Tanzbrunnen im Rheinpark

Am Tanzbrunnen, einem umzäunten Areal des Rheinparks, werden manchmal kleine Märkte veranstaltet, wie zum Beispiel dieser Blumenmarkt, auf dem man günstig Setzlinge und Gartenzubehörartikel kaufen kann.

Im Sommer finden hier Open-Air-Veranstaltungen statt, z.B. Black Föös und andere Lokalgrößen, aber Santana war auch schon da, demnächst kommt Neil Young. Und bei gutem Wetter gibt es Freiluftkino.

Blumensetzlinge gut und schön – aber ich bin auf solchen Märkten immer ganz froh, wenn es auch andere Motive gibt.

Nachdem ich mich an dem Stand mit den türkischen Spezialitäten an den Pröbchen sattgegessen hatte – Knoblauchfrischkäsepasten, Avocadocreme, eingelegte Tomaten, Oliven etc. – entdeckte ich diesen Stand:

Wenn man diese Früchte rechtzeitig pflanzt und immer schön pflegt, kann man zweimal im Jahr sogenannte „Kekse“ ernten. Schade, daß ich keinen Garten habe.

Am Rheinpark

„Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich;
das Meer brause und was darinnen ist;
das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist;
und lasset rühmen alle Bäume im Walde vor dem Herrn“,
steht da an der Wand.

Kann man machen, fröhlich sein im Sonnenschein, aber Meere brausen nicht in dieser Stadt, nur der Rhein fließt träge und angenehm gewissenhaft, und die Bäume können rühmen, wen sie wollen, hauptsache, sie rascheln schön und spenden Schatten, wenn man ihn braucht. Und wenn man müde ist von des Tages Lasten, kann man den Herrn einen guten Mann sein lassen und sich darüber freuen, daß da eine Bank steht.

PS: Psalm 96

Ausflug nach Oberhausen, Teil 2

Oberhausen hat neben dem Gasometer noch eine zweite „Attraktion“, die nicht unerwähnt bleiben darf: Europas größtes Einkaufszentrum, das „Centro“, hier ein Blick von oben. Am unteren Rand des Bildes ist ein dazugehöriger „Erlebnispark“, hier können Eltern erleben, wie sehr ihre Kinder ihnen auf die Nerven gehen können, denn die wollen hier unbedingt in die Fahrgeschäfte. Und weil man gerade da ist, geht man auch gleich shoppen.

Die Wirkung soll vermutlich die eines Basars sein, von oben beleuchtet das Tageslicht die Gänge auf zwei Etagen. 230 Geschäfte gibt es hier, davon 53, in denen es etwas zu Essen gibt, also Cafés, Restaurants, und vor allem: Imbisse.

Dieser Ort wird „Oase“ genannt, die genauere Bezeichnung nennt noch eine Firma, die dunkles klebriges Zuckerwasser herstellt. Ringsum reihen sich 19 Imbisse aneinander, vor denen die Menschen Schlange stehen, und in der Mitte essen und quatschen sie alle zusammen. Das nennt man dann die Demokratisierung des Mensagefühls.

An Knotenpunkten soll der Käufer auch mal bespaßt werden, immer nur dieses Einkaufen ist schon anstrengend, da holt man sich doch eine Kaffeelatte bei Starbucks oder ein Eis beim mobilen Verkäufer und schaut dem Sandburgenkünstler beim Bauen zu. Der ist allerdings gerade pinkeln, Pech gehabt, fahren wir eben wieder nach Hause.

Dieses dekonstruktivistische Kunstwerk ist die Haltestelle „Neue Mitte“ – gut gemacht, die kann man nicht verfehlen.

Die Oberhausener mögen mir verzeihen, ich bin sicher, daß es auch in dieser Stadt ein paar schöne Ecken gibt, allerdings habe ich sie nicht gesehen in der einen Stunde, die ich durch die Innenstadt gelaufen bin. Dafür ist der Bahnhof aber imposant.

Er hat 16 (in Worten: Sechzehn!) Gleise (zum Vergleich: Köln hat elf). Das fanden sie hier wohl selbst übertrieben, weshalb sie ein Gleis zu einem Museumsgleis umfunktioniert haben: Da steht eine alte Lok und ein Arbeiter im Blaumann auf einem großen Poller, und auf einer Bank sitzen zwei alte Männer und fachsimpeln (ob die eine Festanstellung beim Tourismusbüro haben, weiß ich nicht).

Zusammengefaßt: Oberhausen ist eine Reise wert – wenn man zum Gasometer will. Das „Centro“ hat nicht einmal einen Supermarkt.

Ausflug nach Oberhausen, Teil 1

Sommerzeit ist Ausflugszeit, neulich war ich in Oberhausen, eine Bahnstunde nördlich von Köln.

Der Gasometer, 1928 erbaut, wurde 1988 stillgelegt und dient nach umfangreichen Umbauarbeiten spektakulären Ausstellungen und Veranstaltungen.

Die derzeitige Ausstellung heißt „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“. Auf der Eingangsebene sind großformatige Bilder aus dem Weltall aufgestellt, Nachbildungen von Planeten und der Sonne hängen an der Decke, sehr imposant. Texttafeln in großer Schrift informieren darüber, was zu sehen ist.

Der Jupiter hat 63 Monde, gut, daß die sich nicht in die Quere kommen. Der „Große rote Fleck“ des Jupiters ist eine Art Wirbelsturm, der eine Länge des doppelten Erddurchmessers hat und schon seit über 300 Jahren wirbelt – wohnen möchte man da nicht.

Der Katzenaugennebel ist doch wirklich hübsch anzusehen, und mit etwas Glück können wir das bald auch bei uns betrachten – nein nein, das will in Wirklichkeit niemand, denn die planetarischen Nebel sind das Endstadium von Sternen, also auch unserer Sonne, nicht auszudenken, was dann mit der Erde wird.

Unsere Sonne explodiert glücklicherweise noch schön vor sich hin und sorgt so bei uns für Wärme und Licht, bis zur Vernebelung dauert es vermutlich noch etwas. Manchmal produzieren die Eruptionen interessante Figuren, rechts oben kann man den Kölner Dom entdecken, das ist nett, die Sonne grüßt ins Rheinland.

Der Mond darf natürlich auch nicht fehlen, riesig hängt er in der Haupthalle des Gasometers. Das ist wirklich ziemlich unheimlich. Das Foto kann nur einen kleinen Eindruck wiedergeben, eigentlich war es zu dunkel zum Fotografieren.

Im gläsernen Aufzug geht’s nun an der Innenwand 117 Meter nach oben, der Ausblick auf dem Dach ist weit – aber auch ein bißchen langweilig, die Gegend ist viel Gegend und nichts Besonderes, vom Weltall in die Oberhausener Niederungen ist ein tiefer Fall.

Der Abstieg geht über die Außentreppe – das war wirklich ein sehr empfehlenswerter Besuch. Die Ausstellung dauert noch bis Januar 2010.

 

Hohenstaufenring

Nachdem wir neulich bei Blogfreundin Karin darüber sinniert haben, welche Bücherattrappen ein Möbelhändler ins Regal stellen soll, ist mir diese Ausstattung aufgefallen: Es scheint sich um x-fache Ausgaben derselben Zeitung zu handeln. Also entweder ist das Regal für einen Zeitungsgrossisten gedacht (ich prophezeie keinen hohen Absatz des Regals, denn dafür ist es zu unpraktisch), oder vielleicht für jemanden, der seinen Kamin mit Zeitungspapier heizt und den Verteilern der kostenlosen Wochenzeitungen, die diese massenhaft vor die Haustüren deponieren, hinterherläuft, um alle wieder einzusammeln und bei sich zu Hause zu horten. Hm.

Im selben Laden kann man diese hübsche Lampe kaufen, also eigentlich zwei, neckisch ist die erste von einer zweiten umgeben. Das Blöde ist nur, daß das Plexiglas alle anderen Lichter der Umgebung spiegelt, aber vielleicht soll das ja so sein.

Ausflug zur Bruder-Klaus-Kapelle

Man fährt mit dem Bummelzug ins ca. 50 km entfernte Eifeldörfchen Satzvey. Von dort sind es zur Bruder-Klaus-Kapelle noch ca. 4 km Fußmarsch durch Felder und kleine Dörfer, nur einmal muß man kurz an der Straße entlanglaufen.

Unterwegs gibt es natürlich auch schon Religionsstätten älteren Datums – ca. 400 Leute leben in dem Dorf Lessenich, da braucht man natürlich eine große Kirche.

Weiter geht’s nach Wachendorf. Nanu – was sollen uns denn diese Schilder sagen?

„Achtung, fliehende Kinder, wer sie noch erwischen will, sollte mindestens 70 km/h fahren“ – da kann man 10 Meter vorm nächsten Ortsschild nochmal ordentlich auf die Tube drücken. Gefährliches Landleben!

Aber da kommt auch schon das eigentliche Ziel in Sicht:

Da hinten links, das ist die Bruder-Klaus-Kapelle von einem der renommiertesten zeitgenössischem Architekten, dem Schweizer Peter Zumthor, 2008 mit dem Pritzker-Preis, dem „Nobel-Preis“ der Architektur, ausgezeichnet.

Puh, die schicken einen ganz schon Zickzack hier, leicht bergauf geht’s auch – was soll das eigentlich, dieser Betonklotz mitten in der Walachei? Das war so: Der Bauer, dem das Feld gehört, schrieb 1998 einen Brief an den berühmten Architekten, der gerade damit beschäftigt war, das neue Diözesan-Museum in Köln zu bauen, man könne doch dem einzigen Heiligen der Schweiz Niklaus von Flüe (=Bruder Klaus) eine Gedenkstätte errichten. Zumthor lehnte zunächst mit dem Hinweis auf seine Gage ab, da der Heilige aber der Lieblingsheilige seiner Mutter war, besichtigte er den Eifeler Ort – und sagte zu, eine Kapelle quasi zum Selbstkostenpreis zu bauen. 2005 fing man damit unter viel Eigenleistung an, 2007 wurde die Kapelle schließlich geweiht.

Sieht merkwürdig aus, oder? Nichts besonderes … das ändert sich aber, sobald man das Gebäude betritt:

Hinter der Dreieckstür betritt man einen dunklen kurzen Gang, bevor man in den kleinen runden Innenraum kommt. Der erste Blick wandert nach oben: Die 12 Meter in die Höhe spitz zulaufenden Wände haben kein Dach. Die Wände haben eine seltsame Rippenstruktur, schwarz-fleckig, alles macht einen sehr archaischen, höhlenartigen Eindruck. Es ist beeindruckend!

Ein kleine Bank, auf der gerade 2 Personen sitzen können, steht neben dem Kerzenständer und einer modernen Plastik, die den Heiligen darstellen soll – man sitzt und staunt, Andacht stellt sich von ganz allein ein.

Die Rippenwände sind durch die Innenverschalung mit Baumstämmen entstanden, nach Fertigstellung hat man sie in Schwelbrand gesetzt, was dann zu dieser Verfärbung führte. Genial! Hier ist ein Foto aus der Entstehungszeit.

Und was sagen die 600 Bewohner aus dem nahen Wachendorf dazu? Sie beschweren sich über die Besucherströme (als ich da war, war allerdings nichts los). Dabei könnte man die Berühmtheit doch auch nutzen – ich hätte gar nichts gegen eine Frittenbude gehabt, die am Dorfrand hätte auftauchen können. Oder belegte Brötchen? Ein Apfel vielleicht? Nichtmal der Frisör ist noch da, nur sein Schild hat er stehenlassen.

Gürzenichstr.

„Dem fällt auch nix mehr ein, das xte Bild mit abschreckender Architektur, die gibt’s doch überall“, mag jetzt vielleicht der ein oder andere denken. Gut gut, aber dieses Bild, das ich gestern aufgenommen habe, hat etwas Besonderes: Einen Fassadenkletterer. Nein, liebe Kinder, das ist kein Feuerwehrmann, ihr habt schon richtig gesehen. Und seitdem ich nun weiß, wie früh der anfängt, lasse ich nachts mein Fenster offen, kein Wunder, daß das Wünschen in den vergangenen Jahren zu nichts geführt hat.

Salzgasse

Es hat ja etwas Tröstliches, daß eine mütterliche Figur allen Anfechtungen trotzt (in diesem Fall Wind und Regen), um gnädig über uns zu wachen – sicher ist in der Nähe eine Kirche, ein Hort der Ruhe und stillen Einkehr.

„ZIMMER FREI“ schreit es in roter Farbe … bin ich etwa … bin ich tatsächlich …? – genau, nimm die Finger aus den Ohren, dann weißt du’s genau, Videbitis: Unter die Touristen gefallen.

Wer bin ich

Auch ein Spaziergang durch den weitläufigen Rheinpark schützt offenbar nicht vor existentiellen Gedanken, und das ist ja auch kein Wunder, ein Blick ins Glas zeigt: Die Welt steht Kopf! Aber keine Sorge: Schlückchen für Schlückchen rückt die Welt sich wieder grade – ein Vorgang allerdings, der sich wieder umkehrt bei denen, die es übertreiben.