Ich geb’s zu: Inzwischen schneit es hier auch.
Fünf Wochen sind eigentlich keine lange Zeit zwischen Draußen-sitzen-können und Zehen-abfrieren. Heute beginnt der Weihnachtsmarkt, kaum zu glauben.
Die Mikwe, ein altes jüdisches Ritualbad aus dem 12. Jahrhundert, ist durch einen 16 m tiefen Schacht mitten auf dem Rathausplatz begehbar. Das Bad diente, wie gesagt, nicht der hygienischen, sondern der religösen Reinigung, wer sich detaillierter dafür interessiert, kann hier nachlesen. Um sie vor Wind und Wetter zu schützen, hat man ein kleine Glaspyramide darüber gesetzt – die auf dem Bild wegen naher Bauarbeiten abgedeckt ist.
In einer Ausstellung im Stadtmuseum mit Werken von dem Kölner Fluxus-Künstler Wolf Vostell (1932 – 1998) hängt ein Knoblauchzopf an einem Band, auf dem Schild daneben steht irgendwas von Energie (wenn ich mich recht erinnere). So einfach kann Kunst sein.
Diese Straßenbahn kann man komplett mieten und sich durch die Gegend kutschieren lassen. Mindestens für drei Stunden à 195,00 Euro pro Stunde können hier bis zu 90 Personen essen, trinken, tanzen oder einfach aus dem Fenster gucken und quatschen – bei nur 48 Sitzplätzen wird man sich allerdings abwechseln müssen. Endreinigung (50 Euro) und evt. Wochenendpauschale (40 Euro) kommen noch hinzu, und wenn man einen Führer bucht, der einem alles mögliche erzählt, kostet das noch einmal 210,00 Euro. Die Verkostung ist natürlich nicht enthalten, aber man ist frei in der Wahl: Catering-Firmen reiben sich bei einem Anruf die Hände, aber ein paar Kästen Bier aus dem Supermarkt tun’s auch. Was habe wohl die Fans der „Kölner Haie“ (Eishockey) an Bord?
Im Zeitcafé laufen die Uhren anders – nämlich gar nicht, Kunststück, ohne Zeiger. Man geht also hinein, trinkt Kaffee und mampft Kuchen (keine Ahnung, ob er gut ist), bis man nicht mehr mag, die zeigerlose Ewigkeit läßt alles zu. Kommt man wieder heraus, ist keine Zeit vergangen, denkt man – und ist entsetzt, daß der Personalchef schon die Entlassungspapiere unterschreibt, weil man drei Tage nicht erschienen ist.
Paradiese sind trügerisch, man sollte ihnen nie trauen: Ein einziger eigener Gedanke, und man fliegt hinaus. Kaum draußen, merkt man, was man alles verpaßt hat.
Direkt in der historischen Altstadt an der Rheinpromenade, wo der Touristentrubel ist, steht dieses Häuschen zum Verkauf. Breit ist es nicht, aber für eine Person reicht’s wahrscheinlich. Wer mich sponsorn möchte – bitte, kein Problem, ich werde für alle Zeiten den Namen des edlen Spenders auf meine Pullover sticken lassen.
Rheinkassel ist wirklich klein: Direkt am Rhein gelegen, inmitten von Feldern, mit gut ausgebauten Fahrrad- und Wanderwegen entlang des Flusses …
… und am zentralen Platz eine kleine romanische Kirche aus dem 10. Jahrhundert, St. Amandus.
In der Kirche hängt überraschenderweise ein expressionistisch wirkendes Bild.
Häuser gibt es auch, schließlich gibt es hier über Tausend Einwohner, aber – die Rheinkasseler mögen mir verzeihen – alles langweilige zweistöckige Ein-, Zwei- oder Dreifamilienhäuser mit Garten, die zu fotografieren mir nicht in den Sinn gekommen ist.