Same procedure …

Schon am letzten Wochenende rüstete die Stadt auf: Tribünen für den Wahnsinn, der da unweigerlich kommt.

Nicht nur Gebäudeteile werden kostümiert, sondern auch …

… Angebote gemacht für Haustiere, die ja oft als Kinderersatz gehalten werden, und das ist doch nicht schön, wenn Familienangehörige ausgeschlossen werden.

Ein Kostüm, „genäht“ aus Karnevalsorden – na, das ist doch mal ganz witzig. Aber Vorsicht: Der Kölner Sitzungs-Karnevalist läßt nicht mit sich spaßen, Humor ist seine Sache nicht: Wenn nicht jeder Orden ordentlich verdient wurde, ist Blasphemie im Spiel.

Diesen Leuten ist das allerdings völlig egal, hauptsache, es gibt was zu trinken. Als ich mir gestern, Weiberfastnacht, die Beine vertreten wollte, mußte ich an jeder Ecke solche Ansammlungen umrunden und dabei aufpassen, nicht in irgendwas reinzutreten, was mir an den Schuhen klebenblieb.

A propos Schuhe: Diese standen herrenlos an einer Ecke, der Besitzer muß als Clown gegangen sein. Ich vermute, Außerirdische, die grade mit ihrem Raumschiff die Erde umkreisen, fanden die Figur so bizarr, daß sie ihn hochgebeamt haben, was den Clown aus den Schuhen gerissen hat. Oder der Clown hat sich beim Wildpinkeln die übergroßen Schuhe besudelt und wollte mit den bepißten Tretern nicht weiter herumlaufen. Ich könnte das verstehen.

Weiter geht es dann auf Socken, aber dafür hat man jede Menge Geld gespart. Die Kneipen machen den Umsatz des Jahres – aber mit den negativen Begleiterscheinungen möchten sie natürlich nichts zu tun haben.

Da die Leute an Weiberfastnacht bereits um 11 Uhr anfangen zu saufen, sind sie um spätestens 23 Uhr platt, und es herrscht Ruhe in den Straßen. Das ändert sich aber in den folgenden Tagen – Freitag wird ausgeschlafen, und die nächsten fünf Tage werden die Nächte durchgefeiert. Der Begriff „feiern“ ist ein Synonym für saufen, gröhlen, Bierflaschen zerdeppern und in Hauseingänge pissen. Ich werde davon nichts mitkriegen, denn Samstag fahren wir nach Berlin. Ich hoffe, der Regen hat alles wieder gesäubert, wenn wir zurückkommen.

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25 Antworten zu “Same procedure …

  1. Nach deinen Schilderungen und dem Wenigen, was ich von Berlin weiß, sieht es dort das ganze Jahr so aus wie in Köln… Aber wenigsten singen sie nicht „Isch bin e kölsche Jung“…oder so ähnlich. Auf jeden Fall erfolgreiche Flucht und viel Spaß!

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    • Was für ein Unsinn!
      Berlin ist nicht überall schön, natürlich nicht, aber die Stadt ist an den meisten Stellen wundervoll, sauber, ruhig, kultig, entspannt und einfach nur eine der schönsten Hauptstädte weltweit.

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    • Da wir schon seit über 20 Jahren zur Karnevalszeit nach Berlin fahren, kann ich Dir versichern, daß es erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Städten gibt. Der deutlichste ist die Größe: Berlin ist so unfaßbar groß, daß wir immer wieder etwas Neues finden, wo wir noch nicht gewesen sind.
      Danke!:-)

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  2. Wenn der Spießbürger seine Fratze zeigt. Übrigens sah ich auch mal eine sehr gute Doku über rechten Tendezen im Karneval/Fasching. (Bei Interesse, gucke ich mal, ob ich die noch finde.)
    Schon allein deswegen ist die Flucht gen Osten genau die richtige Entscheidung.

    Am schönsten ist es bei mir, da kriegt man noch nicht mal mit, daß es überhaupt so etwas wie Karneval gibt. Nicht mal Kinder im Kostüm kann man hier sehen.

    Ach ja und noch eines ist an Berlin wundervoll: Der 8.März ist da jetzt ein Feiertag. Rosenmontag und Allerheiligen nicht. Spricht Bände, oder?!

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    • Die Bonner Politprominenz und ihre MitarbeiterInnen, die nach dem Hauptstadtbeschluß nach Berlin umgezogen sind, haben ja versucht, auch in Berlin Karneval zu installieren, es gab sogar Rosenmontagsumzüge durchs Regierungsviertel, allerdings auf einen Sonntag verlegt, sonst wäre erst recht keiner gekommen, und schließlich müssen die Leute ja auch arbeiten. Alles passé, selbst an der Gedächtniskirche standen letztes Jahr keine Buden mehr. Sehr vernünftig.

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  3. Herr Erich Kästner hatte wohl auch nicht so viel Spaß an der Freud:

    Karneval der Mißvergnügten

    Im ganzen Lande wütet die Seuche!
    Es ist nicht der Typhus. Es ist der Humor.
    Die Leute lieben gewesene Bräuche
    und tragen falsche Bärte und Bäuche
    und spiegeln den Spiegeln was vor.

    Sie ducken sich unter geborgte Perücken,
    damit das Schicksal sie nicht erkennt.
    Sie suchen sich laut beiseitezudrücken.
    Sie schminken die Sorgen auf ihren Rücken
    und lachen mit fremdem Akzent.

    Sie lachen, als wären sie krank vor Gelächter,
    und wurden doch gar nicht angesteckt.
    Man wird durch falsche Nasen nicht echter.
    Sie sind nicht gut und nicht schlecht, sondern schlechter!
    Sie hexen Laxin ins Konfekt.

    Sie öffnen das Maul und sollten es schließen.
    Die Ärmsten lachen sich nichts als schief.
    Sie brüllen und sagen: Es sei zum Schießen.
    Sie schneiden Gesichter, als müßten sie niesen,
    und lachen im Konjunktiv.

    Sie würden lieber die Hände ballen
    und lachen nicht frei, sondern lachen vom Blatt.
    Sie feiern die Feste, nur wenn sie fallen.
    Sie lachen nicht selber, sondern mit allen!
    Sie lachen nur gegen Rabatt.

    Fast hätte man Lust, sie zu bedauern.
    Es ist nicht nötig und bleibt nicht so.
    Im März, da dürfen sie wieder versauern.
    Da dürfen sie wieder jammern und trauern –
    und sind darüber froh.

    Gutes Gelingen in Berlin.
    🙂

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    • Sehr schön! Das kannte ich noch nicht, aber es trifft das Phänomen sehr gut. „Sie lachen nicht frei, sondern lachen vom Blatt … sie lachen nicht selber, sondern mit allen“ – ganz genauso ist es, wer das nicht glaubt, braucht sich ja bloß in den TV-Sitzungen diese witzlosen Gestalten anzuhören, Bernd Stelter oder Guido Cantz.
      Danke! Berlinalekarten sind schon gekauft.:-)

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