Lichtshow im Dom

Es wird ja immer mal wieder behauptet, in Weihrauch sei der selbe Stoff vorhanden, der auch die Cannabis-Raucher high macht.

Auf den Gedanken könnte man jedenfalls kommen, wenn man einige Sequenzen der Lichtshow sieht, die anläßlich des eucharistischen „Kongresses„, der letzte Woche in Köln stattfand, jeden Abend um 22 Uhr im Dom gezeigt wurde.

Keine Veranstaltung wurde übrigens mehr besucht als diese, schon weit vorher standen die Massen vor den Toren Schlange, wir sind nur mit viel Glück im letzten Schub hineingekommen.

Natürlich ging das nicht ohne ein paar einleitende Worte irgendeines Geistlichen, der mehrmals ausdrücklich betonte, daß der vor 2000 Jahren verstorbene Namensgeber der Firma „wirklich und leibhaftig“ anwesend sei beim Abendmahl – immer nach dem Motto: Je öfter man den Quatsch wiederholt, desto glaubhafter wird er. Und weil es so schön war, wurde das Lichspektakel unterbrochen, um langweilige Bibelstellen vorzulesen, damit es nicht zu viel Spaß macht, dabeizusein.

Die Lichtschow selbst – zu mächtiger Orgelmusik – war aber sehr imposant. Hier ein kleiner Ausschnitt, um vielleicht wenigstens einen Eindruck zu bekommen – viel sieht man nicht, aber immerhin:

Stammstr.

Nanu – komplett leer im sonst zurecht gutbesuchten Café Goldmund, wie kann das sein?

Kein Wunder, alle Gäste sitzen draußen. Eigentlich ein Parkplatz in einer unwirtlichen Ecke, hat man mit ein paar Pflanzenkübeln und Sonnenschirmen das Beste daraus gemacht. Schöne, lebendige Atmosphäre.

Chamisso-/Ecke Eichendorffstr.

Na – das nenn ich doch mal eine ordentliche Portion Spargel, nicht die drei bis vier Stangen, die man sonst schon mal für viel Geld bekommt.

Im Wirtshaus Hotzenplotz war ich gestern zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal – gutes Essen (die Gerichte an den Nebentischen sahen auch gut aus) zu günstigen Preisen, nette und schnelle Bedienung: Das ist jedem Brauhausbesuch vorzuziehen.

Compassion

Im Auftrag der katholischen Kirche „St. Peter“ hängen an zwölf Stellen in der Stadt überdimensionale Fotos des Künstlers Zlatko Kopljar. Allen gemeinsam ist, daß ein kniender Mann vor einer mehr oder weniger bekannten Architektur posiert, in New York, Moskau, Peking usw. So schön ich es auch finde, daß großformatige Fotokunst aktionsweise das Stadtbild bereichert, so empört war ich gleichzeitig über dieses Motiv: Werden wir jetzt schon angehalten, uns in allen möglichen Situationen vor einer irrationalen oder anonymen Macht demütig zu beugen?

Im Gegenteil, wie ich inzwischen gelesen habe: Der Künstler will mit dieser Fotoserie (genannt „K9 – Compassion“) gerade das kritisieren, daß wir nämlich inzwischen alle möglichen weltlichen Dinge anbeten, als seien es Gottheiten. Aha, gut, wenn das so ist … ich finde diese Körperhaltung aber grundsätzlich für unwürdig, auch in der Kirche. Hoch erhobenen Hauptes, mit geradem Rückgrat sollte der Mensch durch die Welt gehen, eine Religion, die gekrümmte Rücken verlangt, hat sich allein schon deswegen um jede Glaubwürdigkeit gebracht. Der einzige Kniefall, mit dem ich mich abfinden kann, ist der von Willy Brand in Warschau, eingedenk der Opfer des Nationalsozialismus.

Die Ausstellung findet statt im Rahmen des „Eucharistischen Kongresses“ der Katholischen Kirche, der vom 5. bis 9.6. in Köln abgehalten wird … Moment, ein Kongreß ist eigenlich eine Art Tagung, auf der Wissenschaftler zusammenkommen, um die neusten Ergebnisse ihrer jeweiligen Forschung vorzustellen und kritisch darüber zu diskutieren. Kann man das glauben, daß die katholische Kirche bereit ist, das sogenannte Abendmahl und die damit verbundenen „Wunder“ auf diese Weise zu hinterfragen?

Nein, kann man natürlich nicht: „Anders als der übliche Sprachgebrauch vielleicht nahelegt, ist dieser „Kongress“ im ursprünglichen Sinn des Wortes eine Zusammenkunft: die Gläubigen versammeln sich um das Zentrum des Glaubens, die Eucharistie – also die Gegenwart Christi in der Gestalt von Brot und Wein.“, steht auf der Homepage. Das hätte mich auch wirklich gewundert. Die ganze mehrtägige Veranstaltung ist Selbstfeier und Propaganda: Morgens, mittags, abends kann man Gottesdienste besuchen, oder eine der zahlreichen Unterweisungen, schließlich kann es nicht schaden, den „Schäfchen“ immer mal wieder den „rechten“ Weg zu weisen, also dem Nachwuchs zu sagen, was er denken und glauben soll.

Die Eucharistie, also das Abendmahl, steht im Mittelpunkt der Vermittlung: Die Kirche behauptet, die beim Abendmahl in den Mund gelegte Oblate und der gereichte Wein seien tatsächlich, also nicht nur symbolisch, der Leib und das Blut von Jesus Christus. Heißt das, daß man nun wirklich auf Menschenfleisch herumkauen und Blut trinken muß? Das zu glauben, so blöd kann doch eigentlich kein Mensch sein. Außerdem wäre das doch bestimmt auch verboten …

Und so ist es auch nicht, wie man bei Bischof Heiner Koch nachlesen kann: „Die äußeren Erscheinungsweisen von Brot und Wein ändern sich in der Wandlung nicht [Hervorhebung von mir]. Sie sind das sakramentale Zeichen für die Wirklichkeit Jesu Christi. Die Substanz des Brotes und des Weines wird in die Substanz des Leibes und Blutes Christi verwandelt.“ (Kirchenzeitung Köln, Ausgabe 25/2012 vom 22. Juni, S. 12) Aha, ich verstehe: Der Zeremonienmeister bringt Brot und Wein mit, spricht ein paar Worte darüber, dann sieht es immer noch aus wie Brot und Wein und schmeckt glücklicherweise auch genau so, aber – ha! – ist in Wirklichkeit was anderes, nämlich die Substanz von Leib und Blut. Tja. Das größte Wunder ist, daß das als Botschaft funktioniert und Leute wirklich daran glauben.

Wenn ein Zauberer die Bühne betritt, in der einen Hand ein weißes Kaninchen, in der anderen einen Zylinder, und sagt: „Stellt euch das mal vor: Dieses Kaninchen habe ich aus diesem Hut gezogen!“, dann kann man das auch glauben oder nicht. Zumindest aber würde man das für eine ziemlich schlechte Aufführung halten.

Und was soll das Ganze? Man trifft sich mit Gleichgesinnten, ißt und trinkt was zusammen und hat Spaß miteinander? Nichts da: Wenn ich das richtig verstanden habe, wird da – nach katholischer Lehre – jemand immer wieder neu geopfert für unsere angeblichen Sünden, mit jeder Oblate, die da weggelutscht wird, weshalb wir fromm, dankbar und der Kirche gehorsam sein müssen. Himmel, was sind das für Leute, die sich sowas ausdenken?!

Willy-Millowitsch-Platz

Die kleine Empore da, mit den Stühlen und den Tischen, ist das nun ein improvisierter Biergarten oder eine Kunstinstallation? Dieses kleine Stückchen Rasen gehört zu einem großen Hotel, deren Betreiber es erlaubt haben, ihn nach dem Volksschauspieler zu nennen, weil der Stadt gerade kein anderer Ort eingefallen ist. Der Platz, wie man ihn nun schönfärberisch nennt, ist von Verkehr umgeben, an drei Seiten jeweils vielbefahrene zweispurige Straßen, an der vierten ein Taxistand fürs Hotel. Man kann sich nicht vorstellen, daß sich hier jemand länger aufhält, als die Rotphase der Fußgängerampel dauert.
Der Stadtrat findet das inzwischen auch unwürdig für den 1999 Verstorbenen und hat deshalb kurz vor Weihnachten, vermutlich in einer Dringlichkeitssitzung, einen anderen Platz ausgesucht, der künftig Willys Namen tragen soll. Da gibt es eine stark frequentierte Pommesbude, einen Tiefgarageneingang und ein Café (Kölnkenner könnten schon erraten, wo das ist). Jetzt ist nur die Frage, wann der Beschluß umgesetzt wird – ich rechne damit, daß es 2030 erledigt sein wird, aber sicher ist das natürlich nicht.

Sex Fun Love

… kann man hier kaufen, „do it in the morning“. Und Obst – mit so einer Riesenbanane kommt man lange hin – und Lippenstift. Aber wieso die Leute da so häßlich angezogen sind, versteh ich nicht.
Egal – morgens habe ich eh keine Zeit.

Rathausturm

Im Figurenprogramm verdienstvoller Kölner am Rathausturm findet man auch diesen bärtigen Herren (s. unten): Karl Marx, der zwar 1818 in Trier geboren wurde, aber einige Zeit in Köln gelebt hat. Für ein halbes Jahr (1842/43) war er Chefredakteur der „Rheinischen Zeitung“, die dann von der preußischen Regierung verboten, zur Revolution 1848 aber als „Neue Rheinische Zeitung“ wiederbelebt wurde. Wie die Revolution selbst hatte auch diese Zeitung kein langes Wirken und wurde ein Jahr später ebenfalls verboten, Marx ging abermals ins Exil.

Angesichts der Entwicklungen auf dem Finanzmarkt wird ja heute gern in den Feuilletons die Frage aufgeworfen, ob Marx nicht doch Recht hatte mit seiner Betrachtung des Kapitalismus. Das geht natürlich völlig am Kern vorbei: Es geht ja nicht um Meinungen für oder gegen Marx, sondern um die Analyse dessen, was der Kapitalismus ist und wie er auf die Gesellschaft wirkt. Und um das zu beurteilen, braucht man sich doch nur anzusehen, was im Namen der Profitmaximierung mit der Umwelt und den Menschen gemacht wird.

Dazu die Philosophieprofessorin Rahel Jaeggi in einem Interview: „Eigentlich will er sagen: Der Kapitalismus führt doch zu Lebensformen, die ihr bei klarem Kopf nicht akzeptieren könnt. Er macht euch zu zweckrational, er formt Charaktere, die am Nutzen orientiert sind, die auch ihre eigenen sozialen Verhältnisse gar nicht mehr angemessen verstehen können, weil sie sie nur als abhängig von einem Gegenstand verstehen können, geprägt, gemacht durch einen Gegenstand, nämlich durch das Kapital […].“

So sieht der Rathausturm übrigens von mittlerer Nähe aus (hier habe ich schon mal die lustige Geschichte der Figuren erzählt):

EDIT: Der Herr oben ist gar nicht Karl Marx, sondern der Komponist Max Bruch. Verd… die sehen sich aber auch ähnlich …

EDIT 2: Da ist er, der mit der Zeitung in der Hand. Näher kommt man leider nicht heran.

Innenstadt

7.500 Schlaglöcher hat der letzte Winter in Köln produziert, 5.000 davon sind bereits bearbeitet, also mit Teer notdürftig wieder zugemacht. So steht es jedenfalls in der Zeitung. Das muß mindestens zehn städtische Mitarbeiter in Lohn und Brot gehalten haben, diese Zahlen zu ermitteln, weder Wind noch Wetter scheuend haben sie sich mit Block und Bleistift bewaffnet durch die Straßen gekämpft und gezählt, bravo! Und die restlichen 2.500 Löcher? Eine große Versicherungsfirma ist kürzlich mit gutem Beispiel vorangegangen: Sie hat das Stopfen von 60 Löchern aus eigener Tasche bezahlt. Gut, für die Versicherung ist das natürlich eine „win-win-Situation“: Ist die Straße voller Löcher, können die Autofahrer nicht so rasen und es passieren weniger Unfälle. Dadurch entstehen zwar weniger Versicherungsfälle, aber auch der Grund, sich überhaupt zu versichern, wenn doch gar keine Gefahr besteht, fällt langfristig weg. Vorsicht ist des Risikos Feind, und das Risiko ist der Anlaß eines Versicherungsabschlusses. Und nun weiß ich auch schon, wer die nächsten 60 (wieso eigentlich 60?) Löcher stopfen sollte: Autowerkstätten. Oder Krankenhäuser.

Hohenzollernbrücke

Über die inzwischen Tausende Liebesschlösser im Zaun der Hohenzollernbrücke habe ich ja schon öfter berichtet – selten zeigen sich romantische Rituale so deutlich als Massenphänomen wie hier. Völlig unromantich dagegen ist oft die Wirklichkeit hinter Ritualen: Jedes Jahr werden weltweit mehr als 10 Millionen Mädchen und Frauen unter 18 Jahren zwangsverheiratet.

Darauf hinzuweisen ist Zweck der „Initiative gegen Zwangsheirat“ der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. Die blauen Schlösser bildeten ursprünglich den Schriftzug „Free the Forced“ nach dem Titel der Aktion. Wer sie unterstützen möchte, bekommt ein kleines Geschenk dafür: Man kann mit einem Smartphone den QR-Code auf einem Schloß einscannen und spendet damit automatisch 5 Euro, die einem per Telefonrechnung abgebucht werden. Im Gegenzug erhält man die Nummern für das Zahlenschloß gesimst, das man dann öffnen und mitnehmen kann.