Richard-Wagner-Str.

Städte sind prinzipielle baumfeindlich – eine neue Straße, ein neues Parkhaus, und immer stehen diese Dinger im Weg. Die Blütenblätter und im Herbst das Laub – nichts als Dreck, der kostenintensiv entfernt werden muß. Und wenn dann noch Früchte wie Kastanien oder herabfallende Äste den Verkehr beeinträchtigen oder Autos beschädigen – nur Ärger, der leicht gerichtsnotorisch werden kann. Bäume und Büsche interessiert das alles nicht – und suchen sich ein Plätzchen.

Dom, Roncalliplatz

Als ich neulich am Dom herumlungerte auf der Suche nach guten Motiven, entdeckte ich eine Baustelle. Baustellen ziehen mich magisch an, ich will sofort wissen, was die da wieder für einen Mist hinbauen. Freundlicherweise haben sie es schon mal auf große Planen gemalt: Tiefgaragenzugang, Klo, Kiosk und Zugang zum Südturm des Doms (?). Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll, aber ich glaube, das geht in Ordnung: Der Dom ist so riesig, da werden die kleinen Kästen kaum auffallen.

Zülpicher Platz

Diese Fahrräder der Deutschen Bahn stehen überall in der Stadt herum, wenn man eins braucht, kann man es sich schnappen und fahren, wohin man will. Paradiesische Zustände? Von wegen – die Bahn ist ein profitorientierter Betrieb. Man muß sich einmalig per Internet registrieren lassen. Wenn man dann ein Rad braucht, ruft man die Nummer an, die auf dem Rahmen steht und bekommt einen Freischaltcode mitgeteilt, den man auf einem am Rad angebrachten Display eingibt. Wenn man nicht mehr fahren will, schließt man ab, und das Display teilt einem wiederum einen Code mit, den man telefonisch an die Station weitergeben muß. Die Benutzung kostet 8 Cent pro Minute, aber nicht mehr als 9 Euro am Tag, eine Woche 60 Euro. Ein paar kleine Regeln muß man natürlich noch beachten, sonst entstehen Mehrkosten, z.B. muß man das Rad immer im Bereich einer Kreuzung abstellen, die innerhalb eines bestimmten Kernbereichs liegt.

Apropos Cöln – The Concept Store, Mittelstr.

Ist ja wohl voll Asi, diese dicke Kette, könnte jetzt der ein oder andere denken (Asi ist übrigens ein Wort, das ich erst in Köln kennengelernt habe und abwertend u.a. jene bedauernswerten Menschen bezeichnet, die aufgrund von Arbeitslosigkeit nur wenig Geld haben und dennoch mit oft unglücklicher Wahl versuchen, mit der Mainstreammode Schritt zu halten). Tatsächlich verkehren hier nur Reiche (und Leute, die mal staunen wollen, so wie ich), die ausgestellte Ware ist deshalb nicht ausgezeichnet, weil man wohl davon ausgeht, daß Preise für die Besucher dieses Ladens eh keine Rolle spielen. Ich würde es ja gern sehen, wenn beide Farben zur gleichen Zeit an den Füßen getragen werden, an jedem Arm ein Täschchen, vielleicht kreuzartig angeordnet?

Demnächst mehr von dieser „Luxus“-Stätte.

Kirmes

Ich hatte vergessen, was mich besonders an diesen Märkten nervt: Der Lärm. Aus allen Buden und Fahrgeschäften schallt neben lauten elektronisch produzierten Signalen und Sirenen eine Art von Popmusik, die extra für diesen Trubel geschrieben worden zu sein scheint, unterbrochen nur vom Gequassel des Anheizers, der unglaubliche Kicks verspricht.

Uff, da braucht man erstmal eine Stärkung. Sehr fettig, die Kartoffelpuffer (hier auch „Riievkooche“ genannt), mit Apfelmus, na ja, kann man essen.

Es ist wahrscheinlich genetisch festgelegt, daß man mit zunehmendem Alter vorsichtiger wird, weshalb die Geschwindigkeit des Riesenrads das Äußerste wäre, was ich mir an Geschwindigkeit der Fahrgeschäfte zumuten würde – wenn da nicht die Höhe wäre …

Es ist mir völlig schleierhaft, wie man freiwillig 4 Euro dafür bezahlen kann, um in diesem Kettenkarussel in einer Höhe von 55 Metern herumgewirbelt zu werden – mich würden da keine zehn Pferde reinkriegen.

Gürzenichstr.

Zu meiner Überraschung war gestern verkaufsoffener Sonntag in der City, warum, weiß ich nicht, irgendein Anlaß muß ja eigentlich immer gegeben sein, um die Sonntagsruhe zu stören. Meine Spaziergangsbegleitung kam auf die Idee, mal eben nach ganz bestimmten Hemdchen zu sehen, und bei der Gelegenheit konnte ich feststellen, daß Unterhosen für Männer dort 19,95 Euro das Stück kosten und zwei Jahre Garantie haben. Zwei Jahre – kein Scherz! Ob man die zwischendurch waschen darf, oder erlischt die Garantie sonst?

Josef-Haubrich-Hof

Die Stadt hat eine große Bibliotheksdichte: Universitäts-, Fachhochschul-, Musikhochschul-, Sporthochschulbibliothek, Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, Museumbibliotheken und und und. Auf diesem Bild ist die örtliche Stadtbibliothek (eine sogenannte „Öffentliche Bibliothek“ im Gegensatz zu den „Wissenschaftlichen Bibliotheken“, die aber auch öffentlich sind) im Stadtzentrum. Die Benutzung ist, da die Stadt der Träger ist, leider nicht gebührenfrei, 23,50 Euro im Jahr kostet die Mitgliedschaft, aber es lohnt sich, der Bestand verteilt sich auf fünf Etagen, die Auswahl ist sehr groß. Besonders gern halte ich mich in der Audio- und Videoabteilung auf: Viele, viele CDs und DVDs, da findet man immer etwas: Rock, Pop, Jazz und Klassik neben Filmklassikern, Fernsehserien und Actionfilmen.

Fleischmengergasse

Diese Gläser nennt man Kölschstangen, und wenn man mit ihnen diejenigen Behältnisse assoziiert, die in gewissen Labors zum Auffangen verdauter Flüssigkeiten zwecks Untersuchung auf Diabetes etc. dienen, dann, so behaupten böse Zungen, hat man auch schon in etwa eine Ahnung des Geschmacks der Flüssigkeit, die man hier für Bier hält. Serviert werden die Gläser im Kölschrad: Das Getränk läuft einfach so aus einem Fäßchen in das erste Glas, und wenn es voll ist, dreht man das Rad einfach ein Stück weiter usw., bis das letzte Glas gefüllt ist. Nachschenken (von Zapfen kann man eh nicht reden) braucht man nicht, es ist so wenig Kohlensäure vorhanden, daß die Gläser sofort voll sind.
Manche Leute trinken Kölsch gemischt mit Cola, nach dem Motto: Schlimmer geht immer, das nennt man dann zu Recht „Drecksack“.