Christuskirche in der Werderstr.

Unheimliche Wasserspeier haben an Kirchtürmen nicht nur die Funktion, das Regenwasser abzuleiten, sondern auch die, Dämonen abzuschrecken, vergleichbar den Schattenrissen von Vögeln, die heutzutage auf Glaswänden und -fenstern kleben, damit Tauben und Singvögel abgeschreckt werden, was allerdings oft wenig nützt. Und wahrscheinlich ist es mit den Dämonen genauso.

Dieser Wasserspeier hängt am Turm der evangelischen Christuskirche, die 1891-94 im Neorenaissancestil erbaut wurde. Allerdings hat nur der Turm den 2. WK überlebt, die Kirchenhalle ist ein Bau der 50er Jahre. Ich weiß nicht genau, warum (ich vermute: Rückgang der Mitglieder und Geldnot), aber man plant, die Halle abzureißen und Wohnkomplexe zu errichten:

Zwei fünfgeschössige Riegel, die sich gegenüberstehen, dazwischen ein überdachter Gemeinderaum und ein „sakraler“ Garten. Obwohl die Gebäude nicht höher wären als die gegenüberliegenden, würde sich durch ihre wuchtige Ausdehnung der Charakter des Platzes durch die Veränderung der Sichtachsen komplett wandeln.

(Quelle)

Da zu wohnen wäre vielleicht nicht soo schlecht, allerdings würde mir das ewige nahe Gebimmel der Kirchenglocken schnell auf die Nerven gehen.
Noch mehr Informationen gibt es hier: „Wohnen in der Kirchenmauer“, wo ich auch den Grundriß ausgeliehen habe.

PS: So sah die Kirche früher aus:

Christuskirche, Herwarthstr., 50672 Köln - Neustadt-Nord
(Quelle: Bitte auf das Bild klicken)

Spichernstr.

Die Spichern Höfe bestehen aus zwei Höfen und den umgebenden Gebäuden, die in einem Gesamtkonzept bis 2005 renoviert wurden.

Gastronomie, Wohnen, Arbeiten, Shoppen, Kulturevents sollen hier an einem Ort stattfinden und ihn beleben. Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal da war, machte es einen ziemlich verlassenen Eindruck, die Atmosphäre wirkt ein bißchen Schickimicki und ich habe mich kaum getraut, das privat wirkende Gelände zu betreten. Die Mitpreise sind allerdings auch nicht ohne: Bis zu 15,50 Euro der Quadratmeter, dazu kommen noch die Nebenkosten.

Die zweistöckige Halle ist als Markthalle geplant, hier soll sich ein Wochenmarkt mit Gemüse, Fisch etc. etablieren, der an sechs Tagen die Wochen Frischwaren anbietet. Hm – das steht in einer Broschüre von 2005, ob hier schon jemals eine Kartoffel den Besitzer gewechselt hat, wage ich zu bezweifeln. Zum Zeitpunkt meines Besuchs lief gerade eine Fotoausstellung.

Neu St. Alban am Stadtgarten

Nach dem Beschluß, Alt St. Alban nicht wieder aufzubauen (s. letzter Eintrag), tauschte die Kirche einen Teil des Geländes mit der Stadt gegen ein kleines Grundstück am Stadtgarten und baute dort 1958/59 die relativ kleine Hallenkirche Neu St. Alban.

Die Kirche, zu deren Aufbau man Trümmerziegel u.a. der zerstörten alten Oper benutzte, wird von den Parkbäumen weitgehend verdeckt. Der Grundriß ist pentagonförmig, der Innenraum nimmt in seiner Gestaltung die Neuordnung des 2. Vatikanischen Konzils von 1963 vorweg: Durch die Platzierung des Altars steht er Pfarrer der Kirchengemeinde zugewandt.

Und wenn ein Kirchenbesucher keine Lust mehr hat und Frischluft braucht (soll ja vorkommen), ist er gleich draußen im Park, schräg gegenüber ist ein Biergarten.

Das Taufbecken in der Krypta ist von 1642 und stand in Alt. St. Alban. Der Heilige hat mit Köln eigentlich nichts zu tun, vielmehr ist er Schutzpatron der Stadt Mainz, wo er auch geköpft wurde. Er weilte dort im Jahr 406 als Missionar, als die Vandalen, dieser germanische Stamm von östlich der Oder, den Rhein überquerten, um gegen die Römer zu kämpfen. Wie das in der Kunst so üblich ist, wird er hier mit seinen Attributen dargestellt, dem Schwert, mit dem er enthauptet wurde, und seinem Kopf, den er nach der Hinrichtung – – „erhobenen Hauptes“ hätte ich jetzt beinahe geschrieben – – also: mit aufrechtem Gang zu seinem zukünftigen Grab trug.

Anänger der Mem-Theorie sollten schnell die Augen schließen, um sich nicht zu infizieren. Das bunte Kreuz steht zur Abwechslung mal für das Leben, der Schatten deutet auf das hin, was das Leben immer begleitet, auf den Tod. Geschickt inszeniert!

Aachener Glacis

Auch die Paradiesinsel kommt nicht ohne Ermahnungen aus. Aber daß da überhaupt auch die Leute hineinkommen, die die Haufen ihrer Haustiere einfach so auf der Straße liegen lassen, wundert mich dann doch. Wer läuft da noch so ‚rum? Immerhin weiß ich jetzt, wo ich klopfen muß, wenn es so weit ist, und wenn es mir dort nicht gefällt, geh ich halt wieder, ich habe Optionen für beide Orte.

Brüsseler Platz

Ich mag das Bild, die x-beinigen Stühle, die von der orangenen Markise beschützt werden. Noch lieber wäre mir allerdings, das Auto im Hintergrund wäre mal eben kurz weggefahren, aber so ist es eben in der Großstadt, das Auto ist ein nach außen gelagerter Teil der Wohnung, deswegen muß es immer in der Nähe stehen. Obwohl, dieses trägt ein ausländisches Nummernschild, ich habe es retuschiert, denn ich möchte nicht Gefahr laufen, von Gangstern in die Mangel genommen zu werden. Man kennt das ja aus dem TV: Da geht so ein ahnungsloser Knipser durch die Stadt und wird zufällig dokumentierender Zeuge der Anwesenheit des Kopfes einer international operierenden Mafia-Gang aus Italien, oder aus Rußland, man hört ja soviel. Dank des harmlosen Markisen- und X-Bein-Stuhl-Fotos kann der Anführer einer Wasweißich-Straftat überführt und die Gang zerschlagen werden, das Bild ist Beweisstück Nummer 1 und erscheint auf allen Titelseiten. Das schreit natürlich nach Rache, der Verräter soll einer besonders grausamen Folter unterzogen und seine Füße anschließend in Beton gegossen werden, um ihn dann im Rhein den Fischen … etc.! Und wer ist der angebliche Verräter? Genau, richtig geraten! Nee nee, hier passieren Sachen …
Übrigens, gibt es eigentlich auch eine deutsche Mafia? Wahrscheinlich nicht, oder? In Deutschland sind die Gesetze so, daß man die Bevölkerung auf ganz legale Weise ausnehmen kann, man muß nur eine Energiefirma gründen, oder ein Pharmaunternehmen.

Skulpturenpark

Im Skulpturenpark in der Nähe des Zoos stehen neue Kunststücke. Dieses ist von Torsten Slama und heißt „Herbert-Bayer-Zigarettenkiosk/Atomskulptur“. Der Künstler hat sich auch selbst dazu geäußert, aber erstmal schauen:

Schön grell-bunt steht es da mitten im Grünen, schlichte große Flächen und die stehende überdimensionale Zigarette lassen einen an Werbung denken, nur der Gorilla wirkt ein bißchen bedrohlich – dunkel, animalisch, unheimlich.

Im Katalog steht folgender Text: „Der zigarettenförmige Kamin, eine Röhre, dient als Monument und Mahnmal, eine Warnung an künftige Zivilisationen, so Torsten Slama (* 1967). Der Gorilla, der das Monument bewacht, teilt viele Eigenschaften mit der Zigarette. So wie diese sich niemals ihre Giftigkeit wird abgewöhnen können, wird auch er niemals seine Triebe meistern. Die Skulptur basiert auf der Zeichnung Vision 6: Der Herbert-Bayer-Cigarettenkiosk aus dem Zyklus Illustrierte Visionen der Zukunft für die Erhaltung von Monumenten, der Erinnerung an die Menschheit gewidmet. Dargestellt wird ein Gebäude, das, weil es eine namenlose Katastrophe überstanden hat, zukünftigen Tiergenerationen als Denkmal der untergegangenen Menschenzivilisation dient. Als Vorlage diente ein Entwurf von Herbert Bayer aus dem Jahr 1924. Der damalige Lehrer am Bauhaus Dessau war die Blüte einer Zivilisation, die den Gedanken ablehnte, es könne ein Übermaß an Bildung, Fortschritt, Genuss und Energieverbrauch geben. Das Werk Herbert-Bayer-Zigarettenkiosk/Atomskulptur ist ein Monument für den Überfluss im Sinne des Zigarettengleichnisses.“

Oh jee … der Lehrer als Blüte? Und was ist mit dem Zigarettengleichnis? Wenn sie weg ist, ist sie weg, oder wie? Ich finde, der Katalogeintrag trägt ein bißchen dick auf, aber urteilt selbst. Die Vorlage vom Bauhaus-Künstler Herbert Bayer sieht übrigens so aus:

Minibib im Stadtgarten

Seit ein paar Wochen gibt es im Stadtgarten, einem zentrumsnahen Park, „Minibib“, das Bücherbüdchen. Knapp 18 qm groß, beherbergt es gut 1000 Bücher, zumeist Taschenbücher für Erwachsene, aber auch Kinderliteratur, aus dem Mehrfach-Bestand der Stadtbibliothek. Das Besondere an der „Minibib“: Jeder Passant kann hineingehen, sich genau ein Buch (also nie mehrere gleichzeitig) aussuchen und ohne jede Formalität, wie z.B. Ausweis oder Quittung, mitnehmen. Der Entleiher wird gebeten, das Buch nach spätestens zwei Wochen wieder zurück zu geben. Sollte doch mal ein Buch für immer „verschollen“ bleiben, dann, so hofft man, wird es auf anderem Wege die Lesebereitschaft fördern. Soviel Idealismus und Vertrauen – wäre ich der König von Deutschland, ich würde ihnen dafür augenblicklich einen Orden verleihen, den höchsten, den es gibt. Das Projekt (nach einem Vorbild aus Lissabon das zweite in Europa) wird vom „Förderverein Stadtbibliothek Köln e.V.“ getragen, die 15 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen stehen nicht nur zur Beratung und Betreuung zur Verfügung, sondern organisieren auch Lesungen für Kinder.

Maybachstr.

Strategisch nicht ungünstig gelegen, lohnt es sich für diese Würstchenbude, auch im Winter geöffnet zu haben: Links auf der anderen Straßenseite ist der Mediapark mit einer Unzahl von Büros und dem Kinokomplex Cinedom. Ob die Bratwurst aber wirklich gut ist, habe ich noch nicht ausprobiert – vielleicht vorm nächsten Kinobesuch.


Media-Park

Der Köln-Turm im Media-Park, der 2001 fertig gestellt wurde, ist zwar mit 148,5 m (43 Etagen) nicht ganz so hoch wie der Dom, dennoch hat er das Stadtbild nachhaltig beeinträchtigt. In zweidrittel Höhe (30. Etage) hat er eine öffentliche Aussichtsplattform und ein Restaurant. Was sonst noch drin ist? Büros natürlich. Nachts auch mit Beleuchtung.

Mediapark

Der Cinedom mit seinen 14 Sälen hat drei Tage ‚Kinotag‘, wie sie es nennen, an denen der Eintritt 5 Euro kostet, außerhalb dieser Zeit sollte man nicht hingehen und lieber die kleineren Kinos unterstützen. Der Film, den ich Sonntag sehen wollte, lief aber nur dort, aber das war keine gute Idee: 8 Euro Eintritt, das Popcorn viel zu süß, der Film beschissen („The Happening“), und als wir das Kino verlassen wollten, um Essen zu gehen, fing es an zu regnen. Also gingen wir in eins dieser Cinedom-Lokale, das sinnigerweise Casablanca heißt, und erwarteten Speisen auf Schnellrestaurant-Niveau – und waren positiv überrascht: Zu angemessenen Preisen gab es durchaus genießbare Nudeln (einmal Bolognose, einmal Pesto mit Pinienkernen) in so großen Mengen, daß meine Begleitung die Hälfte ihrer Portion mit nach Hause nehmen konnte. Kann man hingehen.