Auf dem Weg nach Polen: Rühstädt

Auf zur nächsten Reiseetappe, nach Rühstädt, einem kleinen Elb-Dorf in der Prignitz in Brandenburg.

Ca. 240 Einwohner leben an diesem Ort, trotzdem kommen pro Saison ca. 60.000 Besucher hierher: Rühstädt ist das storchenreichste Dorf Deutschlands, jedes Jahr brüten hier bis zu 40 Storchenpaare.

Das professionell geführte Hotel in der Ortsmitte hat gutes Essen und ein ausgezeichnetes Frühstücksbuffet. Der Aufenthalt hier ist Erholung pur:

Die Ruhe, die weite Elblandschaft …

… gut ausgebaute und gepflegte Fuß- und Radwanderwege …

… und freundliche Bewohner, die auf angenehme Art die Ruhe weg haben (wenn man sie sieht).

Wir haben uns Fahrräder geliehen und sind an der Elbe entlang und durch ein paar Dörfer gefahren – und wenn es nur ein paar Häuser sind ohne Geschäft, eine eigene Kirche muß natürlich sein.

Nach dem Abendessen noch ein Spaziergang – aah, ist das schön!
(An das Tourismusbüro Rühstädt: meine Kontonummer habt ihr, oder?)

Hier war ich ganz bestimmt nicht das letzte Mal … vielleicht sollte ich mal einen kleinen Abschnitt auf dem Elberadweg zurücklegen?

Fortsetzung folgt.

Auf dem Weg nach Polen: Magdeburg

„Laut einer Studie aus dem ersten Quartal 2007 hat Magdeburg unter den 50 größten deutschen Städten hinter Hannover den zweitgrößten Anteil an öffentlichen Grünflächen im Stadtgebiet.“ (Zitat Wikipedia)
Um das bestätigen zu können, muß man wohl länger da sein als nur einen Tag. Unser erster Eindruck: Viele breite Autostraßen und das typisch östliche Gemisch von Architektur: Mittelalterliche Mauer im Ensemble mit modernen Skulpturen vor Plattenbauten, das ist beispielhaft.

Die sogenannte „Grüne Zitadelle“ im Zentrum ist in Wirklichkeit hauptsächlich rosafarben – das Grün bezieht sich auf die Bepflanzung dieses Hauses, angeblich das größte, das je nach Plänen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser im Jahre 2005 gebaut wurde.

Der farbenfrohe Spielwarenstil ist ja nicht bei jedem beliebt, aber wer bunte Regenschirme mag, wird sich auch hier wohlfühlen.

In den Innenhöfen gibt es ein paar kleine Läden …

… und auch Gastronomie ist vorhanden. Im Turm befindet sich ein Hotel, aber wer dauerhaft bleiben will: Es sind noch Wohnungen frei, für 90 qm muß man knapp 1000,00 Euro im Monat zahlen. Für Kölner Verhältnisse klingt das erstmal nicht viel, allerdings gibt es in Magdeburg einen Wohnraumüberschuß, der Mietspiegel wird vermutlich viel niedriger sein.

Das architektonische Gesamtensemble ist natürlich katastrophal, aber man kann nicht alles haben mit so einer Geschichte, und angesichts der Tatsache, daß ca. 86 % der Bevölkerung konfessionslos ist, gibt man sich mit dem Dom viel Mühe.

Der Magdeburger Dom ist das älteste gotische Bauwerk in Deutschland (nee, nicht der Kölner Dom, der ist doch erst 1880 fertig geworden).

Auch innen sehr eindrucksvoll.

Och – eigentlich ganz nett, die Stadt, trotz der häßlichen und verkehrsreichen Ecken. Hier könnte ich noch ein paar Tage aussteigen, sollte ich mal wieder vorbeikommen.

Fortsetzung folgt.

Auf dem Weg nach Polen: Loburg

Wenn einer eine Reise macht … dann ist er unterwegs und sieht merkwürdige Sachen: „Treffpunkt Zukunft“. Nur der Bahnhof, oder die ganze Stadt? Und was soll das heißen? „Hier ist noch nix. Was hier sein soll, ist noch Zukunft. Wenn Sie sich jetzt schon mit jemandem treffen wollen, gehen Sie besser woanders hin.“ Okay … danke für die Warnung, wir sind eh nur auf der Durchreise …

… nach Loburg, einem 2000-Einwohner-Kaff 30 km östlich von Magdeburg. Ganz schon plattes Land hier.

Und das ist der Grund für die Fahrt in diese Einöde: Meine Begleiterin ist „Patentante“ (kann man das so sagen?) eines Storchs, der von dem hier ansässigen Storchenhof betreut wird.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Storchenhofes Loburg kümmern sich sehr engagiert um verletzte Tiere, besonders natürlich um Störche. Von den Eltern nicht angenommene Jungtiere werden per Hand hochgepäppelt und später ausgewildert.

Oder sie dürfen hier ihre Alterszeit verbringen, wie diese beiden flugunfähigen Exemplare.
Störche stehen ganz oben auf der Liste der Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, nicht so sehr wegen der gefährlichen alljährlichen Flüge nach Afrika und zurück, sondern weil wir ihnen durch die zunehmende Versiegelung der Erdfläche den Nahrungsraum nehmen.

A propos Versiegelung: Bis zur Wende gab es hier nur Kopfsteinpflaster, das machte das Leben angemessen langsam. Wenn jetzt Verkehr ist, ist er auch schnell wieder weg – junge Leute, aus deren aufgpimpten Karren trotz geschlossener Fenster Tekknomusik dröhnt. Die Asphaltierung der Straßen war natürlich ein tolles Geschäft – für die, denen die entsprechenden Firmen gehören. Und man bedenke auch die Folgekosten, das ist gut für die Wirtschaft, wenn Geld in Umlauf kommt: Durch die Versiegelung der Straßen wurde ein neues kompliziertes und teueres Abwassersystem notwendig, für das die Anwohner ganz direkt aufkommen mußten – man spricht in der Bevölkerung auch heute noch gern von den „Abwasserverbrechern“.

DAS Highlight der Jugendbespaßung – jedenfalls vor 50 Jahren. Jetzt ist es leider geschlossen. Wie sich hier überhaupt ein Laden halten kann (vom zentralen Supermarkt mal abgesehen), ist mir völlig schleierhaft, aber ein paar Geschäfte gibt es: Einen Bäcker, einen Eisenwaren- und einen Neckermannladen und eine Kneipe habe ich gesehen. Aber daneben stehen in vielen Häusern „Zu verkaufen“-Schilder in den Fenstern.

Auch wenn der Ort einen todlangweiligen Eindruck macht, wohnen die Menschen, die schon immer hier sind, wahrscheinlich gern hier mit ihren großen bewirtschafteten Gärten und ihren Tieren. Aber ist es ein Zufall, daß wir überraschend viele Jugendliche gesehen haben, die Springerstiefel und „Lonsdale“-Jacken trugen?

Fortsetzung folgt.

Ausflug nach Essen (3)

Nanu? War das Fensterglas im Sonderangebot, allerdings mit der Auflage, daß man alles so nimmt wie es ist?

Das Sanaa-Gebäude (nach dem vielfach preisgekrönten Architekturbüro SANAA) ist das erste, das auf dem Zechengelände nach der Stilllegung gebaut wurde. Es beherbergt die „Zollverein School of Management and Design“.

Zur Zeit ist die Ruhrregion ja eine der Kulturhauptstädte Europas 2010 (für die schräge Formulierung kann ich nichts), und in diesem Rahmen findet auf der 1. Etage eine Fotoausstellung namhafter Fotokünstler statt, die sich mit dem Ruhrgebiet beschäftigt haben.

In dieser Koje findet man Beispiele aus dem Werk von Bernd und Hilla Becher, die zu einer Zeit Industrieanlagen fotografiert haben, als noch niemand sonst daran dachte. Ihr Einfluß auf nachfolgende Fotografen war immens, und aus ihren Kursen an der Düsseldorfer Kunstakademie kamen viele heute international renommierte Fotografen.

Die großzügige Hängung der Fotos in diesem Umfeld ist toll, abwechselnd kann man die großformatigen Kunstwerke und und die ungewöhnlichen Fensterausschnitte bewundern.

Diese junge Frau ist mir völlig unbekannt, aber sie tut mir den Gefallen und bleibt ruhig stehen – danke!

Da hinten schimmert eins der Bilder von Andreas Gurski durch – auch ein Becher-Schüler. Genauer sieht es so aus:

„Dortmund“ ist der Titel und zeigt die Fankurve von Borussia Dortmund. Allein durch die Größe ist es beeindruckend: 3,07 x 2,23 m.

Eine kleine perfekt inszenierte Ausstellung – nur schade, daß Kaffee und Kakao im Café eine so miese Plörre waren, daß man es nicht austrinken konnte.

Burghöfchen

Das Burghöfchen – riesige alte Kastanien spenden Schatten in einem kleinen Hof, in dessen Mitte leise ein kleiner Brunnen plätschert, während man am Rand unter der Markise eines kleinen Cafés sitz und ein Gläschen gekühlten Weißwein trinkt und die Flaneure beobachtet, die neugierig aus der Toreinfahrt kommen und überrascht die ruhige Atmosphäre des kleinen Platzes wahrnehmen … das sind jedenfalls die Bilder, die ich vor Augen habe, wenn ich diesen Namen höre.

Tatsächlich sieht das Burghöfchen in Köln so aus:

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Kölnpfad, Etappe 5

Der Kölnpfad ist eine gekennzeichneter Wanderweg rund um Köln und ist 171 Kilometer lang – locker an einem Tag zu schaffen, wenn man früh genug losgeht. Quatsch natürlich: Er ist in elf Etappen unterteilt, und der Start-/Endpunkt einer jeden Etappe ist durch öffentliche Verkehrsmittel erreichbar.

Letztes Jahr bin ich schon zwei Etappen gelaufen, diesmal geht es los im nördlichen Merkenich. In der Nähe der Ford-Werke liegt der Fühlinger See, eine weitläufige alte Kiesgrube mit Schwimmbad, Angelsee und einer Regattastrecke von über 2 km Länge. 1998 wurde hier die Ruderweltmeisterschaft abgehalten.

Auf der gesamten Strecke sind gut sichtbar Markierungen an allen Abzweigungen angebracht, aber zur Sicherheit haben wir einen Wanderführer und eine Karte dabei. Nicht immer läuft man durchs Grün, Wälder, Felder und Auen – immer wieder muß man an mehr oder weniger breiten Straßen entlanggehen, oder man passiert Industriegebiete, bevor man wieder in ein kleines Wäldchen geführt wird.

Natürlich wird dafür gesorgt, daß man unterwegs nicht verhungert, im Buch werden streckennahe Futterstellen empfohlen. Der Biergarten der „Kantine“ hat leider noch geschlossen, vielleicht ist es noch zu früh. Macht nix – weiter geht’s.

Wir landen am Rhein, nun ist es nicht mehr weit bis Mühlheim auf der anderen Seite. Am Niehler Hafen müssen wir aber erstmal über die Molenbrücke …

… um auf die Rheinwiesen zu kommen.

Freundinnen, die sich wichtige Dinge erzählen, die nicht für fremde Ohren geeignet sind …

… Platz genug haben sie jedenfalls.

Hurra! Ziel erreicht, nach ca. 18 Kilometern qualmen die Füße, aber es gibt eine angemessene Belohnung: Das rechtsrheinische Mülheim ist jetzt nicht gerade ein Viertel, in dem ich mich viel herumtreiben würde, es gibt einfach keinen Grund – außer vielleicht einen: Das „Café Vreiheit“ hat ausgezeichnetes, preisgünstiges Essen in Bio-Qualität (sein Biergarten liegt im Schatten einer evangelischen Kirche, aber das muß einen ja nicht stören).

Appellhofplatz

Nanu – Kopf in den Nacken – was steht denn da? Ein Kettentext:

„Hommage den Soldaten die sich weigerten zu schießen auf die Soldaten die sich weigerten zu schießen auf die Soldaten die sich weigerten zu schießen auf die Menschen die sich weigerten zu töten die Menschen die sich weigerten zu töten die Menschen die sich weigerten zu foltern die Menschen die sich weigerten zu foltern die Menschen die sich weigerten zu denunzieren die Menschen die sich weigerten zu denunzieren die Menschen die sich weigerten zu brutalisieren die Menschen die sich weigerten zu brutalisieren die Menschen die sich weigerten zu diskriminieren die Menschen die sich weigerten zu diskriminieren die Menschen die sich weigerten auszulachen die Menschen die sich weigerten zu diskriminieren den Menschen der Solidarität und Zivilcourage zeigte als die Mehrheit schwieg und folgte …“

Seit letztem Jahr steht das Denkmal für die Kölner Deserteure im 2. Weltkrieg direkt neben dem Justizgebäude, in dem sie von den Nazi-Richtern zum Tode verurteilt wurden.
Ludwig Baumann, überlebender Deserteur und Mitglied der Jury zur Auswahl des Denkmals: „Wir haben nach dem Krieg ja gedacht, unsere Handlung würde anerkannt werden, aber wir sind nur als Feiglinge, als Kriminelle, als Verräter beschimpft und bedroht worden, bis wir an diesem Staat verzweifelt sind … Die Richter haben nach dem Krieg Karriere gemacht. Sie sind aufgestiegen bis zu Bundesrichtern. Sie haben die Nachkriegsrechtsprechung entscheidend mitgeprägt … Hätten sie uns rehabilitiert, hätten sie wohl befürchten müssen, selber angeklagt zu werden. Nicht einer ist bestraft worden. Wir aber waren bis 2002 vorbestraft.“
(Quelle)

Gestaltet wurde das Denkmal von Ruedi Baur, Denis Coueignoux, Vera Kockot und Karim Sabano.

Ausflug nach Essen (2)

Die Zeche Zollverein, zwischen 1847 und 1986 ein Steinkohlebergwerk, ist inzwischen ein Industriedenkmal und zählt seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Areal ist riesig, ein paar Stunden lang kann man hier herumlaufen. Überall sieht man geführte Gruppen, denen von Mitarbeitern des Besucherzentrums erklärt wird, was im Einzelnen abgelaufen ist.

Die mächtigen Gebäude rosten vor sich hin …

… alles sieht alt und ein wenig gammelig aus, hat aber durchaus Charme. Ob man den Hebel da einfach umlegen kann? Besser nicht, wer weiß, was man damit noch in Gang setzt.

Die Natur hat da weniger Skrupel: An den unmöglichsten Stellen wachsen kleine Bäume und Sträucher, wenn hier keine Menschen hinkämen, wäre die ganze Anlage wahrscheinlich innerhalb kurzer Zeit komplett zugewachsen.

Hier geht’s hoch zum Ruhrmuseum, das in einem der Gebäude untergebracht ist, in dem wir aber nicht waren. Der Imbiß war leider überfüllt, aber es gibt noch mehr Lokalitäten auf dem Gelände, wo man eine Kleinigkeit essen kann (Tipp: Der Salat im „Café Kokerei“ ist ausgezeichnt).

Und wieder der Impuls, einfach mal die Knöpfe zu drücken …

Die einzelnen Gebäudeteile sind natürlich abgesperrt, es ist wohl einfach zu gefährlich, unvernünftige Besucher unbeaufsichtigt überall herumturnen zu lassen – man kennt das ja, irgendein Tourist aus Köln kann seine Finger nicht bei sich behalten und drückt den Startknopf für die ganze Anlage …
Hier komme ich aber bestimmt nochmal her, möglichst bei blauem Himmel, dann werden die Fotos auch besser, oder zu einer der zahlreichen Veranstaltungen.

Stadtgarten

Menno! Ich WILL aber! Der Spielplatz liegt in der anderen Richtung! Doofer Papa, doofe Mama. Sollen die doch laufen. ICH bleibe solange hier sitzen, sie werden schon sehen, was sie davon haben! Vielleicht hilft’s, wenn ich ein bißchen „huh huh“ mache … richtig weinen wäre natürlich besser … wann kommt Papa denn endlich? „HUH HUH …“