von 25 %. Verrückt.
Früher sah das Bad so aus:
Ausflug nach Hamburg: Kunsthalle
Hereinspaziert! Wer mal in Hamburg ist und sich auch nur ein wenig für Kunst interessiert, sollte unbedingt die Hamburger Kunsthalle, gleich neben dem Bahnhof gelegen, besuchen.
In einem sehr schönen Gebäude werden Kunstwerke aus allen Jahrhunderten gezeigt – von manchen Epochen nicht viele, aber auf das, was man hat, kann man stolz sein, wie auf dieses weltberühmte Bild von Caspar David Friedrich.
Van Gogh gibt schon mal einen Ausblick auf den Spätsommer.
Große Säle, in denen riesige ‚Schinken‘ Platz finden …
… wechseln sich ab mit kleineren Räumen und intimeren Themen.
Skulpturen gibt es hier und da auch zu sehen, wie dieser Messingkopf von Rudolf Belling, von dem ich besonders angetan bin.
Schon immer war ich fasziniert von dem Bild „John der Frauenmörder“ von George Grosz: 1918 gemalt, zeigt es genial umgesetzt die Verrohung des Menschen durch den Krieg.
Rechts das Portrait von Egon Erwin Kisch, gemalt von Christian Schad.
Auf der Suche nach dem Café und einem Schwenk durch die zeitgenössische Kunst (die Ausstellung zeigt unscharfe Kunstwerke, es liegt also nicht an meiner Kamera) …
… kommt man durch geheimnisvolle Orte.
Das Café schließlich ist das Tüpfelchen auf dem i – perfekt!
Ausflug nach Hamburg: Hafen-City
Die Innenstadt von Hamburg ist häßlich, was vermutlich zu einem guten Teil daran liegt, daß die Stadt im 2. WK weitgehend zerstört wurde: Eine uneinheitliche Bebauung, viele Autostraßen, und selbst wenn man mal eine schöne Ecke hat wie am Rathaus, verheißen die Gebäude am Rande oder am Ende der Blickachsen nichts Gutes.
Zur Elbe hin hat man immerhin die Speicherstadt aus dem Jahre 1883 stehen lassen, zwei Gebäuderiegel von einer Länge von 1,5 km, zwischen denen Wasser fließt, und die früher als Lagerhäuser genutzt wurden. Seit 1991 stehen sie unter Denkmalschutz und werden sanft renoviert und vielfach als Museumsräume, aber natürlich auch als Büros und Lagerhallen genutzt.
Auf der anderen Seite jedoch geht es wenig sensibel weiter: Hier entsteht die neue Hafen-City. „Eine Stadt zerstört sich selbst“, dachte ich spontan, als ich hier durchging. Die Gebäude die hier schon zigfach stehen (es sollen bis 2020 noch jede Menge andere hinzukommen), haben nur eins gemeinsam: Sie sind häßlich und abstoßend, unorganisch, getrennt voneinander durch windige Häuserschluchten und leblose große Plätze. Ein Gesamtplan, was die ästhetisch-städtebauliche Erscheinungsweise betrifft, ist nicht erkennbar.
Wohnungen für 12.000 und Arbeitsplätze für 40.000 Menschen sollen hier entstehen, Büros, die man dringend braucht, wenn auch keiner weiß, wofür. Im Haus oben ist noch was frei, 2-4-Zimmer-Wohnungen in einer Größe von 43 bis ca. 200 m². Ich vermute mal, Hartz-IV-Familien werden hier nicht einziehen, aber das ist für die auch besser so – ich möchte nicht wissen, was ein solches Wohnumfeld auf Dauer mit den Menschen macht, die hier hausen.
Sie an, da ist sogar jemand. Wenn er Kinder hat, kann er sie …
… auf diesem Spielplatz im Innenhof beschäftigen, der reinste Abenteuerspielplatz. Hier lernt der Nachwuchs früh, sich in der „Schönen neuen Welt“ zurechtzufinden.
Das Verrückte ist: Die Planer und Investoren wissen natürlich ganz genau, wie urbanes Leben menschenwürdig aussehen könnte und machen mit großen Plakaten dafür Werbung – mitten in dieser Steinwüste, wo die Menschen in Käfighaltung untergebracht werden.
Auf dem Gelände liegt übrigens auch die neue Elbphilharmonie, die ursprünglich 77 Millionen Euro kosten sollte. Inzwischen ist man bei mindestens 351,3 Millionen Euro – aber keine Sorge, das sind nur Steuergelder.
Der architektonische Größenwahn beschränkt sich allerdings nicht auf die Hafen-City, überall am Fluß entstehen surreal anmutende Gegenden …
Ausflug nach Hamburg: St. Pauli
Das ist, wodurch St. Pauli in den Medien bekannt wurde: Die Reeperbahn, Große Freiheit, Davidstr. bedeuten Sex, Porno, Prostitution.
Was nachts wenigstens blinkt und leuchtet, macht tagsüber einen eher trostlosen Eindruck, die Reeperbahn ist eine vierspurige Rennstrecke. Ein Türsteher versuchte mich zum Eintritt zu überzeugen, indem er anbot, ich dürfe meine Tochter umsonst mit hineinnehmen, womit er meine Begleiterin meinte. Frechheit!
Abseits dieser Straßen ist St. Pauli ein richtig nettes Wohngebiet: Nette Cafés und Kneipen, kleine Geschäfte, lebendige Straßen. Natürlich hängen überall Totenkopffahnen aus den Fenstern, die Identifikation mit dem Fußball-Club ist groß.
Unser Touristenführer erzählte, daß St. Pauli bei Neuvermietungen inzwischen zum teuersten Pflaster Hamburgs zählt. Hier wie überall in den großen Städten: Dieselben Leute, die dafür arbeiten, daß überall diese riesigen Bürotürme und neumodische Wohnklötze in bester Elblage hochgezogen werden, ziehen es selbst vor, im renovierten Altbau im Szenekiez zu wohnen. Gentrifizierung führt langfristig dazu, daß ganze innerstädtische Viertel ihren Charakter verlieren und die bisherigen Bewohner, die die teueren Mieten nicht mehr zahlen können, an den Stadtrand gedrängt werden.
Und damit man es zur Arbeit nicht weit hat, stellt man an den Rand des Viertels neue Bürotürme hin, wie hier die „Tanzenden Türme“, die gerade im Bau sind. Unser Touristenführer erzählte, daß der Büroleerstand in den benachbarten Häusern teilweise bis zu 70% betrage, aber egal, hauptsache erstmal hinbauen.
A propos Touristenführung: Unsere war wirklich klasse, über 2 Stunden wurden wir von einem jungen Mann in alle möglichen Ecken geführt, der seine riesige Fülle an Informationen und Geschichten dermaßen packend und engagiert erzählte, daß wir ihm noch viel länger hätten zuhören können. Wer mal da ist, sollte unbedingt hier diese Tour buchen: St. Pauli Tourist Office.
Gern hätte ich noch Bilder von der Live-Sexshow gezeigt, in die ich gehen wollte, aber ich wußte nicht, wo ich meine Knarre lassen sollte. Tja, Pech.






