Wanderung auf dem Westweg (3): Kalte Herberge – Titisee – Hinterzarten

Morgens 9 Uhr – das Wetter ist gut, die Luft ist herrlich – weiter geht’s. Früher wäre es für mich in einem Urlaub nahezu unvorstellbar gewesen, vor 10 Uhr aufzustehen, so ändern sich die Zeiten.

Obwohl wir uns in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend befinden, wo der Dung quasi an der Tagesordnung ist, mag man hier keine Hundekacke. Weit und breit kein Mensch und kein Haus zu sehen, und dennoch hat man uns im Auge – aber wie? Per Satellit? Steht einer von der Hundekackepolizei auf dem höchsten Berg der Gegend und sucht mit einem Feldstecher die Gegend ab? Wir sind leicht beunruhigt – Big Brother im Schwarzwald.

Wir befinden uns hier übrigens auf der „Türkenlouis-Schanze“, um die Ecke gibt es Döner und Baklava … Quatsch natürlich. Türkenlouis war der Spitzname für den Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der hier um 1700 das Sagen hatte. Während des „Großen Türkenkrieges“, als die Osmanen vor Wien standen, kämpfte er auf der Seite des damaligen Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Leopold I., und konnte einige Siege erringen, was ihm den Beinamen einbrachte. Als die Franzosen unter Ludwig XIV. die Gunst der Stunde nutzten und im Westen eine zweite Front gegen Österreich aufmachten, veranlaßte der Markgraf, daß man eine Schanze gegen sie anlegt: Ein Höhenzug wurde entwaldet und ausgebessert, damit man ein besseres Schußfeld hatte. Hat aber nicht viel gebracht, außer viel Qual und Elend für die ansässige Bevölkerung.

Inzwischen hat man wieder aufgeforstet und verschönert die Natur mit „edlem“ Design: Diese Designer-Bank hat sich unter drei Entwürfen durchgesetzt. „Genießen Sie neue Perspektiven der Landschaft und das Gefühl außergewöhnlichen Designs!“, werden wir auf einem Schild aufgefordert. Doch, da kann man gut sitzen. Die Wiese ist allerdings weiterhin grün.

Ein wenig Abseits der Wanderroute sind auf der Karte Messer und Gabel eingezeichnet – da müssen wir hin.

Selbstgemachter Eistee und ein gerade so eben warmer Latte Macchiato – jetzt verstehe ich auch den Strohhalm. Als ich mich sanft beschwere, erzählt mir die Bedienung, das gehöre so, das sei nur ein Warmgetränk, erklärt sich aber schließlich trotzdem bereit, das Glas nochmal in die Mikrowelle zu stellen. Immerhin.

Die kleine Kapelle ist abgeschlossen, aber vertrauensvoll händigt man uns den Schlüssel aus.

Eine ganz hübsche, lichte kleine Kirche … ich bin trotzdem froh, daß ich hier keine Rituale mitmachen muß.

Und da ist schon Hinterzarten, besonders bekannt wegen seiner großen Sprungschanzen. Da unsere Unterkunft in der Stadt liegt, könnten wir eine Abkürzung nehmen und direkt hinlaufen, aber unsere heutige Etappe endet – an Hinterzarten vorbei – am Titisee, den wir uns nicht entgehen lassen wollen.

Am Stadtrand durchqueren wir eine riesige Golfanlage – unter Lebensgefahr und auf eigene Veranwortung, werden wir aufgeklärt, außerdem dürfen die Golfbälle auf keinen Fall mit ins Grab genommen werden, denn sie sind Eigentum des Golfclubs, bittschön, alles was recht ist! Wo kommen wir hin, wenn jeder glaubt, ein mit dem Kopf im Flug gestörter Golfball gehöre ihm?

Eine Haltestelle für Individualisten.

Bläsihof, Hinterzarten, Titisee – pubertierende Jugendliche hören wahrscheinlich gar nicht mehr auf zu Kichern. Und natürlich solche …

… die in der Pubertät steckengeblieben sind. Ich bin sicher, Donald Trump würde sich über so eine Karte freuen, ebenso wie Kim Jong-un.

Im Ort Titisee ist, so scheint es, die Ballermannisierung schon weit fortgeschritten. Unser Wanderführer behauptet, der Ort und der See seien in Asien und den USA bekannter als in Deutschland.

Gerade die Chinesen sind dafür bekannt, daß sie allen ihren Verwandten, Freunden und Kollegen eine Kleinigkeit mitbringen (müssen), da ist so ein kleiner Plüschpanda genau richtig – klar, das Tier, an das man als erstes denkt, wenn man vom Schwarzwald redet! Die Tiere werden wahrscheinlich in China hergestellt, hierher verfrachtet und an die chinesischen Touristen verkauft, die sie wieder mit zurücknehmen in ihre Heimat, wo das Spielzeug nach einiger Zeit im Plastikmüll landet und wiederaufbereitet wird, es entstehen neue Pandas, die dann in Deutschland an chinesische Touristen usw. Das nennt man einen Kreislauf, der zwar an sich völlig nutzlos ist, aber ganze Völker am Leben hält.

Da man weder in China noch in Amerika die kleinen europäischen Länder auseinanderhalten kann, ist es nicht schwer, ihnen weiszumachen, daß Nudelsträuße typisch für diese Region sind – Spaghetti, Italien, weiß man doch, ist da gleich hinter den Bergen.

Ob man diese Glocken mit ins Flugzeug nehmen darf?

Für die Coolen ist auch was dabei – ein Punker, der sich ein solches Bild ins Wohnzimmer hängt, das ist doch der Hit.

Genug gegruselt, wir suchen uns eine Stelle, wo man in Ruhe etwas Kühles trinken kann. Eigentlich ist es ganz schön hier, wenn man den Stadtkern meidet.

Es sind nochmal sechs Extrakilometer, die zu unseren heutigen 20 hinzukommen, da, wie gesagt, unsere Pension in Hinterzarten liegt – wo man 23.000 Euro Heizkosten im Jahr hätte, würden wir noch in der Eiszeit leben. Ah ja. Wenn wir so weitermachen mit dem Klima, kommt die nächste Eiszeit bestimmt.

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Die Bebauung von Hinterzarten ist nicht besonders dicht, großzügig verteilen sich die Häuser in der sanft hügeligen Landschaft. Viel gesehen vom Ort haben wir allerdings nicht, es ist schon spät, fast hätten wir uns noch verlaufen, aber dank der Spürnase meiner Begleiterin finden wir unsere Unterkunft auf Anhieb …

… wo überraschender Weise ein Candle-light-Dinner auf uns wartet.

Fortsetzung folgt!

Wanderung auf dem Westweg (2): Hausach – Wilhelmshöhe – Kalte Herberge

Wo geht’s lang, war das nicht irgendwas mit -ach? Zum Glück nicht – unser heutiges Ziel ist die Wilhelmshöhe, unser Wanderzeichen die rote Raute. „-ach“ bedeutet übrigens „Wasser“, wie wir es schon von der berühmten Stadt mit den zwei As (Aachen) wissen, die an warmen Wasserquellen liegt.

„Nur wo man zu Fuß war, war man wirklich“ – da man seine Füße ja immer dabei hat, sollte das nie ein Problem sein. Nein, wir verstehen schon, das ist ein Mutmacherspruch, denn ich würde mich nicht wundern, wenn einige Wanderer aufgeben …

… nachdem sie hier hochgekraxelt sind: Auf einer Länge von ca. 4 Kilometern sind 550 Höhenmeter zu erklimmen. Das kann man sich vielleicht nicht vorstellen, wenn man das so liest, das sind manchmal Steigungen von 45 Grad, man läuft völlig schräg durch die Welt. Sehr sehr anstrengend. Der Hinweis am Gipfel auf die altersgemäß richtige Herfrequenz kommt ein bißchen spät – gut, wenn sich das Herz nicht wieder beruhigt, sollte man das Handy für den Notruf schon mal einschalten …

… Empfang hat man hier bestimmt. Das Gute an dem „Mörderaufstieg“ (ein Wanderer, der kurz nach uns ankommt) – wir haben das Schlimmste hinter uns.

Zwischendurch können wir etwas Musik machen – überall kann man hineinblasen oder draufschlagen, wenn man will. Oder man beißt einfach in sein Butterbrot.

Achtung, Lebensgefahr! Wir sollen den Umweg nehmen? Nichts da, ohne uns. Todesmutig bleiben wir auf unserem Weg …

… und trotzen mutig der Gefahr, von Eisbrocken erschlagen zu werden, die die Windräder um sich werfen. Außerdem ist es über 30 Grad warm. Sehr viele Windräder sind es übrigens nicht, die hier stehen, immer mal wieder ein paar, aber kein Vergleich zu den Windparks in Norddeutschland. Dennoch gibt es immer mal wieder Plakate zu sehen, auf denen steht: „Stoppt den Windradwahn im Schwarzwald!“ In gesamt Süddeutschland möchte man zwar auch erneuerbare Energien haben, aber keine Windräder in der Landschaft, und keine zusätzlichen Überlandleitungen, die die in Offshore-Parks erzeugte Energie zuleiten. Verständlich, wer will das schon. Man nennt das auch das NIMBY-Prinzip – „not in my backyard“, sondern lieber irgendwo anders. Daß da auch Hinterhöfe sind, von anderen Leuten, interessiert dabei nicht.

Man spricht auch viel von „Landschaftsverschandelung“, die es aufzuhalten gelte – klar, das Argument klingt natürlich besser als das egoistische NIMBY. Aber auch das erscheint mir nicht stichhaltig: Nahezu jede Landschaft in Deutschland ist keine Naturlandschaft mehr, alles ist inzwischen kultiviert worden, selbst wenn es nicht so aussieht, weil man z.B. mitten in einem Wald steht. Jede Landschaft in Deutschland ist eine Kulturlandschaft, die so aussieht, wie sie aussieht, weil der Mensch eingegriffen hat. Wenn wir erneut eingreifen dadurch, daß wir ein paar Windräder hinstellen, ist das also keine Verschandelung einer urwüchsigen Landschaft, sondern eine Veränderung einer schon lange von uns gestalteten Landschaft. Daß die nicht komplett zugepflastert werden sollte mit Windrädern, ist auch klar – die sind ganz schön laut, die Dinger, sein Haus möchte man daneben nicht stehen haben. Und unwidersprochen ist natürlich auch, daß die Windradindustrie nicht immer rücksichtsvoll auf die Bedenken von Awohnern reagiert.

Man kommt nur durch sehr wenige Dörfer auf diesem Wanderweg. Ob darum die Kreuze zum Teil um so wuchtiger ausfallen? Bei einer kleinen Bevölkerungszahl kann schnell mal ein Wettbewerb unter den Einwohnern ausbrechen: Wer hat das tollste Kreuz!? Hier sind viele „Arma Christi“ detailliert dargestellt – das sind die Leidenswerkzeuge und anderer Kram, den man mit der Kreuzigung in Verbindung bringt.

Zu Beginn der zweiten Etappe geht es vorbei am Blindensee, der so heißt, weil ein Blinder hier in der Nähe einen Hof hatte …

… durch ein Moorgebiet – mal ganz angenehm zu laufen.

Das Modellprojekt Rohrhardsberg scheint kein Erfolgsmodell zu sein – wer soll sich denn da noch zurechfinden? Egal – wir haben unsere eigenen Karten.

Da geht’s hoch, damit man gucken kann – irgendein Karl war mal hier und hat 1770 angeblich eigenhändig zwei Bäume gepflanzt. Seitdem hat man die Treppenanlage sich selbst überlassen, so sieht sie jedenfalls aus. Gut, daß es nicht naß ist.

An der Donauquelle begrüßt einen als erstes das sogenannte „Quellheiligtum Martinskapelle“. Wieso Quellheiligtum?

Dieses Bronzeschild soll zur Erklärung dienen. Mir erschließt sich der Zusammenhang allerdings nicht: Weil die Kreuzigung unter Tiberius stattfand und der gleichzeitig nach der Donauquelle forschte, steht hier eine Kapelle? Und was, wenn der Kaiser gern Kartoffelpuffer gegessen hätte? Würde man dann an jedem Kartoffelacker auch eine Kapelle finden? Merkwürdig.

Die Donauquelle hat man touristisch mächtig aufgemotzt: Ein Hinkelstein (?), ein Büdchen, ein Hotel (nicht auf dem Foto), ein Tor, ein neu angelegter Weg …

… der nach unten führt …

… und da ist sie schließlich. Ein paar Stunden vorher haben wir die Quelle der Elz im Wald gesehen, ganz unspektakulär kam das Wasser aus dem Waldboden.

Eindrucksvoller sind da diese großen Felsen, die plötzlich im Wald herumliegen (Wollsackverwitterung – der aufmerksame Leser dieses Blogs denkt sofort an die Externsteine). Wir witzeln herum: Die Steinansammlung hat doch bestimmt wieder irgendeinen Namen, Norbert vielleicht, oder Heiko, vielleicht gar Schantall? – und sind verblüfft, als das tatsächlich zutrifft: Die Felsen heißen …

… Günter.

Auf dem Berg Brend kann man alles kaufen, was man so braucht. Neben dem Kiosk steht ein 17 Meter hoher Turm …

… von dem aus man schön nach unten schauen kann. Der Brend ist eine Wasserscheide: Westlich fließt alles Gewässer in den Rhein, östlich in die Donau.

10 recht moderate Kilometer haben wir noch vor uns, die jedoch nicht immer ungefährlich sind, gewarnt wird hier vor kreuzenden Loipenläufern. Wir haben aber keine gesehen, vielleicht liegt es daran, daß kein Schnee liegt.

Da unten rechts ist unser Hotel „Kalte Herberge“ – wie auch schon die letzte Unterkunft kein Dorf, nur ein Haus an einer Straße (über die Hotels mache ich einen extra Eintrag).

Fortsetzung folgt.

Wanderung auf dem Westweg (1): Ankunft in Hausach

In diesem Jahr wanderten wir auf dem sogenannten „Westweg“, ein 285 km langer Wanderweg längs durch den Schwarzwald zwischen Pforzheim und Basel.

Da wir nicht so viel Zeit hatten, starteten wir in Hausach, sieben Etappen à ca. 20 km reichten uns völlig aus. Alle Hotels waren gebucht, und wie immer wurde unser Hauptgepäck mit dem Auto von Unterkunft zu Unterkunft gebracht, so daß wir jeweils nur mit dem Tagesrucksack unterwegs waren.

Eigentlich muß man von Hausach-Dorf sprechen, wo wir waren: Die Stadt hat immerhin über 5.700 Einwohner, allerdings verteilt auf 32 „Dörfer, Zinken, Höfe und Wohnplätze“ (wie es bei Wikipedia heißt – ein Zinken ist eine kleine Ansammlung von Höfen oder Häusern). Wahrscheinlich ist das der Grund, warum man hier oft geballt riesige Supermarktfilialen sieht – im Örtchen vorher sah man vom Zug aus ebenso große Edeka-, Rewe- und Aldimärkte wie hier.

Aber es gibt auch eine Art Stadtzentrum an der Hauptdurchgangsstraße …

… mit Abkühlungsmöglichkeit für die Kleinen …

… und für die Großen. Hosenträger, damit verdient man heute nichts mehr, aber ein Kneipenrestaurant läuft immer, wenn nur genügend Leute in der Gegend wohnen. Heute im Angebot: Wurstsalat und Brägle – mußte ich auch erst nachsehen: Das sind Bratkartoffeln.

Ja, das waren noch Zeiten, als aus aller Herren Länder die Bewohner nach Hausach kamen, um bei Uhren Dieterle die leeren Batterien ihrer Digitaluhren auswechseln zu lassen. Heute kann man kein Geschäft mehr damit machen.

Ein fein herausgeputzes Fachwerkrathaus neben Café Waidele …

… aber auch neuer Architektur gegenüber ist man hier aufgeschlossen – leider ohne jegliches stadtgestalterische Feingefühl, aber das muß man sich natürlich auch erstmal leisten können. In dem modernen Gebäude befindet sich übrigens „Alles was Frau will! Frauen-Figurencenter – Figur & Beauty“. Und da sagt man immer, Männer seien einfach gestrickt …

So, wir müssen los. Zum Abschied noch ein von „Drum & Dran Mode GmbH“ ermöglichtes Gedicht von Enzensberger über Wochenendfreizeitvergnügen und Lebenszeitverschwendung – gar nicht schlecht.

Knapp oberhalb der Stadt eine Burgruine … puh, ist das anstrengend, können wir nicht mal Pause machen? Nein, können wir nicht – wir sind kaum einen Kilometer gelaufen, über 20 haben wir noch vor uns, und was für welche, weiß unser Wanderführer: „Die Strecke von Hausach zur Wilhelmshöhe zählt zu den anstrengendsten Etappen des gesamten Westwegs. Steile, sich lang hinziehende Steigungen zehren an den Kräften des Wanderers.“

Fortsetzung folgt.

 

 

 

Urlaubszeit …

… ist Reisezeit, auch für mich. Für zwei Wochen bin ich nun unterwegs, erst wandern im Schwarzwald, dann noch ein paar Tage in Basel. Wünscht mir gutes Wetter – kein Regen und nicht zu heiß. Bis bald!

PS: Meine Sonnencreme hat zufällig eine Anti-Aging-Funktion, wundert euch also nicht, wenn ich jünger zurückkomme.

Münster – „Skulptur.Projekte“ 2017 (5)

Noch ein Kunstwerk: „Privileged Points“ (Beliebte Stellen) ist der Titel des von der Künstlerin Nairy Baghramian geschaffenen Werks vor dem Erbdrostehof, dessen zweiter Teil auf dem Hinterhof des Gebäudes …

… so aussieht. Tja, was kann das sein? Unsere Fremdenführerin hatte folgenden Vorschlag: Auf dem ersten Foto ist ein überdimensionaler runder und in Bronze eingefrorener Pinselstrich zu sehen, eine malerische Geste, übersetzt ins Dreidimensionale.

Und warum ist die Skulptur dreigeteilt? Das hat mit dem Ort zu tun: Der Erbdrostehof ist ein barockes Palais aus demJahre 1757, die Münsteraner sind total stolz darauf, ein solches Gebäude zu haben (ein Drost war seit dem späten Mittelalter ein mächtiger Beamter, der für einen bestimmten Bezirk den Landesherren vertrat; er war militärischer Oberbefehlshaber, Polizeichef und Richter in einer Person). Wenn nun ein moderner Künstler vor dem Gebäude eine zeitlang eins seiner Kunstwerke ausstellt: Okay, aber dann muß es auch wieder weg. Daß die Künstler der „Skulptur.Projekte“ dazu aufgefordert werden, einen Münsterbezug in ihrem Werk auszudrücken, es aber gleichzeitig ausgeschlossen ist, daß ein Werk, das in der Nähe des Erbdrostehofs steht, von der Stadt gekauft wird, führte bei Künstlern in der Vergangenheit nicht nur zu Umut, sondern auch zu einer Wertminderung des jeweiligen Kunstwerkes, so geschehen mit der Skulptur von Richard Serra 1987 – hier ist es zu sehen. Richard Serras riesige Stahlplatten sind in vielen Städten zu sehen. In denen von 1987 hatte er nach eigener Aussage die Maße der Architektur des Palais aufgegriffen – woanders aufgestellt verlieren sie – zumindest teilweise – ihren Sinn. Wie gesagt, in Münster wollte man den Platz vor dem Gebäude nicht dauerhaft „verschandeln“, also wurden sie nach der Ausstellung auch nicht gekauft, und Richard Serra zog ein langes Gesicht. Und aus genau diesem Grund ist das Werk von Baghramian dreigeteilt – die drei Teile sind nur deswegen noch nicht zusammengefügt, damit sich die Skulptur auch für andere Plätze eignet. Und aus den sechs Stücken, die im Hinterhof lagern, könnte man nochmal zwei solcher Werke zusammensetzen. Die Künstlerin thematisiert und kritisiert damit den Umgang der Stadt mit diesem Platz und den Künstlern, die, wenn sie ihn als Ausstellungsort wählen, sicher sein können, daß ihr Werk nicht angekauft wird. Mit der Wahl dieses – eigentlich attraktiven – Standortes wird der Künstler von vornherein ausgeschlossen.

Das führt zu einer paradoxen Situation: Die Unfertigkeit ist Teil dieser Skulptur. Aber was, wenn die Teile nach der Ausstellung tatsächlich zusammengeschweißt werden? Dann ginge dieser ganz spezielle Münsterbezug zum Umgang mit diesem Platz verloren. Sollte Münster die Skulptur also kaufen (ich glaube ja nicht daran), müßte sie immer in diesem unfertigen Zustand bleiben, wird sie woanders hin verkauft, geht ein großer Teil der Werkbedeutung verloren.

Und wo ist hier das Kunstwerk? Es hängt in der Luft. Rechts ist die ruinöse Fassade des alten, im 2. WK zerstörten Theaters zu sehen, links das neue Theater aus den 50er Jahren. Man fand das damals schick, das so stehen zu lassen. Künstler aus der Gruppe CAMP spannten nun Kabel zwischen Ruine und Neubau und nennen es „Matrix“. Zitat aus dem Katalog: „Das von CAMP gespannte Netz steht sinnbildlich für eine globale Vernetzung und das bis heute nicht eingelöste Versprechen einer flächendeckenden, horizontalen, basisdemokratischen Partizipation […] CAMP metaphorisiert Systeme der Teilhabe: Vom Zugang zu Strom – der sich heute nahezu überall in privater Hand befindet – bis hin zur digitalen Kommunikation und den Möglichkeiten der Manipulation, die darin liegen […] Woran sind die Ideale von basisdemokratischer, horizontaler Gleichberechtigung und Teilnahme gescheitert, und welche Wege und vertikale Abkürzungen gibt es, sich trotz allem Zugang zum System zu verschaffen?“ (Katalog, S. 159)

Die Künstler geben drei Beispiele der Partizipation und Interaktivität, die die Unterdrückungsmechanismen einer kapitalistisch unkontroll : Es hängen drei Kabel mit Druckknöpfen herunter. Drückt man auf den ersten, ertönt ein Glockenklang wie von einer Kirchenglocke; der zweite verursacht einen Wechsel von historischen Fotos in einem Monitor, drückt man den dritten, passiert in dem Fenster eines gegenüberliegenden Hauses eine der folgenden Aktionen:

Kunst

Lustig. Ob das wirklich alle sind, weiß ich nicht. Unsere Fremdenführerin versicherte, daß man niemanden dauernd aufscheucht, wenn man auf den Knopf drückt, sondern nur einen Projektor anwirft.

Als letztes noch diese Skulptur – die aber gar nicht Teil der Ausstellung ist. Im Moment ist ja das Luther-Jahr, und offensichtlich durfte irgendeine Jugendgruppe sich austoben – die Evangelen sind ja ach-so-tolerant. Ein Jugendlicher muß aber was falsch behalten haben aus dem Konfirmandenunterricht: Luther soll gesagt haben: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, und nicht …

… „Ich hatte einen Ständer“. Gut, kleine Verwechslung, kann ja mal passieren.

Ende.

Münster – „Skulptur.Projekte“ 2017 (4)

„Sketch for a mountain“ nennt Nicole Eisenman ihre Brunnenfiguren …

… die sich bei den Besuchern zu den Lieblingsskulpturen entwickeln von denen, die neu ausgestellt werden – vermutlich, weil man endlich mal etwas begreift, ohne Hintergrundwissen haben zu müssen. Das sind einfach Figuren in Bronze und …

… Gips, die an einem viereckigen Brunnen stehen. Basta! Endlich kommt man sich mal nicht so doof vor.

Gut, wenn das Wasser nicht aus so merkwürdigen Stellen sprudeln würde (aus den Beinen?!), könnte man solche Figuren vielleicht auch im Baumarkt finden …

Der Katalog hat wieder erhebende Worte gefunden: „Reduzierte Aktivität, sanftes Plätschern und die ebenerdige Aufstellung laden ein, es den Protagonist_innen gleichzutun und Teil der Szenerie zu werden. Alles steht als elementare Schöpfung in fluider Beziehung miteinander, Natur, Kultur und Identität gehen ineinander über.“ Wie vor ein paar Tagen in der Zeitung zu lesen war, hat jemand einer der Gipsfiguren den Kopf abgeschlagen und mitgenommen.

Die Neoninstallation „Angst“ von Ludger Gerdes (1954-2008) hängt normalerweise am Rathaus in Marl. Zur diesjährigen „Skulptur.Projekte“ haben beide Städte eine Art Partnerschaft gebildet und ein paar ihrer Skulpturen ausgetauscht.

Hier muß man wieder überlegen, was das bedeuten soll … und hat damit schon das Kunstwerk verstanden, das ist doch auch mal schön. Ich zitiere von einer Seite der „Ruhr Kunst Museen„: „Gerdes kombiniert drei bekannte und von den meisten Betrachtern sofort identifizierbare Aussagen und erzeugt – zumindest – Verunsicherung. Üblicherweise können wir die im Stadtbild vorhandenen Informationen typografischer und zeichenhafter Art rasch deuten. Die Kombination der Piktogramme mit dem Schriftzug »Angst« ist aber nicht unmittelbar zu entschlüsseln. Sie löst beim Betrachter zunächst Unbehagen und in der Folge einen Denkvorgang aus. »Schon in unserem Geist bestehende Inhalte, Erinnerungen, Wissen, Haltungen werden nun zum Medium, in dem neue Formen – auf Grund des Erlebens von Kunstwerken – hineinartikuliert werden: Die Kunst verändert dann die Art und Weise, wie wir das, was wir schon kennen, formulieren. Die Kunst ändert UNS also manchmal« [Ludger Gerdes]. Auf diese Weise wahrgenommen, versetzt das Werk den Betrachter in einen aktiv reflektierenden Zustand.“ Gut, okay – bei mir allerdings nicht sehr nachhaltig.

Und was ist das für ein Kunstwerk? Gesellschaftskritisch wird gezeigt, in welchem Überfluß wir leben durch diese schier unendliche Batterie von Soßenflaschen, die mit fluidem Inhalt kopfüber ihrem Schicksal entgegensehen – ätsch, reingefallen, das sind Tische vor einer Hamburgerbratei.

Fortsetzung folgt.

Münster – „Skulptur.Projekte“ 2017 (3)

Da ist mal was Nettes: 5 Kronleuchter in einer Unterführung. Jeder Kronleuchter …

… ist eine Mischung aus alter und neuer Technologie: Im unteren Lampenbereich brennt ein Teelicht, dessen Wärme in elektrische Energie umgewandelt wird und LEDs zum Leuchten bringt. Schön! Der Künstler heißt Aram Bartholl.

Dieses Kunstwerk von Justin Matherly heißt „Nietzsche’s rock“, also Nietzsches Stein oder Felsen. Es ist eine Nachbildung des Felsen am See von Silvaplana im Oberengadin. Als der Philosoph diesen Felsen passierte, kam ihm just in dem Moment die Idee der Theorie der ewigen Wiederkunft, und das hat ihn wohl so umgehauen, daß er sich den Platz unbedingt merken mußte. Die in Beton gegossene Nachbildung ist kein Vollguß, sondern einzelne Platten, die von innen zusammengehalten werden und auf – Achtung! – medizinischen Gehhilfen, also Rollatoren und ähnliches, stehen. Der untere Rand schwebt mit Absicht.

Wir wissen nicht, wie und warum Künstler auf ihre Ideen kommen. Aber soviel läßt sich sagen: Die Idee von der ewigen Wiederkunft des immer Gleichen ist der größte Blödsinn, den die Philosophiegeschichte je hervorgebracht hat (jeder Moment, jedes Leben eines jeden einzelnen Menschen wiederholt sich wieder und wieder, nimmt Nietzsche an – leider gibt es dafür nicht die Spur eines Beweises, nicht mal einer Wahrscheinlichkeit). Ob der Künstler den Fels vielleicht deshalb auf so wackelige Füße gestellt hat?

Und das sagt der Katalog dazu: „Wiederholtes Formen und Abformen, ausgehend von Fotografien des Felsens, prägten den dreiteiligen Entstehungsprozess der Skulptur Matherleys. ‚Ich spalte Formen in andere Formen auf‘, so der Künstler. ‚Nichts hört jemals wirklich auf.‘ Keine Kopien von originalen Vorbildern entstehen so, sondern der Status quo einer sich als Objekt gestaltenden Interpretation. Matherly befragt über das Medium der Skulptur die Aktualität unserer philosophischen und ästhetischen Vergangenheit. Statt wie am Silvaplana fest mit dem Untergrund verbunden zu sein, wird das Schwergewicht in Matherlys Arbeit getragen von Stützen, die eigentlich Schwäche und den Verlust von Mobilität und Selbständigkeit symbolisieren.“ (Katalog Skulptur.Projekte Münster 2017, 1. Aufl., S. 221)

Und das ist ein Kunstwerk von 1969, „YZI“ von Olle Baertling, der bereits 1981 gestorben ist. Und was macht das dann hier? Es ist Teil eines anderen Kunstwerks, das aber so doof ist, weshalb ich keine Lust habe, davon zu erzählen. Aber diese Stangen sind ein reizvolles Fotomotiv.

Fortsetzung folgt.

 

Münster – „Skulptur.Projekte“ 2017 (2)

Zeitgenössische Kunst hat es nicht leicht, allerdings macht sie es uns auch schwer – vielleicht kann sie nicht anders, denn wir verlangen von ihr, daß sie neu ist, also nicht nur eine mehr oder weniger hübsche Variation dessen, was wir schon kennen, sondern wirklich neu, noch nicht dagewesen. Und wenn es dann ein Künstler schafft, stehen wir davor und sind ratlos, weil wir das Kunstwerk nicht verstehen, uns fehlen die Referenzen.  Man sollte immer vorsichtig sein mit der Bezichtigung, das sei doch keine Kunst, das könne doch jeder, der/die wolle uns wohl verarschen usw. Ob ein Kunstwerk wirklich Kunst ist oder nicht, steht eigentlich nie zur Debatte – Kunst ist immer Kunst, so wie der Himmel immer Himmel ist. Ob es sich um gute oder nicht so gute Kunst handelt, läßt sich für Zeitgenössisches oft nur schwer bestimmen, weil wir selbst Zeitgenossen sind und uns der Abstand fehlt. Wir können eigentlich nur mit Bestimmtheit sagen, ob die zeitgenössischen Kunstwerke uns gefallen oder nicht. Lange Rede, kurzer Sinn – schaut euch folgendes Kunstwerk an:

Wer jetzt denkt: „Videbitis hat auch schon mal bessere Fotos gemacht … was ist das für eine dämliche Perspektive, man erkennt ja fast nichts“, der glaubt, es ginge um die bronzene Plastik von Henry Moore. Moore ist aber gar kein Zeitgenosse, er ist bereits 1986 gestorben. Was und wo ist also das Kunstwerk, das ich meine? Richtig, es ist der Laster mit der schwarzen Kiste und den Sicherungsgurten.

So, erstmal sacken lassen.

Der Hintergrund (frei nach der Erzählung der Fremdenführerin): Kurz vor „Skulptur.Projekte“ ging im angrenzenden Museum eine Ausstellung mit Werken von Henry Moore zu Ende. Die Henry Moore Foundation beschloß, der Stadt ein Werk dauerhaft zu leihen (was eine große Ehre ist), also blieb das, das so halb versteckt zu sehen ist, stehen. Das paßte dem Kurator von „Skulptur.Projekte“ Kasper König überhaupt nicht, daß dieser prominente Platz nun von einem älteren Kunstwerk besetzt ist und nicht mehr als Ausstellungsfläche für das Festival zur Verfügung stehen sollte – die Henry Moore Foundation verbot,  die Plastik auch nur einen Zentimeter zu bewegen -, also beauftragte er die Künstlerin Cosima von Bonin, sich da irgendwas zu überlegen. Die tat sich mit dem Künstler Tom Burr zusammen, und so entstand das Werk aus den Materialien „Tieflader, Holzkiste und Sicherungsseile“, das den ungestörten Blick auf die Moore-Plastik verhindern soll.

Kasper König hat sich wahrscheinlich kaputtgelacht, bezeichnete er doch die Moore-Plastik gern abfällig als „Brathähnchen“. Und weil natürlich immer Speichellecker andere Künstler im Gefolge des Chefs  den „Spaß“ (also die Verhöhnung) mitmachen wollen, hängte der Künstler Sany (=Samuel Nyholm) folgenes Bild in eins der Museumsfenster:

Tja. So ist das mit der Kunst. Was ich davon halte: Ich finde das komplett dämlich und bin von der Geschichte drumherum fast ein bißchen angwidert. Es ist nicht lustig, nicht witzig, sondern abstoßend pubertär, ein billiges und nutzloses Rebellieren gegen eine Institution, die Henry Moore Foundation, und wirft kein gutes Licht auf den Kurator.

Im Katalog steht das alles natürlich nicht, da kann man stattdessen folgendes lesen: „[Mit diesem Werk] entsteht eine ambivalente Situation, die zwischen Präsenz und Absenz, Ein- und Ausschluß, oszilliert und en passant die Infrastruktur des Ausstellungsbetriebs anhand eines potenziellen Verladevorgangs andeutet.“

Meine Begleiterin sagt, ich solle nicht immer nur so viel Negatives schreiben, und sie hat recht, es hat uns viel Spaß gemacht, durch Münster zu laufen und die Kunstwerke zu erkunden – selbst die, die uns nicht oder nicht so gut gefallen haben, haben Spaß gemacht, weil man darüber spöttisch oder nachdenklich redet, im Katalog nachliest und sich die anderen Leute anguckt, was die zur Kunst sagen und machen. So große Steinstelen habe ich schon öfter gesehen – der Künstler Ulrich Rückriem macht sowas schon lange. Diese Stele ist von Lara Favaretto. Sie ist vier Meter hoch und – das ist neu – innen hohl und wird nach Ablauf der 100tägigen Veranstaltung zerstört, denn in einer Seite befindet sich …

… ein Schlitz, in den man Geld stecken soll: Sie ist ein großes Sparschwein, oder besser: eine Spendenbox. Das Geld soll dem Verein „Menschen in Abschiebehaft Büren e.V“ zugute kommen. Sinnigerweise heißt das Werk „Momentary Monument – The Stone“. Kostprobe aus dem Katalog: „Durch die Spendenfunktion entsteht ein starker Bezug zur Gegenwart, der im weiteren Sinne das Verhältnis zwischen Kunst und Politik kritisch reflektiert.“

(Fortsetzung folgt.)

Münster – „Skulptur.Projekte“ 2017 (1)

Damit fing alles an: Als die Stadt Münster 1973 diese kinetische Aluminiumplastik (kinetisch deshalb, weil sich die drei sehr schwer wirkenden „Blätter“ sanft im Wind bewegen – so sanft und zart, daß es eine wahre Freude ist, zuzuschauen) von George Rickey für 130.000 DM kaufen wollte, brandete ein Sturm der Entrüstung auf in der Bürgerschaft: Das soll Kunst sein? Lächerlich! Keine müde Mark für diesen Mist! Das Rathaus knickte ein und verzichtete auf den Kauf. Die Westdeutsche Landesbank hatte größeres Kunstverständnis, sie kaufte die Skulptur und spendete sie der Stadt. Da die ganze Angelegenheit kein gutes Licht auf die Stadt und ihre Einwohner warf, etablierte man, quasi aus erzieherischen Gründen, ein Skulpturenfestival, das seitdem alle 10 Jahre parallel zur Dokumenta in Kassel stattfindet. Für dieses Jahr wurden 34 Künstler vom Kurator Kasper König (der auch schon die ersten „Skulptur.Projekte“ organisiert hatte) eingeladen, an selbst gewählten Orten in der Stadt Skulpturen zu errichten. Wenn das Festival nach 100 Tagen vorbei ist, werden einige der Werke von der Stadt oder von Sponsoren angekauft, so daß im Laufe der Jahre immer mehr Skulpturen das Stadtbild bereichern – bis jetzt sind es bereits 64.

Der Begriff Skulptur wird inzwischen recht weit ausgelegt, wir waren allein in drei Videovorführungen, und auch dieser Steg, den die Künstlerin Ayse Erkmen ca. 30 cm unter der Wasseroberfläche quer durch ein Hafenbecken gelegt hat, ist ein Kunstwerk im Rahmen des Festivals.

Selbstverständlich sind wir auch darübergelaufen: Schön, steht man mal mitten im Hafenbecken. Sowas würde jedem Freizeipark gut zu Gesichte stehen … das zu sagen, ist natürlich gemein, schließlich geht es hier um Kunst. Was steht eigentlich im Katalog? „Flußläufe fungierten auf politischen Karten oft als Möglichkeit der Grenzziehung, Wasserwege und menschengemachte Kanäle dagegen als Ausgangspunkte und Katalysatoren für urbane Entwicklung. Wasserläufe zeichnen sich dementsprechend durch eine zivilisatorische Ambivalenz zwischen Möglichkeit und Beschränkung aus, die Erkmen in ihrem Beitrag für die Skulptur Projekte 2017 nicht nur spiegelt, sondern im Wortsinn überbrückt.“ Aha. Ja, gut, verstehe.

(Fortsetzung folgt)

Ausflug nach Münster

Seit drei Wochen habe ich nun schon eine Magenschleimhautentzündung, das heißt: Haferschleim, ungewürztes gekochtes Gemüse und Zwieback, dazu Kräutertee – ich kann’s nicht mehr sehen. Trotz dieser Einschränkung waren wir am letzten Wochenende in Münster, um uns die stadtweite Ausstellung „Skulptur Projekte“ anzusehen – gar nicht so einfach, etwas zu essen zu bekommen, das ohne Fett und Milchprodukte angerichtet wurde. Von der Ausstellung werde ich in den nächsten Tagen ein wenig zeigen und erzählen, aber zuerst …

… ein Bild vom Picassoplatz in Münster. Nicht sehr anheimelnd, und die Steine so scheckig und planlos gepflastert … könnte man denken. Weit gefehlt, vom Weltall aus gesehen sieht es so aus:

Bild: Google Maps