Bei einem unserer vergangenen Besuche in Berlin lag in der Ferienwohnung das Buch „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muß“, inzwischen ist die Anzahl sogar auf 222 gestiegen, denn es gibt nun sogar einen Band 2. Natürlich muß man gar keinen dieser Orte gesehen haben, aber als Tippgeber für Touristen sind die Bücher gar nicht übel. Allerdings werden auch Orte empfohlen, die dann ärgerlicherweise gar nicht zugänglich sind.
Der stillgelegte S-Bahnhof Siemensstadt läßt sich nur von außen fotografieren. Zigtausende von Siemensmitarbeitern wurden hier früher durchgeschleust, der 2. WK sorgte dafür, daß die Produktion nach und nach hauptsächlich in den Westen verlagert wurde und man die S-Bahnstation nicht mehr brauchte.
Ein anderer Ort, den man „unbedingt“ gesehen haben soll, ist das Ballhaus „Riviera“ in Grünau. Hier, in dieser Vergnügungsstätte direkt am Ufer der Dahme, fanden die „Goldenen Zwanziger“ (jedenfalls teilweise) statt, rauschende Feste wurden hier gefeiert, was man den Sälen noch ansehen soll – leider alles abgesperrt.
Im kleinen Park daneben finden wir diese kleine Stele – es dauert etwas, bis wir herausgefunden haben, wer S.H. ist: Der Schrifsteller Stefan Heym, der von 1952 bis 2001 in Grünau gelebt hat. Ich habe die Bücher von Heym immer gern gelesen, „Collin“ und „Ahasver“ kann ich besonders empfehlen, ganz besonders seine Autobiographie „Nachruf“ über sein wechselvolles Leben als Flüchtling vor den Nazis, amerikanischer Soldat im 2. WK, Flucht vor der Kommunistenhatz McCarthys, dann Bürger der DDR, mit deren Führern er es sich bald verdarb, was zu einem weitreichenden Publikationsverbot führte. Und nach der Wende war er auch noch Mitglied und Alterspräsident des Deutschen Bundestags – was für ein Leben!
„Das Besondere an diesem verlassenen Gelände: Es steht offen“, steht in dem Buch. Von wegen! Der letzte Ort, vor dem ich warnen möchte, ist das ehemalige Säuglings- und Kinderkrankenhaus in Weißensee: Ein riesiges Gelände mit vielen halbverfallenen Häusern, komplett eingezäunt und nicht zugänglich.
Macht nichts, waren wir da auch mal, in Weißensee, meine ich, Namensgeber einer ausgezeichneten Fernsehserie über die letzten Tage der DDR. Da gibt es tatsächlich einen kleinen Teich mit Strandbad …
… und am gegenüberliegenden Ufer ein kleines Café/Restaurant …
… in dem die Speisen von zwei Kellnern an den Tisch gebracht werden, die bezahlt sein wollen, weshalb Kaffee und Kuchen hier 7,50 Euro kosten. Aber immerhin ist es warm.
Etwas enttäuschend, unsere Ausflüge, aber in den Hackeschen Höfen bemüht man sich um Trost.
Fortsetzung folgt.

