Ist das etwa eine Aufforderung zur Gewalt? Militanter Antiamerikanismus? Nein, ich interpretiere das als eine Mahnung an ein Land (gemeint ist Deutschland), das an einem Krieg beteiligt ist, der völkerrechtlich ungesetzlich ist, von dem die Bevölkerung aber unmittelbar nichts merkt und sich deshalb kaum für ihn interessiert. Wir sind nicht unmittelbar betroffen, also geht es uns nichts an. Aber was wäre, wenn plötzlich wir dieselben Erfahrungen machen müßten wie die Bevölkerungen der Länder, an deren Besetzungen wir beteiligt sind?
Die Interpretation, da läge bloß jemandem der Hamburger quer im Magen, ist vielleicht auf den ersten Blick naheliegend, kann ich aber ausräumen: Das Klebegraffito findet man überall in der Stadt, in verschiedenen Größen.
moin lieber künstler, da hat der graffitokleber wohl recht.
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Deine Interpretation ist ein bisschen weit gegriffen und militanter, als das Klebegraffiti selbst.
Diese Aussagen stimmen zwar, aber wer nicht schuldig ist, der werfe den ersten Stein.
Wir sitzen alle im gleichen Boot.
Bei FastFood entscheide ich grundsätzlich, ob es schmeckt oder nicht. Keine revolutionären Gedanken gegen die Frühlingsrolle oder Sojasauce. Ich überlege auch nicht bei jedem T-Shirt, ob es vielleicht aus Pakistan kommt und nur in Portugal „veredelt“ wurde und deshalb das „Made in“ eines sauberen Landes darin steht.
Diese innere Wut, diese Ablehnung macht nur verbittert, trägt aber wenig zu einer Besserung bei. Das ist leider eine weitverbreitete deutsche Lebensphilosophie. Wir motivieren nur mit positiven Gedanken und nicht mit Herumstänkerei! Da täte es ganz gut, einmal einen Workshop in Amerika zu besuchen, die sind uns nämlich im „Think positive“ um Meilensteine voraus!
Think of the positive revolution!
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Wofür stehen Deiner Meinung nach fliegende Handgranaten? Frühlingsboten? Brutal schlagen die Bäume aus, und die Grünanlagen werden gesprengt? 😉
Bei Fast Food und Klamotten handle ich ganz genau so wie Du, aber trotzdem ist es nicht schön, wenn dafür der südamerikanische Regenwald abgeholzt wird oder die T-Shirts von Kinderhänden gestrickt werden.
Das verbitterte Gejammere geht mir auch auf die Nerven, Weltuntergangsszenarien und Weltverschwörungstheorien finde ich manchmal ganz interessant, aber mein Bedarf daran ist schnell gedeckt. Was mir aber andererseits ganz besonders auf die Nerven geht, sind die „Think-positive“-Selbstbeschwörer: Fassen wir uns alle an die Hände, hüpfen gemeinsam auf und ab und wiederholen permanent das Mantra: Ist doch alles supergut! Wenn ich die Berichte über amerikanische Workshops sehe, wird mir schlecht angesichts der geschäftstüchtigen Heuchelei, und mir tun die Leute leid, die auf den Mist hereinfallen.
Positiv Denken im Sinne von: Nach vorne schauen, hat meine volle Unterstützung, das heißt aber nicht, daß man sein kritisches Urteilsvermögen an der Garderobe des Lebens abgeben sollte. Wenn das eigene Land sich im Kriegszustand befindet, sollte man ruhig immer mal wieder darauf hinweisen, besonders wenn der Krieg völkerrechtswidrig zustandegekommen ist. Mit Bitterkeit hat das nichts zu tun.
Und für die positive Revolution bin ich natürlich sowieso. Venceremos!
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:)) *hüpft im Mantra*
Wir wollen jetzt nicht weiß und schwarz sehen, sondern auch die Schattierungen des Lebens betrachten.
Wie soll denn ein Hinweis einer kriegerischen Tätigkeit eines Landes durch eine Fastfoodkette gemacht werden?
Hol dir ein Pommes und wer anderer steigt auf die Landmine.
oder
Beiß in den saftigen Hamburger und im selben Moment verhungern 3 Menschen, weil sie nicht einmal eine Handvoll Reis bekommen?
oder
Lass deinen Colabecher fallen und x und y verschiebt gerade Waffen ins Kriegsgebiet?
Meinst du Deutschland ist komplett unschuldig und hat nirgendwo die Hand in einem Kriegsgeschehen? Habt ihr gar keine Auslandseinsätze in Kriegsgebiete (NATO), oder sind diese nur „friedlicher“ Natur, wie unsere UNO-Einsätze, die ich teilweise als sehr fragwürdig betrachte.
Positiv denken, muss nicht so sein, dass ich dabei verblöde und mich in Gutdenkerei einlulle.
Was hilft es mir, eine Granate auf das Logo eines großen Konzerns zu kleben? Wen kümmert das? Was ändert es? Ich finde diese Art von Protest nichtssagend, populistisch und greift kein Thema wirklich auf. Das was wir/du daraus liest, ist rein spekulativ. Der Herr/Frau Granatenkleber kann einfach auch nur ein dummer Provokateur, ein Trittbrettfahrer sein. Er kann allerdings auch einer der letzten Kommunisten sein, oder einfach nur ein guter Zeichner mit gutem Copyshop.
Was dieser Kleber verursacht, ist ein Hassgefühl gegen amerikanische Konzerne, die dafür nichts können. Möge der Granatenkleber nach Washington reisen und das Weiße Haus damit zupflastern.
LillY, die auch gerade nur S/w sieht.
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Entschuldige, ich hätte mich einfach besser ausdrücken sollen: Ich meine natürlich Mahnung an unser Land, an Deutschland, an die Einwohner hier, denn wir sind ja auch daran beteiligt – obwohl wir eine reine Verteidigungsarmee haben, wurden die Deutschen Grenzen kurzerhand erweitert/exportiert, die Verteidung des Landes fange nun im Hindukusch an, sagte der damalige Verteidigungsminister.
Die Granaten kleben hier überall und richten sich nicht speziell an amerikanische Einrichtungen. Der Künstler will m.E. damit sagen: Was wäre, wenn das keine Bilder wären, sondern echte? Und es könnten echte sein, schließlich sind wir, die Deutschen, jetzt z.Z. an einem Krieg beteiligt – die Frontlinie verläuft nur nicht durch unser Land sondern durch Afghanistan. Wären wir weiterhin so indifferent und lethargisch, wenn der Krieg auf unseren Straßen und Plätzen stattfände und selbst vor den Ikonen der westlichen Wirtschaftsgemeinschaft (wie z.B. McDonalds) nicht halt machte?
Möge der Granatenkleber nach Berlin fahren und den Bundestag damit zupflastern – ich fände das gut. Vorerst gebe ich mich damit zufrieden, daß er hier in Köln zeigt, was alles hoch gehen könnte. Wenn reale Granaten bei uns hochgehen würden, wäre das nach militärischer Logik kein terroristischer Akt, sondern eine legitime Kriegshandlung.
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Gut, dann verstehe ich dich was du meintest. 😉
Hoffentlich denken die Leute auch nach, wenn sie solche Kleber sehen.
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