Silvester am Dom

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Da man 2016 auf keinen Fall wieder solche Szenen sehen wollte wie ein Jahr zuvor, hatten Stadt und Polizei sich ein Sicherheitskonzept ausgedacht: Rund 1.700 Polizisten und Ordungskräfte riegelten das ganze Gebiet um Dom und Bahnhof weiträumig ab und erließen ein Feuerwerkverbot. Betreten konnte man das Areal nur nach einer Einlaßkontrolle.

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Für den Domvorplatz westlich und den Roncalliplatz südlich des Dom hatte man einen Lichtkünstler engagiert, der bunte Wörter auf den Boden und die Passanten projizierte. Das war nicht besonders spektakulär – ich habe schon bessere Lichtshows gesehen. Aber darum ging es wohl auch gar nicht. Ich vermute, man wollte in erster Linie von dem hohen Aufgebot an Sicherheitskräften ablenken – das sieht einfach nicht gut aus, wenn das Stadtbild beherrscht wird von schwerbewaffneten Uniformierten.

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Womit keiner gerechnet hat: Gegen 23 Uhr befanden sich ca. 1.000 Personen im und vor dem Bahnhof, die „dem nordafrikanischen Hintergrund zuzuordnen seien“ (Kölner Stadtanzeiger). Die Polizei kontollierte nach Aussehen und sprach vielfach Platzverweise aus.

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In den folgenden Tagen prallen die Spekulationen aufeinander: Was wollten die hier? Ein CDU-Politiker weiß gleich Bescheid: Die wollten den Staat herausfordern, haben sich also verabredet und wollten trotz der angekündigten Maßnahmen dasselbe durchziehen wie letztes Jahr, seien aber am Polizeiaufgebot gescheitert. Die Publizistin Alice Schwarzer pflichtet ihm bei und behauptet, es „handelt sich um entwurzelte, brutalisierte und islamisierte junge Männer vorwiegend aus Algerien und Marokko“, es „… wären wieder hunderte Frauen mit sexueller Gewalt aus dem öffentlichen Raum verjagt und die ‚hilflosen‘ Männer an ihrer Seite wären wieder gedemütigt worden“ (FAZ), weiß sie, als hätte sie jeden Einzelnen befragt. Andere wiederum vermuten, die jungen Männer hätten aufgrund ihrer Unkenntnis der deutschen Sprache nichts mitgekriegt von der Diskussion über die Ereignisse des Vorjahres, hätten das also ganz geil in Erinnerung und seien nun da, um den „Spaß“ zu wiederholen. Eine dritte Meinung nimmt an, die hätten hier nur feiern wollen, Köln sei halt eine attraktive Stadt, da sei es schon nachvollziehbar, daß sie extra aus Düsseldorf hierher anreisten.

Tatsache ist: Keiner weiß es so genau, es ist alles Spekulation. Und Tatsache ist auch, daß die Polizei bei der Überprüfung der Besucher nach einem „racial profiling“ vorgegangen ist, also Verdächtigung aufgrund des Aussehens – allerdings hat das in diesem Fall nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit den Erfahrungen aus dem Vorjahr zu diesem bestimmten Ereignis.
Dagegen kann ich nichts Verwerfliches daran finden, wenn die Parteichefin der Grünen Simone Peter mahnend den Finger hebt: In der Regel ist es eben nicht so, daß Asylsuchende krimineller sind als andere, das ist statistisch nachgewiesen.

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13 Antworten zu “Silvester am Dom

    • Ja, es gibt eine Erhebung vom Bundeskriminalamt von Dezember 2016 über das erste Dreivierteljahr, demnach ist die Kriminalität unter den Flüchtlingen sogar gesunken. Allerdings hatte man noch keine Vergleichszahlen zur Gesamtkriminalität in Deutschland, aber verglichen mit Zahlen aus den Vorjahren vermutet man keinen großen Unterschied.

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      • Vielen vielen Dank. Ich habe immer vermutet, dass es der …“umgekippten“ Berichterstattung in den Medien geschuldet ist , dass der Eindruck anders ist.
        Erst wurde jedes Fehlverhalten verschwiegen nun x-fach ans Licht gezerrt von anderen Straftaten liest man kaum noch etwas…
        Wahrscheinlich ist es menschlich lieber zu erzählen was „die Leute“ hören wollen….

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  1. die abkürzung „nafris“ der kölner polizei für nordafrikanische straftäter hat ja auch eine große welle erzeugt wie die unterstellung des rassistischen profilings.
    grundsätzlich kann man den beamten für ihre arbeit zu silvester in köln nur danken, doch der kleine hinweis sei erlaubt: nicht immer drauf los twittern.

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  2. Bezüglich der Spekulationen: Hat denn niemand die jungen Männer gefragt, was sie getrieben hat, am Silvesterabend zum Kölner Bahnhofsvorplatz zu reisen. Deren Motive wären doch zuerst zu klären, bevor man über irgendwas urteilt. Wenn Frau Schwarzer meint: „… wären wieder hunderte Frauen mit sexueller Gewalt aus dem öffentlichen Raum verjagt und die ‚hilflosen‘ Männer an ihrer Seite wären wieder gedemütigt worden“ , wäre ja auch zu fragen, welcher Mann nach den Ereignissen von 2016 mit seiner Frau oder Freundin den Kölner Bahnhofsvorplatz aufsucht, und warum?

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    • Gute Frage, habe ich auch sofort gedacht: Haben die sich verabredet? Sind sie organisiert, wenn ja, wer ist der Organisator? Gibt es eine Whatsapp-Gruppe, oder kennen sich alle tausend persönlich? Spricht keiner mit denen? Gibt es keine Sozialarbeiter, Streetworker, Flüchtlingsbetreuer, Dolmetscher, die sich mit den jungen Leuten unterhalten? Gibt es nichteinmal geheimdienstliche Erkenntnisse? Die Geheimdienste stecken doch weltweit ihre Nase überall hinein. Alles sehr merkwürdig.

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  3. ganz abgesehen von den silvester ereignissen werden „die fremden“ permanent als bedrohung aufgebaut. ich habe „die fremden“ nie als bedrohung empfunden – auch nicht in berlin neukölln, wo ich herkomme. kein araber, kein türke, kein afghane usw. hat mich jemals wegen meiner behinderung blöde angequatsch – aber immer wieder „gute deutsche“ die offenbar ein problem damit haben, dass ich auch des nachts eine dunkle brille tragen muss. hier in bautzen, wo ich die hälfte des jahres zur zeit lebe, passiert das beinahe täglich. auch meine fast blinde partnerin muss sich immer wieder bescheuerte sprüche anhören – und die kommen nicht von den geflüchteten…

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    • Ja, es wird meist nur über die berichtet, die sowieso schon im Fokus stehen. Das ganze stinknormale dumme Verhalten von irgendwelchen Blödmännern ist inzwischen so normal, daß es keine Meldung wert ist.

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