Wandern auf dem Goldsteig: 6. Etappe

Wer schon immer mal wissen wollte, wie die Erdkruste entsteht: Bitteschön. Auch hier alles ein Kreislauf, dauert allerdings ein paar Milliarden Jahre, vermute ich, bis ein Gesteinsbrocken seine zweite Runde antritt.

Ich könnte natürlich mithelfen: Ich nehme einen Stein von hier mit und werfe ihn in der Eifel in einen der vielen, zur Zeit inaktiven, Vulkane. Wenn der dann doch mal ausbricht, zack! – schon ist der Brocken wieder Magma. Aber wieso sollte ich das tun? „Kalkstein ist ein kalkreiches Sedimentgestein“, steht da übrigens auf dem Schild, das letzte Wort ist ein Link, der sich aber gar nicht anklicken läßt, ich habe es probiert.

Sobald die Wolken aufreißen, ist es gleich wieder heiß und schwül, man hat das Gefühl, das Gehirn läuft einem aus.

Die besten Voraussetzungen für diese andauernde Indoktrination. Die kleine Feldkapelle ist eine Station auf dem Jakobsweb, steht auf Infotafeln. Aha. Der Jakobsweg scheint ein verschlungener Pfad zu sein, in Baden-Württemberg ist er mir ebenso begegnet wie in Südengland. Tatsächlich ist e so: Man kann jeden Weg so nennen, wenn man will, denn von überall her sind Jakobspilger nach Santiago da Compostella in Nordwestspanien gewandert. Der Jakobsweg ist also nicht ein bestimmter Pfad, sondern fächert sich auf, je weiter man sich vom Ziel entfernt, desto weiter. Und es macht sich touristisch einfach gut, wenn man einen Jakobsweg in der Nähe vorweisen kann.

Wir lassen uns nicht beirren, und versuchen, die Welt weiterhin vernünftig zu ergründen. Was will uns z.B. diese Mitteilung sagen? Unter dem Schild befindet sich ein bereits in fortgeschrittenem Zustand verrottender Haufen mit Grünschnitt – wir kombinieren messerscharf: Wild abgeladen. Die Botschaft hofft darauf, daß der Frevler nochmal zurückkommt und sich Gedanken darüber macht, ob die, die sich regelkonform verhalten bei der Entsorgung ihrer Bioabfälle, wohl alles Idioten sind – es schwingt die Meinung mit, daß das doch wohl eher nicht so ist, sondern der, der da diesen Haufen hingesetzt hat, der Blödmann ist und das auch einsehen soll.
Doch, ja – nicht unsubtil, wenn auch vermutlich vergebens.

Unser Etappenziel Oberviechtach hat tatsächlich mal einen belebten Ortskern mit Außengastronomie! Wir nutzen die Gunst der Stunde und bestellen sofort Kaffee und Kuchen. Unser Hotel liegt auch an diesem Platz, und als wir uns etwas später vorstellen, versucht die Wirtin uns sogleich suggestiv zum Essen zu überreden, wir hätten ja mit Mahlzeiten bestellt – „Nein, haben wir nicht“, antwortet meine Begleiterin – aber das macht doch nichts, Kindchen, ist doch nicht schlimm, wir hätten doch bestimmt Hunger und könnten essen, wann immer wir wollten! Die Stimmung sinkt um ein paar Grad, als meine Begleiterin sagt, wir wüßten noch nicht genau, wo wir essen …

… aber zwei Stunden später kann sie uns hier, im Café Eisenbarth sitzen sehen, wenn sie aus dem Fenster schaut. An dem Platz gibt es ein gutbürgerliches Restaurant(=unser Hotel), einen Italiener, ein Hamburger-Restaurant – und eben dieses Café mit Außentischen, in dessen Karte man Pizza und Pasta, verschiedene Hamburger und Schnitzel in vielen Variationen findet. Außerdem gibt es hier zum ersten Mal riesige großstadtwürdige frische Salatteller – zu Schleuderpreisen. Entsprechend groß ist der Andrang, viel junges Publikum.
Irgendwie gemein, für die Konkurrenz am Patz. Und wenn man ein großes Hotel hat, ist man wahrscheinlich darauf angewiesen, daß die Gäste im hauseigenen Restaurant speisen. Allerdings sollte man dann mehr mit der Zeit gehen.

Der bekannteste „Sohn“ der Stadt ist übrigens Doktor Eisenbarth, der reisende Handwerkschirurg aus dem 18. Jahrhundert, der tatsächlich nie einen Doktortitel hatte. Seine interessante Geschichte kann man bei Wikipedia nachlesen. Der Andenkenladen hat leider noch geschlossen, daher weiß ich nicht, ob es vielleicht Eisenbarthoperationsbesteck als Andenken zu kaufen gibt, aber im Schaufenster sehe ich eine Jodelmaschine – holleri du dödel di, da hat man was Eigenes!

Fortsetzung folgt!

11 Antworten zu “Wandern auf dem Goldsteig: 6. Etappe

  1. Irgendwie löst der Gedanke daran, in einer Gegend mit omnipräsenten Kruzifixen, Schnitzeln und schwülheißen Wanderwegen zu weilen eine Art Fluchtreflex aus. Und Dankbarkeit, dass nie jemand auf die Idee gekommen ist, in meiner Gegenwart eine Jodelmaschine auszuprobieren.
    Möge es so bleiben.

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    • Ich befürchte, meine Beschreibung wird dem Wanderweg nicht gerecht: Die Hauptsache kommt vielleicht ein wenig kurz in meiner Beschreibung, und das ist das gemeinsame stundenlange Wandern in der Natur. Der eigentliche Wanderweg ist – wenn man mal das andere wegläßt – großartig, man durchläuft viele verschiedene Landschaftstypen, wir quatschen die ganze Zeit oder blödeln herum oder schweigen und genießen die Naturgeräusche. Darüber zu bloggen wäre schnell langweilig, deshalb bekommen die Kreuze und was sonst noch so am Wegesrand liegt, vielleicht ein zu großes Gewicht. Tatsächlich registrieren wir das alles eher so nebenbei, wir sind sogar in jede Kirche hineingegangen, allein schon aus kunsthistorischem Interesse.

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  2. Aus ethnologischer Sicht finde ich die Reportage eurer Wanderung faszinierend und weiß gleichzeitig, dass ich diese Gegend niemals besuchen wollte. Als Fan deiner Fotoreportagen spüre ich unterschwellig einen Hauch von Bigotterie und geistiger Enge, ohne dass ich es genau festmachen könnte. Vermutlich hat es Kollegin lawendula auf den Punkt gebracht.

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    • Wie ich Lawendula gerade schrieb: Meine Beschreibung wird dem Wanderweg wahrscheinlich nicht gerecht. Die Landschaft ist wirklich großartig und bestimmte die meiste Zeit unseres Tages, aber das von Eintrag zu Eintrag zu erzählen wäre für Leser schnell langweilig. Die vielen Kreuze und Kirchen, das nimmt man zwar wahr und wundert sich, staunt auch, aber eigentlich spielt das keine große Rolle in unserem Tagesablauf. Es stimmt natürlich, diese leeren Dörfer und Städtchen haben etwas Beklemmendes, aber eigentlich nur, wenn ich mir vorstelle, ich müßte hier wohnen. Aber das ist das Schöne am Wandern: Sich nähern, durchlaufen, alles ansehen (und „wegfotografieren“) – und sich wieder entfernen. Abends sitzen wir dann gemütlich vor unserem Bier und amüsieren uns darüber, wie wohl die bayerische Ruhetagsregelung zustande kommt, und freuen uns auf den nächsten Tag, wenn es wieder weitergeht. Das Wichtigste, wenn man wandert, ist wahrscheinlich gar nicht die Umgebung – selbst, wenn sie mal nicht so schön ist, genug Neugier, ethnologisches Interesse, kann man immer aufbringen – sondern die Begleitung.

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  3. die frage warum so wenig bayern bei den wanderungen und in den kleinen städtchen zu sehen waren, kann ich dir beantworten: sie hatten keinen ausgang. 😉
    allerdings übernehme ich keine gewähr für die richtigkeit meiner antwort. *g*

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    • Und wie heißt die Anordnung? “ Wenn sich Saupreußn nähern, schnell die Flucht ergreifen und die Türen verbarrikadieren!“? Von Seehofer himself, oder vom Söder? (Ich weiß kaum, wer von beiden mir unsympathischer ist)

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      • von einer anordnung habe ich nix geschrieben, lieber freund.
        ein alter witz hat mich auf die ausgangssperre gebracht.
        er lautet wie folgt: hast du schon gehört, in nrw wurde eine neue psychiatrie eröffnet und bayern wurde jetzt auch überdacht. 😉

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          • nunja, denk mal an den fall polath. wer in bayern inner klapse landet kommt so schnell nicht mehr raus.
            wer weiß wieviele aus der bayrischen landesregierung eigentlich insassen einer besonderen klinik sind, die sich durch tricks freiheit verschafft haben. 😉

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