Auf dem Weg nach Polen: Loburg

Wenn einer eine Reise macht … dann ist er unterwegs und sieht merkwürdige Sachen: „Treffpunkt Zukunft“. Nur der Bahnhof, oder die ganze Stadt? Und was soll das heißen? „Hier ist noch nix. Was hier sein soll, ist noch Zukunft. Wenn Sie sich jetzt schon mit jemandem treffen wollen, gehen Sie besser woanders hin.“ Okay … danke für die Warnung, wir sind eh nur auf der Durchreise …

… nach Loburg, einem 2000-Einwohner-Kaff 30 km östlich von Magdeburg. Ganz schon plattes Land hier.

Und das ist der Grund für die Fahrt in diese Einöde: Meine Begleiterin ist „Patentante“ (kann man das so sagen?) eines Storchs, der von dem hier ansässigen Storchenhof betreut wird.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Storchenhofes Loburg kümmern sich sehr engagiert um verletzte Tiere, besonders natürlich um Störche. Von den Eltern nicht angenommene Jungtiere werden per Hand hochgepäppelt und später ausgewildert.

Oder sie dürfen hier ihre Alterszeit verbringen, wie diese beiden flugunfähigen Exemplare.
Störche stehen ganz oben auf der Liste der Tiere, die vom Aussterben bedroht sind, nicht so sehr wegen der gefährlichen alljährlichen Flüge nach Afrika und zurück, sondern weil wir ihnen durch die zunehmende Versiegelung der Erdfläche den Nahrungsraum nehmen.

A propos Versiegelung: Bis zur Wende gab es hier nur Kopfsteinpflaster, das machte das Leben angemessen langsam. Wenn jetzt Verkehr ist, ist er auch schnell wieder weg – junge Leute, aus deren aufgpimpten Karren trotz geschlossener Fenster Tekknomusik dröhnt. Die Asphaltierung der Straßen war natürlich ein tolles Geschäft – für die, denen die entsprechenden Firmen gehören. Und man bedenke auch die Folgekosten, das ist gut für die Wirtschaft, wenn Geld in Umlauf kommt: Durch die Versiegelung der Straßen wurde ein neues kompliziertes und teueres Abwassersystem notwendig, für das die Anwohner ganz direkt aufkommen mußten – man spricht in der Bevölkerung auch heute noch gern von den „Abwasserverbrechern“.

DAS Highlight der Jugendbespaßung – jedenfalls vor 50 Jahren. Jetzt ist es leider geschlossen. Wie sich hier überhaupt ein Laden halten kann (vom zentralen Supermarkt mal abgesehen), ist mir völlig schleierhaft, aber ein paar Geschäfte gibt es: Einen Bäcker, einen Eisenwaren- und einen Neckermannladen und eine Kneipe habe ich gesehen. Aber daneben stehen in vielen Häusern „Zu verkaufen“-Schilder in den Fenstern.

Auch wenn der Ort einen todlangweiligen Eindruck macht, wohnen die Menschen, die schon immer hier sind, wahrscheinlich gern hier mit ihren großen bewirtschafteten Gärten und ihren Tieren. Aber ist es ein Zufall, daß wir überraschend viele Jugendliche gesehen haben, die Springerstiefel und „Lonsdale“-Jacken trugen?

Fortsetzung folgt.

0 Antworten zu “Auf dem Weg nach Polen: Loburg

  1. Welcome back! 🙂

    Ich frage mich warum du dort Urlaub machst …
    Patentante von einem Storch besuchen – wieso?
    Schöne Laternen haben sie dort!

    Bin schon neugierig auf die weiteren Berichte.

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  2. *lach* nein nein – die Freundin, mit der ich verreist bin, hat (per Internet) eine Patenschaft für einen der Störche übernommen, da der Storchenhof ehrenamtlich arbeitet und deshalb auf Spenden angewiesen ist. Meine Freundin wollte sich das mal genauer ansehen, nach drei Tagen sind wir weiter gereist.

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  3. Übrigens, gestern habe ich -schon in der Wiederholung- die Reisenden in Sachen Prinzesschen im Fernsehen gesehen, ich fand die zweiteilige Reportage des Storchenfluges spektakulär, zum anderen aber erinnerte ich mich doch an euren Abstecher nach Loburg.
    :yes:

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  4. Irgendwann, spät oder früh *, ich weiß es nicht, weil ich zwischendurch dem Fernsehschlaf anheim gefallen war, auf 3sat, danach bin ich, ohne auf die Uhr zu sehen, ins richtige Bett gegangen.
    :))
    * früher wurde man ja noch durch den Ameisenkampf nach 0°° Uhr geweckt.

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