Nanu? Videbitis ist Fußballfan? Das ist ja ganz was Neues … Nee, bin ich nicht, aber eine Freundin, die ich zu einer Besichtigung ins Heimatstadion des FC St. Pauli begleitet habe. Und das war interessanter, als ich erwartet hatte.
Der FC St. Pauli ist ein Außenseiterverein, nicht etwa, weil er so schlecht spielt (was er gar nicht tut, das weiß jeder Fan, und daß er am unteren Ende der Tabelle steht, ist halt Pech), sondern wegen der engagierten Fanszene, die dem linken Spektrum zuzuordnen ist. FC St. Pauli ist der einzige Verein, bei dem man Punker und Fan zugleich sein könne, sagte kürzlich einer von ihnen in einem Interview.
Der St.-Pauli-Fan pöbelt nicht, zettelt keine Schlägereien an, rassistische und sexistische Äußerungen im Stadion sind verboten, und Solidarität wird groß geschrieben. In der Theorie jedenfalls, in der Praxis meistens.
Blöderweise ist in diesem Stadion am letzten Wochenende einem Linienrichter einer von diesen neuen Mehwegbierbechern in den Nacken geflogen, das Spiel wurde vorzeitig abgebrochen. Schön blöd, aber schwarze Schafe gibt’s überall.
Glücklicherweise kam der Becher nicht von den billigen Plätzen …
… sondern von der neuen Tribüne. Wahrscheinlich jemand von Auswärts.
Oben auf der neuen Tribüne hat man Logen für solvente Mieter gebaut, die Fans wittern Kommerzialisierung und protestieren. Aber der Verein braucht Geld, und das Stadion ist klein. In der Astra-Lounge ist man offensichtlich der Meinung, zum echten Kerle-Fußball gehöre eine gute Portion Sexismus.
Ende letzten Jahres hatte „Susis Showbar“ eine Lounge gemietet. Die Reeperbahn ist nicht weit, da bietet es sich an, für einen zahlungskräftigen Kreis Stripteaseeinlagen zum Fußballspiel darzubieten. Die Gäste konnten sich aussuchen, wohin sie ihre Blicke lenkten – auf das Runde auf dem Rasen oder im Separee. Versteht sich fast von selbst, daß die Fans das schnell unterbunden haben.

