Urlaub im Schwarzwald (1)

So, da bin ich wieder. Nun muß ich erstmal meine Fotos sichten und sortieren, bevor ich Euch 2.000 Wald- und Moosbilder präsentieren kann. Als Vorschau  – und Zusammenfassung zugleich – ein kleiner Film, die 6-Minuten-Kurzfassung eines zweieinhalbstündigen Dokumentarfilms, mit dem ich alle Dokumentarfilmfestivals gewinnen werde: Harter Realismus, verspielte Musik, Naturdramen, Tierstudien, der Mensch im Allgemeinen und Besonderem – alles drin. Leben eben.

Urlaub an der Küste (6)

Wer mal eine schöne Stadt an der Ostsee besuchen will, sollte nicht nach Kiel fahren. Es kann natürlich sein, daß auch Kiel charmante Seiten hat, allerdings haben wir sie an dem einen Tag, an dem wir da waren, nicht gesehen.

Das ist der Marktplatz an der St.-Nikolai-Kirche in der Altstadt – sofern man davon überhaupt reden kann: Der Platz ist zum großen Teil Anfang der 70er Jahre mit diesen scheußlichen Pavillons bebaut worden, und von Altstadt kann man hier nur insofern reden, als es sich um das Areal der Altstadt handelt. Die Stadt Kiel teilt das Schicksal vieler großer Städte, sie ist im 2. WK weitgehend zerstört worden.

Wir dachten zuerst, wir sind nicht richtig informiert, aber da oben auf der Fahne steht es auch: Altstadt. Viel Mühe hat man sich offensichtlich nicht gegeben beim Wiederaufbau, oder ein heute nicht mehr zeitgemäßes Verständnis von Stadt gehabt.

Immer noch Altstadt. Bei Wikipedia kann man nachlesen, daß die Nazis vorhatten, die Stadt neu zu gestalten: Weg mit den kleinen Gassen, in denen die Subversion gedeiht, hin zu gut kontrollierbaren Straßen, der damalige Stadtbaurat wollte „aus der Altstadt das Zentrum einer „deutschen Stadt““ machen. Und genau der selbe Stadtbaurat war nun nach der Kriegszerstörung für den Wiederaufbau zuständig.

Und dann war zufällig auch noch „Kieler Woche“: Hunderte von solchen Buden, die für viel Geld fiese Speisen aus der Fritteuse und merkwürdige Getränke anboten (Hischblut, das ist Kirschsaft mit Underberg) und die Gäste sadistisch mit einem kakophonischen Klangbrei beschallten. Nichts wie weg hier!

Zu Hause wartete noch eine Aufgabe auf uns: Die Verkostung diverser einheimischer Getränke (ich die klaren, meine Begleiterin die bunten). Was soll ich sagen: Lieber trinke ich einen eisgekühlten Aquavit.

Ende.

Urlaub an der Küste (5)

In der Kieler Kunsthalle gibt es einen Trakt zur Kunsterziehung. Hier wird über Farben informiert – mit deutlichen Zeichen, die Patschhändchen schön bei sich zu behalten.

Aktiv werden dürfen die Kleinen im nächsten Raum. Wer angesichts der Monsterbilder glaubt, hier beschäftige man besser auch einen Psychologen, dem sei gesagt: Daß Kinder Monster malen, ist völlig normal, das dient einer natürlichen Angstbewältigung. Erwachsene machen das nicht mehr, die lesen stattdessen Krimis, oder schauen Horrorfilme, um diffuse Angstgefühle zu kanalisieren. Oder sie gehen in die Kirche.

Ob die Bilder des deutschen Expressionismus auch der Angstbewältigung dienten, weiß ich nicht, aber ausgeschlossen ist es nicht – die grellen, oft unvermischten Farben, die oft deformierten Körper und gewagten Perspektiven waren damals zumindest relativ neu und ungewohnt.

Die Ausstellung heißt „CAUboys“. CAU, das ist die Abkürzung für Christian-Albrechts-Universität, und mit den boys sind die Maler gemeint, die in einer Beziehung zur Universität stehen oder gestanden haben – zumeist Ehrenbürger der Stadt oder Ehrendoktoren; auf dem ersten Foto Christian Rohlfs, auf dem zweiten Emil Nolde. Nolde erhielt die Ehrendoktorwürde 1927 zu seinem 60. Geburtstag. In den 30er Jahren zeigte er sich als überzeugter Nazi und Antisemit, was das Land Schleswig-Holstein nicht daran hinderte, ihm bereits 1946 den Professorentitel zu verleihen, was vielleicht daran lag, daß man es wiedergutmachen wollte, daß die Nazis trotz der Anhängerschaft des Malers seine Werke für entartet erklärten und ein Malverbot aussprachen. Merkwürdig: Über die Überzeugungen des Künstlers steht gar nichts im Katalogheft …

CAUgirls waren in dem Modell der Selbsterhöhung – denn nichts anderes ist es, wenn eine Stadt oder Institution sich damit schmückt, eine „bedeutende“ Persönlichkeit mit einem Ehrentitel zu ehren – offensichtlich nicht vorgesehen. Dafür kann natürlich Erich Heckel nichts, von dem die Bilder oben sind.

Last but not least der großartige Karl Schmidt-Rottluff. Eine kleine, feine Ausstellung, soweit es die Bilder betrifft (der Katalog hätte etwas mehr Mühe verdient), wer die Möglichkeit zu einem Besuch hat, sollte hingehen.

In einem anderen Trakt gibt es aktuelle Kunst zu sehen. Etwas ratlos staunt man Bauklötze – an. Glücklicherweise hängt da ein Zettel mit Erklärungshilfen: „Yto Barrada setzt überdimensional große Klötze in den Grundformen und Grundfarben mit der Entwicklung des modernen Marokko in Beziehung“ – wo der Künstler auch zum Teil lebt. Aha.

Hier (Werktitel: Shadows of the Future (APTI AP-1500sX)) hat der Künstler Max Sudhues Teile eines Videobeamers auf einen Overhead-Projektor gelegt (im Jahr 2015) …

… was ein solches Bild an der Wand erzeugt. Auf dem Zettel steht u.a.: „In der Collage, die so als farbige ‚Schatten der Zukunft‘ auf die Wand projiziert wird, entfaltet sich die Illusion einer filmischen Erzählung.“ Ach! Jetzt seh‘ ich’s … auch noch nicht. Tja.

Fortsetzung folgt.

Urlaub an der Küste (4)

Wir befinden uns in Tönning, einem kleinen Fischerort. Davorn, an der alten Hafenstraße, kann man überall gut sitzen und was Leckeres essen …

… z.B. Scholle satt. Das habe ich öfter gesehen, ein Lockangebot für eher umsatzschwache Wochentage – ich habe es leider nie wahrgenommen, es paßte immer nie. Aber Kilroy war auch hier.

Beim diesjährigen Miss-Boje-Wettbewerb errang die Nummer Acht den ersten Platz. Herzlichen Glückwunsch!

Natürlich gibt es hier auch Kirchen, diese ist allerdings besonders, nicht nur wegen ihres schönen Eingangs, sondern …

… wegen des beeindruckenden barocken Himmels.

Die Malerei ist von Barthold Conrath, im Jahre 1704 angebracht.

Wir fahren weiter zum Eidersperrwerk, das 1973 erbaut wurde und seitdem Tönning, Friedrichstadt und das Umland vor Hochwasser schützt – auf der Karte der rote Punkt am unteren Rand.

Und so sieht’s aus. Oben führt ein Fußweg drüber, von wo aus man aufs Meer sehen kann und auf …

… Brutstätten von Seeschwalben und Lachmöwen, die hier gemeinsam ihren Nachwuchs aufziehen.

Hunderte von Küken sieht man hier, die einen Krach machen, daß man sich fast die Ohren zuhalten will, die sind allerdings nichts gegen eine Horde Kinder, die gerade aus einem Bus gestiegen ist und so sehr lärmt, daß es sogar den Schwalben zuviel wird …

… sie gehen zum Angriff über. Auch auf meiner Schädeldecke hat es zweimal „tock tock“ gemacht – ungerecht, schließlich habe ich nur fotografiert. Aber geschadet hat es mir auch nicht.

Fortsetzung folgt.

Urlaub an der Küste (3)

Wir haben uns ein Auto geliehen, um zu unserem eigentlich Ziel – oder besser gesagt: Zum Anlaß unseres kurzen Urlaubs – zu fahren: Bergenhusen ist ein Storchendorf. Wir waren ja schon in Windheim, Loburg und Rühstädt, da darf Bergenhusen nicht fehlen.

Das Dorf ist sehr ruhig, man sieht viele landwirtschaftliche Geräte, der Tante-Emma-Laden macht eine ausgedehnte Siesta, das Kirchentor hängt quietschend in der Angel, Tumbleweed wird durch die ansonsten leeren Straßen getrieben, in der Ferne heult ein Kojote … nee, Quatsch. Aber ich bin froh, daß wir hier nicht abgestiegen sind.

Es gibt sogar ein kleines Storchenmuseum mit lehrreichen Stellwänden, ausgestopften Tieren und dem ersten, 1959 ausgestrahlten Film des Tierfilmers Heinz Sielmann, der von den Gewohnheiten der Störche in Bergenhusen handelt. Die Kassiererin war ganz enttäuscht, daß wir uns bereits nach ca. einer halben Sunde wieder verabschiedeten.

Wir fahren weiter und machen einen kurzen Abstecher nach Holland – könnte man denken angesichts der Architektur im Stil der niederländischen Backsteinrenaissance und der vielen Grachten, die das Städtchen Friedrichstadt durchziehen.

Friedrich III. von Schleswig-Gottorf war ein Herzog mit Schulden und knappen Einkünften. Also kam er auf die Idee, einen Mittelpunkt für den Handel entlang der Linie Spanien, Rußland und Ostindien zu etablieren. Die Handelsschiffe sollten über die Nordsee und durch die Eider in Friedrichstadt anlegen, von wo aus die Waren weitertransportiert werden sollten. Das hat zwar nicht in dem gewünschten Ausmaß geklappt (was mich eigentlich auch nicht wundert), aber zur Gründung einer Stadt hat es gereicht.

1620 bot er – aufgrund ihres Glaubens in ihrer Heimat verfolgten – Niederländern an, sich hier anzusiedeln. Als Remonstranten bezeichneten sie sich: Im Gegensatz zu den herrschenden Calvinisten waren sie der Überzeugung, daß es Glaubens- und Willensfreiheit gibt.

Aufgrund der Religionsfreiheit siedelten sich später auch viele Anhänger anderer Glaubensrichtungen an, so daß man von Friedrichstadt als „Stadt der Toleranz“ sprach – sogar quietschrote Turnschuhe werden inzwischen geduldet! Prima – hierhin kann man gut mal einen Ausflug machen.

Das letzte Wort, ganz klein, lautet „nie“ – ein bißchen Spaß muß sein. Dafür hat sich hier mal Louis-Philippe versteckt, lange bevor er der letzte König (1830-48) von Frankreich wurde. Und nun waren wir auch hier – ein bißchen Prominenz kann nicht schaden.

Wir fahren weiter und ignorieren mit Mühe die Hinweisschilder, die uns nach Orten locken wollen, die „Welt“ und „Reimersbude“ heißen, durchqueren Witzwort und verpassen fast das kleine Wäldchen, wo der „Rote Haubarg“ steht. Haubarg, so nannte man hier die Bauernhäuser, und rot war die Farbe der Ziegel, die hier einst das Haus bedeckten, bis es im 18. Jh. abbrannte. Das neue Haus hat ein Reetdach, aber der alte Name ist geblieben. „Mensch und Tier lebten in Haubargen jahrhundertelang unter einem Dach, wenn auch in getrennten Räumen“, weiß Wikipedia. In getrennten Räumen also, aha. Aber vielleicht mit gemeinsamer Küche?

Innen gibt es ein Museum über Landwirtschaft, sicher ganz interessant …

… aber wir gehen lieber ins Café und essen Rhababerkuchen und gebackene Holunderblüten mit Eis.

Das geht auch mit Kaffee, ich hab’s ausprobiert.

Fortsetzung folgt.

Urlaub an der Küste (2)

Warum man diese Karte verkehrt herum aufgehängt hat – Norden ist hier rechts – weiß ich nicht, jedenfalls zeigt sie, was St. Peter-Ording allen anderen Nordseeorten voraus hat: Der Hauptstrand ist ca. 12 km lang und 2 km breit.

Wenn man 3 Euro bezahlt hat (es sei denn, man hat eine Kurkarte, die auch 3 Euro pro Tag kostet), darf man über diesen Steg ans Wasser – wenn gerade Ebbe ist, muß man noch ein bißchen weiter laufen.

An den Stränden stehen Pfahlbauten für Toiletten, Strandaufsicht und Restaurants/Cafés, in denen man von Kuchen über Fritten bis zur vollen Mahlzeit alles bekommt, was der Magen begehrt, sehr schön!

Ich habe nicht gedacht, daß ich das nochmal zu essen bekomme: Granat (manche sagen auch Krabben, er ist aber eine Garnelenart) auf Spiegelei auf Schwarzbrot. Normalerweise wird der Granat, der in der Nordsee gefangen wird, mit dem Laster quer durch Europa nach Marokko gefahren, wo er von flinken MarokanerInnenhänden gepult und wieder auf die Reise zurück an die norddeutsche Küste und in die ganze Welt geschickt wird. Da ich das auf keinen Fall unterstützen will, habe ich nun schon lange Zeit darauf verzichtet. Hier, in dem Strandlokal „Seekiste“ am Böhler Strand, wird der Granat tatsächlich noch vor Ort gepult. Großartig – und sehr lecker!

Es folgen nun ein paar hundert Strand- und Salzwiesenbilder.

Eine Salzwiese ist eine Wiese zwischen dem Deich und dem Strand, die bei normalem Tidenhub nicht überflutet wird – manchmal aber eben doch. Die Lämmer, die hier weiden, würzen sich quasi selbst, von innen, ihr Fleisch bekommt durch das gesalzene Gras eine ganz besondere Note. Gemein.

Noch ein Strandbild – mit „Drama“-Filter vor der Linse.

Strand satt: Wer noch nicht genug hat, für den habe ich ein paar Bilder in einen Ordner geladen, wer mag, schaut sie sich hier an (ich habe die 45 schönsten Fotos herausgesucht).

Fortsetzung folgt.

Urlaub an der Küste (1)

Stimmt natürlich gar nicht, daß die Möwen in St. Peter-Ording blaue Mützen tragen, in Wirklichkeit sind sie schwarz. Aber woher sollen die Chinesen, die diese Figuren herstellen, das auch wissen?

St. Peter-Ording liegt auf der Halbinsel Eiderstedt an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und besteht aus fünf ursprünglich eigenständigen Teilen, die man im Laufe der Zeit zusammengefaßt hat. Unsere Ferienwohnung ist im Teil „Dorf“, in dem die namensgebende Kirche St. Peter steht. Und es stimmt, es ist dörflich.

Die Restaurants, Cafés und Geschäfte knubbeln sich an einer Straße, aber es sind nicht sehr viele, zum Bummeln sehr angenehm.

Die Restaurants heißen „Kiek in“, „Wendt’s goode Döns“ oder „Spökenkieker“ – oder auch einfach „Da Giggi“, wenn es eine Pizza sein soll. Die Begrüßung ist allerdings überall gleich: „Moin Moin“ sagt man hier zu jeder Tageszeit, das kenne ich noch aus meiner Kindheit.

Ob das „Café Diem“ der Familie Diem gehört oder auf carpe diem anspielt, war nicht zu erfahren, allerdings kann ich mir gut vorstellen, da einen genußvollen Tag zu verbringen.

Eine Familie mit acht Jungs und zwei Mädchen braucht bei kühlem Wetter nicht weiterzusuchen nach wärmenden Fleecejacken.

Auf einer Tafel steht: „Jan und Gret waren ‚lütte Lüüd‘, die sich aus dem Meer ihr Zubrot holten. Jan stach den ‚Bütt‘ mit der ‚Prigg‘ und Gret fischte die ‚Porrn‘ mit der ‚Gliep‘.“ Aha. Überrascht war ich über die Namen der beiden, denn in Köln läutet das Nachspielen einer Sage um Jan und Griet jedes Jahr den Straßenkarneval ein (wieso habe ich diese Geschichte noch nicht erzählt? Werde ich demnächst mal nachholen).

So weit, so beschaulich. Nähert man sich nach ca. einer halben Stunde Fußmarsch dem Ortsteil „Bad“, ist Schluß mit lustig. Hier soll Geld verdient werden – das ist in „Dorf“ natürlich auch nicht anders, aber hier wird es einem auf Tritt und Schritt gezeigt.

Uralte friesische Architekturkunst …

… sieht anders aus. Der Fußgängerzonencharme soll vielleicht verhindern, daß die Besucher Heimweh bekommen …

… weshalb man auch auf die kulinarischen Spezialitäten nicht zu verzichten braucht, die man von zu Hause gewohnt ist: Schnitzel, Currywurst und Burger.

Fortsetzung folgt.