Ist das etwa eine Aufforderung zur Gewalt? Militanter Antiamerikanismus? Nein, ich interpretiere das als eine Mahnung an ein Land (gemeint ist Deutschland), das an einem Krieg beteiligt ist, der völkerrechtlich ungesetzlich ist, von dem die Bevölkerung aber unmittelbar nichts merkt und sich deshalb kaum für ihn interessiert. Wir sind nicht unmittelbar betroffen, also geht es uns nichts an. Aber was wäre, wenn plötzlich wir dieselben Erfahrungen machen müßten wie die Bevölkerungen der Länder, an deren Besetzungen wir beteiligt sind?
Die Interpretation, da läge bloß jemandem der Hamburger quer im Magen, ist vielleicht auf den ersten Blick naheliegend, kann ich aber ausräumen: Das Klebegraffito findet man überall in der Stadt, in verschiedenen Größen.
Autor: Videbitis
Brüderstr.
Antoine Bourdelle (1861 – 1929), zeitweise ein Assistent Rodins, schuf diese Plastik im Jahre 1887 (erster Guß 1925). Sie stellt Sappho dar, die bedeuendste Lyrikerin der Antike aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., die auf der griechischen Insel Lesbos lebte und lehrte.
Bourdelle hatte großen Einfluß auf die Bildhauerei seiner Zeit, bedeutende Künstler wie z.B. Alberto Giacometti und Aristide Maillol waren seine Schüler.
Die Skulptur steht sinnigerweise vorm Schauspielhaus und neben der Oper.
Berrenrather Str.
Da strampeln die Leute sich ab, um Erster zu werden beim Radfahren, Marathonlaufen, Schachspielen, Tauben- und Kaninchenzüchten etc. und um den Siegerpokal in Händen halten zu dürfen. Dabei ist es so einfach, eine Trophäe zu ergattern: Man geht in diesen Laden, läßt Champion oder 1. Platz für was auch immer eingravieren, dann noch den eigenen Namen – und ohne jede Mühe hat man die schönste Sammlung zu Hause stehen. Ich z.B. war schon mal Sieger im Stepptanzwettbewerb, Schachstadtturnier, Fahrradbalance, Gewinner bei DSDS und bester Nachwuchspianist in NRW (den Pokal zeige ich nicht gern, die Leute wollen sofort was hören), außerdem hatten meine Alpakakaninchen die meisten Haare pro Quadratzentimeter. Auf eine Auszeichnung bin ich allerdings besonders stolz: Ich bin der beste Erzähler von Seemannsgarn diesseits der Küstenregion.
Vorgebirgsstr.
Hm – was soll man dazu sagen? Wenn ich Kölns Fremdenverkehrsdezernent wäre, würde ich wahrscheinlich fragen, welcher Idiot dafür verantwortlich ist, die Plakate ohne Rücksicht auf die Umgebung aufzuhängen. Als Antwort würde ich wahrscheinlich bekommen, dieser Platz sei halt auch sehr gut zum … ääh … zum … also, für die Hunde, z.B., Auslauf und so, kennt man doch. Und wenn man will, kann man sogar selbst darauf hin- und herlaufen. Donnerwetter! – was für ein Platz.
Café im Cinenova
Das Café im Kinocenter Cinenova ist zwar eine große Halle und deswegen auf den ersten Blick nicht sehr gemütlich, aber bei Sonnenschein sehr licht. Und wenn das Wetter mitspielt, kann man im Garten sitzen, ab 22 Uhr gibt es im Sommer Open-Air-Kino – wovon ich allerdings kein Freund bin, ich bevorzuge dunkle Kinosäle mit gemütlichen Sesseln und Sound ohne äußere Störungen – besonders an dieser Stelle, denn die Open-Air-Leinwand lehnt an einer Bahntrasse …
Herbrandstr.
Wenn die Qualität der Körperertüchtigung bei McFit so gut ist wie die der Speisen bei McDonalds, sollte man vielleicht überlegen, ob die Investition in Nordic-Walking-Stöcke nicht doch gut angelegt ist.
Aber 24 Stunden Öffnungszeit, das nenne ich Dienstleistung. Wer gestern schon Mitglied war, sollte sich den Beitrag für eine Stunde zurückzahlen lassen.
Früh am Dom
Früh-Kölsch ist, glaube ich, auch bundesweit bekannt, oder? In den Brauereien in der Altstadt, von denen Früh nur eine ist, wird natürlich gar kein Bier mehr gebraut, es sind meist sehr große Bierhäuser mit saalartigen Räumen, wo man auch traditionelle Speisen zu sich nehmen kann, also „Halve Hahn“ (ein Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe Gouda), „Himmel un Äd“ (gebratene Blutwurst mit Kartoffelpürree und Apfelmus) und andere Scheußlichkeiten. Das Publikum, das meist aus Touristen besteht, wird mit schlechter Qualität und hohen Preisen abgezockt, dafür wird mit einer gewissen Urigkeit nicht gespart: Die Kellner, Köbes genannt, haben das Recht, so höflich zu sein wie sie wollen. Da sie, wie viele Arbeitnehmer mit miesen Jobs, oft schlecht gelaunt sind, muß man immer damit rechnen, angblafft oder zumindest mit ausgesuchter Unhöflichkeit behandelt zu werden – herrlich!! Mich hat man da schon seit Jahren nicht mehr gesehen.
Roncalliplatz
Ja – was ist denn das für ein zeterndes Männchen? Rumpelstilzchen kurz nach der Enttarnung? Die Figur trägt Mitra und Bischofsstab – Bischofsstab? Ja, aber einen besonderen: Der normale Bischofsstab hat wie ein Hirtenstab oben eine Krümmung, soll heißen: Der Bischof ist der Hirte seines Bistums. Nur ein Bischofsstab hat anstelle einer Krümmung ein Kreuz, nämlich der des Papstes. Da die Figur (von ca. 30 cm Höhe) auf einem Zaun steht, der den Roncalli-Platz von der Südfassade des Doms trennt, nehme ich an, daß sie den Papst Johannes XXIII. darstellt, der mit bürgerlichem Namen Angelo Giuseppe Roncalli hieß und Anfang der 60er Jahre mal den Dom besucht hat. Der aufgeregte (ich nehme an: Segens-)Gestus ist vielleicht dem sprichwörtlichen italienischen Temperament zu verdanken?
