Weltstadthaus

Über das Weltstadthaus von Renzo Piano habe ich ja schon mehrfach berichtet (z.B. hier), letzten Samstag öffnete das Kleidungskaufhaus die 5. Etage für das interessierte Publikum.

Zur Erinnerung: Von außen sieht das Gebäude so aus:

Innen fühlt man sich wie im Inneren eines Walskeletts oder eines umgedrehten Bootes:

Von außen ist das Gebäude meiner Meinung nach eine städtebauliche Katastrophe, die Architektur aber von der Binnenperspektive betrachtet ist einfach großartig. Leider vertraute das Kaufhaus nicht darauf und veranstaltete eine Ausstellung von Bildern, die allesamt das Material nicht wert sind, mit dem sie hergestellt wurden.

Egal, man konnte auch einfach nur die Aussicht genießen.

Von den Verkaufsetagen aus gesehen sieht die Hülle übrigens so aus – auch nicht schlecht:

Lindenstr.

Wenn man bei der Maifeier zuviel getrunken hat, ist so ein würziges Sushi vielleicht gerade richtig, um den Mineralienhaushalt des Körpers wieder auf Trab zu bringen. Aber wieso stehen da keine Preise dran? Deshalb:

Der junge Mann hat das bloß auf seiner Badehose. Ich bin wahrscheinlich hoffnungslos altmodisch, in Geschmacksfragen vor ca. 30 Jahren stehengeblieben, aber ich kann nichts dafür, mich befällt ein tiefes Bedauern mit den jungen Menschen, die sich vom Modediktat beherrschen lassen und sowas tatsächlich tragen. Selbst in Schwarz wären die Hosen nicht mein Fall.

Kuckuck!

„Original Black Forest Cukoo Clocks“ – Köln liegt im Schwarzwald, jeder Japaner wird zu Hause schwören, das hier gelesen zu haben, als Beweis wird er seine neu erworbene Kuckucksuhr vorzeigen, von der er auch ein Foto hat, auf dem im Hintergrund der Dom zu sehen ist. Und der bayrische Bierseidel, den er im gleichen Laden gekauft hat, zeigt, in welchem Teil Deutschlands wir uns befinden. Hätte er mich gefragt, was er daraus trinken soll, ich hätte ihm ein zünftiges Jever Pils empfohlen.

Vermutlich sind alle Dinge, die hier verkauft werden, in China billig hergestellt worden, die asiatischen Touristen sind so nett und nehmen den Schrott wieder mit nach Hause – auch eine Art Recycling.

Köln am Strand

Wenn Köln schon nicht am Mittelmeer liegt, dann holt man sich den Strand und die Palmen eben in die Stadt. Liegestühle, Beachvolleyball, Kinderspielzeug sind vorhanden, die Gastronomie bietet Kuchen und Gegrilltes und neben Longdrinks auch alle anderen denkbaren Getränke, und von fern klingt sanft das Meeresrauschen … gut gut, das natürlich nicht, ab und zu tutet ein Lastkahn, das war’s auch schon. Aber zumindest gibt es ein Planschbecken, in das man zur Abkühlung seine Füße hängen kann.

Irgendjemand hat mir was von 4 Euro Eintritt erzählt, der auf den Verzehr angerechnet werde (die Anlage ist in Privatbesitz), aber davon war gestern nichts zu sehen. Die rechtsrheinische Lage garantiert lange Sonneneinstrahlung (sofern vorhanden), und abends gibt es manchmal Livemusik.

EDIT: Wird seit 2012 nicht mehr betrieben.

Richard-Wagner-Str.

Die Restornamente zeigen: Hier hat mal ein schönes Haus aus der Zeit des Historismus gestanden, das, vermute ich, im 2. WK zerstört wurde. An der Brandmauer kann man die alte Einteilung der Zimmer noch sehen. Heute hat der Ort den verrotteten Charme der 50er Jahre.

In diesem heruntergekommenen Flachdachbau ist überraschender Weise noch viel Leben: Eine Fahr- und Ballettschule – die Autos können nach Absolvierung Can-Can tanzen – und das „Café-Theatre amusette“.

Obwohl ich mich einerseits immer wieder wundere, daß es solche Lücken mitten in der Stadt in der besten Lage immer noch gibt, bin ich andererseits fast entsetzt, wenn man sie schließen will: Das ganze Gelände von 1566 qm steht zum Verkauf. Und was dann da hin kommt, ist wahrscheinlich die übliche abstoßende Charakterlosigkeit moderner Zweckarchitektur.
Aber vielleicht hat die Wirtschaftskrise ja auch mal was Gutes, und es findet sich kein Käufer.

PS: Zum Vergrößern bitte auf das jeweilige Foto klicken.

Frühlingsfest

Na, da fühlt man sich empfangen, freundlich erwidert man die Begrüßung und wäre bereit, einiges dafür zu zahlen, um da nicht hinein zu müssen. Dafür wollen sie aber gar kein Geld, Glück gehabt.
Da freuen sich auch die Gäste aus Fernost.

Oder lachen sie aus einem anderen Grund? Lachen sie uns aus, als Gäste im Land der Dichter und Denker? Nein, dazu sind sie viel zu höflich – dieses Lachen ist wahrscheinlich eher die gute Miene zum bösen Spiel.

Egal, erstmal was essen – deswegen bin ich schließlich hier!

Blumenkohlröschen in Panade gebacken, mit der nicht gespart wurde, glasig gebratene Champignons in öliger Soße oder eine Bratwurst für 3 Euro? Keine Experimente, die Bratwurst macht das Rennen.
Hier hätte man gute Chancen, sie schnell wieder loszuwerden:

Ich jedenfalls, weshalb ich lieber unten bleibe. Geradezu altmodisch mutet das Riesenrad an, aber ich kann mich an meinen letzten Besuch erinnern: Ich war froh, als ich das Karussell endlich wieder verlassen konnte, für Fotos hätte ich mich vielleicht geopfert, aber das Licht war nicht gut genug (tut mir ja sooo Leid).

Zum Abschied winkt noch mal die „Wilde Maus“ – ich hoffe, die Gäste aus Fernost gehen noch woanders hin, bevor sie wieder nach Hause fliegen.

Liebesschlösser

Wenn man von Deutz Richtung Dom über die Hohenzollernbrücke geht, begegnet man neuerdings einem merkwürdigen Phänomen: 300 bis 400 Schlösser hängen in dem Gitter, das den Gehweg von den Gleisen trennt, und die Schlösser sind mit Namen oder Initialen und Daten versehen. Ein Brauch, der, wie ich inzwischen gelesen habe, aus Italien kommt: Das Liebespaar ritzt nicht mehr ein Herz in die Baumrinde, um der Liebe symbolisch Ewigkeitswert zu geben, sondern läßt die Namen fachmännisch in Metall gravieren. Gemeinsam wird das „Lucchetto dell’amore“ an einer Brücke angebracht, der Schlüssel wird in den Fluß geworfen. Die Bahn war erst „not amused“, aber nun, solange kein „Personenschaden“ (O-Ton) droht, will man die Schlösser dulden. Die Brücke ist 400 Meter lang, da passen noch einige Schlösser dran, bevor der Zaun umfällt. Und für den Personenschaden, den die Liebe darüber hinaus noch anrichten kann, ist die Bahn eh nicht zuständig.

Deutzer Ufer

Fotografen haben Geduld – auf wen warten die wohl? Prominenz, Stars? Nein, in diesem Fall auf das richtige Licht, die richtige Beleuchtung. Marlene Dietrich hat mal gesagt, sie sei „totfotografiert“ worden – dieses Gebäude könnte das wahrscheinlich auch von sich sagen:

Aber es ist auch wirklich schön, bei diesen milden Abendtemperaturen auf der rechten Rheinseite zu sitzen und zuzusehen, wie die Sonne hinter dem Dom verschwindet. Viele Touristen kommen nicht darauf, hierher zu kommen, da der Trubel auf der anderen Seite ist – die bessere Sicht hat man definitv von hier. Vorm Hyatt gibt es sogar einen Biergarten, in dem man auch eine Kleinigkeit essen kann.

Allerdings sind die Preise hier gesalzen, ein Weizen kostet 4,20 Euro, deshalb sollte man sein Bier und eine Tüte Chips am Kiosk kaufen und sich auf die Uferbegrenzungsmauer setzen, dort sitzt man sehr gemütlich, und das Klo im Hyatt darf man trotzdem benutzen.

Zollstockgürtel

Abgetrennte plüschige Eisbärköpfe zum an die Wand hängen, silberngeflügelte weiße Plastikherzen oder kleine weiße Dackel – beruhigt kann man sich zurück lehnen: Von einer Jugend mit solchen Accessoires geht keine Gefahr aus. Besorgt sollte man sich wieder aufrichte: Von dieser Jugend ist auch sonst keinerlei Anregung zu erwarten.

Aber ich will nicht ungerecht sein: Da hat wohl der Stratege der Werbeabteilung dieses Kaufhauses seine eigene Jugend aufgearbeitet.