Ein Geheimtipp? Wohl kaum, jedenfalls nicht mehr. Das Café im Museum für Ostasiatische Kunst mit Blick auf den Aachener Weiher ist aber vor allem am Wochenende überlaufen, in der Woche findet man meistens einen Platz, da es etwas abseits der Touristenströme liegt. Ein Besuch lohnt sich, der Kuchen ist ausgezeichnet, und wenn man will, kann man auch gleich das Museum oder eine der zahlreichen Ausstellungen besuchen.
Schlagwort: Neustadt Süd
Galerie Ammann, Teutoburger Str.
Zu den Architekturtagen ‚plan 09‘ Ende September wurden in einer kleinen Galerie großformatige Bilder der Schweizer Fotografien Hélène Binet gezeigt, die seit 20 Jahren Architektur fotografiert. Die kleine Auswahl in der Galerie berücksichtigt nur Fotos von Gebäuden Peter Zumthors, Gebäude, die sich aufgrund ihrer Eigenästhetik, die am besten ohne Menschen auskommt (ich berichtete), hervorragend eignen für diese Art der Fotografie.
Brüsseler Str.
Fassadenbegrünung in der Stadt hebt die gefühlte und tatsächliche Lebensqualität: Es sieht gut aus (finde ich), dämmt den Schall, bindet Staub (besonders wichtig bei Feinstaub) und wirkt sich günstig aus auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Nachdem Ende der 80er Jahre in Köln die Aufrüstung der Gebäude mit Kletterhilfen für die Pflanzen massiv mit öffentlichen Geldern gefördert wurde, ist jetzt eher ein Rückgang der Bepflanzung zu bemerken. Man kann nur hoffen, daß das Bewußtsein für die Notwendigkeit von Natur in der Stadt bald wieder wächst – und damit meine ich nicht Blumenrabatte auf Verkehrsinseln.
"TempoRar+Räre ParaDies+Das Reich+T"
Letzte Woche fand wieder einmal das jährliche Architekturfestival plan in Köln statt. An vielen Orten wurden Führungen veranstaltet, Ausstellungen und Gebäude konnten besichtigt, Vorträge und Diskussionsrunden über die Zukunft des Gesichts der Stadt besucht werden. Ein Platz, der seit jüngster Zeit besonders im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist der Eifelwall 5, denn hier ist der Neubau des Historischen Archivs geplant. Und hier wohnt Rolf KeTaN Tepel in seinem Reich, das von ihm so genannte TempoRar+Räre ParaDies+Das Reich+T.
Rolf KeTaN Tepel ist ein Original: Präsent, penetrant, messianisch, visionär, nach eigener Aussage eine Nervensäge, ein leicht größenwahnsinnig anmutender Kämpfer und harter Arbeiter für seine Sache, verbunden mit dem Humor eines Till Eulenspiegel, ein Philosoph in der Tradition des Diogenes und noch vieles mehr kurz: Ein genialischer Künstler. Seit ca. vier Jahren bearbeitet er einen kleinen Teil der städtischen Brache, um die sich jahrzehntelang niemand gekümmert hat.
Aus Holzabfall und anderen Dingen, die die Wohlstandsgesellschaft wegwirft, hat er ein stabiles zweistöckiges Holzhaus gebaut, das zusammen mit selbstgezimmerten Anbauten und einem kleinen Bauwagen einen Hof abtrennt, der voll steht mit Kunstwerken des Künstlers.
Hier soll noch ein kleiner Teich entstehen die Teichskulptur ist schon fertig.
Blöderweise ist dieses kleine Paradies (man fühlt sich da wirklich sofort wohl und geborgen, jedenfalls im Sommer) – zumindest aus der Sicht der Stadtverwaltung illegal. Dabei fühlt sich der Künstler eigentlich im Recht: Als er den Platz besetzte, grub er einen Pflasterstein aus, brachte ihn zum Fundamt und gab an, einen herrenlosen Weg gefunden zu haben. Alles wurde vom Amt gewissenhaft aufgenommen, der Stein und der Vorgang erhielten eine amtliche Nummer, Rolf KeTaN Tepel eine Quittung, und als sich nach ca. drei Jahren immer noch kein Eigentümer gemeldet hatte, erklärte der Künstler sich zum rechtmäßigen Besitzer des Areals (Anm.: Nicht Besitzer des Areals, sondern Eigner der Wegsteine, s. Kommentar).
Zunehmend zeigt die Stadtverwaltung sich allerdings not amused und versucht es nach einer zwischenzeitlichen Duldung nun mit Schikanen, den Besitzer (oder Besetzer?) zu vertreiben: Der Postkasten wurde abgebaut, das Wasser abgestellt und der Wohnsitzeintrag gelöscht. Vor ein paar Tagen, zu Ende des Architekturfestivals, wurde ihm eine Anzeige der Stadt wegen illegalen Bauens zugestellt.
Das alles geht an dem Künstler nicht spurlos vorbei, man merkt ihm die Anspannung und Sorge um die ungewisse Zukunft an, wenn man ihm zuhört. Andererseits sieht er gar nicht ein, sich in seinem Schaffensdrang behindern zu lassen: Sein nächstes Projekt Einhut=Vielhut=Welthut ist geplant: Es sollen die Kölner Bürger die ausrangierten Töpfe und Pfannen, die sich in fast jedem Haushalt finden lassen, bei ihm abgeben. Er und seine Helfer bilden aus diesem Abfall dann einen riesigen Hut von mindestens 13m Durchmesser, der dem Hut von Joseph Beuys nachempfunden sein soll. Der Hut wird dann auf 11 Stützen gestellt, die jeweils tragende Institutionen symbolisieren. Und unter dem Hut trifft man sich dann – Politiker aus der ganzen Welt, Entscheidungsträger und alle anderen und sorgen für nichts Geringeres als den Weltfrieden (ich hoffe, ich gebe das richtig wieder). Und da das natürlich alles auch mit viel Arbeit und Zeit verbunden ist, bittet Rolf KeTaN Tepel eben jene Stadtverwaltung, die ihn unbedingt möglichst schmerzlos loswerden will, ihn doch bitte mit 30.000 Euro Anschubfinanzierung zu unterstützen. Wie ich bereits sagte: Visionär, messianisch, größenwahnsinnig anmutend – aber nicht jeder, der hoch stapelt, muß auch gleich ein Hochstapler sein.
Arm das Land, das glaubt, sich solche verrückten Künstler nicht leisten zu können. Ich hoffe jedenfalls, er kann noch lange in und an seinem kleinen Paradies herumwerkeln und Projekte für den Weltfrieden anstoßen.
PS: Ein kleiner Sonnenkollektor sorgt für gerade genug Strom, um ein Laptop betreiben zu können: http://stein-des-anstosses.de , die Homepage des Künstlers.
Kunstautomaten
Rauchen ist ungesund, das hat sich ja wohl herumgesprochen, und mit den Automaten, die in den Kneipern hängen, kann man auch viel Besseres anfangen: Man wirft 2 Euro ein und zieht sich eine Schachtel Kunst. Allerdings Vorsicht, auch hier gibt es einen Warnhinweis. Auf der Schachtel steht: „WARNUNG! Diese Kunst kann verwirren, erhellen, aufregen und süchtig machen! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie sich selbst und schreiben Sie uns die Antwort. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen. Es gehört jetzt dir.“
Und das war drin in der Schachtel: Ein signiertes Kunstwerk von Kathrin Ollroge, ein kleines Holzklötzchen mit einer Fotografie von einem Puppenhausspielzeug. Mir gefällt’s, ich mag Wundertüten.
Sommerabend
Sommerabend
Faltenlos sind alle Dinge,
Wie vergessen, leicht und matt.
Heilighoch spült grüner Himmel
Stille Wasser an die Stadt.
Fensterschuster leuchten gläsern.
Bäckerläden warten leer.
Straßenmenschen schreiten staunend
Hinter einem Wunder her.
… Rennt ein kupferroter Kobold
Dächerwärts hinauf, hinab.
Kleine Mädchen fallen schluchzend
Von Laternenstöcken ab.
Alfred Lichtenstein (18891915)
Dominikanerkloster in der Lindenstr.
Die Kirche des Dominikanerklosters, 1904 erbaut, 40 Jahre später in Schutt und Asche gelegt, aber bereits 1947 bis 52 wieder aufgebaut, ist von Innen recht schlicht gehalten, Farb- und Lichtakzente sind sparsam und wirkungsvoll eingesetzt.
Und auch von Außen fällt das Gotteshaus kaum auf, dieses Tor ist das Markanteste der ganzen Fassade, und hätte es nicht wie neulich weit offen gestanden, würde ich vielleicht immer noch achtlos daran vorbeigehen.
Was man aber dringend einmal renovieren sollte, ist das:
Wer, zum Teufel, ist für diese Decke verantwortlich? Genau der, oder? Oder der Zeitgeschmack der 50er Jahre? Okay, dann ist es natürlich ein historisches Dokument, und mir kann es ja auch egal sein – ich denke dabei nur an die Dominikaner … vielleicht könnte man sie wenigstens zuhängen …
