Im Zollhafen

Wenn der Hase genauso strahlt wie dieses Federvieh, sollte es nicht allzuschwer sein, die Eier zu finden. Bleibt nur zu hoffen, daß die nicht auch aus Neon sind.

Schöne Tage, laßt es euch gut gehen!

Aachener Str.

Sonntagnachmittag, an einem der ersten richtig warmen Frühlingstage sitzen die Hedonisten in den Cafés und Restaurants und ahnen nicht, welch Jahrhundertdrama sich zeitgleich auf der anderen Straßenseite abspielt:

Das Foto kann man schon jetzt als historisch bezeichnen: Es zeigt die letzten Besucher einer Aufführung im Millowitsch-Theater. Gut, eigentlich müßte man sagen: Millowitsch-Theater in der Volksbühne am Rudolfplatz, denn hier finden schon seit längerem auch andere Veranstaltungen statt, Konzerte und Kabarett. Peter, der Sohn von Willy Millowitsch, gibt auf. Immerhin hat er das Theater seit den letzten Lebensjahren seines Vater gewinnbringend weitergeführt, was bestimmt nicht einfach war, besonders nach dem Tod des Alten. Nun hat vor zwei Jahren der WDR die regelmäßige Fernsehübertragung (im dritten Programm) eingestellt, was zu so großen finanziellen Einbußen führte, daß ein weiterer Betrieb nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Kölner Zeitungen brechen in ein Wehgeschrei aus, daß man sich wundert, daß nicht auch USA Today oder BBC-Nachrichten darüber berichten: Diese lange kölsche Tradition, Verlust einer Legende, Werte- und Kulturverfall usw. – ganz ehrlich, mir wird nichts fehlen, Volkstheater im 50er-Jahre-Stil, dazu noch in Mundart, das fand ich als 10jähriger lustig, aber heute nicht mehr. Und was macht Peter Millowitsch jetzt? Der Mann ist 69 und könnte sich zur Ruhe setzen. Stattdessen „rächt“ er sich an seiner Heimatstadt auf zweifache Art:

Im Sommer tritt er zum ersten Mal neben der Heidi-Kabel-Tochter Heidi Mahler in einem Stück des Hamburger Ohnsorg-Theaters auf, also ausgerechnet bei der ärgsten Volkstheaterkonkurrenz, und wo findet die Aufführung statt?  In Düsseldorf!! Die Schmach nimmt kein Ende …

Apostelnstr.

Immer wieder schön finde ich einen Blick in den Porzellanladen, auf meinen Spaziergängen gehe ich oft vorbei, um zu schauen, was es an neuen Scheußlichkeiten zu bewundern gibt. Keramik ist ein dankbares Material und läßt alles mit sich machen, staunend stehe ich vor dieser Vielfalt an Dekors und Formen. Offenbar findet sowas Käufer, sonst könnte sich dieser Laden nicht halten, ist doch der überwiegende Teil der Ware Ausdruck überbordender Häßlichkeit. Ein … Ding – ich weiß nicht, wie ich es sonst bezeichnen soll – schlägt jedoch alle anderen, so daß es offenbar keinen Käufer findet:

Unwillkürlich fällt mir ein Begriff ein, den wir als Kinder im Schwimmbad als Bezeichnung für einen Sprung ins Wasser mit angezogenen Beinen benutzten: Arschbombe. Das soll laut Beschriftung allerdings ein Pfirsich sein, eine Handarbeit, von 200 auf 99 Euro herabgesetzt. Das ist also nicht etwa eine Bowle-Schale, das Behältnis für das schauderhafte Mischgetränk aus Kellergeister-Sekt, Wein, Mineralwasser und Dosenfrüchten, nein, die …äh, Skulptur hat rein dekorative Zwecke. Oder sie ist der Mittelpunkt für einen Hausaltar: Auf dem Zettel steht: „Für langes Leben!“ („Heiliger Dicker Pfirsich, bitte mach, daß ich ein langes, erfülltes Leben habe. Amen.“)

Maybrit Maischberger auf der Stunksitzung

Die Stunksitzung war seit Mitte der 80er Jahre die erste und lange Zeit einzige alternative Karnevalsveranstaltung – eigentlich war es reines Kabarett mit ironischem Karnevalsbezug, das Publikum bestand aus meist unverkleideten Studenten. Früher war ich oft da, meistens kannte ich jemanden, die mich umsonst hineinließ, und wenn die dann auch noch kellnerte, brauchte ich nichtmal für das Bier zu bezahlen. Inzwischen gehört die Stunksitzung (wie auch viele andere alternative Veranstaltungen) fest zum etablierten Karneval, findet pro Session zigmal statt und ist immer ausverkauft. Aus alter Verbundenheit schaue ich sie mir im Schnelldurchlauf im TV an – manchmal ist etwas Witziges dabei, wie diese Talkshow-Parodie. Sie bringt es auf den Punkt, warum ich mir keine Polit-Talkshows mehr ansehe:

Zülpicher Str.

Ich habe nur schwarze Socken, das erspart mir das Sortieren nach dem Waschen. Ich werfe sie durcheinander in die Schublade, was die Socken allerdings zu Verhaltensweisen verleitet, die ich keineswegs billigen kann: Manchmal bleibt eine einzelne Socke übrig. Die Socken nutzen offenbar meine laisser-faire-Haltung aus und zeugen Junge. Da ich mit solchen Sauereien nichts zu tun haben möchte – Sockenorgien in meiner ! Schublade – schmeiß ich den Nachwuchs schnell weg, in der Hoffnung, das wäre nur ein Ausrutscher, aber es dauert nicht lange, und ich halte wieder so ein unerwünschtes Exemplar in Händen. Was mach ich nur – ich kann doch nicht für jede Socke eine eigene Schublade anschaffen, um das unzüchtige Treiben zu beenden!

Eine junge Designerin hatte neulich einen anderen Verdacht: Die Socken gehen auf Wanderschaft, verlaufen sich dann und sind auf fremde Hilfe angewiesen. Wer eine einzelne Socke in seiner Schublade hat, kann hier in den Laden gehen und schauen, ob er das Gegenstück dazu findet und das vereinte Paar mitnehmen. Bleibt nur zu hoffen, daß die dann nicht vor lauter Wiedersehensfreude gleich wieder loslegen …