Wandern auf dem Goldsteig: 7. Etappe

Was für ein Himmel – ein schöner Kontrast zu den goldgelben Kornfeldern. Glücklicherweise bleibt es trocken.

Danke für die Warnung, ich denke, wir können es wagen.

Ob es Leute gibt, die ohne das Schild den Zaun platt machen würden? Gut, vielleicht jemand mit schlechten Augen.

Hier heißt es „upjepass!“ (wie der Kölner sagt) – der Goldsteig teilt sich, die südliche Route geht mehr durch Städte, wir müssen auf der nördlichen weiter. Ganz unten kann man lesen, wie weit wir schon gelaufen sind: 138,5 Kilometer.

Wir waren bereits in unzähligen Kirchen, aus Neugier und Interesse, aber auch, um uns ein wenig in einer kühlen Umgebung auszuruhen. Das hier ist die erste, in der eine Ablaßtafel hängt. Wer hier war, ist komplett von seiner zeitlichen Sündenstrafe befreit, soll heißen: Die Zeit, die er oder sie nach dem Gestorbensein im Fegefeuer verbringen muß, bevor man im Himmel vorgelassen wird. Im 15. und 16. Jahrhundert hat die katholische Kirche einen äußerst lukrativen Handel mit Ablaßbriefen getrieben (und unter anderem den Petersdom damit finanziert), was, wie jeder weiß, einer der Gründe war für Martin Luthers Reformationsbewegung: Er hatte einfach in der Bible nachgelesen, und da steht nichts von Ablässen. Das war den Katholen dann auch irgendwann peinlich und sie verboten den Ablaßhandel 1570 – nicht jedoch die Ablässe selbst. Also erst ab in den Beichtstuhl, dann hier am Bild vorbeigehen – und frisch geht’s auf zu neuen (Un-)Taten!

Das Wintergartencafé, im Wanderführer bereits groß angekündigt – ich trau mich kaum, es zu sagen (wer ruft da: Laaaangweilig!?): Ruhetag.

Macht nichts, wir haben es nicht mehr weit. Eigentlich hat unsere heutige Etappe wieder 30 km bis Rötz, aber unser Hotel liegt ein einem Dorf einige Kilometer davor.

Ein großes Haus mit zig gut ausgestatteten Zimmern und sehr freundlichen Betreibern – wir sind die einzigen Gäste. Wir erkundigen uns mitfühlend: Kommen denn hier viele Wanderer vorbei? „Jaja, viele.“ Das … nehmen wir so hin.

An einer Wand hängen viele tote Tiere – nicht geschossen, sondern tot gefunden, wie uns schnell versichert wird. Eins davon ist sogar einer der seltenen Wolpertinger.

Fortsetzung folgt.

7 Antworten zu “Wandern auf dem Goldsteig: 7. Etappe

  1. wolpertinger gibts ja nur in bayern.
    ich vermute ein frühes genexperiment, anders kann man einen hasen mit geweih, flügeln und reißzähnen nicht erklären.
    vielleicht ein experiment der katholischen kirche, um sünder einzuschüchtern. 😉

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    • Genau, eine Züchtung, deren Nachwuchs ausgebüchst ist und sich selbstständig gemacht hat. Daß sie nur in Bayern vorkommen, liegt daran, daß man da nicht weiß, was man woanders soll. „Mir san mir“, das reicht ja wohl. Und überall woanders ist Preußen.

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  2. Als feste Regel gilt: Wennst nich deine 30 km am Tag läufst, kimmt doa Wolperdingert in deine Träum‘ hinein und schwenkt oa Schild mit Aufschrift „Ruhetag!“
    Doch obacht! Dos is fei irreführend, denn in Wahrhoit geht’s dann erst richtig los, es zwickert und zwackert, oa Mordsgaudi (für die umstehenden Einheimischen), füa di nidder.

    (So erkläre ich mir auch den niedergetretenen Zaun, Vefolgung durch den bösen Wolpi, und natürlich auch die Ablaßbriefe in Kirchen…was wurde nicht schon alles versucht, um die Biester wieder loszuwerden. Kühles Bier soll helfen und auf die juckenden Stellen: Schnitzel auflegen!
    Ach ja und Jodeln vertreibt sie auch. Aber nur wenn man es richtig macht, also eifrig üben!)

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    • *lach* da diese Wesen ja nur in Bayern vorkommen, vermute ich eher, daß diese Kombi sie anzieht: Schnitzel oder Weißwurst, Bier und Jodeln ist für den Wolpertinger überlebensnotwendig, man weiß nur noch nicht genau, in welcher Zusammensetzung.

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