Spaziergänge in Zeiten von Corona (2)

„Papier? Ist mein Geschäft“, sagte sich wohl der Besitzer dieser Fachhandlung für Bürobedarf, kaufte ordentlich ein beim Großhandel – und dann haben sie ihm den Laden dichtgemacht. Geschieht ihm recht, jedenfalls wenn das Klopapier so überteuert ist wie die Seife, die zu Anfang ja auch Mangelware war: Eine Flasche Flüssigseife kostet hier über das Vierfache des Preises im Drogeriemarkt.

Hier wird gar keiner mehr gefüttert, ob Hund oder Mensch, da hilft kein Betteln.

Knollendorf, so heißt nicht nur eine Kneipe, sondern auch der fiktive Ort, in dem die Geschichten des traditionsreichen Stockpuppentheaters „Hänneschen-Theater“ stattfinden. Die Figuren stellen jeweils satirisch überspitzt kölsche Typen dar, weshalb nicht wenige sagen: Knollendorf ist Köln – und das hat zu.

Trotz der Kontakteinschränkungen sind die Parks bei diesem schönen Wetter gut besucht, aber nur ganz selten sieht man mal Dreiergruppen, die meisten Leute halten sich wirklich an die Anordnung und sind allein oder zu zweit.

Schlechte Zeiten für Flaschensammler, wenn keine Gruppen mehr mit Wegebier durch die Straßen ziehen. Eine solche Ansammlung ist ein kleiner Glückstreffer.

Keine Biergärten, keine Cafés, überhaupt keine Außengastronomie, das ist doch langweilig, wenn man sich so gar nichts gönnen kann. Aber die Eisdielen haben geöffnet. Vor allen Eisdielen, die wir auf unserem Spaziergang gesehen haben, bilden sich so lange Schlangen, wie ich es noch nie vorher gesehen habe. Da kann man nur hoffen, daß das Personal gesund ist („*haaaatschi* – tschuldigung, was ham Sie gesagt, zwei Kugeln oder drei?“).

Hier werden am offenen Fenster Cocktails verkauft, „Cocktail to go“ sozusagen. Verrückt, aber das Geschäft scheint gut zu laufen.

Bitteschön – es ist nicht alles verboten. „Stronger together“, also stärker zusammen, aber eigentlich schon, es sei denn, das ist mehr ideell gemeint.

Käse, darauf möchte ich aber unbedingt hinweisen, hat keine antivirale Wirkung, auch wenn dieses systemrelevante Käsegeschäft das nahelegt. Und wie ist das mit anderen Zeiten, können die ruhig mit schlechtem Käse verbracht werden? Okay, ich will mal nicht so streng sein, die Zeiten sind schlecht genug für den Einzelhandel, da hat so ein Klugscheißer wie ich gerade noch gefehlt.

„Komm her, du, ich stech dich ab!“ Ich befürchte, das wird nicht funktionieren. Aber mit einem Holzschwert in der Wohnung herumzustechen verschafft wenigstens etwas gymnastische Bewegung, kann also auch nicht schaden.

Der Gipfel der Dummheit: Ein Aushang an einem esoterischen Institut, wo man, wenn es geöffnet ist, Meditationsworkshops und Selbstfindungsseminare für viel Geld buchen kann: Man soll Salbeibündel verbrennen, um gegen das Virus vorzugehen, weil das die Indianer auch gemacht habe. Hat ihnen ja super geholfen, als ihnen der weiße Mann mit dem Pockenvirus verseuchte Decken geschenkt hat, um sie auszurotten. Leute, macht das auf keinen Fall: Eine Zweizimmerwohnung ist kein Tipi, und an einer Rauchvergiftung zu erkranken statt an dem Virus ist keine erstrebenswerte Alternative. Da eßt lieber guten Käse oder kämpft mit einem Holzschwert.

Liebe Freunde: Euch allen ein angenehmes Eierfest!

12 Antworten zu “Spaziergänge in Zeiten von Corona (2)

  1. danke für den spaziergang durch knollendorf. 😉

    dir und deinen lieben auch ein schönes ostereierfest.
    bleib gesund, damit ich weiterhin hier „kluge“ kommentare schreiben kann.
    es grüßt dich von herzen ohne schmerzen die geno 😉

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  2. Wieso sind alle nur so wild auf Ostern und niemand ist wirklich christlich, das geht mir auf die Eier. Wenn ich gerade schlechte Laune hätte, würde ich sagen, diese verlogenen Feiertagswünsche stoßen mir mehr auf, als überteuertes Klopapier und konsumierende Hamster, obwohl das auch gaga ist.

    Ich glaub ich hab doch schlechte Laune, ich merke gerade wie wütend ich darüber bin, daß sich in China schon wieder die Märkte füllen mit all den widerlichen Fleischprodukten, die uns dann schon bald die nächste Pandemie bringen werden. Na super!

    Ich bin jetzt in Fahrt und sage: ich will das alles nicht, nicht die Fledermausfressenden Chinesen und nicht die heidnische-Feste-klauenden Christen und nicht die Welt wie sie vorher war.
    Ich will, daß Leute endlich mal nachdenken und erkennen WIE falsch alles ist. Und wie man es ändern könnte.

    Ich glaube, ich hab meinen weißen Salbei wieder nicht geraucht, Mariejohanna, ich meine Jessesmariaundjosef, das war ein Fehler. 😉 Jetzt muß ich zu Ersatzdrogen greifen. Reinigen kann man glücklichweise auch mit John Coltrane.

    Nüscht für ungut…

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    • Gut gebrüllt, Löwin. Du hättest vielleicht doch in eine katholische Messe gehen sollen, da wird auch ein Kraut verbrannt, das beruhigen soll.;-) Die guten Wünsche hier in den Kommentaren kommen aber von Herzen, da bin ich mir sicher.

      In der Osterausgabe des Kölner Stadtanzeigers ist ein Foto abgedruckt von Findus und Frieda, zwei kleinen Lämmchen, die noch kaum stehen können, wie sie mit Babyfläschchen gesäugt werden, weil sie von ihren bösen Müttern verstoßen wurden. So süß und niedlich, diese wuscheligen Tiere, eine Geschichte für die ganze Familie, die zu Herzen geht. Und wenn die Lämmchen dann genug Fleisch angesetzt haben, kann man eine wundersame, biblisch anmutende Transsubstantiation beobachten: Findus findet sich plötzlich als braun gebratener, köstlich duftender Braten auf dem Mittagstisch, während Frieda vereint mit einigen Kameraden Teil eines Dönerspießes geworden ist – eine Auferstehung der besonderen Art. Davon steht allerdings nichts in der Zeitung, man will ja die Kinder nicht verschrecken.
      Politiker sagen oft, nach Corona wird nichts so sein wie vorher. Das wage ich zu bezweifeln. Das meiste wird so bleiben wie bisher, auf jeden Fall die Dummheit.

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  3. Schöner Bericht, sieht hier in Hamburg ähnlich aus, die meisten halten sich an die Regeln und die Polizei jagt keine Schwerverbrecher mehr sondern geht auf Kontrollgang in den Stadtpark, 2Meter Massband immer dabei. Fenstergeschäfte sind so was von angesagt und wer kein Fenster hat öffnet die Ladentür und stellt einen Tisch quer davor…das machen hier sogar schon Modeläden und dann kann man bei schönstem Wetter tolle ich muss mal diesen Pullover anprobieren Szenen auf offener Strasse erleben. Nur die Soloselbstständigen können der ganzen Sache wenig abgewinnen, die Miete läuft weiter , das Geschäft aber nicht…dafür gehen wir jetzt jeden Tag 10km joggen und sind sowas von durchtrainiert 🙂 Herzliche Grüsse aus dem HomeOffice von Jürgen

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    • Kerngesund durch Sport, aber pleite, was für ein Mist. In den Parks wird hier teilweise richtig hart durchgegriffen. Ich hörte von einer Frau, die mit ihren drei kleinen Kindern auf einer Decke das gute Wetter genoß – soweit kein Problem. Aber sie hatte eine Box mit Proviant für die Kleinen dabei – 250 Euro Bußgeld, picknicken ist nicht erlaubt. Die Frau war entsprechend angepißt, verständlich, aber so sind die Regeln.

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