Sommerabend

Sommerabend

Faltenlos sind alle Dinge,
Wie vergessen, leicht und matt.
Heilighoch spült grüner Himmel
Stille Wasser an die Stadt.

Fensterschuster leuchten gläsern.
Bäckerläden warten leer.
Straßenmenschen schreiten staunend
Hinter einem Wunder her.

… Rennt ein kupferroter Kobold
Dächerwärts hinauf, hinab.
Kleine Mädchen fallen schluchzend
Von Laternenstöcken ab.

Alfred Lichtenstein (1889–1915)

0 Antworten zu “Sommerabend

  1. Jepp, würde mich auch interessieren, was das für Bilder sind.
    (Gibt es einen Unterschied zwischen Allegorie und Metapher?)

    Haben am Samstag nach langer Zeit mal wieder auf den Ringen draußen gesessen – ist mit dem Gedicht schön beschrieben.

    (War allerdings mächtig viel Polizeiaufgebot da. Wenig dichterisch 🙂

    Liebe Grüsse
    Regina

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  2. …aber faszinierend – für mich jedenfalls. Ich muss nicht alles bis ins Detail begreifen. Vor allem Strophe 2 gefällt mir unglaublich gut. Das Foto dazu ist ebenfalls sehr schön. Ich wünschte nur, dass ich bald mal wieder so einen lauen Sommerabend erlebe. Der Norden will momentan irgendwie nicht wirklich mitmachen – könnte hier echt wärmer sein und überhaupt. Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben. Vielleicht hat das Gedicht inkl. Bild ja dem Norden mal endlich einen Anreiz gegeben 🙂

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  3. Keene Ahnung, der Kupfer-Kobold wird wohl ein Feuer sein.
    Das Ganze klingt etwas apokalyptisch, nicht nach Sommerabend, sondern nach Jüngstem Gericht.
    Ich frage mich, warum hast du es ausgesucht? Und warum mit dem Bild zusammen?

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  4. Na, Du stellst Fragen 😉 Schnell mal in meinem Schulwissen herumgekramt, jedenfalls soweit ich mich erinnere: Eine Allegorie ist eine Figur (auch sprachlich) für etwas anderes, z.B. Justitia mit der Waage steht insgesamt für Gerechtigkeit. Eine Metapher steht sprachlich für etwas Ähnliches, z.B. im Gedicht oben die vorletzte Strophe: „Rennt ein kupferroter Kobold/Dächerwärts hinauf, hinab“ ist eine metaphorische Umschreibung des Sonnenuntergangs, wie er durch wachsende, sich verändernde Schatten an dicht beieinanderstehenden Häusern zu beobachten ist. Eine sehr poetische Umschreibung, finde ich.

    Auf welcher Höhe des Rings warst Du? Je nachdem, wo man gerade ist, herrscht ja immer viel Trubel. Un wieso das Polizeiaufgebot? Fußball?

    LG

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  5. Der Kupferkobold sind die Strahlen der untergehenden Sonne, oder? Licht-Schattenspiele an den Wänden und Dächern. Jedenfalls fällt mir das dazu ein.

    Ich mag expressionistische Lyrik sehr. Gedicht und Bild haben eine ähnlich melancholische Grundstimmung, ohne jedoch vollkommen ins Düstere abzurutschen, die ich auch oder gerade im Sommer gut nachfühlen kann,.

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  6. So wie Du das erklärst mit dem Kobold ist das wunderschön!
    Richtig kribbelig schön sogar.

    Wir sind beim Rudolfplatz ausgestiegen, 100 m hoch(also nördlich) und auf der anderen Seite Hälfte wieder runter. Auf einem kleinem Platz war 3x Gastronomie (Pizzeria,?X und unser Kaffeelädchen – haben uns anläßlich Filius´Geburtstag zur Cocktail Hour einmal durchgeschlürft und sehr gute Ciabatta gegessen).

    Waren eigentlich keine Fussballer da.
    Nur Volk halt.
    Manchmal ein bisschen aufgedreht.
    Aber nichts, was irgendwie bedrohlich oder problematisch gewesen wäre.

    War schon ein bisschen stimmungstrübend, diese deutliche Präsenz……

    Ganz lieben Gruss Dir

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  7. Ah ja – ich weiß, was Du meinst, auf der Ecke ist ein riesiger Videoladen. Wirklich eine schöne Ecke, um großstädtisches Treiben zu beobachten. Je später der Abend, jedenfalls am Wochenende, desto höher allerdings der Alk-Konsum und damit einhergehend die Gewaltbereitschaft der vergnügungswilligen jungen Leute. Vielleicht deswegen das Polizeiaufgebot.

    LG

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  8. Wahrscheinlich hast Du recht. Kinder, die schluchzen, weil sie von ihren Eltern nicht mehr das bekommen, was sie haben wollen, ist aber ein relativ häufiges Großstadtgeräusch, manchmal mitleiderregend, aber da.

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  9. nö, da lag ich dann wohl falsch, sah aus wie ein restaurant vis a vis dem „guten abend“.
    habs anhand deiner beschreibung nun aber erkannt.
    auf jeden fall mal wieder schön eingefangen!

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  10. Glücklicherweise nicht, dagegen müßte man was unternehmen ;). Tun sie aber in dem Gedicht auch nicht: Ein Laternenstock ist ein Holzstock, an dessen einem Ende eine kleine Laterne hängt, die von Kindern durch die Gegend getragen wird. Wenn man ihnen die Laternen gegen Abend fortnimmt, weil es Schlafenszeit wird und sie ins Bett sollen, fangen sie schon mal an zu schluchzen. Daß in dem Satz Subjekt und Objekt vertauscht werden, ist ein gängiges lyrisches Mittel.

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  11. Versuchst du mir das Gedicht irgendwie schmackhaft zu machen? Wird dir nicht gelingen, ich mag’s einfach nicht. Es gibt eben einfach so was, das man das Gefühl hat, irgendwie stimmt daran nichts. Kenn ich übrigens auch von Filmen sehr gut.

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  12. Aber nein. Es ist schön, einer Meinung zu sein, aber auch interessant, wenn man es nicht ist, gerade, wenn es darum geht, was für ein Gefühl man dazu entwickelt oder hat. Aber Laternenstock oder -stange, das ist ein ganz erheblicher Unterschied, besonders wenn Menschen davon herabfallen, das löst ja jeweils ganz verschieden Assoziationsketten in Gang.

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